Becherovka

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Becherovka (ehemals Karlsbader Becher-Bitter) ist ein aus Karlsbad (tschechisch Karlovy Vary) in Tschechien stammender, grünlich-gelber Kräuterbitterschnaps, der ausschließlich vom Unternehmen Jan Becher hergestellt wird.

Der klassische Becherovka enthält 38 % vol. Alkohol, daneben werden auch weitere Variationen verkauft. Der Kräuterlikör wird entweder pur, eisgekühlt oder als Mischgetränk getrunken. Neben Long-Drinks mit Tonic, Cola, Kofola gibt es weitere Rezepte, beispielsweise mit Zitrone.

Geschichte[Bearbeiten]

Werbung von Johann Becher (1908)
Becherovka

Der Likör wurde nach einer über Jahre geheim gehaltenen Rezeptur aus Kräutern und Gewürzen aus den britischen Kolonien und Alkohol von dem Apotheker Josef Vitus Becher in Karlsbad erstmals hergestellt und von seinem Sohn Johann Becher (1815-1896) weiter produziert. Dieser Magenbitter, zunächst „Englisch Bitter“ genannt, wurde als „Karlsbader Becherbitter“ im Laufe des 19. Jahrhunderts in Österreich-Ungarn ein Verkaufserfolg und wurde seither mit begleitenden Streitigkeiten über die richtige Rezeptur, vor allem der erforderlichen Gewürze, kopiert. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakei wurde die Bezeichnung „Karlsbader Becherbitter“ in tschechischer Sprache Becherovka genannt und ironisch als dreizehnte der zwölf bestehenden Heilquellen des Kurortes Karlsbad bezeichnet. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte der Karlsbader Becherbitter zahlreiche Prämien erhalten und auf der Weltausstellung Paris 1900 den Grand Prix.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Enteignung der deutschen Eigentümerfamilie Becher im Jahr 1946 durch die Beneš-Dekrete wurde die Produktion stark zurückgefahren. Unter Leitung von Václav Lupínek wurde der Becherovka seit den 1960er Jahren zu einer der bekanntesten Likörmarken des Landes. 1993 wurde der Staatsbetrieb privatisiert.[1]

Von 1998 bis 2001 gab es ein Nachahmeprodukt des Becherovka in der Slowakei; dessen Produzent Zdeněk Hoffmann hat diesen nach einem angeblich an seinem Großvater von Alfred Becher, einem Angehörigen der Familie Becher im Jahre 1939 geschenkten Rezept hergestellt.[2] Im Jahr 2007 wurde er durch das Bezirksgericht Domažlice zur Aufgabe der Produktion gezwungen.

Herstellung[Bearbeiten]

Becherovka wird aus Kräutern, Ölen und Alkohol hergestellt. Die Zutaten werden in der Drogikamr in der Fabrik in Karlovy Vary (Karlsbad) nach einem geheimgehaltenen Rezept zusammengestellt. Die Kräutermischung wird in Stoffsäcke gefüllt und etwa eine Woche lang in einen Tank mit Alkohol getaucht. Danach wird der Extrakt mit Wasser und Zucker gemischt und in Eichenfässer gefüllt. Dort reift der Becherovka zwei Monate. Danach wird der Kräuterlikör in die typischen grünen, abgeflachten Flaschen abgefüllt. Diese haben die Größen von 5 cl bis zu 4,5 l Fassungsvermögen.

Mixgetränke[Bearbeiten]

Das in Tschechien bekannteste Mixgetränk mit Becherovka ist der sogenannte Beton, bestehend aus Becherovka und Tonic Water. Außerdem wird Becherovka auch mit Cola und Top Topic, einer Traubenlimonade aus tschechischer Produktion der Firma Kofola, angeboten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJohann Becher, Karlsbad. In: Jubiläums-Festnummer der kaiserlichen Wiener Zeitung 1703-1903. Beilage Kommerzieller Teil. Alfred von Lindheim. Druck und Verlag K. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien, 8. August 1903, S. 41, abgerufen am 30. April 2009 (deutsch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Martos: Kräuterlikör Becherovka: Aufstieg statt Liquidierung. Die Presse, 20. August 2003, abgerufen am 9. Mai 2009 (deutsch, Der legendäre Kräuterlikör aus Karlsbad gehört nach einer wechselvollen Geschichte heute zu Europas größtem Getränkekonzern Pernod Ricard.).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Becherovka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien