Beichtstuhl

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Dieser Artikel befasst sich mit der eigentlichen Bedeutung des Begriffes. Siehe auch
geschlossener Beichtstuhl in der Mannheimer Jesuitenkirche
Neogotischer Beichtstuhl
offene Beichtstühle in der Kirche Gesù Nuovo, Neapel
Beichtgitter in der Kathedrale von Dubrovnik

Der Beichtstuhl ist ein obligatorischer Teil der Einrichtung katholischer Kirchen. Er ist der klassische (aber nicht der einzig mögliche)[1] Ort für das persönliche Sündenbekenntnis der Gläubigen, dem die Lossprechung durch den Priester folgt (Bußsakrament).

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Form des Beichtstuhls stammt aus der Barockzeit. Es handelt sich um ein fast geschlossenes, schrankartiges, hölzernes, oft mit kunstvollem Schnitzwerk verziertes Möbelstück, das in zwei oder (meist) drei Innenräume geteilt ist: einen für den Priester, einen (bzw. zwei) für die Beichtenden (zwei zur alternierenden - nicht gleichzeitigen - Benutzung). Der Teil des Priesters enthält einen der Tür zugewandten Sitz, der Teil des Gläubigen eine Kniebank, ausgerichtet zu der vergitterten Öffnung in der Trennwand, durch die das Bekenntnis gesprochen wird.

Daneben gibt es halb offene Beichtstühle und solche, bei denen der Beichtende vollständig sichtbar bleibt. Diese Formen sind näher bei der historischen Ausgangsform.

Die älteste Form des Beichtstuhls, an die sein deutscher Name bis heute erinnert, ist die eines wirklichen Stuhls für den Priester, neben dem der Beichtende auf dem Fußboden kniete.

Seitdem, ausgehend von den Klöstern, die sakramentale Einzelbeichte im Hochmittelalter immer stärker auch in der Pfarrseelsorge praktiziert wurde, errichtete man für sie als eigenen liturgischen Ort einen Stuhl, meist in der Nähe des Altars. Im Stuhl (damals ein seltenes und bedeutendes Möbelstück) symbolisierte sich der hoheitlich-stellvertretende Charakter der Beicht- und Absolutionshandlung (vgl. Kathedra). Seit dem Mittelalter enthält das Schnitzwerk vieler Beichtstühle auch Rosen als Symbol der Verschwiegenheit: dem Priester wurden die Beichtgeheimnisse „Sub rosa“ („unter der Rose“), also streng vertraulich mitgeteilt.

Alle späteren Formen des Beichtstuhls kommen dem Bedürfnis entgegen, das Beichtgeheimnis gegenüber Dritten und eine gewisse Anonymität gegenüber dem Priester zu wahren.

In modernen katholischen Kirchbauten findet sich statt des Beichtstuhls oft ein Beichtzimmer, in dem sowohl kniend hinter einer gitterartigen Trennwand wie auch sitzend in offener Gesprächsform gebeichtet werden kann.

Auch in lutherischen Kirchen wurden bis in das 18. Jahrhundert hinein teilweise prachtvolle Beichtstühle errichtet, von denen sich zahlreiche erhalten haben. Sie fehlen jedoch in den Räumen der reformierten Konfessionen wegen der unterschiedlichen Beurteilung der Einzelbeichte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Beichtstuhl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Beichtstuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Can. 964 CIC – § 1. Der für die Entgegennahme sakramentaler Beichten eigene Ort ist eine Kirche oder Kapelle. § 2. Was den Beichtstuhl anbelangt, sind von der Bischofskonferenz Normen zu erlassen; dabei ist jedoch sicherzustellen, daß sich immer an offen zugänglichem Ort Beichtstühle befinden, die mit einem festen Gitter zwischen Pönitent und Beichtvater versehen sind, damit die Gläubigen, die dies wünschen, frei davon Gebrauch machen können. § 3. Außerhalb des Beichtstuhls dürfen Beichten nur 'aus gerechtem Grund' entgegengenommen werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Wieckowski: Evangelische Beichtstühle in Sachsen. Beucha: Sax-Verlag, 2005. ISBN 3-934544-74-6
  • Alexander Wieckowski: Evangelische Beichtpraxis in Sachsen und in der Dresdner Frauenkirche. In: Die Dresdener Frauenkirche. Jahrbuch zu ihrer Geschichte und Gegenwart. Bd. 12. Regensburg: Schnell&Steiner 2008, S. 43-56. ISBN 978-3-7954-2084-0