Bazillus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt eine Gattung stäbchenförmiger Bakterien. Für die Gattung stabförmiger Gespenstschrecken siehe Bacillus (Insektengattung).
Bacillus
Bacillus anthracis

Bacillus anthracis

Systematik
Domäne: Bacteria
Abteilung: Firmicutes
Klasse: Bacilli
Ordnung: Bacillales
Familie: Bacillaceae
Gattung: Bacillus
Wissenschaftlicher Name
Bacillus
Cohn 1872

Bazillen (vom lateinischen bacillus für „Stäbchen“) sind eine Gattung stäbchenförmiger, in Mehrzahl sich aktiv bewegender Bakterien mit mehr als 200 bekannten Arten.[1] Sie sind grampositiv.

Umgangssprachlich werden verschiedene krankheitserregende Mikroorganismen wie Bakterien, Amöben und Viren als Bazillus oder Bazille bezeichnet. Die so bezeichneten Organismen bilden aber keine biologisch-systematische Gruppe (Taxon) und die weitaus meisten von ihnen gehören nicht zur Gattung Bacillus.

Kennzeichnend für die Gattung Bacillus ist die Bildung von Endosporen und (im Gegensatz zur Gattung Clostridium) aerobes oder fakultativ aerobes Wachstum. Einige Arten können pathogen (krankheitserregend) sein.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Sie vermehren sich nur unter aeroben Bedingungen und zwar auch auf einfachen Grundkulturmedien. Alle Arten bilden Lecithinase und Katalase, während sich die meisten Arten in Kohlenhydrat-Verwertung und Fähigkeit zur aktiven Bewegung unterscheiden. Zur Zersetzung von Geweben besitzen sie ein breites Spektrum artspezifischer Enzyme (Bsp.: Kollagenasen, Proteasen). Einige Vertreter der Gattung bilden Toxine (Bsp.: Hämolysine).

Der GC-Gehalt ihrer DNA ist sehr uneinheitlich. Er liegt bei 32-69%.

Als Besonderheit enthalten viele Arten der Gattung Bacillus in ihren Membranen einen hohen bis überwiegenden Anteil verzweigter Fettsäureketten.[2]

Formen der Zellen mit Sporen[Bearbeiten]

Bakterien Sporen.png

1. Spore zentral
2. Spore terminal mit Einschlusskörper (Protein)
3. Spore terminal, Bakterie keulenförmig aufgetrieben
4. Spore zentral, Bakterie spindelförmig aufgetrieben („Clostridium-Form“)
5. Spore terminal, rund = Plectridium
6. Spore lateral, Bakterie spindelförmig aufgetrieben.

Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Bacillus cereus Frankland & Frankland 1887. Weit verbreiteter Bodenkeim, in verschiedenen Lebensmitteln (insbesondere Reis) häufig nachweisbar. Die beiden bekannten Enterotoxine können zur Lebensmittelvergiftung führen. Eine Variante ist B. cereus var. mycoides, welche ein pilzähnliches Wachstum auf der Nährbodenoberfläche aufweist. Es gibt „links-“ und „rechtsdrehende“ Stämme.
  • Bacillus circulans Jordan 1890 bildet kreisförmig auseinanderwachsende Kolonien (daher Name), Luftkeim
  • Bacillus polymyxa (Prazmowski 1880) Macé 1889 (früher: B. asterosporus) hat seinen Namen durch die starke Schleimbildung. Die Sporen sind im Querschnitt sternförmig
  • Bacillus stearothermophilus Donk 1920 ist aufgrund seines Wachstumsoptimums bei 50 - 65 °C ein ausgesprochen thermophiler Organismus. Unter 30 °C ist kein Wachstum vorhanden. Er dient als Prüfkeim von Sterilisationsprozessen.
  • Bacillus subtilis (Ehrenberg 1835) Cohn 1872. Ein in Heuaufgüssen anreicherbarer Bacillus, auch Heubazillus genannt. Einzelne Stämme sind Antibiotikabildner (Bacitracin).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bacterio.cict.fr/b/bacillus.html J.P. Euzéby: List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature.
  2. T. Kaneda: Iso- and anteiso-fatty acids in bacteria: biosynthesis, function, and taxonomic significance. In: Microbiol. Rev. 55(2); June 1991: S. 288-302 PMID 1886522 (freier Volltextzugang)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bazillus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bazillus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • J.P. Euzéby: List of Prokaryotic Names with Standing in NomenclatureGenus Bacillus