Giuseppe Becce

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Giuseppe Becce, Pseudonym Peter Becker, (* 3. Februar 1877 in Lonigo, Vicenza, Italien; † 5. Oktober 1973 in Berlin) war ein italienischer Filmkomponist und Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Becce stammte aus bäuerlichen Verhältnissen in Lonigo (Vicenza, Oberitalien). Sein musikalisches Talent wurde schon als Kind entdeckt. In Padua lernte er Cello und Flöte spielen. Bereits während des Studiums der Geographie und Philologie arbeitete er im Alter von 20 Jahren als Dirigent des Universitätsorchesters. 1900 kam er nach Berlin und setzte sein Geographie-Studium fort. Er belegte aber auch Kompositionsseminare bei Arthur Nikisch und Ferruccio Busoni. Die Musik wurde immer mehr zu seinem Lebensmittelpunkt. 1910 schrieb er die Operette „Das Bett der Pompadour“ und 1912 die Oper „Tullia“.

Für den von Oskar Messter 1913 produzierten Film Richard Wagner schrieb Giuseppe Becce eine eigenständige Begleitmusik und spielte unter der Regie von Carl Froelich auch die Titelrolle. Für weitere Filme schrieb er jeweils kurze Musiken, die, flexibel genug, zur Begleitung ständig wiederkehrender Filmsituationen variiert werden konnten. Eine Sammlung dieser Kompositionen, die sogenannte „Kinothek“ wurde zwischen 1919 und 1933 im Verlag Schlesinger'sche Buchhandlung in Berlin veröffentlicht. Einzelne Stücke fanden Eingang in das Genre der Salonmusik.

Von 1915 bis 1923 leitete Becce das kleine Orchester des Berliner Mozartsaals am Nollendorfplatz. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Becce der Chef der Musikabteilung der Decla-Bioscop AG und Chefdirigent des Filmorchesters, des späteren UFA-Orchesters und arbeitet als Kinokapellmeister unter anderem in den Berliner Uraufführungsfilmtheatern (ab 1922 UFA-Pavillon am Nollendorfplatz, 1923 Tauentzien-Palast, 1926 Gloria-Palast). Jetzt arbeitete er mit den großen Regisseuren der Stummfilmzeit wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau, Georg Wilhelm Pabst, Ernst Lubitsch, Ludwig Berger, Joe May und Berthold Viertel zusammen und arrangierte und schrieb teilweise größere Filmmusiken für sie.

1920 gab Becce die Zeitschrift Film-Ton-Kunst[1] heraus, ab 1921 das „Kinomusikblatt“, ab 1926 wieder unter dem Titel „Film-Ton-Kunst. Eine Zeitschrift für die künstlerische Musikillustration des Lichtbildes“, ab 1927 offizielles Mitteilungsorgan der „Gesellschaft der Filmmusik-Autoren Deutschlands e. V.“, 1928 ging diese in die Zeitschrift R.D.K. über, Vertrauliche Mitteilungen des Reichsbund deutscher Kinokapellmeister.[2]

1927 gab er zusammen mit Hans Erdmann und Ludwig Brav das zweibändige Allgemeine Handbuch der Filmmusik heraus, das u. a. auf seiner Kinothek basierte. Der zweite Teil enthält 3000 Ausschnitte aus Werken von 200 Komponisten zu charakteristischen Film-Situationen wie z. B. „Tiefpunkt, Resignation“ und ermöglichte den Stummfilmpianisten auf einfache Art, Filme mit standardisierten Genreintonationen und Motiven von Komponisten wie d'Albert, Auber, Bizet, Delibes, Massenet, Sibelius, Smetana, Tschaikowski und Verdi, aber auch Film-Illustratoren wie Morris Aborn, Gaston Borch, Carl May, John Stepan Zamecnik, sowie Becce selbst zu begleiten.

Urnengrabstätte von Becce und seiner Frau Emma, geb. Woop, auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf

Mit Beginn des Tonfilmes betreute er musikalisch diverse Opern-, Operetten- und Musikfilme, arbeitete mit Leni Riefenstahl, auch für den Olympiafilm und Luis Trenker zusammen, für den er in den späteren Jahren seine Berg- und Heimatfilme vertonte. Seine, in den 1930er, 1940er und 1950er Jahren außerordentlich produktive, Arbeit für den Film war in seltenen Fällen ausschließlich Eigenkomposition, meist vermischte Becce seine eigenen Schöpfungen mit denen anderer Komponisten.

1941 kehrte Becce nach Italien zurück, nahm aber nach dem Zweiten Weltkrieg seine Arbeit in Deutschland wieder auf. Zunächst lebte er in München und in Südtirol, wo er erneut mit Luis Trenker zusammenarbeitete. Später zog er nach Berlin. In den 1950er Jahren schrieb Giuseppe Becce häufig Musik für den westdeutschen Heimatfilm.

Er war verheiratet mit der Schriftstellerin Emma Woop, die auch Texte für seine Lieder schrieb. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin.

Becce schrieb in den 1910/20er Jahren auch Kriegs- und Kriminalromane (zum Teil unter dem Pseudonym „Peter Becker“) unter anderem für den Verlag moderner Lektüre in Berlin und den Mignon-Verlag in Dresden.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Filme (mit Becce als Komponist oder Schauspieler)[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Giuseppe Becce[Bearbeiten]

  • Die Telegraphistin. Original-Kriegsroman (= Mignon-Romane. Bd. 97, ZDB-ID 2682606-9). Mignon-Verlag, Dresden 1915.
  • Die Stimme der Heimat. Original-Kriegsroman (= Mignon-Romane. Bd. 111). Mignon-Verlag, Dresden 1915.
  • Das Goldschiff (= Mignon-Romane. Bd. 125). Mignon-Verlag, Dresden 1915.

Peter Becker (Pseudonym)[Bearbeiten]

  • Der Heldentod Schill's und seiner Offiziere. Vaterländisches Volksstück (= Theaterbibliothek. Heft 305, ZDB-ID 2251576-8). Heidelmann, Bonn 1910.
  • Der Wunschgott. Kriminal Roman (= Mignon-Romane. Bd. 149). Mignon-Verlag, Dresden 1916 (Später: (= Kleine Kriminal-Bücher. Nr. 24) ebenda 1919).
  • Miß Wells' seltsames Abenteuer (= Der Detektiv. Harald Harst, aus meinem Leben. Nr. 159). Verlag moderner Lektüre Berlin 1925.[3]
  • Das Haupt der Shinta (= Der Detektiv. Harald Harst, aus meinem Leben. Nr. 160). Verlag moderner Lektüre, Berlin 1925.
  • Ritter der Landstraße (= Kabel Kriminalbücher. Bd. 41). Verlag moderner Lektüre, Berlin 1925
  • Der Schachspieler. Kriminalroman (= Wer war es? Bd. 334). Verlagshaus Freya, Heidenau 1926.

Literatur[Bearbeiten]

  • mit Hans Erdmann, Ludwig Brav: Allgemeines Handbuch der Film-Musik. 2 Bände. Schlesinger'sche Buchhandlung, Berlin-Lichterfelde 1927;
    • Band 1: Musik und Film. Verzeichnisse.
    • Band 2: Thematisches Skalenregister.
  • Film-Ton-Kunst. Eine Zeitschrift für die künstlerische Musikillustration des Lichtbildes. Gegründet von Giuseppe Becce. Schlesinger'sche Buchhandlung, Berlin 1, 1920 – 6, 1927. ZDB-ID 2527347-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Film-Ton-Kunst: Herausgeber: Giuseppe Becce
  2. Hans Traub, Hanns W. Lavies: Das Deutsche Filmschrifttum. Bibliographie der Bücher und Zeitschriften über das Filmwesen 1896–1939. Hiersemann, Leipzig 1940. Reprint: Stuttgart 1980, ISBN 3-7772-8016-X, S. 20, 221.
  3. Siegfried Augustin, Walter Henle (Hrsg.): Vom Robinson zum Harald Harst. Ein Abenteuer-Almanach. Ronacher-Verlag, München 1984, ISBN 3-923191-05-7.