Bayerische Tracht

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Paar in Tracht, München 2013

Als bayerische Tracht wird zuallererst wohl die oberbayerische Gebirgstracht verstanden, mit der Lederhose für den Mann (im bayerischen Idiom: Buam) und dem Dirndlgwand für die Frau (das Madl). Diese Gebirgstracht wurde durch Trachtenvereine und durch Arbeitsmigration auch in Regionen außerhalb der Berge heimisch. Heute kann man sechs Typen von Gebirgstrachten unterscheiden:

Allerdings ist die Gebirgstracht nicht im engeren Sinn die "bayerische Tracht", die es als solche einheitlich gar nicht gibt. Vielmehr gibt es unzählige Varianten der Tracht, die sich nicht nur in den Landesteilen Altbayern, Franken und Schwaben unterscheiden. Auch örtlich haben sich im Lauf der Zeit und der Moden verschiedenste Trachten herausgebildet.

In den letzten Jahrzehnten wurde in vielen Gegenden Bayerns nicht nur die oberbayerische Gebirgstracht gepflegt, sondern auch versucht, lokale Trachten und Eigenheiten am Leben zu erhalten (Alttracht) bzw. wieder zu beleben (erneuerte Tracht) oder historische Traditionen in Erinnerung zu rufen (Historische Tracht). Eine der wohl kostbarsten und bekanntesten lokalen Trachten ist die Dachauer Tracht, die aber in trachtenpflegerischem Sinne nie ähnlich weit ausstrahlen konnte.

Zur Erforschung und zur Beratung der meist ehrenamtlichen Initiativen wurden z.B. die Trachtenforschungs- und beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken 1986 in Schwabach oder das Trachteninformationszentrum des Bezirks Oberbayern in Benediktbeuern eingerichtet.

Nicht zu vergessen ist auch die Trachtenpflege der Heimatvertriebenen.

Geschichte[Bearbeiten]

Foto der "Gesellschaft Gemüthlichkeit von 1859"
(Ältestes bekanntes Foto einer Trachtengesellschaft von 1862)
Miesbacher Gebirgstracht der Frauen
Miesbacher Gebirgstracht der Männer

Ursprünglich verstand man unter Tracht ganz allgemein das "Tragen" von Kleidung oder die "getragene" Kleidung selbst. Die bäuerliche Tracht war ebenso wie die städtische Kleidung dem Wandel der Mode unterworfen. Die Geschichte der Tracht in Bayern ist nicht zu trennen von der Trachtenbewegung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es am bayerischen Hof, aber auch in Wien, zu einer regelrechten Trachtenbegeisterung. Von Joseph Hazzi aus Abensberg stammt die erste ausführliche Beschreibung der Trachten aus den verschiedenen Gerichten. Der Archivar der bayerischen Ständeversammlung Lipowsky brachte 1830 eine "Sammlung Bayerischer National-Costüme" heraus. Immer wieder versuchten auch staatliche Stellen, die Nationaltrachten zu erhalten. So am 1. Juni 1853 mit dem Schreiben des Präsidiums der kgl. Regierung von Oberbayern zur "Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten". Am 4. April 1859 kam es zur Anmeldung der "Gesellschaft Gemüthlichkeit" in Miesbach, dem Vorläufer des 1884 gegründeten Trachtenvereins Miesbach. Um 1883 setzte sich der Lehrer Josef Vogl in Bayrischzell ebenfalls für die Erhaltung der alten Trachten und des heimatlichen Brauchtums ein. Er gründete am 25. August 1883 zusammen mit anderen jungen Burschen den ersten "Gebirgstrachten-Erhaltungsverein". 1890 wurde auf Anregung von Thomas Bacher in Bad Feilnbach der Gauverband I als erste Dachorganisation der Trachtenvereine gegründet.

Einer der prominentesten Trachtenpfleger war Prinzregent Luitpold von Bayern, der Nachfolger von Ludwig II. Er war ebenso wie der österreichische Kaiser Franz Joseph I. bei der Jagd oft in der kurzen Lederhose (bei Kälte mit langer weißer Unterhose!) zu sehen.

Bereits im Jahr 1909 wurde der Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine gegründet.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg waren die Trachtenvereine weiter lebendig. Am 25. Oktober 1925 wurden die "Vereinigten Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes" (heute: Bayerischer Trachtenverband e.V.) im Hackerkeller in München gegründet. Er umfasste 10 Gründungsgauverbände zusammen mit 303 Vereinen und 19.135 Mitgliedern.

Kurz nach der Wiederzulassung der Trachtenvereine 1948 gab es 500 Trachtenvereine mit rund 45.000 Mitgliedern.

Im Jahr 2002 haben sich die beiden bayerischen Landes-Trachtenverbände durch Verschmelzungsvertrag vereinigt. Es sind zwischenzeitlich 23 Gauverbände im neu gegründeten Bayerischen Trachtenverband mit ca. 180.000 Mitgliedern zusammengeschlossen.

Trachten heute[Bearbeiten]

In den meisten Regierungsbezirken Bayerns wird im Alltag die Tracht nicht getragen. In Oberbayern wird Tracht jedoch häufiger getragen, selten auch im Alltag. Damen tragen Dirndl, bei Herren beobachtet man oft Kombinationen zwischen Lederhose und nicht trachtentypischen Kleidungsstücken (Turnschuhe, normales Hemd). Das Tragen von Turnschuhen zur Tracht wird als unpassend empfunden, jedoch häufig praktiziert. Bei Volksfesten, in den Vereinen, zu festlichen Gelegenheiten, Familienfeiern und Hochzeiten ist das Tragen von Tracht in ganz Altbayern üblich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uli Landsherr: Trachtler schee boarisch. Husumer Verlagsgesellschaft, Husum 2008, ISBN 978-3-89876-413-1.
  • Paul Ernst Rattelmüller: Bayerische Trachten. Verlag Riedler, Rosenheim 1955.
  • Vereinigte Bayerische Trachtenverbände (Hrsg.): Bayrisch Land, bayrisch Gwand. Chiemgau-Verlag, Traunstein 1976.
  • Simone Egger: Phänomen Wiesntracht. Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft. Dirndl und Lederhosen, München und das Oktoberfest. München 2008, ISBN 978-3-8316-0831-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerische Tracht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien