Beethovenfries

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Genien und Poesie
Der goldene Ritter

Der Beethovenfries ist ein von Gustav Klimt im Jahr 1901 gemalter Bilderzyklus, der dem Komponisten Ludwig van Beethoven gewidmet ist und der Form eines Frieses nachempfunden ist. An den Wänden eines Saals der Wiener Secession wurde er erstmals anlässlich der 14. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler der Secession 1902 aufgestellt. Die Bilderfolge ist ein herausragendes Kunstwerk des Wiener Jugendstils.

Die Gemälde[Bearbeiten]

Der Zyklus war Teil eines als Gesamtkunstwerk inszenierten Ausstellungsprojekts von Josef Hoffmann, das sich um die von Max Klinger geschaffene große Beethovenskulptur gruppierte. Klimts 34 mal 2 Meter großes Werk teilt sich an drei Wänden in folgende Titel auf:

  1. Genien, leidende Menschheit und Ritter
  2. Feindliche Gewalten (Gorgonen, Gigant, sündhafte Leidenschaften, Elend)
  3. Genien und Poesie, sowie Künste, Chor und Umarmung

Klimt verbildlicht in seinem allegorischen Bildwerk Beethovens 9. Symphonie unter dem Eindruck der berühmten Interpretation dieses Musikstücks durch Richard Wagner. Formal stellt Klimt flächige stilisierte und linienbetonte monumentale Figuren in einen ornamental strukturierten Bildraum. In die Kompositionen sind große weiße Flächen unbearbeiteten Putzes einbezogen worden. Die Figuren symbolisieren Zustände der Sehnsucht, der Leidenschaften, des Glücks und der Gefahr.

Linke Wand[Bearbeiten]

  • Die schwebenden Frauengestalten (Genien) symbolisieren die Sehnsucht nach dem Glück und der Liebe.
  • Ein stehendes Mädchen und ein kniendes Paar mit ausgestreckten, bittenden Händen stellen die leidende Menschheit dar. Sie wirken von außen auf den goldenen Ritter ein, für sie den Kampf um das Glück aufzunehmen. Den Ritter unterstützen zwei Frauengestalten, Ehrgeiz (mit Siegerkranz) und Mitleid als innere Antriebe seines Handelns.

Mittlere Wand[Bearbeiten]

Die feindlichen Gewalten (Gorgonen, Gigant, sündhafte Leidenschaften)
  • Der affenartige, nahezu unbesiegbare Gigant Typhoeus in der Mitte, dessen Körper Schlangen entspringen, sowie seine Töchter rechts neben ihm, die Schicksalsgötter (Gorgonen), symbolisieren die feindlichen Gewalten. Über den Gorgonen im Hintergrund lauern düstere, maskenhafte Köpfe als Krankheit, Wahnsinn und Tod.
  • Rechts daneben stehen drei anschaulich gestaltete Frauengestalten für Wollust, Unkeuschheit und Völlerei. Weiter daneben zeigt der Kummer seine elende Figur.

Rechte Wand[Bearbeiten]

Diesen Kuss der ganzen Welt (Künste, Chor und Umarmung)
  • Die schwebenden Genien, als Sehnsüchte nach Liebe und Glück, finden zu einer Frauengestalt mit Leier, die die Poesie verkörpert. (Im Anschluss befindet sich eine Bildlücke, die ursprünglich über einem Wanddurchbruch gelegen war, der einen Blick auf Klingers Beethovenfigur bot.)
  • Fünf hintereinander gestellte Frauen in bewegter Geste stellen die Künste dar, die auf das Reich der Ideen, der Ideale und des Glücks weisen und hierbei konkret auf den Schlusschor der 9. Symphonie zeigen und seinem engelhaften Gesang nach dem Text von Friedrich Schiller "Freude, schöner Götterfunken, diesen Kuss der ganzen Welt" (An die Freude), offenbar ein beseelender Kuss von einem Paar in einer paradiesischen, etwas glockenhaft umwölbten Umgebung ausgeführt. Dem Maler kann hier ein gebrochenes Verhältnis zum 'die Menschheit umschlingenden Pathos' Schillers nicht abgesprochen werden, wie schon seine Zeitgenossen kritisch bemerkten.

Das Werk im Bezugsrahmen der Ausstellung als Gesamtkunstwerk.[Bearbeiten]

Die Ausstellung der Wiener Secession zielte auf eine Inszenierung in die Raumarchitektur des Ausstellungsgebäudes hinein. Es ging jedoch nicht nur darum, einen Gesamtzusammenhang der verschiedenen Kunstgattungen herzustellen, sondern die Idee der Vereinheitlichung der Künste zielte darüber hinaus auf eine ästhetische Sakralisierung, in die der Erlösungsgedanke eingewoben war, dass die Kunst dem Leben Befreiung und eine sinnliche Überhöhung des Daseins darbringen sollte. Die Museumsarchitektur wurde zum "Tempel der Kunst", der Künstler zum Erlöser stilisiert. Klimt erklärte einige Zeit später, anlässlich der Kunstschau des Jahres 1908, die Idee der gesellschaftsverändernden Wirkung von Kunst für nicht mehr einlösbar. Der Fortschritt der Kultur in der Durchdringung des Lebens mit Kunst zeigte sich im Licht der sozialen und wirtschaftlichen Krisen im Zuge des gesellschaftsumstürzenden Fortschritts der Technologie als gescheitert. Im Nachhinein mutete, wie Kritiker bemerkten, das Ausstellungskonzept Josef Hoffmanns von 1902 wie ein Monument des 'kollektiven Narzissmus' der Künstler im Zeitgeist der Beethoven-Euphorie an. Die Maler der Ausstellung verherrlichten den Bildhauer Klinger, der in seiner Skulptur den großen Musiker Beethoven verherrlichte, der wiederum im Schlusssatz seiner 9. Sinfonie dem Dichter Schiller und seinem die Menschheit umschlingenden Pathos huldigte.

Geschichte der Besitzverhältnisse[Bearbeiten]

Der Zyklus, ursprünglich nur als temporäres Kunstwerk gedacht, wurde in sieben Teile zerlegt und vom Kunstsammler Carl Reininghaus erworben. Später gelangte der Fries in den Besitz der jüdischen Industriellenfamilie Lederer, die von den Nazis enteignet wurde. Den Zweiten Weltkrieg überdauerte er im Schloss Thürnthal. 1973 verkaufte Erich Lederer den Fries an den österreichischen Staat, nachdem ein Ausfuhrverbot über ihn verhängt worden war. Der Fries befindet sich nunmehr wieder in der Wiener Secession. Klingers Skulptur, für die der Fries ursprünglich als Umrahmung gedacht war, befindet sich heute im Museum der bildenden Künste in Leipzig.

Im Oktober 2013 kündigten Erben von Erich Lederer an, die neue Rechtslage auf Grund der Novelle 2009 des Kunstrückgabegesetzes[1] zu nützen, auf Annullierung des 1973 erfolgten Kaufs durch die Republik Österreich zu klagen und die Ausfolgung des Frieses zu verlangen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BGBl. I Nr. 117 / 2009, siehe Rechtsinformationssystem des Bundeskanzleramtes
  2. „Beethovenfries“: „Tricks“ der Republik, Meldung im Wiener Teil der Website des ORF, 17. Oktober 2013

Weblinks[Bearbeiten]