Beinwil (Freiamt)

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Beinwil (Freiamt)
Wappen von Beinwil (Freiamt)
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4224i1f3f4
Postleitzahl: 5637
Koordinaten: 668699 / 23162047.2319398.345833580Koordinaten: 47° 13′ 55″ N, 8° 20′ 45″ O; CH1903: 668699 / 231620
Höhe: 580 m ü. M.
Fläche: 11,28 km²
Einwohner: 1071 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 95 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 8,3 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.beinwil.ch
Beinwil (Freiamt)

Beinwil (Freiamt)

Karte
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Beinwil (Freiamt) (in einheimischer Mundart: Böiel, [ˈb̥œi̯əl])[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im oberen Bünztal in der Region Freiamt. Bis Ende 1950 hiess die Gemeinde Beinwil bei Muri.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus fünf kleinen Dörfern, die am Ostabhang des Lindenbergs verstreut sind. Der Hang steigt gleichmässig an und geht im Westen in eine über 800 Metern gelegene Hochebene über. Er wird durch mehrere, teilweise tief eingeschnittene Tobel unterteilt, deren Bäche in Richtung Osten fliessen und in die Reuss münden. Von Norden nach Süden sind dies der Wissenbach, der Sembach und der Mariahaldenbach. Nur der Rüeribach, einer der Quellbäche der Bünz, fliesst nach Norden.[5]

Die Hauptsiedlung Beinwil (580 m ü. M.) befindet sich ungefähr in der Mitte des Gemeindegebiets am Wissenbach. Rund eineinhalb Kilometer östlich liegt Wallenschwil (463 m ü. M.), ein Kilometer südlich Wiggwil (592 m ü. M.) am Sembach. Ein Kilometer nördlich von Beinwil befindet sich Winterschwil (575 m ü. M.) unweit des Rüeribachs, ein Kilometer westlich Brunnwil (719 m ü. M.). Über das ganze Gemeindegebiet verstreut gibt es rund ein Dutzend Einzelhöfe, vier davon auf der Hochebene des Lindenbergs. Beim Hof Horben auf 818 m ü. M. befindet sich das kleine Schloss Horben.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1129 Hektaren, davon sind 202 Hektaren bewaldet und 75 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 854 Metern im Groderwald auf dem Kamm des Lindenbergs, der tiefste auf 456 Metern bei Wallenschwil.

Nachbargemeinden sind Geltwil im Norden, Merenschwand im Nordosten, Mühlau im Osten, Auw im Süden sowie die Luzerner Gemeinden Hohenrain und Hitzkirch im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Beinwil von Norden

Mauerreste und Funde von kleinen Gebrauchsgegenständen westlich von Wallenschwil zeugen von einer Besiedlung während der Zeit des Römischen Reiches, wenn auch der genaue Zeitraum nicht bekannt ist.[6] Gegen Ende des 7. Jahrhunderts siedelten sich die Alamannen an. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfs erfolgte im Jahr 1153 als Herkunftsbezeichnung (Harthmanno de Beinwilare). Der Ortsname stammt von einer althochdeutschen Zusammensetzung *Bāginwīlāri oder *Beininwīlāri und bedeutet «Hofsiedlung des Bāgo bzw. des Beino».[3][4]

Bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 1027 besass das Kloster Muri Grundbesitz in den Dörfern am Lindenberg. 1239 trat ein Hartmann Viselere bedeutende Grundstücke und die dazugehörenden Rechte an das Kloster in Kappel am Albis ab. Diese gelangten 1415 an die Stadt Zürich, 1586 an die Familie Holdermeyer in Luzern und 1614 schliesslich an das Kloster Muri. Die restlichen Grundstücke, Streubesitz verschiedener Adliger, konnte das Kloster nach und nach aufkaufen. Die Landeshoheit lag bei den Habsburgern, die auch die hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Die Dörfer Beinwil, Brunnwil, Wallenschwil und Wiggwil lagen im Amt Meienberg, Winterschwil war Teil des Amtes Muri.

Es ist historisch nachweisbar, dass im benachbarten Wiggwil bis mindestens 1412 eine Familie Gessler lebte. Die Gessler waren Untervögte des Dorfes und Ministerialen der Habsburger. Ein Hermann Gessler soll gemäss der Legende Landvogt von Uri und Schwyz gewesen und im Jahr 1307 von Wilhelm Tell erschossen worden sein. Tatsächlich gab es einen Landvogt Gessler, allerdings erst 1375 in Grüningen im Kanton Zürich. Spätestens nach dem Erscheinen des Weissen Buches von Sarnen im Jahr 1470 war Gessler ein Inbegriff für Tyrannei, und der Familienname wurde deshalb geändert. Noch heute gibt es Personen mit dem Nachnamen Gisler.[7]

Im Jahr 1415 eroberte Luzern das habsburgische Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter (später: Freiamt) gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Beinwil, Brunnwil und Wiggwil wurden zu einer Gemeinde zusammengefasst und gehörten zum Distrikt Muri im kurzlebigen Kanton Baden. Winterschwil bildete mit Geltwil eine eigene Munizipalität und wurde nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 mit Beinwil vereinigt. Wallenschwil bildete in der Helvetik mit Rüstenschwil eine Agentschaft und diese mit Auw eine Munizipalität. Bei der Vereinigung der Dörfer zur Gemeinde Beinwil entstanden eigene Ortsbürgergemeinden für Beinwil, Brunnwil, Wallenschwil, Wiggwil und Winterschwil.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lebte die Mehrheit der Bevölkerung der Gemeinde Beinwil von der Landwirtschaft. Das erste Schulhaus wurde 1812 erbaut, die Elektrizität hielt 1909 Einzug (in Brunnwil erst 1915). Die Einwohnerzahl, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch um fast zwanzig Prozent abgenommen hatte, blieb bis etwa 1980 relativ konstant. Seither ist wieder eine leichte Zunahme zu verzeichnen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Burkard
Kapelle St. Laurentius Wallenschwil
Schloss Horben

Die Pfarrkirche St. Burkard ist ein bekannter Wallfahrtsort, da hier die Gebeine des 1192 verstorbenen und 1817 heiliggesprochenen Burkard von Beinwil aufgebahrt sind. Das Kirchengebäude wurde 1239 erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem das Kloster Muri 1614 das Patronatsrecht übernommen hatte, gab Abt Johann Jodok Singisen 1618 einen Neubau in Auftrag. Wegen schlechter Ausführung musste der Kirchturm 1645 abgebrochen und neu errichtet werden. 1797 wurde das Kirchenschiff vollständig neu errichtet und verlängert.[8]

Der Weiler Winterschwil erhielt 1987 für sein intaktes Ortsbild den Aargauischen Heimatschutzpreis. In Wallenschwil steht die 1745 erbaute Kapelle St. Laurentius. Sehenswert ist auch die Eichmühle am Rande von Wiggwil, die seit mindestens 1584 besteht und heute noch in Betrieb ist. Das Schloss Horben hoch oben auf dem Lindenberg wurde 1700/1701 als Erholungsheim für die Mönche des Klosters Muri errichtet; die Schlosskapelle St. Wendelin mit ihren barocken Wandmalereien ist im Gegensatz zum Schloss öffentlich zugänglich.[8]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb ausgerissene grüne Linde mit fünf Blättern.» Bereits das Gemeindesiegel enthielt eine Linde, in Anspielung auf den Lindenberg. Die heutige stilisierte Form wurde 1951 eingeführt. Das Wappen von Auw besitzt das gleiche Motiv, allerdings auf weissem Grund.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 871 701 744 759 803 752 695 817 942 1036

Am 31. Dezember 2013 lebten 1071 Menschen in Beinwil, der Ausländeranteil betrug 8,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 82,2 % römisch-katholisch und 10,0 % reformiert; 0,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 98,4 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre, er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Beinwil gehört zum Friedensrichterkreis Merenschwand.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Beinwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 350 Arbeitsplätze, davon 34 % in der Landwirtschaft, 30 % in der Industrie und 36 % im Dienstleistungssektor.[13] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Muri oder in den Agglomerationen der Städte Luzern und Zug. Das Hochplateau Horben mit dem gleichnamigen Schloss ist vor allem an Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer ist ein weitläufiges Wanderwegnetz vorhanden. Im Winter, wenn genug Schnee liegt, wird ein kurzer Skilift in Betrieb genommen, und es werden drei Langlaufloipen gespurt. Die Lindenbergloipe ist 12 Kilometer lang, die Horbenloipe 4,4 Kilometer. Eine weitere 4,2 Kilometer lange Loipe wird nachts beleuchtet.[14]

Verkehr[Bearbeiten]

Die einzelnen Dörfer liegen abseits des Durchgangsverkehrs; die einzige Ausnahme ist die Ortschaft Wallenschwil, die unmittelbar an der vielbefahrenen Hauptstrasse 25 (LenzburgZug) liegt. Der Hauptort und die übrigen Dörfer sind durch ein gut ausgebautes Netz von Nebenstrassen mit Muri und Auw verbunden. Von Muri aus verkehrt eine Postautolinie über Wallenschwil und Beinwil hinauf nach Brunnwil, während Winterschwil und Wiggwil nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden sind.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule im Hauptort Beinwil. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Muri besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band V: Der Bezirk Muri. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 55). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, S. 38–72.DNB 457321970.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beinwil (Freiamt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 75f. Angegebene Lautschrift: bǫ̈́i̯əl.
  4. a b Gabrielle Schmid: Beinwil (Freiamt) AG (Muri) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 131. Angegebene Lautschrift: [ˈbœjəl].
  5. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo
  6.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 164.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatErhard Huwyler-Frei: Die Bürgergeschlechter. Gemeinde Beinwil (Freiamt), September 2006, abgerufen am 9. Januar 2010.
  8. a b  Georg Germann, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  9.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 111.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKeine Chance für Wintermuffel. Aargauer Zeitung, Januar 2007, abgerufen am 9. Januar 2010 (PDF).