Begleitgas

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Dieser Artikel behandelt Begleitgas bei der Erdölförderung. Zu Begleitgasen in der Stahlindustrie siehe Kuppelgas. Zu Begleitgas bei der Kohleförderung siehe Grubengas.
Abfackelung von Begleitgas auf der Ölbohrinseln Statfjord A in der Nordsee

Begleitgas (vollständig auch Erdölbegleitgas) ist ein fossiles Brenngas, das bei der Erdölgewinnung aus den Erdölbohrungen und dem Schicht-Erdöl bei der Entgasung entweicht. Je nach Förderungsgebiet erhält man von einer Tonne Erdöl 25 bis 800 m³ Gas.

Da das Begleitgas nur mit Schwierigkeiten verarbeitet oder transportiert werden kann, wird es oft abgefackelt oder zur Druckerhaltung wieder in die Lagerstätte eingepresst. In von der Internationalen Energieagentur zitierten offiziellen russischen Angaben wurden von den jährlich produzierten 56 Mrd. Erdöl-Begleitgas jährlich 15 Mrd. m³ abgefackelt.[1]

Entstehung und Zusammensetzung[Bearbeiten]

Naturgas in der Nähe von Erdöllagerstätten kann sich entweder unabhängig von Erdöl in Gebirgsgestein („Trockenes“ Gas) oder in flüssiger Form im Rohöl gelöst befinden („Nasses“ Gas).

Unabhängig von der Quelle besteht das Erdölbegleitgas (ggf. nach seiner Trennung von Rohöl) aus verschiedenartigsten Inhaltsstoffen. Die Hauptkomponenten sind gas- und dampfförmige Kohlenwasserstoffe von Methan bis Hexan, inklusive Isomere C4 bis C6. Ab und zu trifft man auf Wasserstoff. Außerdem enthält rohes Naturgas nicht-kohlenwasserstoffhaltige Komponenten wie Wasserdampf, Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid, Stickstoff, Helium, Argon und andere Bestandteile. Insbesondere Schwefelwasserstoff, dessen Konzentration manchmal einige Prozentpunkte erreicht, verursacht als Verunreinigung Probleme.

Die wichtigste Charakteristik für den Einsatz in Gasmotoren ist die Klopffestigkeit des Gases. Diese wird durch die Methanzahl (MZ) definiert. Methan mit hoher Klopffestigkeit hat eine Methanzahl von 100. Zum Vergleicht hat Butan eine Methanzahl von 10 und Wasserstoff von 0. Abhängig von Gewerbegebiet und Förderungsbedingungen liegt die MZ von Erdölbegleitgas bei 25 bis 95.

Aufbereitung und Nutzung[Bearbeiten]

Aufgrund der oben genannten Inhaltsstoffe kann Erdölbegleitgas ohne zusätzliche Reinigung nach der Gewinnung beim Erdölforderungsprozess schwer transportiert und verwendet werden. Viele Erdölförderungsunternehmen verbrennen dieses unbrauchbare Nebenprodukt deshalb einfach. Doch aufgrund der ökologischen Lage und des steigenden Energiebedarfes versucht man die Verbrennung in Fackeln inzwischen zu vermeiden, insbesondere aufgrund gesetzlicher Verbote.

Aus technischer Sicht gibt es einige Möglichkeiten zur Nutzung von Erdölbegleitgas:

  • Wiedereinpumpen in die Erdkruste zur darauffolgenden Förderung
  • Reinigung und Aufbereitung in verschiedene Formen für die Verwendung als Brennstoff und zum Export in Pipelines (bei Trockenem Gas) oder Verflüssigung (ähnlich Flüssigerdgas) für den Transport in Tanker
  • Konversion in petrochemische Rohstoffe für die Industrie
  • Konversion in andere Energieformen, z. B. in

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Schroeter: Russische Wege zu mehr Energieeffizienz. Erdöl-Begleitgas wird oft abgefackelt. In: Stefan Schroeter Wirtschaftsjournalist. Stefan Schroeter, 10. Dezember 2008, abgerufen am 4. Dezember 2013 (deutsch).