Rote Liste gefährdeter Arten
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Als Rote Liste gefährdeter Arten werden sowohl die von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) seit 1966 jährlich im Internet veröffentlichte Liste weltweit gefährdeter Tier- und Pflanzen-Arten, wie auch die von einzelnen Staaten und Bundesländern herausgegebenen entsprechenden Listen bezeichnet. Neben den Roten Listen gibt es 1998 auch eine Blaue Liste der erfolgreich erhaltenen oder geförderten Tier- und Pflanzenarten, die von der Roten Liste entfernte Arten enthält.
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[Bearbeiten] Ausgaben
Von Staaten oder Bundesländern herausgegebene Rote Listen haben immer einen regionalen Bezug und dadurch eine andere Bedeutung als die internationale Rote Liste des IUCN. Sie können anders als die IUCN-Liste auf geografische Besonderheiten und Standorte eingehen. In Deutschland werden die nationalen Roten Listen vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn herausgegeben. Auch für einzelne Bundesländer gibt es Rote Listen. In Niedersachesn beispielsweise wurden diese früher vom Landesamt für Ökologie, heute vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) publiziert.
[Bearbeiten] Geschichte
Das IUCN wurde 1948 gegründet und gibt seit 1966 die Internationale Rote Liste heraus. Diese hieß zunächst Red Data book.
Die ersten kommentierten Verzeichnisse gefährdeter Pflanzen- bzw. Vogelarten wurden in Deutschland 1951, 1966 und 1967 veröffentlicht. Sie enthielten Schutzanweisungen und können als Vorläufer der Roten Listen angesehen werden. 1971 wurde die erste erste als solche bezeichnete Rote Liste in Deutschland veröffentlicht: es handelte sich um eine Liste der Deutschen Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz. 1974 wurde eine Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen der BRD publiziert.
[Bearbeiten] IUCN 2007
Die IUCN empfiehlt die Klassifizierung in folgende Kategorien:
- EX – Extinct (ausgestorben)
- EW – Extinct in the Wild (in freier Wildbahn ausgestorben)
- CR – Critically Endangered (vom Aussterben bedroht)
- EN – Endangered (stark gefährdet)
- VU – Vulnerable (gefährdet)
- NT – Near Threatened (gering gefährdet, Vorwarnliste)
- LC – Least Concern (nicht gefährdet)
- DD – Data Deficient (keine ausreichenden Daten)
- NE – Not Evaluated (nicht bewertet)
Die 2007 veröffentlichte Ausgabe der IUCN umfasst 16.306 bedrohte Arten.
[Bearbeiten] IUCN 2008
Ein besonderer Schwerpunkt bei der Präsentation der Roten Liste 2008 der IUCN wurde auf die Säugetiere gelegt. In der ersten umfassenden Studie dieser Art nach über zehn Jahren, an der 1800 Wissenschaftler aus 130 Ländern beteiligt waren, gelten mindestens 1141 von 5488 Säugetierarten (= 21 Prozent) als gefährdet (Kategorien „CR“, „EN“ oder „VU“). 188 Arten halten die Forscher dabei sogar für „critically endangered“ (akut vom Aussterben bedroht), so beispielsweise den Iberischen Luchs, von dem nur noch 84 bis 143 erwachsene Exemplare leben. Die Zahl der tatsächlich bedrohten Spezies könnte sogar noch höher sein, da zu rund 840 weiteren Säugetierarten nicht genügend Informationen vorliegen. Damit wäre es möglich, dass bis zu 36 Prozent aller Arten von Säugetieren bedroht sind.[1] [2] [3]
[Bearbeiten] Biotope
Vom deutschen Bundesamt für Naturschutz wird auch eine Rote Liste gefährdeter Biotope herausgegeben. Diese enthält etwa 69 % aller Biotoptypen in Deutschland.
Die Gefährdung von Arten wird durch die Einstufung in Rote-Liste-Kategorien wiedergegeben. Dabei bedeuten (nach der „Roten Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands“ des Bundesamtes für Naturschutz 1996):
- 0: ausgestorben oder verschollen
- 1: vom Aussterben bedroht
- 2: stark gefährdet
- 3: gefährdet
- 4: potenziell gefährdet (nur bei Roten Listen der Länder; soll künftig durch R ersetzt werden)
- R: extrem selten (entspricht 4 bei den Roten Listen der Länder; s.o.)
- G: Gefährdung anzunehmen
- D: Daten mangelhaft
- V: Vorwarnliste (noch ungefährdet, verschiedene Faktoren könnten eine Gefährdung in den nächsten zehn Jahren herbeiführen)
- +: regional stärker gefährdet
- -: regional schwächer gefährdet
Zusätzlich wird in den Roten Listen der Bundesländer ein Status angegeben:
- *: vorkommend (indigen oder Archaeophyt) und ungefährdet
- n: Neophyt; im jeweiligen Bundesland neueingebürgerte (nach 1492) Art
- u: unbeständige Art; im jeweiligen Bundesland nicht fest eingebürgert
- #: evtl. zu erwarten, aber bislang nicht nachgewiesen
- -: im jeweiligen Gebiet nicht vorkommend
[Bearbeiten] Siehe auch
- Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung: Liste der geschützten Pflanzen und Tiere
- Artenschutz, Artenvielfalt, Ökologie
- Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen, Liste gefährdeter Nutztierrassen
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Jede vierte Säugetierart ist vom Aussterben bedroht Spiegel Online, 6. Oktober 2008
- ↑ Lynx pardinus in der Roten Liste 2008 der IUCN
- ↑ Verschiedene abrufbare Statistiken (PDF) der Roten Liste 2008 der IUCN
[Bearbeiten] Literatur
- Dietmar Mertens: Ausgestorbene und bedrohte Tiere. Was ist was, Band 56. Tessloff Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-7886-0296-1
[Bearbeiten] Weblinks
- Rote Listen Online Abfrage für die BRD und alle Bundesländer Stand 30. Juni 1998
- Rote Liste der Brutvögel Deutschlands
- Rote Listen gefährdeter Biotoptypen, Tier- und Pflanzenarten sowie der Pflanzengesellschaften von Deutschland Bundesamt für Naturschutz, Stand 2. Januar 2006
- WISIA: Wissenschaftliches Informationssystem im internationalen Artenschutz, Bundesamt für Naturschutz in Bonn Stand 2008
- The IUCN Red List of Threatened Species, englische Seite der Weltnaturschutzunion
- WWF: Ein Lexikon bedrohter Pflanzen- und Tierarten
- Floraweb, mit Roter Liste gefährdeter Pflanzen
- Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs
- Rote Listen Schweiz
- Bildarchiv vom Aussterben bedrohter Arten
- Rote Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in NRW

