Beatrice Weder di Mauro

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Beatrice Weder di Mauro, 2012

Beatrice Weder di Mauro (* 3. August 1965 in Basel) ist eine schweizerisch-italienische Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie gehört dem Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS an.[1][2] Bei der UBS ist sie Mitglied im Risk und Audit Committee. Darüber hinaus ist sie seit 2014 Mitglied im Bellagio Gruppe, welche der Vorgänger der Group of Thirty ist. Zwischen 2004 und Februar 2012 war sie Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (bekannter als "Rat der Wirtschaftsweisen") in Deutschland.

Leben[Bearbeiten]

Weder di Mauro verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Guatemala, wo sie die Deutsche Schule besuchte. Im Alter von 16 Jahren kehrte sie mit ihrer Familie in die Schweiz zurück.

Nach der Matura in Münchenstein und einem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel promovierte sie dort 1993 mit einer Arbeit zum Thema „Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat“. Sie belegte darin mit empirischen Daten aus Lateinamerika, dass Armut in allen Schichten auch eine Konsequenz von Rechtsunsicherheit ist und umgekehrt eine Steigerung des Wohlstands in Entwicklungsländern möglich ist, wenn die "Grundbedingungen des Erfolgs der westlichen Länder" - "Langfristigkeit, Gewaltenteilung und Supranationalität" - auch in diesen Ländern entwickelt werden.[3] Von 1994 bis 1996 war Weder di Mauro als Ökonomin beim Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig, 1996–1997 bei der Weltbank. Von 1998 bis 2000 war sie an der Universität Basel Assistenzprofessorin, 2000–2001 Titularprofessorin der Nationalökonomie. Ab 1999 folgten sporadische Gastaufenthalte beim IWF, an der Universität der Vereinten Nationen in Tokio (2000) und an der Harvard University sowie ab 2003 beim Federal Reserve Board in New York.

Seit April 2001 hat Weder di Mauro eine Professur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit Fragen internationaler Wirtschaftsbeziehungen und der internationalen Finanzmärkte. 2002–2004 war sie Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Konjunkturfragen in Bern. Seit 2003 ist sie Mitherausgeberin des „Applied Economics Quarterly“, seit 2003 „Research Affiliate“ des „Center for Economic Policy Research“ (CEPR) in London.

Im Juni 2004 wurde Weder di Mauro als Nachfolgerin von Axel Weber in den deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („fünf Wirtschaftsweise“) berufen. Sie war in dieser Position das jüngste jemals berufene Mitglied, die erste Frau und die erste Nichtdeutsche. Im Februar 2012 wurde bekannt, dass Weder di Mauro ihre Tätigkeit als Wirtschaftsweise zum turnusgemäßen Ende ihrer Amtszeit am 29. Februar 2012 aufgeben werde, da sie für den Verwaltungsrat der Schweizer Bank UBS nominiert wurde und einen Interessenkonflikt vermeiden wolle.[4]

Von 2005 bis 2010 war sie im Aufsichtsrat der Ergo Versicherungsgruppe, seit 2010 ist sie im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp und seit 2011 in dem der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Außerdem gehört sie seit 2006 dem Verwaltungsrat von Hoffmann-La Roche an.[5] Ihr Mandat im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp, welches noch bis 2015 gelaufen wäre, endet Ende 2013, da EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso sie in eine Expertenkommission berufen hat.[6]

Neben Beiträgen in Fachzeitschriften verfasst sie auch populärwissenschaftliche Artikel. Zudem schrieb sie Kolumnen für die Basler Zeitung (über Themen wie Konjunktur, Börse, internationale Finanzströme und Entwicklungshilfe). Des Weiteren ist sie seit 2006 Mitglied der Jury des „Postbank Finance Award“.

Weder di Mauro spricht Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch, sie kann sich auch auf Französisch und mit Einschränkungen auf Japanisch und Russisch verständigen. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

Werke[Bearbeiten]

  • Five essays on economic causes of corruption. WWZ-Forum, Basel 2002.
  • Institutional reform in transition economics. International Monetary Fund, Washington, DC, 2001.
  • Model, myth or miracle. United Nations University Press, Tokio 1999, ISBN 92-808-1030-8.
  • Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat. Rüegger, Chur 1993, ISBN 3-7253-0469-6.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angaben auf der Seite der Bank, Abgerufen am 24. September 2014.
  2. Rheinische Post 4. Februar 2012
  3. Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat. S. 195
  4. Meldung in ZDF.heute am 3. Februar 2012.
  5. Lebenslauf und Publikationen, Website der Universität Mainz. Abgerufen am 26. August 2014.
  6. Meldung in der Wirtschaftswoche, Heft 42, abgerufen am 16. Oktober 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Artikel[Bearbeiten]