Bea Wyler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bea Wyler (* 1951 in Baden) ist eine Schweizer Rabbinerin.[1] 1995 wurde sie erste Rabbinerin in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.[2]

Leben[Bearbeiten]

Bea Wyler wuchs im aargauischen Wettingen auf, studierte an der ETH Zürich[1] Agronomie und arbeitete als agrarwissenschaftliche Journalistin. Die Basler Zeitung stellte sie 1980 als erste Wissenschaftsredakteurin an, dort leitete sie das Wissenschaftsressort.[3] Im Anschluss arbeitete sie in einem Chemieunternehmen in Basel in der Public-Relations-Abteilung und war für Publikationen des Unternehmens zuständig.

Nach einem Aufenthalt in Israel studierte sie in London am Leo Baeck College und in New York am Jewish Theological Seminary. Im Mai 1995 wurde sie im Alter von 44 Jahren ordiniert.

Zum 1. August 1995 wurde sie von der 1992 entstandenen jüdischen Gemeinde in Oldenburg (Niedersachsen) und der jüdischen Gemeinde in Braunschweig angestellt. Die Amtseinführung verursachte in den Medien erhebliches Aufsehen und löste Kritik im orthodoxen Judentum aus, weil es Frauen im Amt des Rabbiners ablehnt. Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärte damals, er werde einen von ihr geleiteten Gottesdienst nicht besuchen.[4] Sie werde auch nicht in die Deutsche Rabbinerkonferenz aufgenommen.[5] So lange er in der Sache etwas zu sagen habe, werde es in Frankfurt keine Frau als Rabbiner geben.[6]

Ab 1997 war Bea Wyler auch für die neugegründete jüdische Gemeinde in Delmenhorst tätig. An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lehrte sie im 1995 eingerichteten interdisziplinären Studiengang Jüdische Studien.[7]

Im Mai 2004 gab sie ihre Ämter in Deutschland auf. Aus familiären Gründen kehrte sie in die Schweiz zurück und ist seither vornehmlich lehrend und publizistisch tätig, hält aber auch Gottesdienste ab.[8][9] In der Schweiz ist sie die einzige Rabbinerin.[10]

Ihr Nachfolger in Braunschweig wurde 2002 Jonah Sievers.[11] In der Gemeinde in Oldenburg folgte ihr 2006 für zwei Jahre Daniel Alter.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl-v.-Ossietzky-Universität Oldenburg (Hrsg.): Dokumentation Amtseinführung von Frau Rabbiner Bea Wyler am 17. Dezember 1995. Bis, Oldenburg 1997, DNB 952222140.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Neue Zürcher Zeitung, 2. August 1999.
  2. Rabbinerin in Deutschland. In: Freiburger Rundbrief. 1996.
  3. Bulletin 2/04 des Schweizer Clubs für Wissenschaftsjournalismus, S. 5. auf science-journalism.ch (PDF-Datei)
  4.  Frust auf der Galerie. Erstmals hat eine jüdische Gemeinde eine Rabbinerin eingestellt. Kritiker sehen den Zusammenhalt der Juden in Deutschland gefährdet. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1995, S. 59–60 (7. August 1995, online).
  5.  Wir sind nicht orthodox. Interview mit Sara-Ruth Schumann, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde im niedersächsischen Oldenburg, über die erste bundesdeutsche Rabbinerin, Bea Wyler. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1995, S. 17 (31. Juli 1995, online).
  6. Albert H. Friedlander: Obituary: Ignatz Bubis In: The Independent vom 16. August 1999 (englisch).
  7. Weibliche Rabbiner. In: Christine Müller: Zur Bedeutung von Religion für jüdische Jugendliche in Deutschland. S. 173. (Digitalisat)
  8. Tagung Zehn Jahre OFEK 2009 auf safpro.ch (PDF-Datei; 133 kB)
  9. Ofek-Jahresbericht 2005 auf ofek.ch
  10. Jüdisches Winterthur auf museum-lindengut.ch (RTF; 369 kB), Pressemitteilung des Historischen Vereins Winterthur vom 13. März 2006.
  11. Irina Leytus: Klein, aber fein: die jüdische Gemeinde Braunschweig setzt auf Kontinuität. Zentralrat der Juden in Deutschland vom 25. Juni 2004.
  12. Felix Zimmermann: Oldenburg ohne Rabbiner. In: die tageszeitung vom 1. August 2008.