Bayernhymne

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Bayerische Rauten

Die Bayernhymne ist die offizielle Hymne des Freistaats Bayern.

Geschichte[Bearbeiten]

Benedikt XVI. singt die Bayernhymne in der Lutz-Fassung auf dem Marienplatz am 9. September 2006 mit.

Die Melodie (in G-Dur) stammt von Konrad Max Kunz aus dem Jahr 1860. Der Text der ursprünglichen drei Strophen stammt von Michael Öchsner. Beide waren Mitglieder der Bürger-Sänger-Zunft München, die das Lied am 15. Dezember 1860 erstmals aufführte. Da das Lied bald zum Volkslied wurde, kamen unterschiedliche Fassungen in Umlauf. 1948 schrieb der bayerische Dichter Joseph Maria Lutz eine neue Fassung der Hymne entsprechend einem Beschluss des Vorstands der Bayernpartei. Die Partei trat für die zukünftige Unabhängigkeit Bayerns ein, lehnte den Beitritt Bayerns zur Bundesrepublik Deutschland, deren Gründung vorbereitet wurde, ab und ließ deshalb jeden Bezug Bayerns zu Deutschland aus der Hymne streichen. Zum Beispiel ersetzte er das deutsche Erde durch Heimaterde und Deutschlands Bruderstämme durch die Stämme vom Alpenrand zum Main. In einer neuen dritten Strophe, in der ursprünglich der König aufgefordert worden war, das „heilige Recht des Volkes” zu wahren, die bereits 1919 nach dem Sturz der Monarchie in den Schulbüchern gestrichen worden war, forderte er das Volk auf, die Menschenrechte zu schützen.

Seit 1964 wird das Bayernlied offiziell bei feierlich gestalteten staatlichen Veranstaltungen gespielt und seit 1966 offiziell „Hymne“ genannt. Ministerpräsident Alfons Goppel empfahl in einer Bekanntmachung vom 29. Juli 1966 als Text die Lutz-Fassung zu gebrauchen, was jahrelang zu Streitigkeiten zwischen den Öchsner-Anhängern und den Befürwortern der Lutzfassung führte. Ministerpräsident Franz Josef Strauß beendete die Streitereien durch die Feststellung, dass die von Landtag und Regierung 1952/1953 beschlossenen ersten beiden Strophen der Öchsner-Fassung (für das Lernen in den Schulen und den Gebrauch im Bayerischen Rundfunk) weiterhin gelten. Das war bereits am 11. November 1952 im kulturpolitischen Ausschuss des Bayerischen Landtags einstimmig und anschließend vom Plenum (von fünf Fraktionen) beschlossen worden; am 3. März 1953 hatte der Ministerrat der großen Koalition den Landtagsbeschluss vollzogen und das Lernen des schon damals „Hymne“ genannten Liedes angeordnet. Im Gegensatz zu anderen Regionalliedern (Badnerlied, Niedersachsenlied etc.) genießt die Bayernhymne den Schutz von § 90a StGB (Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole).

Die Originalsätze galten bis vor wenigen Jahren als verschollen. 1995 entdeckte der Archivar der Bürger-Sänger-Zunft (BSZ), Johannes Timmermann, die ältesten Noten der Hymne im BSZ-Archiv und anschließend die originalen Kompositionen von Kunz für Chor und Symphonieorchester im Altbestand einer Gymnasialbibliothek, der gerade an die Bayerische Staatsbibliothek abgegeben worden war. 1996 wurde in der BSZ der große Symphoniesatz der Hymne von Chor und Orchester der BSZ im Herbstkonzert aus Anlass der Feiern zum 50. Verfassungsjubiläum des heutigen Freistaates Bayern zum ersten Mal seit sicherlich weit über hundert Jahren wieder zu Gehör gebracht.

Im Königreich Bayern war – trotz der hohen Popularität des Liedes „Für Bayern“ – die offizielle Hymne „Heil unserm König, Heil!“. Das „Lied für Bayern“ wurde vor allem im 19. Jahrhundert oft nicht mit der Melodie von Konrad Max Kunz, sondern mit der Melodie von Joseph Haydn zur österreichischen Kaiserhymne – zur heutigen Deutschen Nationalhymne – gesungen.

In dem im Jahr 2013 eingeführten neuen katholischen Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob" findet sich die Bayernhymne nun im Diözesanteil des Bistums Regensburg. Das Lied ist dort unter der Liednummer 842 im Bereich "Vertrauen und Trost" zu finden. Die ersten beiden Strophen sind in der von Franz Josef Strauß bekanntgegebenen Textfassung wiedergegeben. Darüber hinaus ist die dritte Strophe von Joseph Maria Lutz abgedruckt.

Aktueller Text[Bearbeiten]

Die Bayernhymne

Nach der Bekanntmachung des Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß vom 18. Juli 1980:[1]

1. Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
|: Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau! :|

2. Gott mit dir, dem Bayernvolke,
dass wir, uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen uns’res Glückes Herd!
|: Dass mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre
unser Banner, weiß und blau! :|

(Bisweilen werden „Weiß“ und „Blau“ auch in Großschreibung notiert.)

Text-Varianten[Bearbeiten]

Joseph Maria Lutz[Bearbeiten]

Version von Joseph Maria Lutz von 1948, von Ministerpräsident Goppel in einer „Bekanntmachung“ vom 29. Juli 1966 empfohlen:

1. Gott mit dir, du Land der Bayern,
Heimaterde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
walte Seine Segenshand!
|: Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
und erhalte dir die Farben
deines Himmels, weiß und blau! :|

2. Gott mit uns, dem Bayernvolke,
wenn wir, unsrer Väter wert,
stets in Eintracht und in Frieden
bauen unsres Glückes Herd;
|: Dass vom Alpenland zum Maine
Jeder Stamm sich fest vertrau
Und die Herzen freudig eine
unser Banner, weiß und blau! :|

3. Gott mit uns und Gott mit allen,
die der Menschen heilig Recht
treu beschützen und bewahren
von Geschlechte zu Geschlecht.
|: Frohe Arbeit, frohes Feiern,
reiche Ernten jedem Gau!
Gott mit dir, du Land der Bayern
unterm Himmel, weiß und blau! :|

Michael Öchsners Gedicht[Bearbeiten]

Urfassung von 1860/1861, nach kurzzeitigen Varianten, von Öchsner selbst als einzig gültige Fassung festgehalten:

Für Bayern

Gott mit dir, du Land der Bayern,
Deutsche Erde, Vaterland!
über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
und erhalte dir die Farben
Seines Himmels Weiß und Blau.

Gott mit uns, dem Bayernvolke,
dass wir, unsrer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen unseres Glückes Herd;
dass mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns der Gegner schau,
und den alten Ruhm bewähre
unser Banner Weiß und Blau!

Gott mit ihm, dem Bayern-König,
Segen über sein Geschlecht!
Denn mit seinem Volk im Frieden
wahrt Er dessen heilig Recht!
Gott mit ihm, dem Landesvater,
Gott mit uns in jedem Gau,
Gott mit dir, du Land der Bayern,
Deutsche Heimat Weiß und Blau.

Michael Öchsner – Textvarianten[Bearbeiten]

Für Bayern

Gott mit dir, du Land der Bayern,
Deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
und erhalte dir die Farben (und der Himmel dir erhalte)
Seines (Gottes) Himmels Weiß und Blau!(Seine Farben Weiß und Blau!)

Gott mit uns, dem Bayernvolke,
dass wir, unserer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen unseres Glückes Herd!
Dass mit Deutschlands Bruderstämmen [dass in Not und in Gefahren](dass der Freund da Hilfe finde,)
einig uns der Gegner schau
und den alten Ruhm bewähre [wo die Rautenbanner wehen,]
unser Banner Weiß und Blau. [unsre Farben, Weiß und Blau]

Gott mit ihm, dem Bayer-König!
Segen über sein Geschlecht! (Vater Max aus Wittelsbach)
Denn mit seinem Volk in Frieden (über seinem Hause wölbe)
wahrt Er dessen heilig Recht. (sich des Himmels schirmend Dach)
Gott mit ihm, dem Landesvater!(Gott erhalte uns den Herrscher,)
Gott mit uns in jedem Gau! (Volkes Glück in jedem Gau!)
Gott mit dir, du Land der Bayern,(reiner Sitte, deutscher Treue)
Deutsche Heimat Weiß und Blau! (ew’ge Farben Weiß und Blau!)

Timmermann nach Vorlagen von Lutz und Öchsner[Bearbeiten]

Die dritte Strophe, die Johannes Timmermann nach Vorlagen von Lutz und Öchsner verfasst hat für das Singen im Freistaat Bayern:

Gott mit uns und Gott mit allen,
die der Menschen Heilig Recht
treu behüten und bewahren
von Geschlechte zu Geschlecht!
Gott mit dem, der Recht und Frieden
uns bewahrt in jedem Gau!
Gott mit dir, du Land der Bayern
deutsche Heimat Weiß und Blau!

Öchsner schrieb die Farben "Weiß und Blau" groß. Für ihn waren es nicht einfach Farben von Wettererscheinungen, die es nicht nur in Bayern gibt, sondern alte Bezeichnungen für Symbole von Tugenden, die er von den Bayern forderte, und von denen er glaubte, dass sie von den Bayern besonders gepflegt würden: die Tugenden der seelischen Reinheit, der Ehrlichkeit, des Anstands (Weiß) und der Treue (Blau). Diese Tugenden seien verankert im Himmel Gottes, in "seinem Himmel"; die Menschen könnten nicht darüber verfügen, wie sie zu verwirklichen seien, was mit ihnen gemeint sei, und sie beliebig umdeuten.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Münchner Stadtratsmitglied Rudi Hierl verteilte bei jeder Gelegenheit kleine Zettel mit dem Text der Bayernhymne. Für mehr als eine halbe Million verteilter Kärtchen wurde er 2001 in das Guinness-Buch der Rekorde eingetragen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Bayernhymne auf bayern.de