Bedretto

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Bedretto
Wappen von Bedretto
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Airolo
BFS-Nr.: 5063i1f3f4
Postleitzahl: 6781
Koordinaten: 682460 / 15119646.5078.5131402Koordinaten: 46° 30′ 25″ N, 8° 30′ 47″ O; CH1903: 682460 / 151196
Höhe: 1'402 m ü. M.
Fläche: 75.2 km²
Einwohner: 90 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1 Einw. pro km²
Website: www.bedretto.ch
Villa

Villa

Karte
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Winter in Bedretto
Lawinenverbauung ob Villa

Bedretto (tess.: Büdree) ist eine politische Gemeinde im Kreis Airolo, Bezirk Leventina des Schweizer Kantons Tessin.

Geographie und Geologie[Bearbeiten]

Bedretto liegt westlich von Airolo im Val Bedretto. Zur politischen Gemeinde Bedretto gehören die Ortschaften Ossasco, Villa Bedretto (dt. früher Romig oder Romegg), Bedretto, Ronco und All’Acqua. Das Gemeindehaus steht in Villa Bedretto. All’Acqua ist im Winterhalbjahr nicht bewohnt. Früher waren auch Orello und Nostengo besiedelt.

Die politische Gemeinde Bedretto grenzt unmittelbar an die Kantone Uri und Wallis in der Deutschschweiz sowie an die Region Piemont in Italien. Während der Eiszeit floss der Griesgletscher vom Wallis über den Cornopass ins hintere Bedrettotal (Val Corno). Das Wasser des Griesstausees wird über Druckleitungen, die zum System der Maggia Kraftwerke gehören, via Bedrettotal bis zum Lago Maggiore geleitet.

1918 erteilte der Kanton Tessin die Genehmigung zum Abbau des Baukalkvorkommens auf der Alp Manió. Während und nach dem Ersten Weltkrieg bezog auch die Schweizer Industrie diesen Kalk, die ihn wegen dem ungenügenden Reinheitsgrad vorher kaum berücksichtigt hatte. Auf der Alp Cavanna (2'020 m ü. M.) bestand ein Specksteinbruch. Der Serpentin des Tals (Antigorit) ist grünlich. Der Rotondogranit ist bei Kletterern bekannt, weil er wegen der Höhe und Südlage flechtenfrei ist.

Ortschaften der Gemeinde Bedretto, talaufwärts[Bearbeiten]

Geschichte und Verkehr[Bearbeiten]

Vorrömische Gräber (Villa) und römische Münzenfunde (Bedretto) weisen auf eine frühe Besiedelung hin. Bedretto wird 1210 erstmals urkundlich als Bedoledo, 1457 als Bedreudo erwähnt. Als 1227 die Alpen der Talschaft Leventina aufgeteilt wurden erscheint Bedretto als Nachbarschaft und selbständige Pfarrei. Das Tal trennte sich vermutlich vor 1277 von Airolo. 1567 besass es 38 Haushalte (Herdstellen). 1594 wurde die Pfarrkirche Martiri Maccabei in Villa nach einem Lawinenniedergang neu aufgebaut.

Vom Hospiz in All’Acqua führten zwei wichtige Saumpfade über den Nufenenpass ins Oberwallis und über den San Giacomo Pass, wo das 1405 erwähnte Hospiz San Nicolao im Val d'Olgia stand, ins italienische Formazzatal. Im steilen Bedrettotal kommt es im Winter häufig zu Lawinenniedergängen und die Verbindungen zwischen den Dörfern und Airolo sind oft abgeschnitten. 1749 kamen in Ossasco 13, 1863 in Bedretto 29 Talbewohner in Lawinen ums Leben und im Lawinenwinter 1951 musste das ganze Tal evakuiert werden. Mächtige Lawinenverbauungen haben die Situation verbessert. Seit 1924 gibt es eine Fahrstrasse von Airolo nach Bedretto, seit 1932 bis Ronco und seit 1964 über den Nufenenpass.

Die Nähe der italienischen Grenze am San Giacomo Pass zur Gotthardfestung führte 1939–35 oberhalb von All‘Acqua zum Bau der Sperrstelle San Giacomo mit dem Artilleriewerk Grandinagia, dem Infanteriewerk San Giacomo, der Artilleriestellung Manegorio und der Militärseilbahn All'Acqua-Grandinagia-San Giacomo. Beim Bau des wintersicheren Furka-Basistunnel wurde 1977 von der Tunnelmitte nach Ronco ein Stollen, das sogenannte Bedretto-Fenster erstellt, weil ursprünglich eine zweite Tunnelverbindung zwischen Oberwald und Ronco geplant war. Seit 1982 ist der Stollen stillgelegt.

Früher hatte jede Ortschaft eine eigene Primarschule. 1960 wurde in Bedretto eine Schule eröffnet und heute besuchen die wenigen Schüler den Unterricht in Airolo.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Das Tal lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft (Viehzucht, Alp- und Milchwirtschaft, Kartoffel- und Roggenanbau). Viele Bewohner mussten saisonal in Italien und Frankreich (Maronibrater, Kellner, Hausdiener) Arbeit suchen oder auswandern.

In den 1950er und 1960er Jahren bauten die Maggia Kraftwerke in zwei Etappen eine Wasserkraftanlage mit Wasserstollen, die vom höchstgelegen Speichersee der Schweiz, dem Griessee, bis zur Kraftwerkzentrale Verbano bei Brissago am Lago Maggiore führen. Im Bedrettotal wurde der Zuleitungsstollen Gries-Bedretto-Robiei mit den Fenstern Cruina und Stabbiascio sowie den Fassungen der Bäche Cavagnolo, Val d'Olgia und San Giacomo erstellt. Die Konzession der Anlage Magga 1 (Sambuco, Peccia, Cavergno, Verbano) dauert bis zum Jahr 2035, diejenige von Maggia 2 (Cavagnoli-Naret, Robiei, Bavona) bis 2048. Für den Ausbau der Maggia Kraftwerke gab es eine - heute stillgelegte - Kraftwerkbahn von All'Acqua nach Stabbiascio. Am 15. Februar 1966 ereignete sich in der Galerie Stabbiascio/Robiei das schlimmste Grubenunglück im Kanton Tessin. 15 italienische Bergarbeiter und zwei Feuerwehrmänner aus Locarno wurden durch Giftgas im Tunnel getötet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich das Tal entvölkert. In den Sommermonaten wird es heute durch die Rückkehr Einheimischer und den Zustrom von Touristen und Feriengästen wieder bevölkert. Touristische Stützpunkte sind die SAC-Hütten Corno Gries, Piansecco und Cristallina.

Alpwirtschaft und Besitzer[Bearbeiten]

  • Cioss Prato (1'572 m ü. M.) (Bürgergemeinde Bedretto)
  • Valleggia (1'753 m ü. M.) (Bürgergemeinde Bedretto)
  • Manegorio (Bürgergemeinde Sobrio)
  • Formazzora (Alpgenossenschaft von Tarnolgio di Mairengo)
  • Cruina (Alpgenossenschaft Osco)

Bevölkerung[Bearbeiten]

Heute zählt die Gemeinde Bedretto nur noch wenige Einwohner, zum grössten Teil Pensionierte. Da das Tal nur wenig Arbeitsmöglichkeiten bietet und überdies in den Wintermonaten oft gänzlich von der Aussenwelt abgeschnitten ist, verlassen die Jungen das Tal. Gemäss der Volkszählung, die vom Bundesamt für Statistik im Jahr 2000 durchgeführt wurde, ist Bedretto die «älteste» Gemeinde der Schweiz, indem sie den höchsten Anteil an über 65-jährigen in der Bevölkerung aufweist. Allerdings scheint sich die Einwohnerzahl seit der Jahrtausendwende zu stabilisieren.

Einwohner 293 594 388 257 275 213 72 75 70 74 76 90
Jahr 1745 1798 1850 1900 1930 1950 1995 2000 2004 2008 2012 2013

Die Einwohner der Gemeinde Bedretto werden im Leventina Parüsch genannt.

Ortsbürgergemeinde[Bearbeiten]

Die moderne Gründung stammt aus dem Jahr 1761, mit seinen Ortsteilen Ossasco, Villa, Ronco, All'Acqua wird von der Komunanz von Airolo getrennt vor 1227.

Aktive Ortsbürgerfamilien und ihre Spitznamen[Bearbeiten]

  • Borelli
  • Forni: Mestar-Catona-Panarèr (alfieri, da Fahnenträger)-Petri-Pozzina-D’Albin
  • Leonardi: Carlo d’All’acqua-Mufrit
  • Orelli: Bidesca-Chiaplit-Cenovis
  • Spizzi
  • Vella: Sandrui-Serafinui.

Immoblien[Bearbeiten]

  • Cioss Prato (1'572 m ü. M.)
  • Valleggia (1'753 m ü. M.)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Wohnhaus Rossi[2][3]
  • Osteria Novena[4]
  • Pfarrkirche Santi Maccabei im Ortsteil Villa[2][5], der polygonale Kirchturm dient auch als Lawinenbrecher.
  • Im Ortsteil All’Acqua: Ospiz-Gasthof[2]
  • Festungen San Giacomo[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mario Fransioli: Bedretto im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, (Ronco) S. 263.
  • Ottavio Lurati: Terminologia e usi pastorizi di val Bedretto. Società svizzera per le tradizioni populari, Basel 1968.[9]
  • Marco Volken: Leventina und Bedrettotal: Ursprung des Tessin. Salvioni Editore, Bellinzona 2001.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bedretto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b c Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 148.
  3. Wohnhaus Rossi (Foto)
  4. Osteria Novena (Foto)
  5. Pfarrkirche Santi Maccabei (Foto)
  6. Festungen San Giacomo auf forti.ch, abgerufen 26. Juli 2015.
  7. Arnoldo Borelli auf www.sikart.ch
  8. Giovanni Orelli
  9. Ottavio Lurati: Terminologia e usi pastorizi di val Bedretto.
  10. Marco Volken: Leventina und Bedrettotal: Ursprung des Tessin.