Befreiungshalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Aufgang zum Eingangsportal mit der Widmungsinschrift über der ornamentierten Türrahmung

Die Befreiungshalle ist ein Denkmal auf dem Michelsberg oberhalb der Stadt Kelheim in Niederbayern. Sie steht von Regensburg gesehen donauaufwärts an der Einmündung der Altmühl bzw. des Main-Donau-Kanals in die Donau. Errichtet wurde die Befreiungshalle im Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon während der Befreiungskriege in den Jahren von 1813 bis 1815. Auftraggeber des Baus war König Ludwig I. von Bayern.

Geschichte[Bearbeiten]

Befreiungshalle nächtlich angestrahlt
Kelheim mit Befreiungshalle um 1900
Blick auf Befreiungshalle von hinten

Der Bau wurde 1842 von Friedrich von Gärtner in Anlehnung an antike und christliche Zentralbauideen begonnen, musste aber 1847 mit dem Tod Gärtners kurzzeitig unterbrochen werden. Der König beauftragte Leo von Klenze mit der Weiterführung des Baus. Dieser legte bereits drei Monate später erste Pläne vor, die das Grundkonzept Gärtners unverändert ließen, jedoch weitere klassizistische Elemente ergänzten. Schließlich wurden die Bauarbeiten im Frühjahr 1848 wieder aufgenommen. Zwischen 1850 und 1856 war Gärtners Schüler Otto von Langenmantel (1816–1875) der Baumeister der Befreiungshalle. Er wohnte bei der Baustelle, wo 1854 sein Sohn, der Kunstmaler Ludwig von Langenmantel, geboren wurde.

Zur Grundsteinlegung am 19. Oktober erklang ein Chorgesang für vierstimmigen Männerchor, komponiert vom Königlich Bayerischen Hofkapellmeister Joseph Hartmann Stuntz. Den Text hatte der König selbst gedichtet[1]:

1. Heil Euch, wack’re Männer, muth’ge Krieger,
Die errungen Ihr den Heldenkranz,
Heil Euch, treue Teutsche, tapf’re Sieger!
Ewig währet Eurer Thaten Glanz.

2. Dumpf und finster hatt es uns umgeben,
Und kein Teutschland gab es damals mehr;
Ihr doch schwangt auf’s Neue es zum Leben,
Siegreich ragt es wieder hoch und hehr!

3. Dass die Zwietracht schmählich uns gekettet,
Dies vergessen werde nie und nie,
Dass die Eintracht uns allein gerettet,
Die der Heimath Ruhm und Sieg verlieh.

4. Durch der Zeiten weite Ferne schlinge
Immer sich der Eintracht heilig Band,
In des Teutschen Seele sie durchdringe,
Unbesiegt bleibt dann das Vaterland.

Leo von Klenze veränderte auf Geheiß des Königs die Pläne und vollendete den Bau im Jahr 1863. Die feierliche Eröffnung fand am 18. Oktober 1863 statt, dem 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig.

Architektur[Bearbeiten]

Innenansicht mit den Siegesgöttinnen von Ludwig Schwanthaler
Inschrift im Boden
Siegesgöttinnen
Brüstung auf dem Umgang
Blick von Kelheim auf die Befreiungshalle
Blick von der Donau auf die Befreiungshalle

Der mächtig wirkende Rundbau aus Kelheimer Kalkstein ruht auf einem dreistufigen Sockel, der als achtzehneckiges Polygon ausgebildet ist. Die Außenfassade wird untergliedert von 18 Strebepfeilern, die von 18 Kolossalstatuen Johann Halbigs als Allegorien der deutschen „Volksstämme“, die an den Schlachten beteiligt waren, gekrönt werden. Diese sind: „Franken, Boehmen, Tyroler, Bayern, Oesterreicher, Preussen, Hannoveraner, Maehren, Sachsen, Schlesier, Brandenburger, Pommern, Mecklenburg, Westphalen, Hessen, Thueringer, Rheinlaender, Schwaben“ (umlaufend in dieser Reihenfolge bei willkürlich gewähltem Beginn).

Die Rundhalle hat eine Höhe von 45 m und einen Durchmesser von 29 m. Ihr Inneres wird durch eine Kuppel erhellt. Die innere Empore erreicht man über 125 Stufen. Nach weiteren 40 Stufen gelangt man auf die äußere Aussichtsterrasse, von der man eine weite Sicht in das Donau- und Altmühltal hat. Seit der Saison 2008 ist der Kuppelsaal auch für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte per Aufzug erreichbar.

Das Innere der Halle ist als großer Kuppelsaal gestaltet, der durch ein Opaion im Scheitel der Kuppel erhellt wird. Die Wände werden gegliedert durch 18 Segmentbogennischen, über denen sich ein Bereich für Inschriften befindet, und eine abschließende Säulengalerie toskanischer Ordnung. Vor den Nischen, die die Namen der Schlachten der Befreiungskriege tragen, stehen jeweils zwei 3,30 m hohe Siegesgöttinnen, so dass sich insgesamt die Zahl von 34 Standbildern ergibt. Die Siegesgöttinnen reichen sich die Hände zu einem feierlichen Reigen, mit Ausnahme der beiden direkt neben dem Eingang stehenden Figuren. Letztere wurden aus weißem Marmor aus Tirol gefertigt. Da dieser sehr teuer war, wurden die restlichen Viktorien aus weißem Carrara-Marmor gefertigt. Entworfen wurden sie von Ludwig Schwanthaler, der auch zwei Viktorien, nämlich die beiden Endfiguren am Eingang, selbst herstellte. Die weiteren Standbilder wurden u. a. von den Bildhauern Arnold Hermann Lossow und Max von Widnmann geschaffen. In den Nischen befinden sich jeweils zwischen zwei Viktorien 17 vergoldete Schilde aus Bronze, die ebenso wie das 7 m hohe Eingangstor der Halle aus eroberten Geschützen gegossen wurden. Die Vielzahl der Siegesgöttinnen, die sich hier in einer Geste der Eintracht die Hände reichen, verweist auf die Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes, die real zwischen 35 und 39 schwankte. Damit enthielt das Denkmal auch ein Bekenntnis zum politischen Status quo, in diesem Fall zum fürstenstaatlichen Föderalismus in Deutschland, der im Unterschied zu der von bürgerlicher Seite aus geforderten Errichtung eines gesamtdeutschen Nationalstaats eine weitgehende Eigenständigkeit der einzelnen deutschen Staaten bedeutete.

Die offensichtliche Vorliebe für die Zahl 18 ist darin begründet, dass sowohl die Völkerschlacht bei Leipzig als auch die Schlacht bei Waterloo an einem 18. Tag des Monats stattfanden. Sie findet sich auch in der Zahl der 54 Säulen und 54 Pfeiler (3 × 18), in den zweimal 36 Säulen im oberen Umgang (2 × 18) und in den Inschriften für je 18 Feldherren und zurückeroberte Festungen.

An den Anlass der Errichtung dieses Denkmals erinnert der in den Marmorfußboden eingelassene Sinnspruch König Ludwigs I.:

MOECHTEN
DIE TEUTSCHEN
NIE VERGESSEN WAS
DEN BEFREIUNGSKAMPF
NOTHWENDIG MACHTE
UND WODURCH SIE
GESIEGT.

Über der ornamentierten Türrahmung des Eingangsportals steht die Widmungsinschrift:

DEN TEUTSCHEN
BEFREIUNGSKAEMPFERN
LUDWIG I
KOENIG VON BAYERN

Die Kolossalstatuen[Bearbeiten]

18 Statuen an der Außenseite der Befreiungshalle in Kelheim stehen für deutsche Volksstämme und Regionen. Die Höhe der Statuen beträgt jeweils 580 cm. Sie wurden nach Modellen des Bildhauers Johann Halbig geschaffen und tragen Inschriften in Majuskeln.

Die Kolossalstatuen
Franken
Böhmen
Tyroler
Bayern
Österreicher
Preußen
Hannoveraner
Mähren
Sachsen
Schlesier
Brandenburger
Pommern
Mecklenburg
Westphalen
Hessen
Thüringer
Rheinländer
Schwaben

Fossilien[Bearbeiten]

Geologen fanden im Grünsandstein der Treppenstufen zur Befreiungshalle bis zu 5 cm große, strahlenförmige Fressspuren von Wattwürmern. Sie zeigen, dass vor 100 Millionen Jahren in der Umgebung von Kelheim ein Wattenmeer mit nährstoffreichem Schlick existierte.[2]

Blick von der Befreiungshalle auf Kelheim

Besuchereinrichtungen[Bearbeiten]

Um den Besuchern einen angemessenen Service bieten zu können, wurde im April 2004 ein Besucherzentrum eröffnet, in dem sich der Museumsladen, ein kleines Lokal, Ausstellungs- und Vortragsräume befinden. Um den Monumentalbau nicht zu beeinträchtigen, wurde der Neubau davon abgesetzt in der Hangkante platziert.[3]

Im Sommer verkehrt das straßengebundene Touristenzüglein Ludwigsbahn vom Schiffsanleger durch die Altstadt zur Befreiungshalle, mit dem die 132 Höhenmeter bequem zurückgelegt werden können.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Lied zum Anhören auf der Seite der Bayerischen Verwaltung der Schlösser, Gärten und Seen. 30. August 2013, abgerufen am 30. August 2013.
  2. Forscher fanden Wattwurm-Spuren auf den Stufen zur Kelheimer Befreiungshalle. Der Standard, 5. Dezember 2012, abgerufen am 5. Dezember 2012.
  3. Neubau Besucherzentrum an der Befreiungshalle Kelheim, Projektbeschreibung des Staatlichen Bauamts Landshut
  4. Homepage www.ludwigsbahn-kelheim.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Trost: Die Donau. Lebenslauf eines Stromes. Fritz Molden Verlag, Wien 1968.
  • Christoph Wagner (Hrsg.): Die Befreiungshalle Kelheim. Geschichte – Mythos – Gegenwart. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2617-0.
  • Manfred F. Fischer (Bearbeiter): Befreiungshalle in Kelheim : amtlicher Führer, Ausgabe 861-940. Tausend, München: Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen 1991

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Befreiungshalle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.91833333333311.860555555556Koordinaten: 48° 55′ 6″ N, 11° 51′ 38″ O