Beisasse

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Ein Beisasse (auch Beiwohner, Schutzverwandter, Schutzbürger, Hintersasse) ist Bürger einer Stadt mit eingeschränktem Bürgerrecht. Der Unterschied zwischen Bürgern und Beisassen entwickelte sich im mittelalterlichen Stadtrecht und bestand bis ins 19. Jahrhundert, in der Schweiz bis 1874[1].

Rechtliche Stellung[Bearbeiten]

Vollwertiger Bürger einer Stadt konnte in der Regel nur werden, wer Sohn eines Bürgers war oder über ein bestimmtes Vermögen verfügte. Oft waren auch nur Angehörige bestimmter Berufe, zum Beispiel zunftfähige Handwerker, und bestimmter Konfessionen zum Bürgerrecht zugelassen. Mit dem Bürgerrecht verbunden war die Bürgerpflicht, beispielsweise Steuer- und Dienstpflichten, sowie die Ableistung eines Bürgereides.

Ein Beisasse unterstand ebenfalls dem Schutz des Stadtrechtes, im Unterschied zu lediglich geduldeten Einwohnern (Permissionisten), und konnte zu bestimmten Pflichten herangezogen werden, blieb aber von wesentlichen politischen Rechten, beispielsweise der Vertretung im Rat, ausgeschlossen. Der Inbegriff der ihnen gewährten Rechte ist das Beisassenrecht, ihre Verfassungsurkunde die Beisassenordnung, die zu entrichtende Abgabe das Beisassengeld. Als Unterpfand für die Einhaltung seiner Obliegenheiten leistete der Beisasse früher den Beisasseneid.

Die nach 1848 erlassenen Verfassungsurkunden der einzelnen deutschen Staaten haben fast durchweg den Unterschied zwischen eigentlichen Bürgern und Schutzbürgern aufgehoben, wie dies auch schon zuvor in einzelnen Staaten, beispielsweise in Baden durch Gesetz von 1831, geschehen war. In der Schweiz findet der Unterschied zwischen Vollbürgern und Beisassen oder Niedergelassenen heute noch namentlich in der Bürgergemeinde praktische Anwendung. Es existiert dort kaum eine Gemeinde, die neben den eigentlichen Gemeindemitgliedern nicht auch eine größere oder geringere Zahl von Niedergelassenen enthielte.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150–1550. Stadtgestalt, Recht, Verfassung, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Wien [u.a.] 2012.
  • Eberhard Sandmann: Das Bürgerrecht im mittelalterlichen Frankfurt, Frankfurt am Main 1957. (Dissertationsschrift)
  • Rainer Christoph Schwinges [Hrsg.]: Neubürger im späten Mittelalter. Migration und Austausch in der Städtelandschaft des alten Reiches (1250-1550) in: (Zeitschrift für historische Forschung: Beiheft 30), Berlin 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hintersassen. In: hls-dhs-dss.ch. Abgerufen am 24. März 2015.
  2. Johann Jakob Rüttimann, Über die Geschichte des schweizerischen Gemeindebürgerrechts, Zürich 1862 Online Version des Buches