Gottfried Christoph Beireis

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Gottfried Christoph Beireis

Gottfried Christoph Beireis (* 2. März 1730 in Mühlhausen/Thüringen; † 18. September 1809 in Helmstedt) war ein deutscher Arzt, Physiker und Chemiker.

Leben[Bearbeiten]

Bereits im Alter von 20 Jahren begann Beireis ein Studium der Theologie, änderte seine Studienrichtung aber in Richtung Polyhistor (Universalgelehrter). Bereits mit 25 Jahren verfasste er eines seiner wenigen Bücher „Über den Nutzen und die Unentbehrlichkeit der Naturgeschichte“. Mit 26 Jahren begann er an der Universität Helmstedt bei dem berühmten Arzt Lorenz Heister das Studium der Medizin. Dabei war er so erfolgreich, dass er ohne den Doktorgrad erreicht zu haben im Jahre 1759 zum Professor für Physik und zum zweiten Professor für Chemie ernannt wurde. Die dritte Professur (Medizin), sowie diverse Titel wie „Hofrat“ und 1803 „Herzoglicher Leibmedicus“ der Herzöge von Mecklenburg und Braunschweig, folgten.

Bis ins Greisenalter (im 18. Jahrhundert lag die Lebenserwartung bei unter 35 Jahren) führte er ein ausgefülltes, arbeitsreiches Leben. Dabei war Beireis das Wirken auf sein Hier-und-Jetzt wichtiger, als durch die Veröffentlichung vieler Bücher nach Unsterblichkeit zu streben. Sein wacher Geist, seine Menschlichkeit und die Hingabe an seine Arbeit machten ihn weit über Helmstedts Grenzen hinaus bekannt; sogar Goethe versäumte es nicht, ihn in Begleitung Friedrich August Wolfs und seines Sohnes August im Jahr 1805 zu besuchen. Dabei zeigte dieser sich von Beireis' wertvoller Sammlung beeindruckt. Ludwig Achim von Arnim hat ihn 1806 besucht und ihn in einem Kapitel seines Buches Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores beschrieben. Beireis’ überragendes Können als Arzt und Chemiker und der Umstand, dass er für die ärztliche Diagnose von reichen Leuten gutes Geld nahm, Arme aber manchmal gratis behandelte, sorgten für ein ausgefülltes Berufsleben. Sein enormer Fleiß („…täglich 10-12 Collegs, dazu starke Arztpraxis.“) ließ Beireis jedoch keine Zeit eine Familie zu gründen.

Aus seiner Zeit in Helmstedt sind in der in Helmstedt ansässigen Beireis Apotheke noch ein Danklied und ein Geburtstagsgedicht für ihn erhalten. Sie spiegeln wider, wie Beireis auf und für die Menschen Helmstedts gewirkt hat. Auch zum fünfzigstem Jahrestag seiner Ernennung zum Professor am 29. Mai 1809 wurde solch eine Ode verfasst. Beireis hatte als Sammler wohl eine Art Kunstkabinett, in dem er allerlei seltene und seltsame Gegenstände gesammelt hatte, darunter auch die berühmten mechanischen Apparate von Jacques de Vaucanson (die Ente, der Flötenspieler und ein Trommler), das er 1808 wohl komplett an die französische Regierung verkaufte, und das auf einen Gesamtwert von 800.000 Livres geschätzt wurde.[1] Als kurz darauf die Ruhr in Helmstedt wütete, zählte auch der fast 80-jährige Beireis zu ihren Opfern. Nach kurzer Krankheit starb er am 18. September 1809. So musste er nicht mehr erleben wie der Mittelpunkt seines Lebens, die Helmstedter Universität, im Jahre 1810 auf Befehl Jérôme Bonapartes geschlossen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Susanne Wosnitzka: Die 'Goldene Traube' - Zentrum der bürgerlichen Musikausübung in Augsburg zwischen 1746 bis zum Ende der Reichsstadtzeit. Eine kommentierte Quellenpublikation und Rekonstruktion anhand des Augspurgischen Intelligenz=Zettels, der Augspurgischen Ordinari Postzeitung und Augspurgischen Ordinären Zeitung (in Arbeit); Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 104, Samstag, den 30. April, Anno 1808, S. 3, als Digitalisat. Bereits 1748 lassen sich diese Apparate in Augsburg nachweisen - falls Beireis bereits damals in den Besitz dieser Apparate kam (Vaucanson hatte sie 1743 verkauft), trat er möglicherweise selbst damit in Augsburg auf.