Bayerischer Rundfunk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
BR-Logo

 Landesrundfunkanstalt der ARD
Karte der einzelnen Landesrundfunkanstalten

BR-Hauptfunkhaus in München
Bayerischer Rundfunk, Standort München Freimann
Fernsehstudio Unterföhring

Der Bayerische Rundfunk (BR) ist die Landesrundfunkanstalt im Freistaat Bayern mit Sitz in München. Er ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland ARD und hat die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts.

Geschichte[Bearbeiten]

In seiner heutigen Rechtsform besteht der Bayerische Rundfunk offiziell seit dem 25. Januar 1949. An diesem Tag übergab der Direktor der US-Militärregierung in Bayern, Murray D. van Wagoner, die Lizenzurkunde an den BR-Intendanten Rudolf von Scholtz.[1] Vorgänger war die Deutsche Stunde in Bayern.[2]

1922: Deutsche Stunde in Bayern[Bearbeiten]

Am 18. September 1922 gründeten die Geschäftsleute Herman Klöpfer, Kommerzienrat Josef Böhm, Ernst Ludwig Voss und Robert Riemerschmid in München die Deutsche Stunde in Bayern Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH.[3] Am 21. November 1923 erteilte die Münchner Funkabteilung des Reichspostministeriums der Deutschen Stunde in Bayern die erste Sendekonzession.

Vier Monate später, am 30. März 1924, startete der Hörfunk mit der Ausstrahlung seiner ersten Sendung und läutete damit das Rundfunkzeitalter in Bayern ein. Gesendet wurde aus dem Verkehrsministerium an der Arnulfstraße. Die Übertragung erfolgte drahtlos in das Auditorium Maximum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Eröffnet wurde die Feier um 17 Uhr von Staatssekretär Georg Schätzel.[4] 327 Rundfunkteilnehmer hörten die Feierstunde.

Am 2. August 1924 nahm der Sender Nürnberg mit einer Sende-Leistung von 250 Watt im Postgebäude am Bahnhof seinen Betrieb auf, am 1. September 1927 der Sender Augsburg.

Der Sendeablauf in München ähnelte dem der anderen deutschen Sender. Zu Beginn waren es hauptsächlich Zeitansagen, Nachrichten, Wetterberichte, Börsen- und Wirtschaftsnachrichten und über weite Strecken hinweg Musik, die das Programm bestimmten. „München“ sendete auf „Welle 485“.[5] Die Einführung der Rundfunkgebühr erfolgte am 1. April 1924. Sie betrug monatlich zwei Reichsmark. Anfangs bestand das Wortprogramm neben den Nachrichten vor allem aus Rundfunkvorträgen. Hinzu kamen – mangels Aufnahmetechnik meist live – Hörspiele, Konzerte und Unterhaltungsabende. Zwei typische Sendungen, wie sie in Ankündungen vorkamen:

  • Sonntag, 5. Dezember 1926, 3.30 bis 4.00 Uhr nachmittags: Technische Plauderstunde. Moderne Kraftmaschinen und ihre Leistungen.
  • Donnerstag, 9. Dezember 1926, 6.30 bis 6.45 Uhr abends: Weißt du das? Zehn Minuten aus Welt und Wissen.[6]

Am 23. September 1926 übertrug die Deutsche Stunde in Bayern ihr Programm erstmals über den Deutschlandsender Königswusterhausen und von dort nach Amsterdam. Zwischen 1925 und 1930 wurde eine Schachsendung eingeführt, Opernübertragungen und Sportsendungen fanden statt, katholische und evangelische Sendungen wurden ins Programm genommen und die ersten Schulfunksendungen ausgestrahlt. Das von Richard Riemerschmid entworfene Funkhaus wurde 1929 fertiggestellt und bezogen. Es galt als das modernste Funkhaus in Deutschland.

1931: Bayerischer Rundfunk GmbH[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1931 wurde die "Deutsche Stunde in Bayern" gemäß Beschluss der Gesellschafterversammlung in „Bayerischer Rundfunk GmbH“ umbenannt. Am 11. Februar 1932 verkauften die privaten Gesellschafter ihre Anteile am Münchner Sender an die Reichspost und den bayerischen Staat. Von da an fand Zug um Zug sowohl organisatorisch als auch in der Programmgestaltung eine staatliche Zentralisierung des Rundfunks statt. Diese Rundfunkstruktur erleichterte es den Nationalsozialisten, den Sender ab 1933 gleichzuschalten und zum Propagandainstrument auszubauen.

1933: Reichssender München[Bearbeiten]

Historischer Sender Ismaning – KW-MW-LW – Lorenz 1938 100kW
Zeichnung historischer Sendeturm Ismaning aus Holz (1933–1983)

Im März 1933 besetzten die Nationalsozialisten das Funkhaus in München und hissten die Hakenkreuzfahne. Am 15. April 1933 holte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den ersten BR-Intendanten Kurt von Boeckmann zum Aufbau eines über Kurzwelle ins Ausland sendenden Propagandaprogramms nach Berlin. Von Boeckmann wurde der erste Intendant des Deutschen Kurzwellensenders mit weitreichenden Aufgaben, auch als Leiter der Auslandsabteilung in der Reichssendeleitung.

Im Jahre 1934 trat die Bayerische Rundfunk GmbH wie alle anderen Sender des Reichsgebiets im Rahmen der Nationalsozialistischen Gleichschaltung der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft bei. Der Reichssender München gehörte damit dem Großdeutschen Rundfunk an. Der Reichssender München wurde somit Teil des deutschen Einheitsrundfunks. Als Pausenzeichen fungierten von da ab die Gralsglocken aus dem „Parsifal“ von Richard Wagner. „Der Rundfunk ist das modernste Massenbeeinflussungsmittel.“ sagte Propagandaminister Joseph Goebbels im April 1933 im Münchner Funkhaus und wies so auf den neuen Kurs der Rundfunkpolitik.[7] Am 23. April 1933 verkündete der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, im Münchner Funkhaus den „neuen Kurs“ der nationalsozialistischen Rundfunkarbeit. Entscheidenden Anteil am Erfolg der Progaganda der Nationalsozialisten hatte die Verbreitung preisgünstiger Empfangsgeräte, der sogenannten Volksempfänger. Am 18. August 1933 kam der Volksempfänger VE 301 auf den Markt. Goebbels stellte ihn auf der Deutschen Rundfunkausstellung in Berlin als „Deutschen Kleinempfänger“ vor. Er kostete 35 Reichsmark. Damit wurde für die neue nationalsozialistische Regierung ein Propagandainstrument und Mittel zur Gleichschaltung der Bevölkerung geschaffen. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde das Abhören von sogenannten Feindsendern unter Strafe gestellt. Ab Juni 1940 verlor der Reichssender München vollends seine eigene Programmhoheit. Er strahlte von nun an das Einheitsprogramm des Großdeutschen Rundfunks aus.[8] Am 29. April 1945 endete mit der Einstellung des Programmbetriebs des Reichssenders München die Entwicklung dieses Kapitels der Radio-Geschichte in Bayern, die am 30. März 1924 mit der ersten Sendung der Deutschen Stunde in Bayern G. m. b. H. begonnen hatte. Das historische Archiv des Bayerischen Rundfunks hat in einer anschaulichen Übersicht mittels der Sender-Organigramme diese Entwicklungsgeschichte detailliert dokumentiert. [9]

1945: Radio Munich – Radio München[Bearbeiten]

Im Nachkriegsdeutschland gründete die amerikanische Militärregierung den Sender Radio München. Am 12. Mai 1945 strahlte er seine erste Sendung aus. Radio München, wie die Radiowelle dann hieß, fungierte anfänglich, solange Papier und damit Zeitungen knapp waren, als Hauptnachrichtenquelle für die Bevölkerung. Die von den Nationalsozialisten verbotene Musik, insbesondere Jazz, wurde übertragen. Die Amerikaner legten großen Wert auf eine umfangreiche Berichterstattung von den Nürnberger Prozessen. Am 12. Mai 1945 begann Radio München als Sender der amerikanischen Militärregierung zu senden. „Chief of section“ wurde der Deutschlandexperte Field Horine. Gesendet wurde über den Ismaninger Großsender. Die erste Sendung von Radio München erfolgte aus dem notdürftig reparierten Funkhaus in der Stadtmitte. Am 8. September 1947 begann Radio München mit dem Ausstrahlen regelmäßiger Sendungen des Schulfunks.

Alois Johannes Lippl war Vorsitzender des Bayerischen Rundfunkrates. Am 25. Januar 1948 nahm er von der amerikanischen Militärregierung die Lizenzurkunde für den Bayerischen Rundfunk entgegen. In dieser Position blieb er bis 1950.

Ab 1949: Bayerischer Rundfunk als Anstalt des öffentlichen Rechts[Bearbeiten]

Am 25. Januar 1949 wurde Radio München in deutsche Hände übergeben und als Bayerischer Rundfunk eine Anstalt des öffentlichen Rechts für das Bundesland Bayern lizenziert. Grundlage hierfür war das am 1. Oktober 1948 in Kraft getretene Rundfunkgesetz mit seinen drei Organen Intendant, Rundfunkrat und Verwaltungsrat. 1949 sendete der BR sein Programm erstmals über UKW.[10] Es war der erste UKW-Sender Europas. Der Vorteil: Die Hör- und Empfangsqualität verbesserte sich gegenüber der Mittelwelle enorm. Seit 1950 bot der Bayerische Rundfunk über UKW ein zweites Hörfunkprogramm an.[11] Zwischen 1949 und 1952 wurden das Symphonieorchester des BR und das Münchner Rundfunkorchester gegründet und die ersten Werbefunksendungen nach dem Krieg ausgestrahlt. Der BR wurde Gründungsmitglied der ARD, die am 5. August 1950 in München gegründet wurde.

Struktur und Organisation[Bearbeiten]

Die BR-Geschäftsleitung, die Verwaltung, der Hörfunk und die Sendergremien haben ihren Sitz am Rundfunkplatz in der Münchner Innenstadt. Das Bayerische Fernsehen ist im Norden von München, in Freimann ansässig.

Gesetzliche Grundlagen[Bearbeiten]

Gesetzliche Grundlage des Bayerischen Rundfunks ist das Bayerische Rundfunkgesetz,[12] das gemäß der verfassungsrechtlichen Vorgaben, nach denen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten der Allgemeinheit verpflichtet sind, dem BR die Unabhängigkeit vom Staat sowie von privaten Interessengruppen garantiert. Als öffentliche Rundfunkanstalt hat der BR das Recht der Selbstverwaltung, was bedeutet, dass die staatliche Aufsicht auf eine beschränkte Rechtsaufsicht begrenzt ist. Innerhalb des BR sind die Kompetenzen auf drei verschiedene Organe verteilt, dem Intendanten, dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat. Der Intendant leitet den BR selbstständig, trägt die Verantwortung für die Programmgestaltung und für den gesamten Betrieb der Anstalt und hat dafür zu sorgen, dass das Programm den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Aufgabe des Rundfunkrat ist es, die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten. Der Rundfunkrat hat laut Rundfunkgesetz im Zusammenwirken mit den anderen Anstaltsorganen Intendant und Verwaltungsrat sicherzustellen, dass der BR seine Aufgaben im Rahmen der Gesetze erfüllt. Dementsprechend berät er den Intendanten bei allen Rundfunkfragen, insbesondere bei der Gestaltung des Programms. Dem Verwaltungsrat obliegt es, die Geschäftsführung des Intendanten zu überwachen. Ausgenommen hiervon sind Entscheidungen im Rahmen der Programmgestaltung.

Finanzen, Rundfunkbeitrag[Bearbeiten]

Der Bayerische Rundfunk finanzierte sich 2012 zu 83,5 Prozent aus Gebühren, zu 12,6 Prozent aus sonstigen Einnahmen (andere Kostenerstattungen, Betriebserträge, Beteiligungen, Wertpapiere, Zinserträge, Bestandsveränderungen) und zu 2,1 Prozent aus Werbung.[13] Laut der Rundfunkbeitragsabrechnung 2013 beliefen sich für alle öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten die monetären Ergebnisse des Beitragseinzugs durch den Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio auf 7.681.218.209,65 Euro aus. Sie lagen damit um 188.697.703,68 Euro über dem Ergebnis von 2012. Der Wechsel vom gerätebezogenen Finanzierungsmodell auf den geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag führte zu dieser Erhöhung der Gesamterträge. Enthalten in dieser Summe sind die Rundfunkbeitragsanteile für die Landesmedienanstalten. Auf den Bayerischen Rundfunk entfielen aus dieser Summe 917.726.071,63 Euro.[14]Laut BR-Geschäftsbericht 2013[15] beliefen sich 2013 die Erträge des Bayerischen Rundfunks aus Rundfunkgebühren auf 888.800.000 Euro, sie lagen damit um 10.300.00 Euro über den Einnahmen aus Rundfunkgebühren im Jahre 2012. Insgesamt lagen die Erträge des BR 2013 bei 1.037.000.000 Euro. 60 Prozent der Rundfunkgebühren fließen nach BR-Angaben in die Fernsehprogramme, 28 Prozent in die Hörfunkprogramme, acht Prozent in die Technik und vier Prozent in die Verwaltung.

Mitarbeiter[Bearbeiten]

2013 beschäftigte der Bayerische Rundfunk im Durchschnitt 3.360 festangestellte Mitarbeiter einschließlich befristeter Verträge – ausgenommen Auszubildende und Volontäre. Laut Geschäftsbericht 2013[16] waren in dem Jahr insgesamt 3213 Stellen ausgewiesen, bestehend aus 3064 Planstellen und 149 Stellen außerhalb des Stellenplans für nicht dauerhafte Aufgaben, wie z.B. längerfristige Projekte. Unverändert blieb 2013 die prozentuale Zuordnung der Mitarbeiter zu den verschiedenen Unternehmensebenen im Vergleich zu 2012. 21 % der festangestellten Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunk arbeiteten laut Geschäftsbericht 2013 in der Administration, bestehend aus Intendanz, juristischer Direktion und Verwaltung. Der Anteil des Fernsehens im Stellenplan des Bayerischen Rundfunk lag 2013 unverändert zu 2012 bei 13 Prozent, der des Hörfunks bei 22 %. Die meisten Planstellen verzeichnet nach wie vor der Bereich Produktion und Technik mit 1343 Mitarbeitern, was einem Anteil von 44 % entspricht. Im Juli 2012 arbeiteten außerdem 1577 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit 12a-Status (sogenannte arbeitnehmerähnliche Mitarbeiter) für den BR.[17] Der Geschäftsbericht 2013 gibt keine Auskunft über die Anzahl der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 2013.

Werbung, Produkt- und Themenplatzierung, Sponsoring[Bearbeiten]

Im Bayerischen Fernsehen darf – wie in allen dritten Fernsehprogrammen sowie den Programmen Arte, 3Sat, KiKA, Phoenix und ARD-alpha – keine Fernsehwerbung stattfinden. Sendungs-Sponsoring gilt in diesem Zusammenhang nicht als Werbung und ist in eingeschränktem Umfang zulässig. Der BR war in der Vergangenheit in mehrere Fälle von Schleichwerbung und Productplacement verwickelt. Am bekanntesten ist der Fall Marienhof. In der Vorabendserie „Marienhof“ und in der Serie „In aller Freundschaft“ gab es zwischen Januar 2002 und Mai 2005 Schleichwerbung im Wert von 1,476 Millionen Euro.[18] Sponsoring und Placement unterliegen gesetzlichen Regelungen: Im TV-Bereich untersagt der Rundfunkstaatsvertrag unter § 7 Absatz 7 Schleichwerbung, Produkt- und Themenplatzierung. Allerdings gibt es Ausnahmen für Produktplatzierungen. Auf europäischer Ebene untersagen zudem noch die „Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments und des Rates“ und das „Europäische Übereinkommen über das grenzüberschreitende Fernsehen“ Schleichwerbung und grenzen sie von Produktplatzierung ab. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt weiterhin ein Verbot bezahlter Produktplatzierung, ausgenommen Fremdproduktionen. Sogenannte Produktionshilfen sind hingegen im öffentlich-rechtlichen wie privaten Fernsehen zulässig. Einen Überblick über die aktuellen Regelungen bietet ein Aufsatz des Instituts für Public Relations Dresden Ilmenau.[19]

Programmentwicklung[Bearbeiten]

Hörfunk[Bearbeiten]

Bis 1950 sendete der BR nur ein einziges Hörfunkprogramm, das spätere Bayern 1. Im gleichen Jahr startete der Sender mit seinem zweiten Hörfunkprogramm BR 2 bzw. Bayern 2. 1954 kann erstmals aus den neuen Studios in München-Freimann Fernsehen in Bayern gesendet und empfangen werden. Der Bayerische Rundfunk liefert Beiträge zum ARD-Gemeinschaftsprogramm und startet im November 1954 mit der "Münchner Abendschau" die erste Regionalsendung.[20]

Im Jahre 1958 übernahm der Journalist Wilhelm Sandfuchs die Abteilung Kirchenfunk des BR. Er baute ihn bis zu seiner Pensionierung 1978 immer weiter aus. Unter seiner Leitung übernahm der BR für die gesamte ARD die Berichterstattung aus dem Vatikan und über die Päpste in Rom.

1960 sendete der BR erstmals Regionalprogramme im Hörfunk für Franken, Altbayern und Schwaben. Die Regionalprogramme wurden 1973 (für Ostbayern) und 1977 (für Mainfranken) erweitert. Am 1. November 1964 startete das 3. Hörfunkprogramm Bayern 3, zunächst als Gastarbeiterprogramm, das ab 1. April 1971 jedoch zur Service- und Popwelle ausgebaut wurde.[21]

1980 startete das 4. Hörfunkprogramm Bayern 4 Klassik, das später zum Vollprogramm ausgebaut wurde. In allen vier Hörfunkprogrammen wurde 1989 das Radio Data System (RDS) eingeführt.

Als letztes UKW-Hörfunkprogramm startete am 6. Mai 1991 das Nachrichtenprogramm B5 aktuell.

Seit 1. Juli 1998 werden die Hörfunkprogramme Bayern 1, BR-Klassik, Bayern 3 und B5 aktuell sowie das neue Digitalprogramm Bayern mobil über DAB im Regelbetrieb ausgestrahlt. 2003 wurde die DAB-Abstrahlung von Bayern 2 und Bayern 3 zugunsten der neuen Angebote Das Modul, BR Traffic News, BR Info und BR Business vorerst eingestellt. 2005 wurden BR Info und BR Business wieder eingestellt. Dafür wurde Bayern 2 wieder aufgeschaltet. Das bislang unmoderierte Programm Bayern mobil wurde 2008 durch die Schlager- und Volksmusikwelle Bayern plus abgelöst.

Am 8. Oktober 2007 startete der Jugendsender Bavarian Open Radio mit einer Verbreitung über die vier Mittelwellensender des BR, über den DAB-Kanal „Das Modul“ sowie über Internet-Streaming. Am 5. Mai 2008 wurde er in on3radio umbenannt (Schreibweise ab März 2009: on3-radio). Seit 15. Mai 2013 hat Puls die bereits bekannten Übertragungswege von on3-radio übernommen.

Hörfunkprogramme

  • Bayern 1 – Erfolgreichstes Programm des BR mit Musik, geprägt von Hits der 70er- und 80er-Jahre und Nachrichten aus den Regionen Bayerns
  • Bayern 2 – Kultur- und Informationsprogramm
  • Bayern 3 – Pop- und Servicewelle
  • BR-Klassik – Klassikprogramm
  • B5 aktuell – Informationsradio

Über DAB, DVB-S und über Streaming ausgestrahlt werden:

  • Bayern plus – Digitalradioangebot mit deutschsprachiger Musik und traditioneller Volksmusik
  • Puls – Junges Programm
  • Bayern 2+ – entspricht weitgehend Bayern 2
  • B5 plus – Ereigniskanal von B5 aktuell (liegen keine Ereignisse vor, läuft hier B5 aktuell)
  • BR Verkehr – sendet Verkehrsinfos und -meldungen

Zuschauerakzeptanz BR-Hörfunk

Die Zuhörerakzeptanz der Radioprogramme wird in Deutschland bundesweit regelmäßig von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e. V. (agma) in der Media-Analyse Radio (ma Radio) erhoben.[22] Mit seinen insgesamt fünf UKW-Hörfunkprogrammen erreicht der Bayerische Rundfunk nach der Media-Analyse 2014 mehr als sechs Millionen Hörer. Demnach beträgt die Reichweite des BR-Hörfunks 46,6 Prozent. Das sind 5,26 Millionen Hörer in Bayern. Insgesamt wird in Bayern im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet in zweierlei Hinsicht überdurchschnittlich viel Radio gehört: 1.) Der Anteil der täglichen Radiohörer in Bayern liegt mit 83,0 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 79,7 %. 2.) Die tägliche Hördauer beträgt in Bayern 214 Minuten, bundesweit beträgt sie 194 Minuten. Einbezogen in diese Gesamterhebung sind alle privaten und öffentlichen Hörfunkprogramme in Deutschland.[23]

Die fünf BR-Hörfunkprogramme weisen folgende Quoten aus: Bei Bayern 1 verweilen die Zuhörer am längsten. Mit 2,92 Millionen Hörern und einem Marktanteil von 24,5 % ist Bayern 1 das meistgehörte Programm des Bayerischen Rundfunks. Bei 226 Minuten liegt die durchschnittliche Verweildauer der Hörer im Programm von Bayern 1. Bayern 3 wird täglich von 2,65 Millionen Menschen gehört und weist eine Reichweite von 20,2 Prozent auf. 10 Prozent der Bayern hören täglich mindestens eins der BR-Kultur- und Informationsprogramme. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 8,7 Prozent. So schalten Bayern 2 täglich bundesweit 520.000 Hörer ein. Die Reichweite in Bayern liegt bei 4,1 Prozent. BR-KLASSIK verfolgen täglich 230.000 Hörer in Deutschland bei 1,5 Prozent Reichweite in Bayern. Mit B5 aktuell informieren sich 5,2 Prozent der Menschen im Freistaat. Bundesweit schalten täglich 670.000 Hörer B5 ein.

Bayerisches Fernsehen[Bearbeiten]

Logo des Bayerischen Fernsehens
BR-Logo HD

Am 22. September 1964 startete der BR als erste Anstalt der ARD mit der Ausstrahlung eines eigenen Dritten Fernsehprogramms, zunächst als „Studienprogramm“ vornehmlich mit der Ausstrahlung von Programmen der Telekolleg-Reihe befasst, später als Bayerisches Fernsehen, das seit 1978 ein Vollprogramm ist und mittlerweile auch über Satellit in nahezu ganz Europa zu empfangen ist.

Die am 1. Oktober 1979 eingeführte Rundschau wurde schrittweise zur Hauptnachrichtenformat des Senders ausgebaut und in den Jahren 1991 und 1996 um die Formate Rundschau-Magazin und Rundschau-Nacht erweitert. Damit ist der Bayerische Rundfunk neben dem MDR der einzige Sender der ARD, der die 20-Uhr-Tagesschau nicht in seinem Dritten Fernsehprogramm übernimmt. Allerdings strahlt der BR in seinem Spartenkanal ARD-alpha seit 29. Juni 2014 die Tagesschau zeitgleich zur ARD aus.

Am 1. September 1986 startete der regionale Videotext-Dienst des BR unter der Bezeichnung Bayerntext. Am 7. Januar 1998 begann der BR über Satellit seinen Fernsehbildungskanal BR-alpha auszustrahlen, der am 29. Juni 2014 in ARD-alpha umbenannt wurde.

Anfang Mai 2012 wurde mit dem Ende der analogen Satellitenverbreitung in Deutschland zusätzlich BR HD als Simulcast-HD Variante eingeführt.[24]

Zuschauerakzeptanz Fernsehen

Mit einem durchschnittlichen Marktanteil in seinem Sendegebiet von 7,3 % im Jahr 2013[25] liegt das Bayerische Fernsehen in der Zuschauerakzeptanz im Einschaltquotenvergleich mit den anderen dritten Programmen der ARD an vierter Stelle. 2011 waren die Zuschauer des Bayerischen Fernsehens im Mittel 64 Jahre alt.[26] Quotenvergleich mit anderen Dritten Programmen in der ARD siehe Bayerisches Fernsehen.

Internetangebot[Bearbeiten]

Der Bayerische Rundfunk präsentiert seit dem 16. Oktober 1995 ein Internetangebot. Es dient in erster Linie der Verbreitung von Zusatzinformationen zu den Hörfunk- und Fernsehsendungen. Im November 1995 begann der BR damit, den Nachrichtensender B5 aktuell zu streamen. Seit 1996 werden sogenannte Mehrwertdienste über die Homepage des Bayerischen Rundfunks angeboten. Im Rahmen des Projekts „CollegeR@dio“ können seither die Inhalte des Schulfunks im Internet aufgerufen werden. 1997 wurde die Onlinepräsenz des Senders grundlegend überarbeitet. Mittels Navigationselementen und zusätzlichen Informationsangeboten erhält der Zuhörer und Zuschauer zusätzliche Informationen zu den Programmen und Sendungen. Seither ist auch der der Bildungskanal ARD-alpha im Onlineangebot des Bayerischen Rundfunks abrufbar. Im Oktober 1998 erhielt die BR-Online-Seite eine komplette Runderneuerung, untergliedert in die acht Rubriken „Wissenschaft & Bildung“, „Politik & Aktuelles“, „Wirtschaft & Geld“, „Bayern & Regionen“, „Kultur & Gesellschaft“, „Freizeit & Sport“, „Spaß und Spannung“ und „Ratgeber & Service“.

Im Jahr 2000 wurde die Hauptabteilung Multimedia für das Onlineangebot verantwortlich. Leiter der inzwischen zur Hauptabteilung Multimedia Services und Programmverwaltung weiter entwickelten Abteilung ist Rainer Tief. Im Oktober 2002 fanden wiederum Änderungen der Themenrubriken statt, und zwar in die Themenbereiche „Bayern heute“, „Land & Leute“, „Sport & Freizeit“, „Kultur & Szene“, „Umwelt & Gesundheit“, „Wissen & Bildung“. Seit 2002 können die Zuschauer des Bayerischen Fernsehens die Teletextseiten, d. h. den Bayerntext, auch online rund um die Uhr abrufen. Ebenso ist seither das Podcasting in das Onlineangebot integriert.

Im März 2008 wurden die Inhalte besser gegliedert und die Multimedia-Angebote ausgebaut (MP3-Livestreams mit bis zu 128 kb/s). Auf jeder Unterseite von BR-Online kann seither auf die Seiten von Bayern 1, Bayern 2, Bayern 3, BR-Klassik, B5 aktuell, Puls, Bayerisches Fernsehen, BR-alpha, Bayerntext und die BR-Mediathek zugegriffen werden.

Am 27. Oktober 2011 wurde das Internetangebot erneut überarbeitet. Auffälligste Änderung war die Verkürzung der URL von br-online.de zu br.de. Auch das Design änderte sich erneut. So entfiel die Navigationsleiste komplett; die Themenfelder werden durch große Fliesen symbolisiert. Die Bildschirmauflösung ist seither an die Breitbildmonitore angepasst. Ebenfalls erneuert wurde die Kommentarfunktion, die zunächst nur an ausgewählten Stellen auf der Homepage nutzbar war. [27] Aktuell präsentiert der BR seine multimedialen Inhalte auf BR-Online in fünf Themenbereichen: BR-Sport, Ratgeber, Bayern, Wissen im BR, Kultur im BR. [28]

Der BR ist in seinem Internetangebot an europäische Rechtsgrundlagen gebunden. Ursprünglich war hierfür der Mediendienste-Staatsvertrag, der 2007 außer Kraft trat, maßgebend. Nachfolgeregelungen auf Landesebene finden sich im Rundfunkstaatsvertrag. Soweit der MDStV Doppelregelungen zum TDG enthielt, finden sich die Nachfolgeregelungen jetzt ausschließlich auf Bundesebene im Telemediengesetz.

BR-Klangkörper[Bearbeiten]

Der Bayerische Rundfunk verfügt über drei eigene Klangkörper:

Die Programminhalte der drei Klangkörper werden trimedial in Hörfunk, Fernsehen und im Internetangebot des Bayerischen Rundfunks präsentiert. Darüber hinaus vermarktet der BR über sein Tochterunternehmen BRmedia Service GmbH zahlreiche Produktionen der Klangkörper via CD und DVD.

Trimediale Zukunft[Bearbeiten]

Im Mai 2014 hat der Bayerische Rundfunk mit der Informationsdirektion auf der Programmebene eine dritte Säule installiert.[29] In ihr sind aktuelle Redaktionen aus Hörfunk, Fernsehen und Online zusammengefasst. Zum Leiter der Informationsdirektion wurde Thomas Hinrichs bestellt und vom Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks bestätigt. Er ist verantwortlich für den Programmbereich 'B5-aktuell – Politik und Wirtschaft', den Programmbereich ‚Politik‘ und den Programmbereich 'Sport und Freizeit'. Auch die Redaktion Telemedien ist ihm zugeordnet. Der Informationsdirektor ist auch für das geplante multimediale Aktualitätenzentrum in Freimann verantwortlich, das im Zuge der trimedialen BR-Reform errichtet werden soll. Mit der neuen Informationsdirektion bündelt der Bayerische Rundfunk Programmbereiche aus Hörfunk, Fernsehen und Online-Angebot unter einem Dach – ein wichtiger Schritt hin zu der auch in anderen ARD-Anstalten angestrebten und teilweise bereits vollzogenen Trimedialität im öffentlich rechtlichen Rundfunksystem. Im Rahmen einer alle Programmebenen des Bayerischen Rundfunks umfassenden Reform sollen Fachredaktionen aus Hörfunk, Fernsehen und Online schrittweise zusammengeführt werden. Der Bayerische Rundfunk versteht sich nach eigenen Angaben nicht mehr als reiner Hörfunk- und Fernsehsender, sondern als Anbieter von Audio- und Videoinhalten, die auf allen Wegen verbreitet werden[30]. Entschieden wurde auch die Verlegung von Programmredaktionen nach Freimann. Am Fernseh-Standort Freimann soll das Gros der bisher auf die verschiedenen Münchner Standorte verteilten Fachredaktionen künftig arbeiten. Dort soll ein neues, trimediales Aktualitätenzentrum entstehen. Langfristig ist geplant, dass die Hörfunkwellen Bayern 1, Bayern 2, Bayern 3 und B5 aktuell ihren Standort in Freimann haben und von dort aus senden. Die Ausweitung der Unternehmensstruktur um einen neuen Bereich ist im Organigramm des Bayerischen Rundfunks dokumentiert.[31]

Studios und Ausstrahlung[Bearbeiten]

Studios[Bearbeiten]

Der BR präsentiert sich auf den Münchner Medientagen (2011)

Der BR unterhält ein Hauptfunkhaus in München (Geokoordinaten 48° 8′ 34″ N, 11° 33′ 13″ O48.14277777777811.553611111111Koordinaten: 48° 8′ 34″ N, 11° 33′ 13″ O), Fernsehstudios in Freimann und Unterföhring, das Studio Franken sowie das Regionalstudio Ostbayern in Regensburg und das Regionalstudio Mainfranken in Würzburg. In 20 Städten unterhält der BR Korrespondentenbüros. In Augsburg, Kempten und Traunstein sind mehrere Mitarbeiter tätig, in anderen Büros wie Bayreuth, Passau oder Rosenheim arbeitet jeweils ein Korrespondent. Zusätzlich betreibt der BR Auslandsstudios, z. B. in Rom (auch für Vatikanstadt), Wien, Tel Aviv, Istanbul oder Buenos Aires. Es gibt allerdings auch noch ein Studio in Berlin am Schiffbauerdamm (Fernsehen) und gegenüber im ARD-Hauptstadtstudio (Hörfunk).

Eigene Kanäle[Bearbeiten]

Gemeinschaftssender:

Kritik[Bearbeiten]

BR-Zentrale am Rundfunkplatz
Eingang des Fernsehstudios Unterföhring

Mangelnde Staatsferne[Bearbeiten]

Der Wechsel des früheren Regierungssprechers Ulrich Wilhelm an die Spitze des BR wurde in den Medien kritisiert. Am 6. Mai 2010 wurde Wilhelm mit 40 von 44 gültigen Stimmen zum Intendanten des BR gewählt. Er trat diesen Posten am 1. Februar 2011 an. Eine derart weitreichende Verflechtung von Politik und öffentlich rechtlichen Fernsehsendern wurde in den Medien mit der Situation Silvio Berlusconi in Italien verglichen.[32] Die im Grundgesetz geforderte Staatsferne des Senders werde dadurch „Lügen gestraft“.[33] Auch die Süddeutsche Zeitung kritisierte den Wechsel aus dem Staatsdienst an die Spitze einer öffentlich rechtlichen Anstalt: "Im Prinzip setzt der Wechsel vom Regierungssprecher zum Sender-Intendanten ein falsches Zeichen. Das Ding ist unmöglich. Es stärkt Vorbehalte gegen die Öffentlich-Rechtlichen, für die die Bürger monatlich mehr Geld zahlen müssen". schrieb Hans-Jürgen Jakobs in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Mai 2010.[34] Bernd Gäbler schreibt im Stern: "Die gezielte Platzierung des bisherigen Regierungssprechers in eine öffentlich-rechtliche Schlüsselposition, in der Ulrich Wilhelm später dann auch turnusmäßig Sprecher der ARD wird, ist und bleibt einzigartig und dreist".[35]

Parteilichkeit[Bearbeiten]

Am 24. Oktober 2002 hat die Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag das „Bayerische Fernsehen“ und speziell die Nachrichtensendung Rundschau im Hinblick auf den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2002 als zu CSU-nah kritisiert. Der gleichzeitig gestellte Antrag der Grünen „Für mehr Staatsfreiheit und Parteiferne der Gremien der Fernsehsender“ wurde mit 13 Ja-Stimmen, 125 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung abgelehnt.[36]

Hingegen gibt es im Bayerischen Fernsehen durchaus auch politikkritische Sendungen, z. B. quer.

Ausblendungen aus dem Gemeinschaftsprogramm[Bearbeiten]

Der BR hat sich in der Vergangenheit in ein paar Fällen aus dem Gemeinschaftsprogramm von Das Erste ausgeblendet, wenn ihm das dort gezeigte Programm zu heikel war.[37]

Als die ARD am 15. Januar 1973 den Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt im Ersten Deutschen Fernsehen ausstrahlte, klinkte sich der BR aus dem gemeinsamen Programm aus.[38] Ähnliches praktizierte er auch am 8. November 1977 bei der Ausstrahlung des Films Die Konsequenz. Eine Protestnote gegen diese Entscheidung wurde von über 3.800 Menschen unterzeichnet.[39] 1990 blendete sich der Bayerische Rundfunk bei einem der ersten schwulen Fernsehküsse in der Lindenstraße aus dem Gemeinschaftsprogramm aus,[40] ebenso bei der Ausstrahlung der Musiksendung Formel Eins im Jahre 1983, bei der das Video zum Ixi-Song Detlef gezeigt wurde.[41]

Am 22. Mai 1986 blendete sich der Bayerische Rundfunk für die Dauer der Ausstrahlung einer Folge der Kabarettsendung Scheibenwischer aus dem gemeinsamen Fernsehprogramm der ARD aus, nachdem sich Helmut Oeller, der Fernsehdirektor des BR, der an einigen Passagen des Manuskriptes Anstoß nahm, mit seiner Forderung nach Absetzung der Folge nicht hatte durchsetzen können.[42] Diese Maßnahme rief bundesweite Proteste hervor.[43]

Auch die Kindersendung Sesamstraße wurde vom Bayerischen Rundfunk zunächst nicht ausgestrahlt, weil dieser die soziale Situation in Deutschland in der Sendung nicht korrekt dargestellt sah.[44] Die Sendung wurde daher von 1973 an zunächst nur in den Dritten Programmen der anderen ARD-Anstalten ausgestrahlt, während der Bayerische Rundfunk die Eigenproduktion Das feuerrote Spielmobil sendete.

Zensur im Radioprogramm[Bearbeiten]

Aufgrund des Textabschnitts „Als die kleine Jane grade 18 war, führte sie der Jim in die Dancing Bar, doch am nächsten Tag fragte die Mama, Kind, warum warst Du erst heut morgen da?“ wurde der Schlager Schuld war nur der Bossa Nova (Platz 1 der deutschen Single-Charts in der 30. Woche 1963) der Sängerin Manuela auf den Index des Bayerischen Rundfunks gesetzt.[45] Im Jahr 1988 geschah dies mit dem Lied Gehet hin und vermehret euch von Udo Jürgens, in dem die Empfängnisverhütung thematisiert und die Haltung der Katholischen Kirche kritisiert wird.[46]

Konflikt um Jugendradio und BR Klassik[Bearbeiten]

Bei privaten Radiosendern stießen die Pläne des Bayerischen Rundfunks, ein eigenes Jugendradio zu installieren, auf Kritik. Sie befürchteten, dass ihnen der BR ihre Zielgruppe streitig machen will. Im Jahr 2006 gab es interne Überlegungen des BR, sein über DAB verbreitetes Programm „Das Modul“ über einzelne Stützfrequenzen lokal beschränkt auch über UKW zu verbreiten. Die privaten Rundfunkanbieter wiesen darauf hin, dass per Gesetz nur fünf in analoger Technik verbreitete Hörfunkprogramme des Bayerischen Rundfunks zulässig wären.[47]

„Privatfunk-Aufseher Wolf-Dieter Ring, Präsident der Medienanstalt BLM, [kritisierte] das BR-Vorhaben […]. Er war nach eigenen Angaben bisher von einer rein digitalen Jugendwelle ausgegangen. Vorlagen des BR gingen aber von ‚Hörfenstern‘ via UKW aus. Sollten UKW-Frequenzen in Ballungsräumen genutzt werden, sei schnell eine analoge technische Reichweite von 40 Prozent erreicht. Dann können wir von einem sechsten BR-Programm sprechen. Rechtlich zulässig sind aber nur fünf Radioprogramme’, warnte Ring.“[48]

Das ursprüngliche Vorhaben wurde nicht umgesetzt. Stattdessen soll im Zuge eines umstrittenen Wellentausches das Jugendradio Puls auf die bisherige UKW-Frequenz von BR-Klassik verlegt werden.

Anfang 2014 wurde in diesem Zusammenhang Kritik an der von BR-Intendant Ulrich Wilhelm angekündigten Beendigung der Ausstrahlung von BR-Klassik (Bayern 4 Klassik) über UKW geübt. Im BR wurde darüber diskutiert, die UKW-Ausstrahlung zu Gunsten des Jugendradios Puls Anfang 2016 einzustellen. Der Bayerische Musikrat initiierte daraufhin eine Online-Petition zur Beibehaltung der UKW-Ausstrahlung.[49][50]

Dem Vorschlag von BR-Intendant Ulrich Wilhelm, BR-Klassik ab 2018 von UKW auf DAB+ zu verlegen, hat der BR-Rundfunkrat am 10. Juli 2014 zugestimmt, allerdings mit dem Vorbehalt, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.[51] Kritik an der Entscheidung für einen Wechsel des Jugendradios Puls auf die bisherige UKW-Frequenz von BR Klassik, äußerten u. a. die Privatsender. Ein vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. (VPRT) in Auftrag gegebenes Gutachten [52] moniert, dass sich der BR von seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag zurückziehe, sollte er BR Klassik nicht mehr auf UKW senden. BR Klassik sei hierdurch „für den weitaus größten Teil der Hörer des BR in seinem Versorgungsgebiet terrestrisch nicht mehr empfangbar“.[53] Strittig ist auch, ob der Frequenztausch rechtlich zulässig ist. Der BR beruft sich auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten,[54] wohingegen Christoph Degenhart den Plan bzw. Beschluss des BR in einem Rechtsgutachten als Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag und gegen den Grundversorgungsauftrag des Bayerischen Rundfunks wertet.[55] Detailliertes hierzu im Artikel BR-Klassik.

Ausrichtung auf Altbayern[Bearbeiten]

Dem Bayerischen Rundfunk wird vorgeworfen, einseitig auf Altbayern ausgerichtet zu sein. Die übrigen Landesteile tauchten nur im Regionalprogramm auf, so die Kritik. Als Beleg wird angeführt, dass nahezu alle Eigenproduktionen des Bayerischen Rundfunks in Altbayern – vor allem in Oberbayern – gedreht werden. Als einziger Fernsehsender hat der Bayerische Rundfunk beispielsweise alle Tatort-Produktionen seit Start der Serie im Jahr 1970 in einer Stadt angesiedelt, im Fall des BR in München. Auch die fränkischen und schwäbischen Regionen sowie Ostbayern werden nicht so stark ins Programm genommen wie die Region um München. Der BR hat auf die Kritik reagiert: Am 11. Oktober 2012 kündigte er an, einige Folgen der Fernsehreihe Tatort, für die der BR zuständig ist, in Franken zu drehen. Der „Franken-Tatort“ wird damit mit der über 40-jährigen Tradition der Münchener Tatorte brechen und im ersten Halbjahr 2015 auf Sendung gehen.[56] Darüber hinaus stärkte der BR das Studio Franken mit einem trimedialen Aktualitätenzentrum[57] und der Verlagerung seiner Digitalwelle Bayern Plus nach Nürnberg.

Sendeanlagen[Bearbeiten]

Sender Hoher Bogen
Sender Wendelstein
Sender Grünten
Sender Brotjacklriegel bei Deggendorf

An allen genannten Senderstandorten wird auch DAB+ abgestrahlt oder ist noch für 2014 geplant (Hof, Hohenpeißenberg).

Neben den aufgezählten Standorten gibt es weitere kleine Standorte (Füllsender) oder Standorte anderer Betreiber, die mitgenutzt werden (z.B. Pfarrkirchen, Burgsinn, Untersberg, Ludwigsstadt, Passau, Pfänder, Ulm, Pfronten, Burgberg-Halden, Mittenwald, Inntal, Tegernseer Tal, Reit-im-Winkel, Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, Eichstätt) mit teilweise unterschiedlichem Angebot bezüglich UKW, DAB+ oder TV.

Zur Versorgung des Senderstandorts Grünten besitzt der Bayerische Rundfunk die Seilbahn Grünten.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Seit 1993 gibt es die Benefizaktion Sternstunden e. V. des Bayerischen Rundfunks, die weltweit kranke, behinderte oder in Not geratene Kinder und Jugendliche unterstützt. Seitdem wurden 82 Millionen Euro für rund 1600 Projekte gespendet. Sternstunden zählt damit zu den erfolgreichsten Benefizaktionen Bayerns, ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für soziales Engagement 1999. 2007 wurde dafür auch der Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises an den Bayerischen Rundfunk vergeben.
  • Der BR war die letzte Landesrundfunkanstalt, die einen eigenen Jugendsender gestartet hat. Seit 5. Mai 2008 sendet on3radio (ehemals Bavarian Open Radio, Sendestart 8. Oktober 2007) mit drei Stunden Moderation am Tag als Internet-Livestream, über Satellitenradio und im Kabelnetz. Die Ausstrahlung über Mittelwelle wurde zum 10. Januar 2011 eingestellt. Bis zum Start von on3radio gab es für Kinder Radio Mikro und für junge Erwachsene den Zündfunk auf Bayern 2.
  • Das Pausenzeichen des BR war das Motiv des Volkslieds Solang der alte Peter. Die Melodie ist das akustische Markenzeichen des BR und taucht zum Beispiel immer noch im Verkehrs-Jingle von Bayern 3 auf. Die namensgebende Kirche Sankt Peter wurde im Krieg schwer beschädigt. Solange die Kirche noch nicht wieder aufgebaut war, ließ der BR immer den letzten Ton der Melodie weg. Erst am 28. Oktober 1951, als die Kirche vollständig wiederhergestellt war, spielte der BR das Pausenzeichen ganz. In der ursprünglichen Fassung besingt das Lied allerdings keine Münchner Kirche, sondern den Wiener Stephansdom.
  • Die BR ist Gründungsmitglied im MedienCampus Bayern, dem Dachverband für die Medienaus- und -weiterbildung in Bayern. Der ehemalige BR-Intendant Thomas Gruber sitzt im Vorstand des eingetragenen Vereins.
  • Als einzige Rundfunkanstalt in Deutschland besitzt der Bayerische Rundfunk eine Luftseilbahn, und zwar die Seilbahn auf dem Grünten zur Versorgung der dort befindlichen Sendeanlage.
  • Der BR ist ebenfalls die einzige ARD-Anstalt, in der es eine Bergsteiger-Redaktion gibt.
  • Die Tochtergesellschaft BRmedia ist für die Vermarktung der Werbezeiten in den Radioprogrammen des BR und im ARD-Vorabendprogramm zuständig.
  • Der Bayerische Rundfunk ist mit dem Freistaat Bayern, der Landeshauptstadt München und der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) Gesellschafter der Internationalen Münchner Filmwochen GmbH (Filmfest München, Internationales Festival der Filmhochschulen München).

Logos:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerischer Rundfunk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lizenzurkunde 25.Jan.1949abgerufen am 12. August 2014
  2. BR-Chronik: Der BR von 1922 bis heute, aufgerufen am 11. September 2014
  3. Gründungsurkunde vom 18. September 1922
  4. Plakat mit Veranstaltungsprogramm und (vermutlich nachgesprochene) Eröffnungsrede von Georg Schätzel vom 30. März1924
  5. Gemeint ist die Mittelwellenfrequenz mit 485 m Wellenlänge
  6. Zitiert aus Werag – Offizielles Organ der Westdeutschen Rundfunk AG Köln, Rufu-Verlag Köln, Ausgabe Nr. 1 vom 3. Dezember 1926
  7. Chronik des BR: Nationalsozialismus abgerufen am 12. August 2014
  8. Geschichte des Bayerischen Rundfunks abgerufen am 12. August 2014
  9. Radiogeschichte Organigramme aufgerufen am 11. September 2014
  10. Chronik des Bayerischen Rundfunks: Der Wiederaufbau - 1945 bis 1952, abgerufen am 11. September 2014
  11. Chronik der ARD, abgerufen am 11. September 2014
  12. Bayerisches Rundfunkgesetz, aufgerufen am 7. Oktober 2014
  13. BR in Zahlen: Die Finanzen des BR, abgerufen am 24. September 2014
  14. Beitragsservice Geschäftsbericht, aufgerufen am 15. September 2014
  15. Geschäftsbericht BR 2013, aufgerufen am 28. Oktober 2014
  16. BR-Geschäftsbericht 2013, aufgerufen am 26. Oktober 2014
  17. BR in Zahlen, 2012,BR-Homepage, aufgerufen am 3. September 2014
  18. FAZ:Schleichwerbung im Wert von 1,476 Millionen Euro
  19. Aufsatz über Placement-Regelungen
  20. Chronik des Bayerischen Rundfunks: Das Fernsehen kommt - 1953 bis 1969, abgerufen am 11. September 2014
  21. Hansjörg Biener: 40 Jahre Ausländersendungen in Deutschland. asamnet.de. 3. April 2010. Archiviert vom Original am 20. April 2010. Abgerufen am 14. Juli 2014.
  22. Media-Analyse Radio abgerufen am 4. August 2014
  23. BR-Medienforschung abgerufen am 4. August 2014
  24. BR-Unternehmen Simulcast-HD abgerufen am 12. August 2014
  25. Quoten Dritte ARD-Programme, abgerufen am 12. August 2014
  26.  Hans-Peter Siebenhaar: Das große Umschalten. In: Handelsblatt. Nr. 27, 7. Februar 2013, ISSN 0017-7296, S. 1.
  27. Radio und TV multimedial und interaktiv. Aufgerufen am 14. September 2014.
  28. Die 5 Themenbereiche. Aufgerufen am 14. September 2014
  29. Rundfunkrat beruft Informationsdirektor. Abgerufen am 12. Juli 2014
  30. BR-Homepage: Trimediale Reform. Abgerufen am 15. September 2014
  31. Informationsdirektion im BR-Organigramm. Abgerufen am 15. September 2014
  32. Die Medienkolumne zur BR-Intendantenwahl: Angela Berlusconis Statthalter in München. stern.de. 5. Mai 2010. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  33. Ulrich Wilhelm wird neuer BR-Intendant. focus.de. 6. Mai 2010. Abgerufen am 14. Juli 2014.
  34. Süddeutsche Zeitung: Ulrich Wilhelm - Merkels Mann für München, aufgerufen am 23. September 2014
  35. Stern: "Angela Berlusconis Statthalter in München", aufgerufen am 23. September 2014
  36. Auszüge aus Debatten (PDF; 781 kB)
  37.  Bayerns Abfall. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1973, S. 97 (online).
  38. Filmkritik von Cinema.de, abgerufen am 8. Oktober 2014
  39. 1977: Zensur. Abgerufen am 8. September 2014.
  40. Christian Deutschländer: Indendantenwahl: Machtwechsel beim BR. MERKUR ONLINE, 15. April 2010, abgerufen am 8. September 2010.
  41. Michael Tann: „Mach mir doch kein Knutschfleck – alles nur kein Knutschfleck“ – so klang es 1983 aus allen Radios, Interview mit Gaby Tiedemann, ichwillspass.de, etwa 1992
  42. Zeitdokument: Scheibenwischer vom 22. Mai 1986, BR-Mediathek
  43. Maulkorb für Hildebrandt. Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 22.05.2006
  44.  Bayerns Abfall. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1973, S. 97 (online).
  45. Das Kleid zum Hit bei swr.de vom 13. August 2013, abgerufen am 30. Oktober 2014
  46. Fragen an Udo Jürgens vom 14. März 1988 bei spiegel.de, abgerufen am 19. Oktober 2014
  47. § 19 Abs. 7 a. F. RfStV i. V. m. der von den Ländern erstellten Liste der zum Stichtag 1. April 2004 ausgestrahlten Hörfunkprogramme, die als Anlage zur amtlichen Begründung zum 8. Rundfunkänderungsstaatsvertrag enthalten ist; jetzt für den BR geregelt in Art. 2 Abs. 3 S. 2 BayRG
  48. Geplantes Radioprojekt könnte vom Start weg echte Konkurrenz für Lokalfunk sein. In: Der Kontakter. Hamburg 3. Juli 2006, S. 31. ISSN 0721-975X
  49. Online-Petition „BR-Klassik muss bleiben!“, abgerufen am 12. August 2014
  50. Pressemitteilung des Bayerischen Rundfunks „Informationen zum Thema BR-Klassik“, abgerufen am 12. April 2014
  51. radioszene.de: PULS bekommt UKW-Frequenzen von BR-Klassik 2018
  52. Radioszene: Vergleich der Gutachten von BR und von VPRT, abgerufen am 15. Juli 2014
  53. SZ-Online: Umstrittener Wellentausch abgerufen am 12. August 2014
  54. Radioszene: Rechtsgutachten von BR und von VPRT, abgerufen am 12. August 2014
  55. VPRT: Kein Automatismus für Frequenztausch,abgerufen am 15. Juli 2014
  56. BR-Blog: Franken-Tatort, abgerufen am 18. September 2014
  57. Wir über uns: Trimedialer Neubau eingeweiht, abgerufen am 8. Oktober 2014