Becklingen

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52.8669444444449.904722222222284Koordinaten: 52° 52′ 1″ N, 9° 54′ 17″ O

Becklingen
Stadt Bergen
Höhe: 77–87 m
Einwohner: 395 (2012)
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 29303
Vorwahl: 05051
Ehemaliges Spritzenhaus (Sprüttenhus), 1907 erbaut, seit 1981 außer Dienst, 1992 unter Denkmalschutz gestellt
Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
Bauernhaus – links im Anbau befindet sich das Waldarbeiter-Museum

Becklingen ist eine Ortschaft der niedersächsischen Gemeinde Bergen im nördlichen Landkreis Celle in der Lüneburger Heide.

Geographie[Bearbeiten]

Becklingen liegt etwa 7 km nördlich von Bergen an der Bundesstraße 3 und hat 395 Einwohner (Stand: 15. Mai 2012).[1] Das Dorf gliedert sich in die Ortsteile Becklingen, Oehus und Tannensieksberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Becklingen wurde urkundlich erstmals 1231 unter dem Namen Bekelinge erwähnt.[2]

Das 19. Jahrhundert war von umfangreichen Agrarreformen geprägt. Grundlegend für die weiteren Reformen waren die Beginn des 19. Jahrhunderts durchgeführte Generalteilung, durch die die Dörfer feste Grenzen erhielten und jedes Stück Land einer Gemeinde zugehörig war. Der Umfang der den einzelnen Dörfern zugeteilten Flächen richtete sich nach den in der Vergangenheit in Anspruch genommenen Weiderechten. Dem folgten in den Jahren 1838 bis 1858 die Gemeinheitsteilungen. Die Allmende, d. h. die bis dato gemeinschaftlich genutzte Flächen, wurde nun den einzelnen Höfen als freies Eigentum übertragen, abhängig von den jeweiligen bestehenden Nutzungsrechten an der Allmende.

Auf Grundlage der Ablösungsverordnung für das Königreich Hannover aus dem Jahr 1833 erfolgte die Ablösung der auf den Höfen ruhenden Verpflichtungen der Grundherrschaft gegenüber. Die nach dem so genannten Meierrecht vergebenen Höfe waren bis dato zu zahlreichen Dienstleistungen und Geldzahlungen verpflichtet, die nun gegen Zahlung einer Summe die dem 25-fachen der bisherigen jährlichen Verpflichtung entsprach, aufgehoben wurden und die Höfe damit als freies Eigentum in den Besitz der Bauern übergingen. Westlich von Becklingen, in dem Forst „Becklinger Holz“,[3] der heute auf dem Truppenübungsplatz Bergen liegt, wurde am 13. Januar 1872 der vorerst letzte Wolf in Niedersachsen gesehen und geschossen. Schütze war der Förster H. Grünewald aus Wardböhmen, ehemals ein Leibjäger von König Georg V. von Hannover, dem letzten König von Hannover.[4] [5].

In der Nähe der Ortschaft wurde 1951 die Kriegsgräberstätte Becklingen War Cemetery angelegt.

Am 1. Februar 1971 wurde Becklingen in die Stadt Bergen eingegliedert.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Einwohnerentwicklung von Becklingen. Anzumerken ist, dass der sprunghafte Anstieg der Einwohnerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg im Wesentlichen durch den Zuzug Vertriebener bedingt ist.

Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1820 106 1939 231 1970 349
1848 180 1945 ca. 500 2000 382
1925 234 1961 305

Sprache[Bearbeiten]

Becklingen gehört zum niederdeutschen Sprachraum und zur nordniedersächsisch-plattdeutschen Dialektgruppe. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich allerdings die hochdeutsche Sprache weitgehend durchgesetzt und das Niederdeutsche verdrängt. Insbesondere unter den älteren Dorfbewohnern spielt Plattdeutsch als Umgangssprache jedoch nach wie vor eine große Rolle. Zur Förderung der Sprache ist 1976 die Laienspielgruppe "Bekler Speeldeel" (früher "Becklinger Speeldeel") gegründet worden. Sie hat sich die Erhaltung, Pflege und Förderung der plattdeutschen Sprache, Kunst, Kultur und Brauchtum auf die Fahnen geschrieben.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Seit dem 14. Jahrhundert ist als unterste Verwaltungs- und Gerichtsinstanz die Amtsvogtey Bergen belegt, der ein herzoglicher Vogt vorstand. Die ausschließlich die Ortschaft Becklingen betreffenden Belange wurden von der Realgemeinde, d. h. den Besitzern der an der Allmende berechtigten Höfen, beraten und entschieden. Ein grundlegende Änderung brachten die politischen Reformen des 19. Jahrhunderts, infolgedessen die politische Gemeinde Becklingen entstand. Die Mitbestimmung der dörflichen Angelegenheiten war nun nicht mehr von den Besitzverhältnissen abhängig, jeder männliche Dorfbewohner über 25 Jahren besaß nun das Stimmrecht.

Seit der Eingemeindung im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen ist Becklingen seit 1971 eine Ortschaft der Stadt Bergen.[7] Vertreten wird Becklingen durch den Ortsrat und den Ortsbürgermeister. Der Ortsrat hat u. a. Entscheidungskompetenzen für die in der Ortschaft gelegenen öffentlichen Einrichtungen, ist zuständig für die Förderung der Ortsbildpflege und des Vereinslebens und muss von der Stadt Bergen bei allen die Ortschaft betreffenden Belangen gehört werden.[8] Er setzt sich aus fünf gewählten Vertretern, den aus Becklingen stammenden Mitgliedern des Gemeinderates Bergen sowie dem Bürgermeister der Stadt Bergen zusammen. Der Ortsrat wählt den Ortsbürgermeister, aktueller Amtsinhaber ist Wilhelm Hohls.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Haltepunkt Becklingen liegt an der Bahnstrecke Celle–Soltau. Regelmäßiger Personenverkehr findet nicht statt.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Ebel (Hrsg.): Die Geschichte der Feuerwehr in Becklingen. Becklingen 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Becklingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bergen-online.de.
  2. Mindermann, Arend (Bearb.): Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden (Verdener Urkundenbuch, I. Abteilung), Band 1: Von den Anfängen bis 1300, hrsg. vom Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 2001, S. 351.
  3. Ausführlich: Das Becklinger Holz zwischen Bergen und Soltau, Matthias-Blazek.eu, abgerufen am 8. Februar 2014.
  4. Der letzte Wolf in Niedersachsen, Lausitz-Wolf.de, abgerufen am 5. Dezember 2013. Becklingen.de, abgerufen am 5. Dezember 2013.
  5. "Im Januar 1872 wurden in der Gegend von Dorfmark und Soltau einige Schafe gerissen. Schnell verbreitete sich die Meldung über das Vorhandensein von Wölfen. Eigens dafür wurde von den Bauern eine Jagd organisiert, die jedoch erfolglos blieb. In der Nähe von Ostenholz riss derWolf zwei Schafe und wurde dabei von zwei Schäfern beobachtet. Aufgrund der erleichterten Fährtensuche im Schnee konnte man den Wolf bis ins Becklinger Holz verfolgen. Der alarmierte Förster Gründewald aus Wardböhmen fand die Fährte im Neuschnee sofort, und es gelang ihm, das Tier zu töten. Dafür erhielt er eine Prämie von zehn Talern und ein Jagdgewehr. Der erlegte Wolf war ein sehr alter Rüde. Er war von der Schnauze bis zur Schwanzspitze 1,64 m lang, seine Schulterhöhe betrug 85 cm und er wog 45 kg. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde 1892 dort ein Wolfsstein aufgestellt. Der Stein trägt die Inschrift: "Am 13. Januar 1872 wurde hier der letzte Wolf in Niedersachsen erlegt."" Quelle: "Zeittunnel" im Wolfcenter Dörverden
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 223.
  7. Zur Gebietsreform in Niedersachsen vgl. Blazek, Matthias: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9.
  8. Informationen zur niedersächsischen Kommunalverfassung.