Bavory

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Bavory
Wappen von Bavory
Bavory (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 504 ha
Geographische Lage: 48° 50′ N, 16° 37′ O48.83305555555616.616666666667230Koordinaten: 48° 49′ 59″ N, 16° 37′ 0″ O
Höhe: 230 m n.m.
Einwohner: 403 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 692 01
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Petr Žluva (Stand: 2007)
Adresse: Bavory 9
692 01 Mikulov na Moravě
Gemeindenummer: 584304
Website: bavory.cz

Das Dorf Bavory (deutsch Pardorf) liegt in Südmähren, im Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg) in Tschechien. Im Dorf leben 403 Einwohner (Stand 1. Januar 2014). Das Dorf gehört zum Zweckverband Region Slovácko. Der Ort ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Norden Perná (Bergen) und Dolní Dunajovice (Untertannowitz), im Osten Klentnice (Klentnitz) und im Süden Mikulov (Nikolsburg)

Geschichte[Bearbeiten]

Ansicht von Pardorf

Die Anlage von Pardorf sowie die bairisch-österreichisch Ui-Mundart mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, welche bis 1945 gesprochen wurde, weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Das Dorf ist im Jahre 1249 erstmals beurkundet und in Besitz von Heinrichs I. von Liechtenstein.

Die Bedeutung des örtlichen Weinbaues unterstreicht eine bereits 1568 erlassene Bergrechtsordnung. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Besitzungen des Kardinal Dietrichstein mehrmals geplündert. Durch Kriege und die Pest verringerte sich die Einwohnerzahl des Ortes dramatisch. So kamen neue Siedler aus Bayern und aus Franken. Durch diesen Zuzug blühte das Dorf wieder auf. So wurden Wälder gerodet, Wasserleitungen gelegt, ein Ziegelofen errichtet und ein Dorfteich angelegt. Der bis ins 18. Jahrhundert unveränderte Dorfname Pairdorf beziehungsweise „Payrdorff“ änderte sich erst 1791 in „Bardorf“, aus dem seit 1850 „Pardorf“ wurde. Ab dem Jahre 1764 ist ein Lehrer im Ort nachweisbar. Unterrichtet wurde im Gemeindehaus und später im Gemeindepresshaus. 1828 baute man ein eigens Schulgebäude.

Matriken werden seit 1625 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. [3] Grundbücher werden seit 1760 geführt.

In den Revolutionskriegen musste Pardorf im Jahre 1805 hohe Kontributionen an die Franzosen bezahlen und im Jahre 1809 wurde der Ort von französischen Truppen geplündert. Bis zur Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 gehörte Pardorf immer zur Herrschaft Nikolsburg. Während des Deutsch-Österreichischen Krieges wurde der Ort von preußischen Truppen besetzt, die hohe Kosten verursachten. Die Hälfte dieser Kosten wurde später vom Staat beglichen. Die Bewohner des Ortes lebten von der Landwirtschaft, wobei der seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Rolle einnahm. Aufgrund des guten Bodens und Klimas konnten verschiedene Sorgen Wein angebaut werden. Daraus entstanden dann Weine wie der Grüne Veltliner, der Welschriesling, der Silvaner, der Grüne Portugieser, der Müller-Thurgau, der Blaufränkische und der Blaue Portugieser. Ebenso gab es ein florierendes Kleingewerbe und eine Sektkellerei im Ort.

Über Jahrhunderte hinweg, bis zum Schicksalsjahr 1945, wurde in Pardorf die ui-Mundart (bairisch-österreichisch) des bairischen Stammlandes mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern gesprochen. Auch das gelebte Brauchtum im Jahreskreislauf weist auf die über Österreich erfolgte Besiedlung des Ortes hin. Eine Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1885 gegründet.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain [4]sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Pardorf, deren Bewohner 1910 ausschließlich Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Während der Zwischenkriegszeit führten die hohe Arbeitslosigkeit unter der deutschen Bevölkerung, Maßnahmen wie die Bodenreform 1919, die Sprachenverordnung 1926, Neuansiedlungen sowie Neubesetzungen von Beamtenposten durch Personen tschechischer Nationalität zu vermehrten Spannungen innerhalb der Volksgruppen. [5] Als die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen [6] geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Pardorf mit 1.Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau .[7]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 22 Opfer im Ort gefordert hatte, kam der Ort am 8.Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Vor den einsetzenden Schikanen und Folterungen durch militante Tschechen und nationale Milizen flohen viele deutsche Bürger über die Grenze nach Österreich, oder wurden hinüber getrieben. Dabei kam es zu acht Toten bei den Deutschsüdmährern. [8] Das Beneš-Dekret 115/46 (Straflosstellungsgesetz) schützt vor einer juristischen Aufarbeitung der Geschehen. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den laufenden „wilden“ Vertreibungen der deutschen Bevölkerung nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der „deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. [9] Zwischen dem 15. März und dem 17.September 1946 wurden 267 deutsche Bürger von Pardorf nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. Sechs Personen verblieben im Ort. Laut Bericht von Francis E. Walter an das US-Repräsentantenhaus erfolgten diese Transporte zu keiner Zeit in „ordnungsgemäßer und humaner“ Weise. [10] [11] [12] Der Ort wurde wieder neu besiedelt. Laut dem Beneš-Dekret 108 vom 25.Oktober 1945 wurde das gesamte Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt.

Die in Österreich befindlichen Pardorfer wurden bis auf 48 Familien, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen[13] [14] des Potsdamer Abkommens, [15] nach Deutschland weiter transferiert. [16]

Wappen[Bearbeiten]

Seit dem Jahre 1583 ist ein Gemeindesiegel nachweisbar. Es zeigt ein zweigeteiltes Renaissanceschild, in dessen Hälften ein Boot und ein Rebmesser abgebildet sind. Ein gänzlich anderes Siegelbild aus dem 18. Jahrhundert beschreibt das Mährische Landesmuseum in Brünn: In einem Barockschild ragt zwischen zwei Schmuckranken ein Kirchturm empor.[17]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1793 466
1836 515
1869 472
1880 554 527 25 5
1890 532 518 14 0
1900 546 540 6 0
1910 532 532 0 0
1921 476 462 2 12
1930 451 423 15 13
1939 443
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A-Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Barocke Kirche der Hl. Katharina aus dem Jahr 1742, restauriert 1852,
  • Statuen des Hl. Nepomuk (1763) und des Hl. Florian (1905), an beiden wurde 1947 die Inschrift entfernt
  • Berg Stolová hora
  • Kriegerdenkmal (1920)

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Haupteinnahmequelle für die Ortschaft war seit ihren frühen Tagen der Weinbau. Der dort produzierte Weißwein wurde zunächst an die Gaststätten der Umgebung verkauft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Wenzel Gröll (* 2. August 1889 Pardorf; † 8. November 1969 Wien) Aquarellmaler und Radierer

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • An den drei Vortagen zu Christi Himmelfahrt ging man am ersten Tag über die Kapelle zum Friedhof, am Zweiten zu zwei Taferln im Umland und am Dritten zu einem Taferl und dann wieder zurück zu den Statuen des Hl. Florian und des Hl. Nepomuk.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Pardorf, S.290
  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Pardorf S.84
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., Pardorf : S.30; C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Pardorf , S.178f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 227 (Pardorf).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, Pardorf , S.157f, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 27. März 2011.
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  6. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  7. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, 2006,
  8. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S.216
  9. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei, 2007. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher E.V. ISBN 978-3-9810491-7-6
  10. Walter, Francis E. (1950): Expellees and Refugees of German ethnic Origin. Report of a Special Subcommittee of the Committee on the Judiciary, House of Representatives, HR 2nd Session, Report No. 1841, Washington, March 24, 1950.
  11. Archiv Mikulov: Odsun Nĕmců - transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946
  12.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 227.
  13. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  14. Brunnhilde Scheuringer: 30 Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, Verlag: Braumüller, 1983, ISBN 3-7003-0507-9
  15. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  16.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 227.
  17. Codex diplomaticus et episotlaris Moraviae /VI/438; Liechtenstein-Archiv Wien/Vaduz