Breitenbach (Bebra)

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50.9569444444449.7838888888889202Koordinaten: 50° 57′ 25″ N, 9° 47′ 2″ O

Breitenbach
Stadt Bebra
Wappen von Breitenbach
Höhe: 202 m
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36179
Vorwahl: 06622
Breitenbacher Seen im Hintergrund Breitenbach mit Kirche

Breitenbach liegt im Nordosten Hessens und ist ein Stadtteil von Bebra.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Breitenbach liegt westlich vom „Fuldaknie“ (einer starken Biegung der Fulda), so dass es leicht auf Landkarten auffindbar ist.

Ausdehnung des Dorfgebiets[Bearbeiten]

Das Dorfgebiet erstreckte sich im Mittelalter südlich der Fulda beginnend bis zur heutigen Straßenabzweigung nach Lüdersdorf. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wuchs es in den Gebieten um den Klenges und beiderseits des Lüderbach Richtung Lüdersdorf. Noch um 1900 lag der heutige alte Friedhof, der seit 1844 besteht, an der Dorfgrenze. Heute befindet er sich an der Hersfelder Straße und befindet sich beinahe in der Ortsmitte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Breitenbach von einer Feuersbrunst heimgesucht, wobei am 7. September 1905 sechs Wohnhäuser mit den angrenzenden Stallungen im Bereich zwischen Hersfelder Straße und der Straße zum Pfarrhaus abbrannten. Trotzdem dehnte sich das Dorf weiter aus, so dass die Gebiete im "Rieth" (Gebiet ab dem alten Friedhof in Richtung Blankenheim), „Hinter den Zäunen“ (→ Weserstraße), Lüdersdorfer Straße, am „Bitzen“, Fuhrmannweg („Höhle“), und Bachseite nach und nach erschlossen wurden.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden am 1. April 1945 ca. 50 Gebäude des Dorfes stark beschädigt als eine Gruppe der Waffen-SS versuchte, das Dorf gegen die amerikanische Armee zu verteidigen.

Neubaugebiete liegen in Breitenbach in den Bereichen Baumgarten und seit 1959 auch auf dem Kleeberg zwischen Lüdersdorfer Straße und dem Höberück. Seit den 1990er Jahren kommen einige neue Häuser im Osten des Ortes, also zwischen Hersfelder Straße und B 27 hinzu.

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichte bis ins 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Kaiser Heinrich II. teilte am 30. Mai 1003 den Reichsforst Ehringswald (Ehrenvirst) zwischen den Klostern Fulda und Hersfeld auf. Breitenbach fiel so in den Einflussbereich Hersfelds. Wenige Jahre später erfolgte die erste urkundliche Erwähnung.

Am 27. und 28. Januar 1074 wurden zwei Urkunden verfasst, die heute im Staatsarchiv in Karlsruhe aufbewahrt werden. Sie wurden von Urkundenschreibern der kaiserlichen Kanzlei verfasst, da sich zu diesem Zeitpunkt König Heinrich IV. im Breitenbacher Königshof aufhielt. Im Frühjahr 1075 sammelte Heinrich IV. ein Heer bei Breitenbach und Blankenheim, um den Aufstand der Sachsen gewaltsam niederzuschlagen.

Bei Kämpfen wurde Breitenbach 1219 und 1312 verwüstet.

Zur Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde 1623 bei Breitenbach ein Transportzug der zu Tilly gehörigen katholischen Truppen überfallen. Die einheimischen Angreifer zwangen die wenigen Überlebenden, sich von nun an nicht mehr gegen die Protestanten zu wenden, was dennoch eine spätere Vergeltung nach sich zog. Links der Fulda in Richtung Rotenburg befindet sich noch heute das Lehnsgut Mischels, mit dem die Familie von Bartheld 1641 durch die Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel belehnt wurde.

Der Gerichtsstuhl Breitenbach mit den zugehörigen Dörfern Breitenbach, Lüdersdorf, Mecklar und Meckbach existierte vom 16. Jahrhundert bis 1821. Er gehörte zum Obergericht im Amt Rotenburg.

Die Bedeutung der Fulda[Bearbeiten]

Schon im Mittelalter machte eine Furt ungefähr 50 Meter stromabwärts der heutigen Fuldabrücke Breitenbach zu einem wichtigen Punkt zum Überqueren des Flusses. Ab 1494 wurde das Überwinden der Fulda durch den Bau eine Holzbrücke erleichtert, der von der Landgräfin Mechthild, Witwe des Landgrafen Ludwig I. von Hessen, und dem Hersfelder Abt Volpert Riedesel zu Bellersheim beschlossen wurde. Für die Benutzung der Brücke wurde ein Zoll erhoben. Die Holzbrücke wurde mehrfach durch Hochwasser und Eisschollen zerstört, zuletzt am 19. Dezember 1902. Daraufhin wurde Ende 1903 eine Bogenbrücke aus einer Eisenkonstruktion gebaut, die auf stabilen Steinpfeilern ruhte. Doch auch diese Brücke wurde zerstört, diesmal durch die Sprengung deutscher Truppen beim bevorstehenden Einmarsch der Amerikaner am 1. April 1945. Die daraufhin von amerikanischen Pionieren gebaute Behelfsholzbrücke wurde bis 1948 genutzt. Danach wurde eine einfache Eisenbrücke in Dienst gestellt die erst 1975/76 von der heutigen Stahlbetonbrücke abgelöst wurde.

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der schiffbare Teil der Fulda bis Bad Hersfeld genutzt. Hierbei kamen auf dem Weg flussaufwärts Zugpferde zum Einsatz, die die Schiffe gegen die Strömung zogen. In der Gemarkung Breitenbach wurde die Fulda in den Jahren 1760, 1775 und 1860 an mehreren Stellen begradigt. Davon profitierte auch das Flößergewerbe, das um 1800 einen Aufschwung erlebte. Hierbei wurde aus Thüringen stammendes Holz, das in der Ulfenmühle (heute zu Weiterode) zu Brettern verarbeitet worden war, zunächst in Breitenbach zu Flößen zusammengebunden. Danach wurde es von Flößern in ungefähr 35 Stunden über 80 Kilometer auf der Fulda nach Kassel transportiert. So gab es in Breitenbach bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein „Herrschaftliches Holz- und Dielenmagazin“, doch mit zunehmendem Durchsetzen der Eisenbahn als Transportmittel verloren die Flößer an Bedeutung.

Eingemeindung[Bearbeiten]

Im Rahmen der hessischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde Breitenbach am 31. Dezember 1971 in die Stadt Bebra eingegliedert.[1]

Politik[Bearbeiten]

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

Ortsvorsteher von Breitenbach ist seit 2006 José Maireles-Fuentes.

Wappen[Bearbeiten]

Auf dem Wappen sind die Fulda (Fluss), die Brücke über diese und ein Fachwerkhaus dargestellt.

Wappenspruch[Bearbeiten]

Die Väter haben auf Gott vertraut
und eine Brücke von Stein gebaut,
die stand so fest wie ein Hessenwort
und sollte verbinden Süd und Nord.

Die Zeit war sturmvoll,
das Dorf ward neu,
doch nie verliert es die alte Treu.

Von Herz zu Herzen heißt’s Brücken bauen,
wir wollen es wagen und aufwärt’s schau’n.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Der MGV 1895 Liederkranz Breitenbach ist ein Männerchor, der auf den niedrigen Altersdurchschnitt der ca. 50 aktiven Mitglieder stolz ist.

Der evangelische Jugendposaunenchor wurde im Dezember 1992 gegründet. Im Frühjahr 2013 wurde das 20-jährige Jubiläum in einem festlichen Gottesdienst in der Breitenbacher Kirche gefeiert.

Sport[Bearbeiten]

Die Sportgemeinschaft Breitenbach 1920 e.V. ist vor allem im Bereich Fußball aktiv, neben der 1. Mannschaft, den „Alten Herren“ und dem Jugendbereich gibt es auch eine Abteilung für Damenfußball, die eine Spielgemeinschaft mit Lispenhausen bildet. Außerdem existiert eine Faustballabteilung. An das genutzte Sporthaus schließen sich der Fußballplatz und ein Trainingsplatz an.

Oberhalb des Sportplatzes befindet sich das Schützenhaus des Schützenverein 1926 Breitenbach e.V.. Im Schützenhaus befinden sich 5 Schießstände für Luftgewehr und 4 Schießstände für Kleinkaliber. Seit Anfang 2013 wird ebenfalls Bogenschießen angeboten.

Der TV 03 Breitenbach hat vor allem durch seine Läufer Bekanntheit erreicht. Neben der Tennisabteilung, die den Platz in der Nähe des Sportplatzes mit zwei Sandplätze bewirtschaftet, werden auch andere Sportarten wie Badminton angeboten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bis 1984 führte die Bundesstraße 27 durch Breitenbach, seitdem wird sie östlich über eine neu gebaute Umgehungsstraße um das Dorf herum geführt. Richtung Süden gelangt man über einen Abschnitt der alten Bundesstraße (heute Kreisstraße 74) nach Blankenheim, in die entgegengesetzte Richtung führt die Straße Richtung Bebra und Weiterode. Nach Westen führt die Kreisstraße 60 nach Lüdersdorf und von dort weiter nach Rotenburg an der Fulda.

Mit der Deutschen Bahn ist Breitenbach über den Bahnhof von Bebra zu erreichen. Die Busse des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) verkehren regelmäßig.

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Die Breitenbacher Kirche wurde zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert erbaut und ist dem heiligen Michael geweiht. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1508. Nach einem Blitzeinschlag 1782 wurde der Turm neu aufgebaut und ist bis heute in dieser Form erhalten geblieben. Das Kirchenschiff wurde hingegen mehrfach erweitert und umgebaut, zuletzt 1967.

Evangelische Kirche

1254 wurde zum ersten Mal ein Plebanus erwähnt. Die Pfarrei gehörte zu dieser Zeit zum „erzpriesterlichen Sprengel“ Braach. 1595 zählten Blankenheim, Lüdersdorf und Weiterode zur Kirchengemeinde Breitenbach. Weiterode wurde 1914 „selbstständig“, die verbliebenen Orte bilden auch heute noch das Kirchspiel Breitenbach. Das Dorf hatte in seiner Geschichte drei Friedhöfe: Der erste befand sich direkt an der Kirche. Ab 1844 wurde ein Gebiet genutzt, das damals zwischen Breitenbach und Blankenheim lag. Dieser "alte" Friedhof befindet sich heute in der Ortsmitte. Seit 1972 gibt es einen neuen Friedhof oberhalb des Neubaugebiets "Im Baumgarten".

Schule[Bearbeiten]

Im Laufe seiner Geschichte hatte Breitenbach drei Schulhäuser. Das erste, das bis 1967 gegenüber dem alten Kirchenschiff stand, wurde bis 1900 genutzt und 1968 im Zuge des Kirchenumbaus schließlich abgerissen. Das zweite ist ein gut erhaltenes Fachwerkhaus und dient heute als Wohnhaus. 1936 wurde das neue Schulhaus errichtet, das heute als Grundschule genutzt wird und zuletzt 1990 komplett renoviert wurde. Im Zeitraum der Renovierung fand der Unterricht für die Breitenbacher Schüler teilweise in der Weiteröder Grundschule statt.

Seit 1998 wird die Arbeit der Grundschule durch einen Förderverein unterstützt. Der Freundes- und Förderkreis der Grundschule Breitenbach e. V. mit ca. 70 Mitgliedern hat es sich zur Aufgabe genmacht, das Schulleben finanziell und inhaltlich zu fördern.

weitere[Bearbeiten]

  • Dorfgemeinschaftshaus
  • Feuerwehrhaus
  • Mehrzweckhalle
  • Pfarrhaus
  • Schützenhaus
  • Sporthaus
  • Jugendclubhaus
  • Kindergarten

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudi Eichhorn: Bebra und seine Stadtteile - bildschön. Geiger, Horb 1989, ISBN 3-89264-388-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 406.

Weblinks[Bearbeiten]