Bayerisch Eisenstein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bayerisch Eisenstein
Bayerisch Eisenstein
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bayerisch Eisenstein hervorgehoben
49.1213.2724Koordinaten: 49° 7′ N, 13° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 724 m ü. NHN
Fläche: 47,34 km²
Einwohner: 986 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 21 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94252
Vorwahl: 09925
Kfz-Kennzeichen: REG
Gemeindeschlüssel: 09 2 76 115
Gemeindegliederung: 16 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Anton-Pech-Weg 2
94252 Bayer. Eisenstein
Webpräsenz: www.bayerisch-eisenstein.de
Bürgermeister: Georg Bauer (Freie Wähler)
Lage der Gemeinde Bayerisch Eisenstein im Landkreis Regen
Landkreis Cham Landkreis Straubing-Bogen Landkreis Deggendorf Landkreis Freyung-Grafenau Zwiesel Zachenberg Viechtach Teisnach Ruhmannsfelden Rinchnach Regen (Stadt) Prackenbach Patersdorf Lindberg Langdorf Kollnburg Kirchdorf im Wald Kirchberg im Wald Gotteszell Geiersthal Frauenau Drachselsried Böbrach Bodenmais Bischofsmais Bayerisch Eisenstein Arnbruck Achslach TschechienKarte
Über dieses Bild

Bayerisch Eisenstein (seit 1951; vorher: Eisenstein) ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Regen und staatlich anerkannter Luftkurort direkt an der Grenze zu Tschechien.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde im Bayerischen Wald befindet sich im dicht bewaldeten Tal des Großen Regens, dem „Eisensteiner Tal“ zwischen den Bergen Zwercheck, Spitzberg (Špičák) und Panzer (Pancíř) im Norden sowie dem Großen Arber im Westen und dem Falkenstein im Süden, Künisches Gebirge genannt. Auf tschechischer Seite liegt nur 3 km entfernt der Ort Železná Ruda (Markt Eisenstein). Das Tal umfasst außer Bayerisch Eisenstein das Gebiet der einstigen Gemeinden Markt Eisenstein und Špičák (Dorf Eisenstein). Heute gehört Bayerisch Eisenstein zu den Gemeinden am Nationalpark und bildet die nördlichste Gemeinde des Landkreises Regen und damit ganz Niederbayerns, die Ortschaft befindet sich etwa 15 km nördlich von Zwiesel und 26 km von der Kreisstadt Regen entfernt. Durch die Grenze zu Tschechien ist das Tal geteilt; bis zum Fall des „Eisernen Vorhangs“ war ein Übertritt nur mit Visum möglich.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Bayerisch Eisenstein hat 16 amtlich benannte Ortsteile:[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die nachweisbare Geschichte des „Eisensteiner Tals“ beginnt 1569, als unter böhmischer Oberhoheit von bayerischen Berg- und Hammerleuten ein Erzbergwerk mit Eisenhammer errichtet wurde, das aber nur bis 1577 betrieben wurde. Dem Abbau von Eisenerzen verdankt das ganze Gebiet seinen Namen. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die ersten Bauern aus den Freigerichten des Böhmerwaldes und des Bayerischen Waldes angesiedelt (siehe Künisches Gebirge). 1691 wurde auf dem Boden der späteren Ortschaft Markt Eisenstein die erste Glashütte gegründet und bald darauf ließen sich auch andere Handwerker nieder.

Bis zum Jahr 1764, als durch einen bayerisch-böhmischen Vertrag die Grenze zwischen den Kurfürstentum Bayern und Böhmen festgelegt wurde, war das gesamte Gebiet eine politische Einheit gewesen.

Eine wirtschaftliche Blüte erlebte das Gebiet beiderseits der Grenze im 18. Jahrhundert, als die Glasindustrie ihre höchste Vollendung erreichte.

Mühle am Regen bei Bayerisch Eisenstein (1880)

1835 konstituierte sich der bayerische Teil des Tales unter dem Namen „Eisenstein“ als königlich bayerische Landgemeinde. Mit dem Bahnbau und der Eröffnung der Eisenbahnlinie von Plattling nach Pilsen 1877 begann die eigentliche Entwicklung des Ortes zwischen dem älteren Neu-Waldhaus und dem Grenzbahnhof. Das großzügig konzipierte Bahnhofsgebäude steht zur einen Hälfte auf deutschem, zur anderen Hälfte auf tschechischem Gebiet. Der Grenzverlauf führt mitten durch das Gebäude. Tourismus und Holzindustrie brachten nach dem Niedergang der Glashütten neuen Aufschwung.

Am 21. Februar 1951 wurde der Gemeindename amtlich von Eisenstein in Bayerisch Eisenstein geändert.[3]

Bayerisch Eisenstein hat sich wegen seiner Abgeschiedenheit, der Nähe zum Großen Arber und des Schneereichtums zu einem beliebten Urlaubsort entwickelt. Bundespräsident Theodor Heuss verbrachte seinen Urlaub hier 1954.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1978 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Rabenstein (Ortsteil Regenhütte) eingegliedert.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 16. März 2014 ergab für den Gemeinderat in Bayerisch Eisenstein folgendes Ergebnis:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Georg Bauer (Freie Wähler), der 2014 auf Thomas Müller (Bündnis 90/Die Grünen, vormals CSU) folgte. Bei der Kommunalwahl 2014 gewann er mit einem Stimmenanteil von 62,6 % gegen den CSU-Kandidaten Josef Gabriel. [5]

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: „In Schwarz eine gesenkte, eingeschweifte silberne Spitze, darin eine aus dem Schildrand wachsende grüne Tanne, darüber rechts eine senkrechte goldene Hirschstange, links ein goldenes Kelchglas.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Localbahnmuseum

Seit 1994 existiert auf dem Gelände des Grenzbahnhofs das Localbahnmuseum, das die eisenbahngeschichtliche Erschließung Bayerns und der angrenzenden Bereiche Tschechiens und Österreichs in der Zeit von 1870 bis 1950 dokumentiert. Aus allen Epochen der bayerischen Lokalbahnen sind mehr als 20 historische Fahrzeuge ausgestellt. Anfang August finden jährlich Dampfzugfahrten zwischen Zwiesel und Bayerisch Eisenstein statt[6]

Sehenswert ist die Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk aus dem Jahre 1908.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Bayerisch Eisenstein

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Eisensteiner Tal sämtliche Verkehrsverbindungen zum tschechischen Nachbarn durch die Errichtung des Eisernen Vorhangs unterbrochen. Erst im Jahre 1969 wurde der Straßengrenzübergang Eisenstein-Landstraße wieder eröffnet und es gab einen bescheidenen Grenzverkehr, der jedoch nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ 1989 beträchtliche Ausmaße erreichte. Heute führt die Bundesstraße 11 von Deggendorf kommend bis an die Grenze, wo sie als Nationalstraße 27 weiter nach Pilsen führt; gemeinsam bilden sie die Europastraße 53.

Bahn[Bearbeiten]

1991 wurde dann auch die Bahnverbindung nach Tschechien wieder aufgenommen und der Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein konnte seine eigentliche Funktion wieder erfüllen. Nun ist die Eisenbahnstrecke von München über Bayerisch Eisenstein nach Pilsen und Prag wieder befahrbar. Seit Inkrafttreten des Sommerfahrplans 2006 verkehren erstmals nach dem Krieg durchgehende Züge der Waldbahn von Plattling bis zum tschechischen Bahnhof Špičák (Spitzberg) und zurück. Die Waldbahn verkehrt im zuverlässigen Stundentakt mit Zwiesel und der Kreisstadt Regen sowie darüber hinaus bis nach Plattling, vom Grenzbahnhof fahren ebenso Züge der tschechischen Eisenbahn in Richtung Klatovy und Plzeň ab.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Schwellhäusl mit dem hier zu einem Holztrift-Teich aufgestauten Schmalzbach

Daneben gibt es mehrere Buslinien, die Bayerisch Eisenstein mit der Umgebung verbinden, unter anderem eine Schnellbuslinie von Železná Ruda nach Passau.

Die Kommune ist Teil des Nationalparkverkehrskonzeptes Bayerischer Wald. Im Rahmen dessen ist sie mit dem GUTi-Ticket erreichbar.

Das Schwellhäusl, eine ehemalige Trifterklause im Wald bei Zwieslerwaldhaus, heute eine ganzjährig geöffnete Ausflugsgaststätte (November Ruhemonat).

Die 150 km lange Bayerwaldloipe beginnt nordöstlich von Bayerisch Eisenstein am Langlaufzentrum Lohberg/Scheiben.

Sport[Bearbeiten]

Der SV Bayerisch Eisenstein ist einer der größten und bedeutendsten deutschen Vereine im Biathlonsport. In der zugehörigen Hohenzollern-Skistadion wurden 2004, 2008 und 2011 die deutschen Meisterschaften im Sommerbiathlon ausgetragen, 2011 mit 1300 Teilnehmern. 1990, 1993 und 1997 war der Ort Austragungsort der Deutschen Winter-Meisterschaften im Biathlon.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Bernhard Schmidt (1890–1960), Lagerkommandant des KZ Lichtenburg und KZ Sachsenburg, starb hier

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Eisensteiner Tal. In: Volkskundlicher Arbeitskreis für den mittleren Böhmerwald (Hrsg.): Im Lande der künischen Freibauern – Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald (Landkreis Bergreichenstein und angrenzende Gebiete). Verlag Morsak, Grafenau 1979; ISBN 9783875531015; S. 806–825.
  • Franz Wudy: Dorf und Markt Eisenstein sowie Bayerisch Eisenstein. Eisensteinbuch. Selbstverlag, Lindberg 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerisch Eisenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bayerische Landesbibliothek Online
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 553.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 622.
  5. Georg Bauer siegt in Eisenstein Der Bayerwald-Bote, aufgerufen am 28. April 2014
  6. Bayerischer Localbahn Verein e.V.