Bayerischer Rundfunk

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BR-Logo

 Landesrundfunkanstalt der ARD
Karte der einzelnen Landesrundfunkanstalten

BR-Hauptfunkhaus in München

Der Bayerische Rundfunk (BR) ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Er sendet als Landesrundfunkanstalt für den Freistaat Bayern mit Sitz in München Hörfunk und Fernsehen. Der BR ist Mitglied der ARD.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge 1922[Bearbeiten]

Am 12. September 1922 gründeten Robert Riemerschmid und andere in München die Deutsche Stunde in Bayern Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH, die am 30. März 1924 mit der Ausstrahlung ihrer ersten Sendung das Rundfunkzeitalter in Bayern einläutete. Am 2. August 1924 nahm der Nebensender Nürnberg seine Arbeit auf. Der Sendeablauf aus München ähnelte dem der wenigen anderen deutschen Sender. Musik und schöngeistige Lesungen dominierten das Programm. Allerdings gab es auch Rubriken für Technik und Wissenschaft, etwa

  • Sonntag, 5. Dezember 1926, 3.30 bis 4.00 Uhr nachmittags: Technische Plauderstunde. Moderne Kraftmaschinen und ihre Leistungen.
  • Donnerstag, 9. Dezember 1926, 6.30 bis 6.45 Uhr abends: Weißt du das? Zehn Minuten aus Welt und Wissen.[1]

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

„München“ sendete auf „Welle 485“.[2] Am 1. September 1927 nahm der Nebensender Augsburg seinen Betrieb auf. Am 15. Dezember 1930 wurde die Deutsche Stunde in Bayerische Rundfunk GmbH umbenannt. Am 15. April 1933 holte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den ersten Intendanten dieser Sender, Kurt von Boeckmann, zum Aufbau eines Propagandaprogramms über Kurzwelle von München nach Berlin. Von Boeckmann war damit der erste Intendant des Deutschen Kurzwellensenders mit weitreichenden Aufgaben, auch als Leiter der Auslandsabteilung in der Reichssendeleitung.

1934 trat die Bayerische Rundfunk GmbH, wie alle anderen Sender des Reichsgebiets, im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltung der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft bei. Der Reichssender München gehört damit dem Großdeutschen Rundfunk an. Am 10. Juli 1936 nahm der Nebensender Bayreuth die Arbeit auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Nachkriegsdeutschland gründete die US-amerikanische Besatzungsmacht 1945 den Sender Radio München, der am 12. Mai 1945 seine erste Sendung ausstrahlte.

Am 8. September 1947 begann Radio München mit dem Ausstrahlen regelmäßiger Sendungen des Schulfunks.

Alois Johannes Lippl war Präsident des Bayerischen Rundfunkrates, wobei er am 25. Januar 1948 von der amerikanischen Militärregierung die erstmalige Lizenz für den Bayerischen Rundfunk entgegennahm. In dieser Position blieb er, bis er 1957 an plötzlichem Herzinfarkt in seinem Haus in Gräfelfing verstarb.

Am 25. Januar 1949 wurde Radio München in deutsche Hände übergeben und als Bayerischer Rundfunk eine Anstalt des öffentlichen Rechts für das Bundesland Bayern. Im gleichen Jahr sendete der BR sein Programm erstmals über UKW. Es war der erste UKW-Sender Europas.

Im folgenden Jahr war der BR Gründungsmitglied der ARD, die am 5. August 1950 in München gegründet wurde. Bis dahin sendete der BR nur ein einziges Hörfunkprogramm, das spätere Bayern 1. Im gleichen Jahr startete der Sender mit seinem zweiten Hörfunkprogramm BR 2 bzw. Bayern 2, das bis 1957 aus Nürnberg sendete. 1954 sendete der BR erstmals ein eigenes Regionalprogramm für Bayern innerhalb des ARD-Programms.

Im Jahre 1958 übernahm der Journalist Wilhelm Sandfuchs die Abteilung Kirchenfunk des BR. Er baute ihn bis zu seiner Pensionierung 1978 immer weiter aus. Unter seiner Leitung übernahm der BR für die gesamte ARD die Berichterstattung über die Päpste in Rom.

1960 sendete der BR erstmals Regionalprogramme im Hörfunk für Franken, Altbayern und Schwaben. Die Regionalprogramme wurden 1973 (für Ostbayern) und 1977 (für Mainfranken) erweitert. Am 1. November 1964 startete das 3. Hörfunkprogramm Bayern 3, zunächst als Gastarbeiterprogramm, das ab 1. April 1971 jedoch zur Service- und Popwelle ausgebaut wurde.[3]

1980 startete das 4. Hörfunkprogramm Bayern 4 Klassik, das später zum Vollprogramm ausgebaut wurde. In allen vier Hörfunkprogrammen wurde 1989 das Radio-Daten-System (RDS) eingeführt.

Als letztes UKW-Hörfunkprogramm startete am 6. Mai 1991 das Nachrichtenprogramm B5 aktuell.

Seit 1. Juli 1998 werden die Hörfunkprogramme Bayern 2 Radio, Bayern 4 Klassik, Bayern 3 und B 5 aktuell über DAB im Regelbetrieb ausgestrahlt. 2003 wurde die DAB-Abstrahlung von Bayern 2 und Bayern 3 zugunsten der neuen Angebote Das Modul, BR Traffic News, BR Info und BR Business vorerst eingestellt. 2005 wurden BR Info und BR Business wieder eingestellt. Dafür wurde Bayern 2 wieder aufgeschaltet.

Am 8. Oktober 2007 startete der Jugendsender Bavarian Open Radio mit einer Verbreitung über die vier Mittelwellensender des BR, über den DAB-Kanal „Das Modul“ sowie über Internet-Streaming. Am 5. Mai 2008 wurde er in on3radio umbenannt (Schreibweise ab März 2009: on3-radio). Seit 15. Mai 2013 hat Puls die bereits bekannten Übertragungswege von on3-radio übernommen.

Bayerisches Fernsehen[Bearbeiten]

Am 22. September 1964 startete der BR als erste Anstalt der ARD mit der Ausstrahlung eines eigenen Dritten Fernsehprogramms, zunächst als „Studienprogramm“ vornehmlich mit der Ausstrahlung von Programmen der Telekolleg-Reihe befasst, später als Bayerisches Fernsehen, das seit 1978 ein Vollprogramm ist und mittlerweile auch über Satellit in nahezu ganz Europa zu empfangen ist.

Die am 1. Oktober 1979 eingeführte Rundschau wurde schrittweise zum Flaggschiff des Senders ausgebaut und in den Jahren 1991 und 1996 um die Formate Rundschau-Magazin und Rundschau-Nacht erweitert. Damit ist der Bayerische Rundfunk neben dem MDR der einzige Sender der ARD, der die 20-Uhr-Tagesschau nicht in seinem Dritten Fernsehprogramm übernimmt. Allerdings strahlt der BR in seinem Spartenkanal ARD-alpha seit 29. Juni 2014 die Tagesschau zeitgleich zur ARD aus.

Auf dem Unterträger des Bayerischen Fernsehens startete am 1. September 1986 der regionale Videotext-Dienst des BR unter der Bezeichnung Bayerntext.

Am 7. Januar 1998 startete der BR über Satellit seinen Fernsehbildungskanal BR-alpha, der am 29. Juni 2014 in ARD-alpha umbenannt wurde.

Anfang Mai 2012 wurde zusätzlich eine Simulcast-HD Variante eingeführt.[4]

Gesetzliche Grundlagen[Bearbeiten]

Als Anstalt des öffentlichen Rechts bedarf der Bayerische Rundfunk einer gesetzlichen Grundlage, in der Programmauftrag, Programmgrundsätze und interne Organisation festgelegt sind. Das Bayerische Rundfunkgesetz, das diese gesetzliche Grundlage bildet, gilt seit 1948. Zuletzt wurde es 1993 umfassend novelliert. Das Rundfunkgesetz wird ergänzt durch den Rundfunkstaatsvertrag, der das Verhältnis von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk im dualen Rundfunksystem regelt und grundlegende Bestimmungen vor allem zur Finanzierung enthält. Das Bayerische Rundfunkgesetz regelt zudem die Zusammensetzung des Rundfunkrats.

Der Bayerische Rundfunk finanziert sich zu 84 Prozent aus Gebühren, zu 13 Prozent aus sonstigen Einnahmen (z. B. Einnahmen aus Konzessionen, gewerblichen Schutzrechten etc., Einnahmen aus Sach- und Finanzanlagen) und zu 3 Prozent aus Werbung. Sein Anteil aus den Rundfunkgebühren betrug 2008 844,5 Mio. Euro. 60 Prozent der Rundfunkgebühren fließen in die Fernsehprogramme, 28 Prozent in die Hörfunkprogramme, acht Prozent in die Technik und vier Prozent in die Verwaltung.

Im Bayerischen Fernsehen darf - wie in allen dritten Fernsehprogrammen sowie den Programmen Arte, 3Sat, KiKA, Phoenix und ARD-alpha - keine Fernsehwerbung stattfinden. Sendungs-Sponsoring gilt in diesem Zusammenhang nicht als Werbung und ist daher auch außerhalb der Werbezeitbeschränkung zulässig.

Der BR ist an europäische Rechtsgrundlagen sowie den Mediendienste-Staatsvertrag gebunden, der Bestimmungen für das Online-Angebot des Bayerischen Rundfunks enthält.

Mitarbeiter[Bearbeiten]

2009 beschäftigte der Bayerische Rundfunk durchschnittlich 2930 Mitarbeiter sowie 159 Auszubildende. 2012 arbeiteten für den Sender 3350 Mitarbeiter sowie 1500 "feste freie".[5]

Studios[Bearbeiten]

Fernsehstudio Unterföhring
Eingang des Fernsehstudios Unterföhring
Standort München Freimann aus der Luft

Der BR unterhält ein Hauptfunkhaus in München (Geokoordinaten 48° 8′ 34″ N, 11° 33′ 13″ O48.14277777777811.553611111111Koordinaten: 48° 8′ 34″ N, 11° 33′ 13″ O), Fernsehstudios in Freimann und Unterföhring, das Studio Franken sowie das Regionalstudio Ostbayern in Regensburg und das Regionalstudio Mainfranken in Würzburg. In 20 Städten unterhält der BR Korrespondentenbüros. In Augsburg, Kempten und Traunstein sind mehrere Mitarbeiter tätig, in anderen Büros wie Bayreuth, Passau oder Rosenheim arbeitet jeweils ein Korrespondent. Zusätzlich betreibt der BR Auslandsstudios, z. B. in Rom (auch für Vatikanstadt), Wien, Tel Aviv, Istanbul oder Buenos Aires. Es gibt allerdings auch noch ein Studio in Berlin am Schiffbauerdamm (Fernsehen) und gegenüber im ARD-Hauptstadtstudio (Hörfunk).

Programme[Bearbeiten]

Der BR veranstaltet alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen Rundfunk- bzw. Fernsehanstalten derzeit folgende Fernseh- und Hörfunkprogramme:

Fernsehen[Bearbeiten]

Eigene Kanäle:

Logo des Bayerischen Fernsehens

Gemeinschaftssender:

Hörfunk[Bearbeiten]

  • Bayern 1 – Massenprogramm für Oldie-Fans mit Schwerpunkt auf regionaler Information
  • Bayern 2 – Kulturradio, Vollprogramm
  • Bayern 3 – Popwelle, Massenprogramm für eher jüngere Menschen
  • BR-Klassik – klassische Musik
  • B5 aktuell – Nachrichten nonstop (Nachrichten oder Infoblock alle 15 Minuten)

Über DAB, DVB-S und über Streaming ausgestrahlt werden:

  • Bayern plus – Musik- und Servicewelle für eine ältere Zielgruppe (auch über Mittelwelle)
  • Puls - das junge Programm des Bayerischen Rundfunks
  • Bayern 2+ – entspricht weitgehend Bayern 2
  • B5 plus – Ereigniskanal von B5 aktuell (liegen keine Ereignisse vor, läuft hier B5 aktuell)
  • BR Verkehr – sendet Verkehrsinfos und -meldungen

Klangkörper[Bearbeiten]

Der BR verfügt über drei eigene Klangkörper:

BR im Internet[Bearbeiten]

Der Bayerische Rundfunk bietet seit dem 16. Oktober 1995 ein Internetangebot an. Anlass dafür waren die zu der Zeit stattfindenden Medientage in München. Als Vorreiter von Internetangeboten von Rundfunkanstalten nutzt der BR dieses Projekt zur Verbreitung von Zusatzinformationen zu seinen Hörfunk- und Fernsehsendungen. Nach dem grundsätzlichen Start der Onlineangebote wurde wenig später, im November 1995 auch als einer der ersten Hörfunksender im Internet, der Nachrichtensender B5 aktuell gestreamt. Im Jahre 1996 wurden sogar Mehrwertdienste über die Homepage des Bayerischen Rundfunks angeboten.

Im Rahmen des Projekts „CollegeR@dio“ konnten hier die Inhalte des Schulfunks im Internet für verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten aufgerufen werden. Unter dem Titel „Bayern ist Trumpf“ wurde die Onlinepräsenz des Senders 1997 überarbeitet. Konkret bedeutete dies, dass Navigationselemente und ein stetig wachsendes Informationsangebot zu Programmen und Sendungen eingearbeitet wurden. Als erster deutscher Fernsehsender wird über das Onlineangebot der Bildungskanal ARD-alpha verbreitet, ebenso erhielt das Webangebot eine erste thematische Gliederung. Etwa drei Jahre später nach der Onlinesetzung der Homepage, im Oktober 1998, wurde die BR-Online-Seite komplett erneuert, und es wurden acht Rubriken eingeführt. Unter „Wissenschaft & Bildung“, „Politik & Aktuelles“, „Wirtschaft & Geld“, „Bayern & Regionen“, „Kultur & Gesellschaft“, „Freizeit & Sport“, „Spaß und Spannung“ und „Ratgeber & Service“ erhielt der Zuschauer themengenaue Informationen.

Durch interne Strukturmaßnahmen wurde im Jahr 2000 die Hauptabteilung Multimedia für das Onlineangebot verantwortlich. Im Mai 2001 erhielt BR-Online erneut ein überarbeitetes Gesicht. Im Oktober 2002 fanden wiederum Änderungen um das Themengruppenmodell statt, welches die Themenrubriken des Internetangebots modifiziert. Nun galten folgende Themenbereiche (auch unter dem Namen Themengruppenmodell 2 bekannt): „Bayern heute“, „Land & Leute“, „Sport & Freizeit“, „Kultur & Szene“, „Umwelt & Gesundheit“, „Wissen & Bildung“. Durch die zunehmende Vernetzung hielt 2002 auch der Bayerntext, das Teletextangebot des Bayerischen Rundfunks, Einzug in die Onlinewelt, so können Zuschauer die Teletextseiten auch online rund um die Uhr abrufen. Neben Specials zum 10. Bestehen des Onlineauftritts im Jahr 2005 bot der BR online immer wieder aktuelle Features wie Papstwahl, Sportereignisse oder politische Wahlen an. Ebenso wurde in das Onlineangebot das Podcasting eingeführt.

Die nächste umfassende Überarbeitung des Internetangebotes des BR fand im März 2008 statt. Seit dem 10. März 2008 fand der Nutzer alle relevanten und sendebegleitenden Informationen zu den Fernsehprogrammen und Hörfunkwellen des Bayerischen Rundfunks in neuem Design. Dies ging einher mit der kurz zuvor erfolgten Änderung der Corporate Identity und des BR-Senderlogos. Sämtliche Inhalte wurden dem neuen BR-Design angepasst, die Inhalte systemisch besser gegliedert und die Multimedia-Angebote ausgebaut (MP3-Livestreams mit bis zu 128 kb/s). Das neue Design sollte zeitmäßiger und frischer wirken. Außerdem sollten auch Jugendliche zum Besuch von BR-Online „verleitet“ werden. Die Radio- und TV-Sender behielten ihre bisherigen Internetadressen bei, haben aber das neue Design übernommen. Auf jeder Unterseite von BR-Online konnte auf die Seiten von Bayern 1, Bayern 2, Bayern 3, BR-Klassik, B5 aktuell, Puls, Bayerisches Fernsehen, ARD-alpha, Bayerntext und die BR-Mediathek zugegriffen werden.

Der BR präsentiert sich auf den Münchner Medientagen (2011)

Am 27. Oktober 2011 wurde die Homepage erneut überarbeitet. Auffälligste Änderung ist die Verkürzung der URL von br-online.de zu br.de. Auch das Design hat sich erneut geändert: so entfällt die Navigationsleiste auf der linken Seite komplett; die Themenfelder werden durch große Fliesen symbolisiert. Die Bildschirmauflösung wurde an die neuen Breitbildmonitore angepasst. Ebenfalls neu ist die Kommentarfunktion, die zunächst nur an ausgewählten Stellen auf der Homepage nutzbar war. Laut BR möchte sich die Homepage dadurch „multimedialer“ präsentieren.[6]

Trimediale Zukunft[Bearbeiten]

Im Mai 2014 hat der Bayerische Rundfunk mit der Informationsdirektion auf der Programmebene eine dritte Säule installiert.[7] In ihr sind aktuelle Redaktionen aus Hörfunk, Fernsehen und Online zusammengefasst. Zum Leiter der Informationsdirektion wurde Thomas Hinrichs bestellt und vom Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks bestätigt. Er ist verantwortlich für den Programmbereich 'B5-aktuell – Politik und Wirtschaft', den Programmbereich ‚Politik‘ und den Programmbereich 'Sport und Freizeit'. Auch die Redaktion Telemedien ist ihm zugeordnet. Der Informationsdirektor ist auch für das geplante multimediale Aktualitätenzentrum in Freimann verantwortlich, das im Zuge der trimedialen BR-Reform errichtet werden soll. Mit der neuen Informationsdirektion bündelt der Bayerische Rundfunk Programmbereiche aus Hörfunk, Fernsehen und Online-Angebot unter einem Dach - ein wichtiger Schritt hin zu der in anderen ARD-Anstalten bereits weitgehend vollzogenen Trimedialität im öffentlich rechtlichen Rundfunksystem.

Kritik[Bearbeiten]

Fehlende Staatsferne[Bearbeiten]

Am 6. Mai 2010 wurde der Sprecher der Bundesregierung Ulrich Wilhelm mit 40 von 44 gültigen Stimmen zum Intendanten des BR gewählt. Er trat diesen Posten am 1. Februar 2011 an. Eine derart weitreichende Verflechtung von Politik und Medien wird mit der Situation Silvio Berlusconi in Italien verglichen. Die im Grundgesetz geforderte Staatsferne der Medien werde dadurch „Lügen gestraft“.[8][9]

Vom BR zur Staatsregierung wechselte hingegen Daniela Philippi, die ab 1995 Leiterin der Abteilung Landespolitik im Hörfunk des Bayerischen Rundfunks war. Zum 1. Februar 2009 wurde sie Sprecherin der Staatsregierung und des Ministerpräsidenten.

Parteilichkeit[Bearbeiten]

Am 24. Oktober 2002 hat die Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag das „Bayerische Fernsehen“ und speziell die Nachrichtensendung Rundschau im Hinblick auf den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2002 als zu CSU-nah kritisiert. Der gleichzeitig gestellte Antrag der Grünen „Für mehr Staatsfreiheit und Parteiferne der Gremien der Fernsehsender“ wurde mit 13 Ja-Stimmen, 125 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung abgelehnt.[10]

Hingegen gibt es im Bayerischen Fernsehen durchaus auch kritische Sendungen, wie z. B. quer.

Bevormundung der Zuschauer[Bearbeiten]

Als die ARD am 15. Januar 1973 den Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt im Ersten Deutschen Fernsehen ausstrahlte, klinkte sich der BR aus dem gemeinsamen Programm aus, wie er es auch am 8. November 1977 bei der Ausstrahlung von Die Konsequenz sowie 1990 bei einem der ersten schwulen Fernsehküsse in der Lindenstraße praktizierte. Auch bei der Ausstrahlung der Musiksendung Formel Eins im Jahre 1983, bei der das Video zum Ixi-Song Detlef gezeigt wurde,[11] blendete sich der Bayerische Rundfunk aus dem Gemeinschaftsprogramm aus.

Am 22. Mai 1986 blendete sich der Bayerische Rundfunk für die Dauer der Ausstrahlung einer Folge der Kabarettsendung Scheibenwischer aus dem gemeinsamen Fernsehprogramm der ARD aus, nachdem sich Helmut Oeller, der Fernsehdirektor des BR, der an einigen Passagen des Manuskriptes Anstoß nahm, mit seiner Forderung nach Absetzung der Folge nicht hatte durchsetzen können. Diese Maßnahme rief bundesweite Proteste hervor.

Auch die Kindersendung Sesamstraße wurde vom Bayerischen Rundfunk zunächst nicht ausgestrahlt, weil dieser die soziale Situation in Deutschland in der Sendung nicht korrekt dargestellt sah.[12] Die Sendung wurde daher von 1973 an zunächst nur in den Dritten Programmen der anderen ARD-Anstalten ausgestrahlt, während der Bayerische Rundfunk die Eigenproduktion Das feuerrote Spielmobil sendete.

Überschreitung des gesetzlichen Auftrags[Bearbeiten]

Bei privaten Radiosendern stoßen die Pläne des Bayerischen Rundfunks, ein eigenes Jugendradio zu senden, auf Kritik. Sie befürchten, dass ihnen der BR ihre Zielgruppe streitig machen will. Außerdem weisen sie darauf hin, dass per Gesetz nur fünf Sender des Bayerischen Rundfunks zulässig sind.

„Privatfunk-Aufseher Wolf-Dieter Ring, Präsident der Medienanstalt BLM, [kritisierte] das BR-Vorhaben […]. Er war nach eigenen Angaben bisher von einer rein digitalen Jugendwelle ausgegangen. Vorlagen des BR gingen aber von ‚Hörfenstern‘ via UKW aus. Sollten UKW-Frequenzen in Ballungsräumen genutzt werden, sei schnell eine analoge technische Reichweite von 40 Prozent erreicht. Dann können wir von einem sechsten BR-Programm sprechen. Rechtlich zulässig sind aber nur fünf Radioprogramme‘, warnte Ring.“[13]

Zentralismus[Bearbeiten]

Dem Bayerischen Rundfunk wird vorgeworfen, einseitig auf Altbayern ausgerichtet zu sein. Die übrigen Landesteile tauchten nur im Regionalprogramm auf, so die Kritik. Als Beleg wird angeführt, dass nahezu alle Eigenproduktionen des Bayerischen Rundfunks in Altbayern – vor allem in Oberbayern – gedreht werden. Als einziger Fernsehsender hat der Bayerische Rundfunk beispielsweise alle Tatort-Produktionen seit Start der Serie im Jahr 1970 in einer Stadt angesiedelt, im Fall des BR in München. Auch die fränkischen und schwäbischen Regionen sowie Ostbayern werden nicht so stark ins Programm genommen wie die Region um München.

Allerdings ist der BR bemüht, diesen "Zentralismus" aufzuweichen bzw. zu beseitigen: am 11. Oktober 2012 kündigte Intendant Ulrich Wilhelm an, einige Folgen der Fernsehreihe Tatort, für die der BR zuständig ist, in Franken zu drehen. Der "Franken-Tatort" wird damit mit der über 40-jährigen Tradition der Münchener Tatorte brechen und voraussichtlich 2014 auf Sendung gehen, die Schauspieler, Spielort und Rollen stehen noch nicht fest.[14]

Sendeanlagen[Bearbeiten]

Zur Versorgung des Senderstandorts Grünten besitzt der Bayerische Rundfunk die Seilbahn Grünten.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Seit 1993 gibt es die Benefizaktion Sternstunden e.V. des Bayerischen Rundfunks, die weltweit kranke, behinderte oder in Not geratene Kinder und Jugendliche unterstützt. Seitdem wurden 82 Millionen Euro für rund 1.600 Projekte gespendet. Sternstunden zählt damit zu den erfolgreichsten Benefizaktionen Bayerns, ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für soziales Engagement 1999. 2007 wurde dafür auch der Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises an den Bayerischen Rundfunk vergeben.
  • Der BR war die letzte Landesrundfunkanstalt, die einen eigenen Jugendsender gestartet hat. Seit 5. Mai 2008 sendet on3radio (ehemals Bavarian Open Radio, Sendestart 8. Oktober 2007) mit drei Stunden Moderation am Tag als Internet-Livestream, über Satellitenradio und im Kabelnetz. Die Ausstrahlung über Mittelwelle wurde zum 10. Januar 2011 eingestellt. Bis zum Start von on3radio gab es für Kinder Radio Mikro und für junge Erwachsene den Zündfunk auf Bayern 2.
  • Das Pausenzeichen des BR war das Motiv des Volkslieds Solang der alte Peter. Die Melodie ist das akustische Markenzeichen des BR und taucht zum Beispiel immer noch im Verkehrs-Jingle von Bayern 3 auf. Die namensgebende Kirche Sankt Peter wurde im Krieg schwer beschädigt. Solange die Kirche noch nicht wieder aufgebaut war, ließ der BR immer den letzten Ton der Melodie weg. Erst am 28. Oktober 1951, als die Kirche vollständig wiederhergestellt war, spielte der BR das Pausenzeichen ganz. In der ursprünglichen Fassung besingt das Lied allerdings keine Münchner Kirche, sondern den Wiener Stephansdom.
  • Die BR ist Gründungsmitglied im MedienCampus Bayern, dem Dachverband für die Medienaus- und -weiterbildung in Bayern. Der ehemalige BR-Intendant Thomas Gruber sitzt im Vorstand des eingetragenen Vereins.
  • Als einzige Rundfunkanstalt in Deutschland besitzt der Bayerische Rundfunk eine Luftseilbahn, und zwar die Seilbahn auf dem Grünten zur Versorgung der dort befindlichen Sendeanlage.
  • Der BR ist ebenfalls die einzige ARD-Anstalt, in der es eine Bergsteiger-Redaktion gibt.
  • Die Tochtergesellschaft BRmedia ist für die Vermarktung der Werbezeiten in den Radioprogrammen des BR und im ARD-Vorabendprogramm zuständig.
  • Am 6. Dezember 1989, in der Zeit der Wende (DDR), hatte der Hörfunk vier Programme. Eine typische Programmansage lautete damals:
Bayern 1 jetzt: Im Brennpunkt. Der Rücktritt des Egon Krenz. Anschließend: Traummelodie. Bayern 2: Wandel im Osten. In der neunten Sendung: Die Vergangenheit des Stalinismus in der Sowjetunion. Bayern 3: Blue night shadow, mit Bill Samson. Und Bayern 4: Musik von Clementi, Mozart und Dusík.“

Logos:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerischer Rundfunk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert aus Werag – Offizielles Organ der Westdeutschen Rundfunk AG Köln, Rufu-Verlag Köln, Ausgabe Nr. 1 vom 3. Dezember 1926
  2. Gemeint ist die Mittelwellenfrequenz mit 485 m Wellenlänge
  3. Hansjörg Biener: 40 Jahre Ausländersendungen in Deutschland. asamnet.de. 3. April 2010. Abgerufen am 14. Juli 2014.
  4. Quelle
  5. Mitarbeiter 2012, innsalzach24.de, abgerufen am 13. Oktober 2012
  6. Radio und TV multimedial und interaktiv. In: br.de. 26. Oktober 2011. Abgerufen am 27. Oktober 2011.
  7. Rundfunkrat beruft Informationsdirektor. Abgerufen am 12. Juli 2014
  8. Die Medienkolumne zur BR-Intendantenwahl: Angela Berlusconis Statthalter in München. stern.de. 5. Mai 2010. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  9. Ulrich Wilhelm wird neuer BR-Intendant. focus.de. 6. Mai 2010. Abgerufen am 14. Juli 2014.
  10. Auszüge aus Debatten (PDF; 781 kB)
  11. Michael Tann: "Mach mir doch kein Knutschfleck – alles nur kein Knutschfleck" – so klang es 1983 aus allen Radios, Interview mit Gaby Tiedemann, ichwillspass.de, etwa 1992
  12.  Bayerns Abfall. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1973, S. 97 (online).
  13. Geplantes Radioprojekt könnte vom Start weg echte Konkurrenz für Lokalfunk sein. In: Der Kontakter. Hamburg 3. Juli 2006, S. 31. ISSN 0721-975X
  14. nordbayern.de, aufgerufen am 24. Oktober 2012