Bayerischer Wald

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Mittelgebirgslandschaft des Bayerischen Waldes mit teilweise abgestorbenem Wald

Der Bayerische Wald (auch Bayrischer Wald, Bayerwald) ist ein etwa 100 km langes Mittelgebirge an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien. Der größte Teil davon liegt im Regierungsbezirk Niederbayern sowie in Tschechien. Der Nordteil gehört zur Oberpfalz, im Osten reicht der Bayerwald bis zur Grenze Oberösterreichs.

Geologisch und geomorphologisch gehört er zum Böhmerwald – dem höchsten Rumpfgebirge des Böhmischen Massivs – und wird von diesem namentlich seit etwa 1830 unterschieden, als das Gebiet nach Einverleibung der Hochstifte Regensburg und Passau durchgehend bayerisch geworden war.

Entlang der tschechischen Grenze wurde das Gebirge zu einem Nationalpark umgewidmet, dessen dichter Bewuchs sich langsam zu einem bodenständigen Urwald entwickelt. Das Schutzgebiet weist mehrere Informationszentren und ein Netz von Wanderwegen auf und setzt sich jenseits der Grenze im größeren Nationalpark Böhmerwald (Šumava) fort.

Übersicht[Bearbeiten]

Der Bayerische Wald bildet zusammen mit dem sich nordwestlich, jenseits der Cham-Further Senke anschließenden Oberpfälzer Wald (siehe auch Oberpfälzisch-Bayerischer Wald) sowie dem südlich von Passau und jenseits der Donau gelegenen Neuburger Wald das größte zusammenhängende Waldgebiet Bayerns und dieses zusammen mit dem Böhmerwald (tschechisch Šumava) und dem Sauwald (südöstliche Fortsetzung nach Oberösterreich) eines der größten Europas.

Der Bayerische Wald wird hauptsächlich vom Regen und der Ilz zur Donau entwässert, ein kleiner Teil in Grenznähe zu Tschechien wird über die Moldau zur Elbe entwässert.

Die höchsten Berge des Bayerischen Waldes sind der Große Arber mit 1456 m und der Große Rachel (1453 m). Im Ostteil des Gebirges entstand 1970 Deutschlands erster Nationalpark, der Nationalpark Bayerischer Wald. Er wurde 1997 erweitert und bildet zusammen mit Tschechiens Nationalpark Šumava eines der größten Schutzgebiete Europas.

In älteren kartografischen und lexikalischen Werken umfasst der Begriff „Bayerischer Wald“ nur die Gebirgsregion des Vorderen Waldes zwischen Donau und Regen, der seine höchste Erhebung im Einödriegel hat. Der Hintere Wald (zwischen Regen und böhmischer Grenze) mit den Bergen Arber, Rachel, Lusen u. a. galt früher als Teil des Böhmerwaldes. Der Sprachgebrauch der deutsch-bayerischen Behörden, der Fremdenverkehr, aber auch der frühere Eiserne Vorhang trugen dazu bei, dass der Begriff „Bayerischer Wald“ zunehmend auf die gesamte Mittelgebirgsregion diesseits der Grenze zwischen Bayern und Böhmen ausgedehnt wurde. Infolge der politischen Entwicklungen nach 1989, zuletzt mit dem Beitritt Tschechiens zum Schengenraum, ist aber der Trend erkennbar, das Mittelgebirge an der deutsch-tschechischen Grenze gerade auch in touristischer Hinsicht wieder als eine Einheit aufzufassen.

Zwischen vorderem und hinterem bayerischen Wald erstreckt sich ein breiteres und niedrigeres Zwischengebiet mit den Städten (im Westen) Viechtach, Regen und Zwiesel, sowie (nach Osten) Grafenau, Freyung, Waldkirchen, sowie (in Oberösterreich) Schlägl.

Der Tourismus hat im Bayerischen Wald einen hohen Stellenwert. Zwischen Natur, Wandern und Forstkultur gibt es auch mehrere Skigebiete. Ferner ist der Bayerische Wald bekannt für seine Glasbläserkunst im Raum Zwiesel sowie in den Geowissenschaften durch die Fundamentalstation Wettzell bei Bad Kötzting.

Die Einheimischen bezeichnen den Bayerischen Wald schlicht als „Woid“ und nennen sich selbst „Waidler“.

Geologische Struktur[Bearbeiten]

Der Oberpfälzisch-Bayerische Wald (D63) und seine Nachbarlandschaften

Der Bayerische Wald stellt den Südwestrand der Böhmischen Masse dar und findet seine zunächst nordwestliche, dann nordöstliche Fortsetzung durch Oberpfälzer Wald, Fichtelgebirge, Erzgebirge und Sudeten. Geologisch nicht unterschieden ist er vom Böhmerwald jenseits der tschechischen Grenze und dem Sauwald auf österreichischer Seite. Naturräumlich wird er mit dem Oberpfälzer Wald zur Haupteinheitengruppe Oberpfälzisch-Bayerischer Wald zusammengefasst.

Der Fluss Regen

Der Einfachheit halber wird von einer Unterscheidung zwischen Böhmerwald (ursprünglich der Innere Bayerische Wald) und Bayerischer Wald abgesehen und stattdessen die ortsübliche Bezeichnung Bayerischer Wald für den gesamten Bereich des auf deutscher Seite gelegenen Mittelgebirgsraums angewandt, da im Sprachgebrauch der bayerischen Bevölkerung mittlerweile der Begriff Böhmerwald eher mit den in Tschechien liegenden Gebieten gleichgesetzt wird. Es wird lediglich zwischen dem Vorderen und Hinteren Bayerischen Wald unterschieden, wobei als Grenzlinie zwischen ihnen das Lineament des Bayerischen Pfahls anzusehen ist. In Nord-Süd-Richtung wird zwischen dem oberen und unteren Wald unterschieden.

Beim Bayerischen Wald handelt sich um die Wurzelzone eines altpaläozoischen Gebirges, dessen Ausgangsgesteine als spätproterozoisch bis silurisch eingestuft werden. Nach mehreren Phasen der Deformation und Metamorphose verwandelten sich die zumeist sedimentären, zum Teil aber auch plutonischen und vulkanischen Ausgangsgesteine im Laufe der Jahrmillionen in die heute anstehenden Gneise. Vor allem im Karbon und Frühperm wurden die Gneise von mächtigen Granitkörpern durchdrungen. Eine Sonderstellung haben lediglich im Norden das aus Glimmerschiefern aufgebaute Künische Gebirge und das Gabbro-Amphibolit-Massiv um Eschlkam und Neukirchen beim Heiligen Blut mit dem Hohen Bogen als südlichstem Ausläufer.

Eine wichtige Linie, die den Bayerischen Wald in zwei Teile teilt, stellt die ca. 150 km lange Störung des Pfahles dar. Ursprünglich als großräumige Verwerfung im Oberdevon bis Oberkarbon angelegt, wurde er im ausgehenden Paläozoikum und im Frühmesozoikum bruchtektonisch als Fiederspaltensystem reaktiviert, das durch das Eindringen hydrothermaler Lösungen mit Quarz verfüllt wurde. Auf weiten Strecken ragt diese Quarzmauer aufgrund der Festigkeit des Gesteins bis zu ca. 30 m über die Umgebung heraus. Nördlich des Pfahles findet man in der Hauptsache Gneise, südlich davon eher Granite und Migmatite.

Zwischen Regensburg und Passau fällt ein deutlicher Höhenunterschied zwischen den nordöstlichen Vorwaldbergen und der südwestlich gelegenen Donauebene („Gäuboden“) auf. Diese Trennlinie zwischen dem Tertiärhügelland und dem Bayerischen Wald wird durch den Donaurandbruch verursacht, eine geologische Störung zwischen dem abgesunkenen und unter tertiären bzw. quartären Überlagerungen des Molassebeckens gelegenen kristallinem Grundgebirge und dem nordwestlich dieser Linie noch sichtbaren Teil, der dem Bayerischen Wald zugehört.

Recht markant ist der Höhenunterschied zwischen der 300–350 m hoch gelegenen Donauebene und den höchsten Gipfeln des Vorwaldes, zum Beispiel dem Einödriegel mit 1.121 m, also immerhin 800 m Höhenunterschied auf nur wenigen Kilometern Horizontalentfernung. Aufgrund der Hebung des Bayerischen Waldes, von der auch der Neuburger Wald und der Sauwald betroffen war, kam es zu einem antezedenten Einschneiden der Flüsse Inn und Donau in diesen Bereich des kristallinen Grundgebirges und somit zur Ausbildung einer engen Talzone ab Pleinting donauabwärts ins Österreichische und südlich von Passau, wo sich der Inn ein tief eingeschnittenes Bett geschaffen hat.

Panorama des Regens

Eiszeitliche Formen[Bearbeiten]

Blick vom Gipfel des Lusen auf den Aufstieg „Sommerweg“ im (Süd-)Westen

Während der Vordere Bayerische Wald in den Gipfelregionen nur wenig über 1000 m erreicht (beispielsweise Brotjacklriegel 1016 m, Einödriegel 1121 m, Breitenauriegel 1114 m, Vogelsang 1022 m, Hirschenstein 1095 m und Pröller 1048 m), liegen die Gipfelregionen im Hinteren Bayerischen Wald häufig über 1.300 bis 1.400 m (Plöckenstein 1378 m, Dreisesselberg 1333 m, Lusen 1371 m, Rachel 1453 m, Kaitersberg 1132 m, Großer Falkenstein 1315 m, Großer Osser 1293 m, Zwercheck 1333 m, Großer Arber 1456 m).

Insbesondere diese Regionen des Hinteren Bayerischen Waldes waren während der Eiszeiten von Schnee- und Eisfeldern bedeckt, die auch ihre Spuren hinterlassen haben. Hier waren auf den ausgedehnten Hochflächen eher ausgedehnte Verfirnungen als lange Gletscherzungen anzutreffen. Die Mächtigkeit des Gletschereises auf 1050 m Höhe lag bei etwa 125 m. Dort, wo sich die Gletscher einen Weg ins Tal bahnten, trifft man noch heute auf glazial bedingte Formen, wie Kare, Karoide und Karseen (Großer Arbersee, Kleiner Arbersee, Rachelsee) sowie Moränenwälle.

Rachelsee

Das Gletscherende lag zum Beispiel in der Nähe des großen Arbersees auf ca. 850 m Höhe, das Zungenende des nördlich ausgerichteten Gletschers hinab zum kleinen Arbersees bei ca. 830 m Höhe. Demnach gab es einen beträchtlichen Höhenunterschied von über 600 m von den Gipfelregionen bis zu den Endmoränen. Weitere Gletscherzungen flossen vom Großen Rachel herab. Auch hier gibt es Kare und Karoide, die auf die eiszeitliche Vergletscherung schließen lassen.

Klima[Bearbeiten]

Die alte Volksweisheit „Dreiviertel Jahr Winter, viertel Jahr kalt“ schert das Klima im Bayerischen Wald allzu sehr über einen Kamm. Sie stammt aus einer Zeit, in der vorwiegend landwirtschaftliche Interessen das Denken der Menschen prägten. In Wirklichkeit ist das Klima der Region sehr vielschichtig und hängt stark von der Höhenlage ab, die immerhin von 300 m bis über 1400 m reicht. Es gibt im Bayerischen Wald Schneehöhen von bis zu 3 Metern. Auf der anderen Seite befindet sich östlich von Regensburg das kleinste Weinbaugebiet Bayerns. Weiterer Einflussfaktor ist die vorherrschende Großwetterlage. Der Bayerische Wald liegt im Übergangsbereich zwischen mitteleuropäischem und kontinentalem Klima. Überwiegt der kontinentale Typ bedeutet das im Winter kalte und trockene Lagen mit Minustemperaturen bis unter −30 °C. Die Sommer sind dann trocken und warm mit gelegentlichen Gewittern an den Hauptkämmen. Bei überwiegend atlantischem Einfluss dominieren im Winter Tiefdruckwetterlagen, die an den nach Südwesten gerichteten Hängen oft enorme Neuschneemengen im Gepäck haben. Im Sommer ist es mäßig warm mit vielen Gewitterschauern. Allgemein ist zu sagen, dass der kontinentale Einfluss von West nach Ost zunimmt. Der Böhmerwald im Osten ist trockener und kälter, der Bayerische Wald weist höhere Niederschläge und insgesamt höhere Temperaturen auf.

Niederschläge[Bearbeiten]

An den Rändern des Bayerischen Waldes bis zu den Gipfellagen steigen die durchschnittlichen Niederschlagsmengen aufgrund des Steigungsregens und vermehrter Gewitterneigung in den Sommermonaten rasch an und erreichen in den Höhenlagen 1300–1400 mm im Jahr. Im höher gelegenen Hinteren Bayerischen Wald sind die Niederschläge mit etwa 1500–1600 mm noch höher anzusetzen als im Vorderen.

Allgemein jedoch sind die hier gemessenen Niederschlagswerte aufgrund der östlicheren, kontinentaleren Lage des Bayerischen Waldes niedriger als beispielsweise in den vergleichbaren Regionen der Vogesen und des Schwarzwaldes. Wegen der Leelage des Regentales werden dort nur zwischen 800 mm und 900 mm erreicht. An den Südwestseite des Vorderen Bayerischen Waldes sind es zwischen 1000 mm und 1200 mm. Ein weiterer Grund ist die Streichrichtung des Gebirges, die nur selten zu echtem Steigungsniederschlag mit im 90°-Winkel dazu verlaufenden Windrichtungen führt.

Blick auf den Dreisesselgebirgszug von Süden

Temperaturen[Bearbeiten]

Die Luft im gesamten Gebiet ist außergewöhnlich trocken; Werte um 35 % relativer Luftfeuchte treten häufig auf.

Die Jahresmitteltemperaturen liegen in den Gipfellagen zwischen 3 °C und 4 °C, in den Tallagen zwischen 6,5 °C und 8 °C. Eine Besonderheit sind regionale Kaltluftseen in windgeschützten Tallagen. Nicht selten treten dort auch im Frühsommer noch Nachtfröste auf. Regelmäßig lässt sich dieser Effekt an der Meteomedia-Wetterstation Klingenbrunn-Bahnhof in der Gemeinde Spiegelau und an der Station Haidmühle beobachten. Typisch für das kontinentale Klima ist auch die hohe Anzahl an Sommertagen mit Temperaturen über 25 °C. In den Tallagen werden im langjährigen Durchschnitt zwischen 35 und 45 solcher Sommertage verzeichnet.

Der Bayerische Wald ist für seinen Schneereichtum bekannt. Dies gilt speziell für die mittleren Lagen über 700 m und die höheren Lagen über 1000 m. In den Kammlagen des (Vorderen) Bayerischen Waldes hält sich die Schneedecke bis zu 120 Tage und im Böhmerwald bis zu 180 Tage. In schneereichen Wintern kann dort die Schneehöhe über 250 cm betragen. In den Tallagen unter 600 m und speziell im Regental werden hingegen nur 60 (Raum Viechtach) bis 100 Tage (Raum Zwiesel) mit einer Schneedecke verzeichnet. Auch die Schneehöhen erreichen dort selten mehr als 30 cm.

Der Einflussbereich des Alpenföhns reicht oft bis an den Donaulauf und den Bayerischen Wald heran. Besonders an klaren Herbsttagen mit starkem Föhn ist deshalb von den Bergen des Bayerischen Waldes die Kette der Alpen zu erkennen.

Geschichte[Bearbeiten]

In drei Länder greift dieses Waldgebiet aus: Den heute tschechischen Böhmerwald, den Bayerwald oder Bayerischen Wald und in einen Teil des Mühlviertels in Oberösterreich. Bevor die Geschichte dieses Waldgebiets näher ausgeleuchtet wird, ist vorauszuschicken, dass der Begriff „Bayerischer Wald“ erst im frühen 19. Jahrhundert geprägt wurde (man nimmt an, zu touristischen Zwecken, um ein abgestecktes Gebiet begrifflich genauer eingrenzen zu können). Vorher gab es für diese Waldregion keine unterschiedlichen Bezeichnungen, sie war für Bewohner hüben wie drüben der Böhmerwald, oder noch gebräuchlicher, einfach „der Woid“.

Kelten- und Römerzeit[Bearbeiten]

Als großes Waldgebirge scheint er in den ältesten überlieferten Schriftquellen auf, schon große griechische und römische Persönlichkeiten kannten diese Region. So wird dieser Teil der weiten mitteleuropäischen Waldgebirge von Aristoteles über Caesar bis Tacitus als „Hercynia silva“ bezeichnet.

Der berühmte griechischen Geograf Ptolemäus bezeichnet das Waldgebiet als „Gabreta hyle“. Der Name wird keltischen Ursprüngen zugeschrieben und soll soviel wie „Steinbockwald“ oder „Geißenwald“ bedeuten.

Tacitus schreibt in seiner „Germania“ (88 n. Chr.), dass früher in Süddeutschland die Helveter und östlich davon die Boier gewohnt haben sollen, beides keltische Stämme, und stellt fest: „manet adhuc Boihaemi nomen significatque loci veterem memoriam quamvis inutatis cultoribus“, übersetzt: „geblieben ist noch jetzt der Name Böhmen und bewahrt so die Erinnerung an die Vergangenheit des Landes, wenn auch dessen Bewohner gewechselt haben“. Denn die Bojer waren seinerzeit schon ausgewandert und etwa um Christi Geburt siedelten germanische Splitterstämme in Böhmen, in der Hauptsache die Markomannen vom Hauptstamm der westgermanischen Sueben, von denen die Moldau wohl ihren Namen „Wildahwa“, (Wildache oder Wildwasser, in der Mundart noch heute am Oberlauf „Wuida“ genannt) erhalten haben dürfte.

Im Laufe des 6. Jahrhunderts wanderten dann auch die Markomannen zusammen mit anderen germanischen Stammesteilen aus, vermutlich nach Süden, wo sie uns als Baiern, als „Baiwari“, „Leute aus Baiahairna“, wieder begegnen. Ursachen und Abfolge dieser Wanderbewegung bleiben wenig aufgeklärt und es gibt nach wie vor verschiedene Deutungsversuche.

Die Bayern jedenfalls, die seit dem ersten Viertel des 6. Jahrhunderts zwischen Enns und Lech siedeln (neuere Funde deuten auf noch früher, bis nach dem Abzug der Römer hin), sind die Vorfahren der heutigen Bevölkerung, aber diese ist mit Sicherheit nicht nur rein keltischen Blutes, sondern auch von hauptsächlich germanischen und römischen Genen durchmischt. Der Historiker Benno Hubensteiner schreibt dazu augenzwinkernd: „Sie (die Bayern) waren ein Volk der Völker. Sie müssen ein unverbrauchtes Bauernvolk gewesen sein, gutmütig und jähzornig, sinnenfroh und aufwenderisch, eigensinnig und beharrend wie noch heute.“ Die Lust der Bayern am Auftrumpfen, Rankeln und Raufen schreibt Hubensteiner eindeutig den typischen Eigenheiten keltischen Blutes zu. Der alte Name „Baiahaima“ aber, also die Heimat der Bojer, blieb weiterhin im Moldauland bestehen, zunächst wurde daraus „Beheima“ und schließlich zu „Böheim“ und Böhmen.

Ursprünglich „Böhmerwald“[Bearbeiten]

Der Name Böhmerwald ist also uralt und auch gut tausend Jahre eher bezeugt als die slawische Bezeichnung „Čechy“. Die Baiern selbst nannten den großen Grenzwald im Norden ihres neuen Siedlungsgebietes ursprünglich nur „Nordwald“, was aus einer Urkunde König Ludwigs des Deutschen aus dem Jahre 853 hervorgeht. Später ist davon auch in der Niedernburger Schenkungsurkunde von 1010 die Rede, wo die Formulierung „silva quae vocatur Nortuualt“ zu lesen ist. Aber allmählich verschwand der Begriff vom Nordwald und wurde, ersichtlich in allen frühen Kartenwerken, als „Bohemica silva“ bezeichnet. Herauszugreifen ist da eine Deutschlandkarte aus dem Jahre 1491 von Nikolaus Cusanus, in der die Gegend von Passau und seinem nördlichen Grenzbirge verallgemeinernd „silva et montes Bohemia“ (Wald und Berge Böhmens) genannt wird. Und Johannes Thurmair, genannt Aventin (1477 bis 1534), zeichnet in seiner Karte von „Obern vnd Nidern Bairn“ von 1523, der ersten Landkarte von ganz Bayern, den „behemisch waldt“ nördlich der Donau ein, und zwar mit dem Zusatz „Hercynie et Boiernie pars“ woraus hervorgeht, dass der Böhmerwald in diesem Dokument nicht bloß ein Teil Böhmens ist. Dann berichtet der Kartograf Sebastian Münster in der bekannten Weltbeschreibung „Cosmographey“ von 1544, dass mit dem Böhmerwald sogar das gesamte rautenförmige Ringgebirge gemeint ist, das das böhmische Becken um Prag gleichsam einer Mauer umschließt (was aber unter den heutigen Historikern nicht unumstritten ist).

Die Besiedelung des Urwaldes erfolgte von bayerischer Seite seit dem Mittelalter vor allem durch die Donauklöster, wie etwa Niederaltaich oder Metten. Diese erweiterten ihren Einflussbereich über die spätere Grenzlinie hinaus in den Böhmerwald. Der östliche Teil des Bayerischen Waldes (östlich von Ilz und Sagwasser) befand sich seit etwa 1010 in Passauer Besitz. Im 13. Jht. konnte sich das Hochstift Passau vom Herzogtum Baiern lösen und war von da an ein weitgehend selbständiger geistlicher Staat innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Erst infolge der Säkularisation in Bayern fiel das Gebiet 1805 an Bayern. Eine wichtige Lebensader des Passauer Landes war der „Goldene Steig“. Auf ihm wurde Böhmen mit Salz aus den Salinen des Ostalpenraums versorgt. Der von Passau ausgehende Saumweg entwickelte sich im 16. Jht. zum bedeutendsten Handelsweg Süddeutschlands. Ebenfalls von Bedeutung war im Gebiet des Bayerischen Waldes seit dem Mittelalter die Glaserzeugung. Eine Blütezeit erlebte sie im 18. und 19. Jahrhundert durch ihre Verbindung mit den Glashütten im Böhmerwald.

Für die Tschechen, Mähren und Slowaken galten die Böhmerwäldler als Deutsche, im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn zählte man sie ethnisch zu den Bayern, und die Bayern wiederum sahen sie (in den Grenzen der Habsburger Monarchie ja auch nicht gänzlich falsch) als Österreicher.

Adalbert Stifters Waldheimat ist ethnisch-historisch gesehen weder rein bayerisch, noch böhmisch oder österreichisch, sie war und ist  eine  Waldregion. Wenn auch zwei Weltkriege politische und Grenzänderungen nach sich ziehen mussten, ist sie trotzdem als uraltes Mittelgebirge ein Ganzes geblieben, der „Wald“ eben.

Der Bayerische Wald[Bearbeiten]

Erst im 19. Jahrhundert, als nach der Säkularisation das Hochstift Regensburg und das Hochstift Passau an Bayern gefallen und damit das diesseitige Gebiet des Waldgebirges von Regensburg bis Passau durchgehend bayerisch geworden war, entstand der Begriff Bayerischer Wald, der 1829 von Johann Daniel Albrecht Höck in seiner Beschreibung des Unterdonaukreises als Landschaftsname eingeführt wurde. Das maßgebende Buch Der bayrische Wald (Böhmerwald) von Bernhard Grueber und Adalbert Müller aus dem Jahr 1846 beinhaltete bereits die bis heute fortbestehende Begriffsunsicherheit. Dort wird zunächst der Böhmerwald als einheitliches Gebirge beschrieben, wovon Österreich den eigentlichen Böhmerwald und den österreichischen besitze, Bayern dagegen den oberpfälzischen und den bayerischen Wald. Diese Abtrennung des Bayerischen Waldes allein durch die Landesgrenze vom „eigentlichen“ Böhmerwald bildet seit jeher ein Problem, da es geomorphologisch keine der Landesgrenze folgende Trennlinie gibt.

Dennoch wurde seit dem Ersten Weltkrieg zunehmend auf einer Unterscheidung bestanden. Am 12. Mai 1930 kritisierte die Bayerische Waldzeitung unter der Überschrift „Mangelndes Geographiewissen“ das Kreuzworträtsel einer nicht näher benannten Münchener Wochenzeitschrift, worin nach einem „Berg im Böhmerwald“ gefragt wurde, worauf sich als Antwort das Wort „Arber“ ergab: „Der Verfasser dieses Rätsels weiß entweder nicht, dass sich der Arber, der König des Bay. Waldes, auf bayerischem Gebiete befindet, oder er kennt den Unterschied zwischen Bayerischer Wald und Böhmerwald nicht.“[1]

Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff Böhmerwald für das diesseits der Grenze liegende Gebiet von den bayerischen Behörden konsequent vermieden. Einen wichtigen Anteil hatte dabei das von 1948 bis 1951 in Landshut beheimatete Amt für Landeskunde, dessen Einteilung im ab 1953 erschienenen Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands bis heute maßgebliche Grundlage aller naturräumlichen und ähnlichen Gliederungen ist. Am 15. November 1950 kam es zu einer offiziellen Vereinbarung, wonach die Bezeichnung Böhmerwald auf die außerhalb der deutschen Staatsgrenzen liegenden Gebirgsteile beschränkt werden sollte. Innerhalb Bayerns sollte das betreffende Gebiet Hinterer Bayerischer und Hinterer Oberpfälzer Wald heißen.[2] Diese Sprachregelung hat sich besonders in Bayern durchgesetzt, während sie aber aus geografisch-geologischen Gründen mit Vorbehalt aufgenommen wird. Besonders auf überregionalen Karten wird der Begriff Bayerischer Wald meist auf das Vorgebirge (den nach anderer Auffassung Vorderen Bayerischen Wald) beschränkt und so der Bayerische Wald physikalisch vom Böhmerwald unterschieden.

Nationalparks[Bearbeiten]

Im Bereich des „Inneren Bayerischen Waldes“ liegt zwischen Lusen und dem Großen Falkenstein der Nationalpark Bayerischer Wald, der erste Nationalpark Deutschlands. Er wurde 1970 vom Freistaat Bayern mit zunächst 130 km² gegründet und 1997 mit der Staatswaldregion zwischen Großem Rachel und Großem Falkenstein auf 240 km² erweitert. Der Park umfasst einige Gebiete mit dichtem „Urwald“ (in Mitteleuropa gibt es nur zwei kleine Bereiche, die noch Urwald sind, aber nicht in Deutschland), kleinen Seen und Regenmooren (die oft Hochmoor genannt werden) und reicht von etwa 700 m ü. NN hinauf in die Hochlagen um 1450 m ü. NN.

Mit dem tschechischen Nationalpark Šumava bildet er das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Schonung und Klima ließen in 35 Jahren ungewohnte, vielfältige Naturwälder heranwachsen, nachdem die Bergfichten-Hochwälder der südwestlichen Hänge gegen Mitte des 20. Jahrhunderts von Luftverschmutzung und dem Borkenkäfer großteils vernichtet worden waren.

Daher gibt der Nationalpark als Anziehungspunkt des Tourismus zugleich Anschauung in Naturkunde, Umweltschutz und Kulturgeschichte. Dazu dienen vor allem die beiden Besucher-Informationszentren „Hans-Eisenmann-Haus“ in Neuschönau und „Haus der Wildnis“ in Ludwigsthal am Fuße des Großen Falkensteins mit ihren weitläufigen Freigehegen in denen die Besucher u. a. Bären, Luchse, Wölfe, Wildschweine, Wildpferde oder Urrinder sehen können.

Die Routen der „Igelbusse“, Wanderwege und Steige bieten ein Netz von 300 km Länge und dennoch Raum für 30 Wildtierarten.

Naturparks[Bearbeiten]

Der Naturpark Bayerischer Wald umfasst ein Gebiet nördlich der Donau bis zum Grenzkamm nach Tschechien und wird zu einem großen Teil vom Landkreis Regen bestimmt. Trägerorganisation ist der „Naturpark Bayerischer Wald e. V.“ mit Sitz in Zwiesel. Er besteht seit 1967 und ist damit einer der ältesten Naturparks in Bayern. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Nationalpark Bayerischer Wald. Nordwestlich schließt daran der Naturpark Oberer Bayerischer Wald an.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten im Bayerischen Wald gehören:

Gipfel des Großen Arbers mit Gipfelkreuz und Radom

Natur

Aussichtsturm

Kultur

Berge[Bearbeiten]

Zu den Bergen im Bayerischen Wald gehören alphabetisch sortiert mit Höhe in Meter (m) über Normalnull (NN):

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bildbände[Bearbeiten]

  • Franz X. Bogner: Bayerischer Wald und Böhmerwald aus der Luft. Lang Edition, 116 Seiten. Freyung, 2011. ISBN 978-3942509060.

Wissenschaftliche Werke[Bearbeiten]

  • Karl-Friedrich Sinner, Günter Moser: Waldwildnis grenzenlos. Nationalpark Bayerischer Wald, Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2007 (2. Aufl.), ISBN 3-935719-37-X.
  • Bernhard Grueber, Adalbert Müller: Der bayrische Wald (Böhmerwald), Regensburg 1846, Neudruck 1993, Grafenau, Morsak Verlag, ISBN 3-87553-415-8.
  • Georg Troll: Mineralvorkommen im Östl. Bayerischen Wald, Aufschluss, Sonderband 31, 152 S + geol. Karte, VFMG, Heidelberg 1981 (pdf 18MB)

Literarische Werke[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Der Bayerwald-Bote, 13. Mai 2010.
  2. Ulrich Pietrusky: Der Bayerische Wald im Fluge neu entdeckt, Grafenau 1985, S. 14.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerischer Wald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bayerischer Wald – Reiseführer
 Wiktionary: Bayerischer Wald – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

48.92771813.098756Koordinaten: 48° 56′ N, 13° 6′ O