Bazaar

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bazaar (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bazaar
Bazaar logo (software).svg
Entwickler Canonical Ltd. und Freiwillige
Aktuelle Version 2.6.0
(4. August 2013)
Betriebssystem plattformübergreifend
Programmier­sprache Python, C
Kategorie Versionsverwaltung
Lizenz GNU General Public License (Freie Software)
Deutschsprachig nein
bazaar.canonical.com

Bazaar (vormals Bazaar-NG) ist Teil des GNU-Projekt und eine Software zur Versionsverwaltung von Quellcode, dessen Entwicklung vor allem durch Canonical Ltd. finanziert und vorangetrieben wird. Hauptziel ist, die Entwicklung von Open-Source-Projekten zu erleichtern. Die bekanntesten Projekte, welche Bazaar benutzen, sind zurzeit Ubuntu (Stand Januar 2008), MySQL (Stand Juni 2008) und Inkscape (Stand November 2014)[1].

Das Entwicklerteam von Bazaar legt das Hauptaugenmerk auf einfache Bedienung, Zuverlässigkeit und Flexibilität. Die Verwaltung von Entwicklungszweigen (Branching and Merging) gestaltet sich sehr einfach und kann mit einem sehr kleinen Satz von Kommandos bewältigt werden. Bazaar kann von einem einzelnen Entwickler mit mehreren Entwicklerzweigen auf einem lokalen System genauso benutzt werden wie von Teams, die über ein Rechnernetz an einem Projekt zusammenarbeiten.

Bazaar ist in Python geschrieben und als fertige Pakete für alle gängigen Linux-Distributionen, Mac OS X und Windows verfügbar.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Bazaar ist auf einfache Benutzbarkeit ausgelegt. Die Kommandos ähneln denen von CVS und Subversion, und es ist sehr leicht, ein neues Projekt ohne Server zu starten und zu betreuen.

Im Gegensatz zu rein verteilten Versionskontrollprogrammen unterstützt Bazaar sowohl den Ansatz mit als auch ohne den zentralen Server. Es ist darüber hinaus möglich, beide Ansätze gleichzeitig bei einem Projekt anzuwenden. Die Website Launchpad bietet einen kostenlosen Hosting-Dienst für Bazaar-Projekte im Open-Source-Bereich an.

Bazaar kann mit einigen anderen Versionskontrollprogrammen zusammenarbeiten.[2] Dies ermöglicht Benutzern, Entwicklerzweige aus diesen anderen Systemen transparent als Bazaar-Zweig zu nutzen. Bazaar unterstützt auf diese Weise Subversion.[3] Unterstützung für Mercurial[4] und Git[5] befinden sich in den Anfängen.

Bazaar bietet Unicode-Unterstützung für Dateinamen, Commit-Beschreibungen und Benutzernamen.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 1. Februar 2005 erklärte Martin Pool, dass er von Canonical Ltd. damit beauftragt worden war, ein „neues Versionskontrollprogramm zu erstellen, das Open-Source-Entwickler gerne benutzen werden“.[6] Martin Pool hatte bis dato mehrere Versionskontrollprogramme in Vorträgen und in seinem Weblog beschrieben und kritisch untersucht. Im März 2005 wurde eine öffentliche Website und Mailingliste eingerichtet.

Das Projekt war eine völlige Neuimplementierung, die versuchte, auf den Erfahrungen mit anderen in der Entwicklung befindlichen Versionskontrollprogrammen aufzubauen.

Seit Februar 2008 ist Bazaar ein Teil des GNU-Projektes.[7]

Vorgängerprojekte[Bearbeiten]

Obwohl es keine gemeinsame Codebasis gibt, wurzelt Bazaar im GNU-arch-Protokoll und -Projekt. Am 29. Oktober 2004 kündigte Robert Collins einen Fork von Arch namens Baz an (der ursprünglich selbst Bazaar genannt wurde).[8] Der Name „Baz“ war angelehnt an den Kommandozeilenaufruf „baz“.[9] Canonical Ltd. unterstützte die Entwicklung von Baz bis Mitte 2005, als auf der Baz-Webseite ein Parallel-Projekt namens Bazaar-NG angekündigt wurde, welches neu in Python erstellt würde und welches Baz ablösen würde.[10] Dieses wurde dann später in Bazaar umbenannt.

Baz wird nicht mehr weiterentwickelt.[11] Im Oktober 2005 gab es die letzte veröffentlichte Version von Baz (1.4.3).[12] Gleichzeitig gab Robert Collins bekannt, dass er nicht die Ressourcen habe, Baz 1.5 fertigzustellen, und dass Teile von Baz in Arch zurückverschmolzen worden waren.[13] Canonical betrachtet Baz als veraltet.[14]

Rückzug von Canonical[Bearbeiten]

Anfang 2012 zog Canonical alle Mitarbeiter vom Bazaar-Projekt ab[15], was zu einem Einbruch der Aktivität des Projektes führte[16], da bereits seit Jahren immer weniger Beiträge von Programmierern außerhalb von Canonical gekommen waren[15]. Von bis dato 41150 Beiträgen zum Bazaar-Quellcode fielen nur ca. 150 auf das Kalenderjahr 2013.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inkscape's Repositories, abgerufen 13. November 2014
  2. Jelmer Vernooij, John Meinel, Olad Conradi, Martin Pool, Wouter Van Heyst, Aaron Bentley: BzrForeignBranches. 15. Juni 2007, abgerufen am 21. Juni 2007 (englisch).
  3. Jelmer Vernooij, Mark Lee, Neil Martinsen-Burrell, Robert Collins, Alexandre Vassalotti, Stijn Hoop: BzrForeignBranches/Subversion. 7. Juli 2007, abgerufen am 21. Juli 2007 (englisch).
  4. The Bazaar Hg Plugin
  5. bzr git support plugin
  6. Martin Pool: A beginning
  7. Martin Pool: Bazaar is now a GNU project. 26. Februar 2008, abgerufen am 26. Februar 2008 (englisch).
  8. Robert Collins: Announce: Bazaar. 29. Oktober 2004, abgerufen am 16. Januar 2008 (englisch).
  9. Martin Pool, Matthieu Moy, Matthew Hannigan: Branding. 9. März 2007, abgerufen am 16. Januar 2008 (englisch).
  10. Matthieu Moy: Future of GNU Arch, bazaar and bazaar-ng … ? 20. August 2005, abgerufen am 16. Januar 2008 (englisch).
  11. John Arbash Meinel, Aaron Bentley, Martin Pool: History Of Bazaar. 26. Juli 2006, abgerufen am 17. Januar 2008 (englisch).
  12. Matthieu Moy: ReleaseNotes1.4.3. 25. Oktober 2005, archiviert vom Original am 16. Januar 2009, abgerufen am 16. Januar 2008 (englisch).
  13. Robert Collins: releasing 1.5. 30. Juli 2006, abgerufen am 16. Januar 2008 (englisch).
  14. Baz1x – Bazaar Version Control. 24. Juli 2006, abgerufen am 17. Januar 2008 (englisch).
  15. a b Jelmer Vernooij: Bazaar-NG: 7 years of hacking on a distributed version control system. 19. Dezember 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013 (englisch).
  16. a b Black Duck Software, Inc.: The Bazaar Version Control Open Source Project on Ohloh : Commits Summary Page. Abgerufen am 21. Dezember 2013 (englisch).