Beitrittsverhandlungen Islands mit der Europäischen Union

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Island Europäische Union
Island und die EU in Europa
  • Europäische Union
  • Island

Island hat am 17. Juli 2009 den Beitritt zur Europäischen Union beantragt. Seit Annahme dieses Antrags am 17. Juni 2010 zählt Island zu den offiziellen Beitrittskandidaten der EU. Am 27. Juli 2010 wurden die Beitrittsverhandlungen aufgenommen.

Bis zur Finanzkrise 2008 verhielten sich die Isländer abwartend bis ablehnend gegenüber einem EU-Beitritt, insbesondere wegen der zu befürchtenden Einschränkungen bei den Fischereirechten. Seither haben sich die Ansichten in der Bevölkerung und der Regierung mehrmals stark geändert. Nachdem bei der isländischen Parlamentswahl im April 2009 die Allianz der pro-europäisch gesinnten Jóhanna Sigurðardóttir die Wahl gewonnen hat und eine Koalition mit der Links-Grünen Bewegung gebildet wurde, wurde am 17. Juli 2009 ein EU-Beitrittsgesuch beim Vorsitz in Stockholm eingereicht.[1][2]

Mit der Parlamentswahl am 27. April 2013 besiegelten die Wähler jedoch das vorläufige Aus für Beitrittsbestrebungen Islands.[3] Im Februar 2014 einigten sich die Regierungsparteien auf ein entsprechendes Gesetzesvorhaben, um das Beitrittsgesuch zurückzuziehen.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Nordische Passunion und EFTA[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1955 trat Island der nordischen Passunion bei, bestehend aus Dänemark (erst später Färöer; ohne Grönland), Schweden, Finnland und Norwegen. Ziel war es, durch ein Arbeitsmarktabkommen unter anderem die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Später trat auch die Abschaffung der Grenzkontrollen in Kraft.

Die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) war 1960 aufgrund einer Initiative des Vereinigten Königreichs gegründet worden, um gegenüber der neu entstandenen Europäischen Gemeinschaft (EG) eine Alternative in Form einer Freihandelszone anzubieten. Island trat ihr 1970 bei.

Europäischer Wirtschaftsraum[Bearbeiten]

Nachdem bereits kurz nach der Entstehung von EFTA und EG bilaterale Beziehungen zwischen den beiden Organisationen geschlossen wurden, gab es erste wichtige Erfolge, als zwischen den einzelnen EFTA-Staaten und der EG Freihandelsabkommen unterzeichnet wurden. Am 2. Mai 1992 wurde das Abkommen zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) schließlich unterzeichnet, sodass unter anderem die Zölle zwischen allen EG- und allen EFTA-Staaten bis auf die Schweiz wegfielen.

Schengener Abkommen[Bearbeiten]

Nachdem Dänemark 1973 sowie Finnland und Schweden 1995 der EU beitraten, tat sich Mitte der 1990er ein Problem für die nordische Passunion auf. Durch den Beitritt der drei Länder zum Schengener Abkommen hätten für Reisen von und nach Norwegen und Island wieder Grenzkontrollen eingeführt werden müssen. Deswegen unterzeichneten Norwegen und Island am 18. Mai 1999 ein Abkommen zur Teilnahme am Schengener Abkommen. Die Färöer und Grönland waren zwar nicht betroffen, wurden aber durch ein Kooperationsabkommen ebenfalls von den Grenzkontrollen befreit.[5]

2006/2007[Bearbeiten]

Nach dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte 2006, welche bis dato die Sicherheit des Inselstaates garantierten, wuchs die Angst vor einer politischen Isolation und es wurden Stimmen laut, sich wieder Europa anzunähern. Im Februar 2006 verkündete die damalige Regierung, eine Koalition aus Unabhängigkeitspartei und Fortschrittspartei, Island werde der EU noch vor 2015 beitreten.

Die im Mai 2007 neu gewählte Regierung aus Unabhängigkeitspartei und Allianz kündigte allerdings an, dass die Frage der EU-Mitgliedschaft vorläufig auf Eis gelegt werde, da dies in der kommenden vierjährigen Legislaturperiode „nicht aktuell“ sei.[6] Auch die allgemeine Haltung der Isländer war eher EU-skeptisch. Insbesondere die Befürchtung, die für Island wichtigen Fischereirechte könnten bei einem EU-Beitritt eingeschränkt werden, trug hierzu bei. Infolge der Krise (siehe unten) schlug die Stimmung aber gegen die Regierung um. Ein EU-Beitritt und insbesondere die Aussicht auf die Einführung des Euro erschienen zunehmend attraktiv.

Finanzkrise 2008[Bearbeiten]

Die aus der Finanzkrise 2008 resultierenden wirtschaftlichen Folgen sind für Island und die Isländische Krone erheblich. Mehrere große Banken mussten verstaatlicht werden, da sie andernfalls kollabiert wären. Der isländische Staatshaushalt geriet in eine schwere Schieflage. Dies wurde vor allem der Regierung angelastet; es kam zu den größten Demonstrationen der isländischen Geschichte. Ein EU-Beitritt wurde zunehmend populär. Insbesondere die Aussicht auf die Einführung des Euro als stabile Alternative zu der stark geschwächten isländischen Krone hatte große Unterstützung.

Die isländische Regierung hatte bereits früher über den Schritt nachgedacht, damals trat aber nur die Allianz offen für einen EU-Beitritt ein. Der isländische Fischereiminister Einar Guðfinnsson bekräftigte zwar, dass er weiterhin gegen den Beitritt sei, man die Beitrittsfrage aber in einem neuen Licht betrachten müsse.

Nach Beginn der Finanzkrise hat sich die Position einiger großer Parteien zum EU-Beitritt verändert. Die Fortschrittspartei beschloss auf ihrem Parteitag am 17. Januar 2009, den EU-Beitritt zu befürworten, allerdings mit Vorbehalten insbesondere bei den Fischereirechten. Ende März 2009 folgte die bei der bisherigen Regierung beteiligte Unabhängigkeitspartei soweit, dass zuerst ein Referendum über die Aufnahme von Beitrittsgesprächen und nach deren Abschluss eine weitere Volksabstimmung über die Annahme der von der EU angebotenen Bedingungen abgehalten werden solle.[7] Die Liberale Partei Islands jedoch blieb bei ihrer Position gegen den EU-Beitritt, wie in einer Mitgliederbefragung vom Januar 2009 bestätigt wurde.

Der damalige EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn stellte Island frühzeitig eine schnelle Durchführung von Beitrittsverhandlungen in Aussicht. Er sprach sich deutlich gegen eine einseitige Einführung des Euro durch Island aus.[8] Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2009 setzte es sich auch zum Ziel, dem nordischen Nachbarn Island verkürzte Beitrittsverhandlungen zu ermöglichen.

Rücktritt der Regierung und Neuwahlen[Bearbeiten]

Am 26. Januar 2009 trat die Regierung aufgrund anhaltender Proteste aus der Bevölkerung zurück.[9] Daraufhin übernahm die bisherige Sozialministerin Jóhanna Sigurðardóttir mit ihrer Allianz und der Links-Grünen Bewegung in einer Minderheitsregierung unter Tolerierung der Fortschrittspartei die Führung des Landes.

Bei den Neuwahlen am 25. April kam es zu einer Mehrheit für die Koalition unter Jóhanna Sigurðardóttir. Ihr Engagement für den EU-Beitritt ließ darauf schließen, dass innerhalb kürzester Zeit ein Beitrittsgesuch gestellt werden würde. Am 26. April 2009 kündigte sie an, ein Beitrittsgesuch stellen zu wollen, um nach Möglichkeit bis Ende 2010 ein Referendum über den Beitritt durchführen zu können.[10] Am 25. Mai präsentierte sie dem Parlament einen Gesetzesentwurf, der die Beitrittsverhandlungen autorisierte.[11][12]

Beitrittsantrag[Bearbeiten]

Am 16. Juli 2009 stimmte das isländische Parlament mit 33 zu 28 Stimmen für den Antrag Jóhanna Sigurðardóttirs. Das Beitrittsgesuch wurde am 17. Juli 2009 der EU-Kommission in Brüssel und der schwedischen Regierung, die zu dieser Zeit die EU-Ratspräsidentschaft innehatte, vorgelegt.[13] Vertreter der EU hielten einen Beitritt innerhalb von zwei bis vier Jahren für möglich; wie die Bevölkerung Islands in einem Referendum stimmen würde, blieb offen.[14]

Am 27. Juli 2009 gaben die EU-Außenminister der EU-Kommission den Auftrag, einen Beitritt Islands zu prüfen. Der Bericht muss spätestens ein Jahr später vorliegen. Dann müssen die EU-Außenminister einstimmig über den Kandidatenstatus Islands abstimmen.[15] Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft hat entgegen voriger Erklärungen einen beschleunigten Beitritt Islands ausgeschlossen.[16]

Am 8. September 2009 übergab EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn einen Beitrittsfragebogen (ca. 2.500 Fragen), dessen Antwort dem Europäischen Rat vorgelegt werden soll. Der isländische Außenminister Össur Skarphéðinsson gab an, man wolle den Fragebogen bis Mitte November beantworten, damit der Europäische Rat schon bei seinem Treffen im Dezember 2009 darüber befinden konnte, ob Island den Status als Beitrittskandidat erhält.[17] Am 22. Oktober wurde die 8.870 Seiten lange Antwort Brüssel übergeben.[18]

Anfang November ernannte die isländische Regierung das Verhandlungskomitee für die Beitrittsverhandlungen.[19] Die EU zeigte sich mit der Beantwortung des Fragebogens weitgehend zufrieden und stellte Anfang Dezember 2009 einige Nachfragen. Die isländische Regierung stellte deren Beantwortung innerhalb weniger Tage in Aussicht.[20]

Am 4. Januar 2010 legte Islands Präsident Ólafur Grímsson sein Veto gegen das im Dezember verabschiedete „Icesave“-Gesetz ein, das ausländische Sparer, insbesondere in Großbritannien und den Niederlanden, entschädigen soll. Dadurch waren die internationalen Kredite für Island in Gefahr; auch die baldige Aufnahme Islands in die Europäische Union wurde in Gefahr gesehen.[21] Die spanische EU-Ratspräsidentschaft 2010 hingegen betrachtete das Icesave-Gesetz als eine vom Beitrittsprozess unabhängige Frage.[22] Auch der niederländische Außenminister Maxime Verhagen erklärte, dass die Niederlande die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen nicht blockieren werden.[23]

Am 24. Februar 2010 empfahl die Europäische Kommission die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen,[24][25] was am 17. Juni 2010 auf einem EU-Gipfel des Ministerrates abgesegnet wurde.[26] Island zählt damit zu den offiziellen Beitrittskandidaten der EU. Am 17. Juni 2010 gab der Rat der Europäischen Union grünes Licht für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Island[27][28] und am 7. Juli 2010 auch das Europäische Parlament.[29]

Im Zuge dieser Entwicklungen wurde auch eine neue isländische Verfassung diskutiert.

Verhandlungen[Bearbeiten]

Am 27. Juli 2010 wurden die Beitrittsverhandlungen offiziell aufgenommen.[30] Das Screening begann am 15. November 2010 und endete am 27. Juni 2011. An jenem Tag begannen die formalen Verhandlungen mit der Öffnung von vier Kapiteln. Ziel Islands war es unter der polnischen Ratspräsidentschaft (zweite Hälfte des Jahres 2011) die erste Hälfte der Kapitel und die zweite Hälfte unter dänischem Vorsitz in der ersten Hälfte des Jahres 2012 zu öffnen. Dieser Zeitplan wurde nicht eingehalten: Am Ende des Jahres 2011 waren erst ein Drittel der Verhandlungskapitel geöffnet und acht Kapitel provisorisch geschlossen. In der ersten Hälfte des Jahres 2012 kamen neun geöffnete Kapitel dazu. Zwei Kapitel wurden in der ersten Jahreshälfte 2012 provisorisch geschlossen.

Im Jahr 2012 kam es in Island zu einer Diskussion darüber, ob Island seine Krone aufgeben und der Kanadische Dollar eingeführt werden solle. Mit einem EU-Beitritt wäre eine Einführung des Kanadischen Dollars nicht vereinbar, da sich EU-Beitrittsländer zur Einführung des Euro verpflichten.[31]

Im Januar 2013 waren ein Drittel (11) der Kapitel geschlossen, weitere 16 Kapitel geöffnet und sechs Kapitel noch nicht eröffnet. Die damalige isländische Regierung plante, die Verhandlungen binnen Jahresfrist abzuschließen und in der ersten Jahreshälfte 2014 das Beitrittsreferendum abzuhalten. Wegen der Parlamentswahlen am 27. April 2013 beschloss Island am 14. Januar 2013 im Rahmen der Beitrittsverhandlungen, keine neuen Verhandlungskapitel mehr zu eröffnen, da möglicherweise eine neue Regierung einen EU-Beitritt nicht mehr befürworten werde. Die Verhandlungen über bereits eröffnete Kapitel gingen weiter.

Die bisherigen Regierungsparteien und die neue Partei Björt framtíð ("Strahlende Zukunft") befürworte(te)n den Abschluss der Verhandlungen; die damaligen Oppositionsparteien Sjálfstæðisflokkurinn ("Unabhängigkeitspartei") und Framsóknarflokkurinn ("Fortschrittspartei") forderten einen sofortigen Stopp der Verhandlungen.

Im Februar 2014 einigten sich die Regierungsparteien auf ein Gesetzesvorhaben, um das Beitrittsgesuch zurückzuziehen.[4] Nach Protesten und der öffentlichen Forderung nach einem Beitrittsreferendum, wurde der Beschluss am 13. Mai 2014 jedoch vorläufig wieder zurückgezogen. Ob es tatsächlich zu einem nationalen Referendum kommt, soll nach der Sommerpause entschieden werden.[32] Anfang September 2014 gab es Überlegungen der Regierung, das Gesetzesvorhaben zum Rückzug des Beitrittsgesuch abzubrechen,[33] während eine Umfrage eine wachsende Befürwortung des EU-Beitritts in der Bevölkerung zeigte.[34]

"EU + Island. Nein Danke!" Plakat in Keflavík im November 2013.

Meinungsumfragen[Bearbeiten]

Eine von der Zeitung Fréttablaðið im Oktober 2008 durchgeführte Meinungsumfrage ergab, dass 70 Prozent der Isländer ein Referendum über den EU-Beitritt abhalten wollen, und 49 Prozent sagten, sie würden einen Beitritt befürworten.[35] Anderen Zahlen zufolge sprechen sich sogar über 70 Prozent der Isländer für einen EU-Beitritt aus. Für die Einführung des Euros plädieren sogar 72 Prozent.[36]

Umfragen im März 2009 zeigten eine Abkühlung der EU-Begeisterung: Anhänger und Gegner waren gleichauf.[37]

Eine am 6. Mai 2009 veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeigte, dass 61,2 Prozent der Isländer für Beitrittsverhandlungen sind und 29,6 Prozent dagegen. Bei der Frage nach dem Beitritt selbst hielten sich Befürworter und Gegner die Waage.[38]

Im August 2009 wuchs die EU-Skepsis – vom Mai ausgehend – wieder um 10 Prozentpunkte: Demnach seien nun noch knapp 35 Prozent der Isländer für einen Beitritt zur EU und 49 Prozent dagegen.[39]

Im September 2009 stieg die Ablehnung der Isländer bezüglich eines EU-Beitritts auf ein Rekordhoch von 61,5 Prozent. Als einer der möglichen Gründe dieser starken Ablehnung werden die Haltungen der britischen und der niederländischen Regierungen im Icesave-Streit gesehen.[40] Für einen Beitritt waren lediglich 38,5 Prozent der Befragten.

Sollte die Mehrheit der Isländer in Zukunft weiterhin einen EU-Beitritt ablehnen, so würde das Land auch nach erfolgreichem Abschluss der Beitrittsverhandlungen nicht beitreten können, da eine Volksabstimmung Voraussetzung für die endgültige Aufnahme ist.[41]

Übersicht über den Verhandlungsfortschritt[Bearbeiten]

Nach Auffassung der EU hat Island schon zehn der 33 Verhandlungskapitel voll implementiert. In elf Kapiteln besteht eine teilweise Implementierung durch die Mitgliedschaft im EWR. Zwölf Kapitel müssen hingegen neu verhandelt werden.[42]

Das Screening der Verhandlungskapitel wurde am 15. November 2010 begonnen und am 17. Juni 2011 abgeschlossen.[43]

Am 27. Juni 2011 wurden die ersten vier Verhandlungskapitel eröffnet. Zwei davon konnten sofort abgeschlossen werden.[44] Der isländische Außenminister Össur Skarphedinsson kündigte dabei an, sein Land wolle im zweiten Halbjahr 2011 unter polnischem Ratsvorsitz die Hälfte der verbleibenden Verhandlungskapitel eröffnen, darunter auch die eher schwierigen Kapitel 11 „Landwirtschaft und ländliche Entwicklung“ und Kapitel 13 „Fischerei“. Im ersten Halbjahr 2012 wolle Island dann unter dänischem Vorsitz die restlichen Bereiche bearbeiten,[45] allerdings war dieser Zeitplan zu optimistisch.

Am 19. Oktober 2011 wurden zwei weitere Kapitel eröffnet und am gleichen Tag abgeschlossen. Auf der Beitrittskonferenz auf Ministerebene am 12. Dezember 2011 wurden fünf weitere Kapitel eröffnet und vier davon am gleichen Tag abgeschlossen. Es wurden nun insgesamt elf Kapitel eröffnet und acht davon abgeschlossen.[46]

Um den Beitrittsprozess mit Island rasch voranzutreiben, wurde für Ende März 2012 die nächste Beitrittskonferenz angesetzt.[47] Bei dieser Beitrittskonferenz, der zweiten auf Stellvertreterebene, wurden am 30. März 2012 vier weitere Kapitel (8, 15, 28 und 31) eröffnet und zwei davon vorläufig gleich wieder geschlossen (Kapitel 28 und 31). Bei der folgenden Beitrittskonferenz auf Ministerebene am 22. Juni 2012 wurden die Beschlüsse vom 30. März 2012 bestätigt und drei weitere Kapitel (14, 19 und 32) eröffnet.[48] Bei der darauf folgenden Beitrittskonferenz am 24. Oktober 2012 wurden die Kapitel 9, 18 und 29 eröffnet,[49] auf der Beitrittskonferenz am 18. Dezember 2012 dann die Kapitel 1, 16, 17, 22, 27 und 30 eröffnet sowie das Kapitel 8 vorläufig geschlossen.[50]

Nachdem die amtierende Regierung beschlossen hat, keine neuen Verhandlungskapitel vor der Parlamentswahl im April 2013 zu eröffnen, ist die für März 2013 anberaumte Beitrittskonferenz abgesagt worden. Die bereits eröffneten Kapitel sollten weiterverhandelt werden. Nach der Parlamentswahl, die zu einem Regierungswechsel führte, setzte die Koalition von Unabhängigkeitspartei und Fortschrittspartei die Beitrittsgespräche aus.[51]

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Eine im Januar 2014 veröffentlichte Umfrage fand heraus, dass 67,5% der Isländer ein Referendum über die Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen befürworten. Die Regierungsparteien stimmten am 22. Februar überein, das Beitrittsgesuch offiziell zurückzuziehen, ohne ein Referendum darüber abzuhalten. Des weiteren legten sie dem Parlament einen Gesetzesentwurf vor, um die Zustimmung dafür zu bekommen. Diese Entscheidung führte dazu, dass tausende Demonstranten auf den Straßen vor dem Parlamentsgebäude in Reykjavik protestierten. Am 28. Februar waren 82% der Isländer dafür, ein Referendum abzuhalten. Über 40.000 Menschen (16,5% der Wahlberechtigten) haben eine Petition unterschrieben. Diese fordert, dass das versprochene Referendum abgehalten wird.

Kapitel Screening eröffnet abgeschlossen
1. Freier Warenverkehr 8. Dezember 2010 18. Dezember 2012
2. Freizügigkeit der Arbeitnehmer 9. Februar 2011 19. Oktober 2011 19. Oktober 2011
3. Niederlassungsfreiheit und freier Dienstleistungsverkehr 9. Dezember 2010
4. Freier Kapitalverkehr 10. Dezember 2010
5. Vergaberecht 15. November 2010 27. Juni 2011
6. Gesellschaftsrecht 17. November 2010 12. Dezember 2011 12. Dezember 2011
7. Schutz geistiger Eigentumsrechte 20. Dezember 2010 19. Oktober 2011 19. Oktober 2011
8. Wettbewerbsrecht 6. Dezember 2010 30. März 2012 18. Dezember 2012
9. Finanzdienstleistungen 15. Dezember 2010 24. Oktober 2012
10. Informationsgesellschaft und Medien 18. November 2010 27. Juni 2011
11. Landwirtschaft und ländliche Entwicklung 27. Januar 2011
12. Lebensmittelsicherheit, Veterinärpolitik und Pflanzenschutz 31. März 2011
13. Fischerei 2. März 2011
14. Verkehrspolitik 9. Juni 2011 22. Juni 2012
15. Energie 17. Juni 2011 30. März 2012
16. Steuerpolitik 4. März 2011 18. Dezember 2012
17. Wirtschafts- und Währungspolitik 18. Mai 2011 18. Dezember 2012
18. Statistiken 7. Juni 2011 24. Oktober 2012
19. Sozialpolitik und Beschäftigung 16. März 2011 22. Juni 2012
20. Unternehmens- und Industriepolitik 26. Mai 2011 12. Dezember 2011 12. Dezember 2011
21. Transeuropäisches Verkehrsnetz 10. Juni 2011 12. Dezember 2011 12. Dezember 2011
22. Regionalpolitik und Koordination der strukturpolitischen Instrumente 22. März 2011 18. Dezember 2012
23. Justiz und Grundrechte 11. Februar 2011 12. Dezember 2011 12. Dezember 2011
24. Justiz, Freiheit und Sicherheit 24. Mai 2011
25. Wissenschaft und Forschung 13. Januar 2011 27. Juni 2011 27. Juni 2011
26. Bildung und Kultur 14. Januar 2011 27. Juni 2011 27. Juni 2011
27. Umwelt 19. Januar 2011 18. Dezember 2012
28. Verbraucher- und Gesundheitsschutz 16. Mai 2011 30. März 2012 30. März 2012
29. Zollunion 6. April 2011 24. Oktober 2012
30. Beziehungen nach Außen 19. Mai 2011 18. Dezember 2012
31. Außenpolitik, Sicherheits- und Verteidigungspolitik 20. Mai 2011 30. März 2012 30. März 2012
32. Finanzkontrolle 2. Februar 2011 22. Juni 2012
33. Finanz- und Haushaltsbestimmungen 4. April 2011 12. Dezember 2011
34. Institutionen entfällt
35. Andere Fragen entfällt
insgesamt 33 27 11

Verhandlungsfortschritt:

  • Screening abgeschlossen
  • Kapitel eröffnet
  • Kapitel abgeschlossen

Literatur[Bearbeiten]

  •  Schymik, Carsten: Island auf EU-Kurs. Beitritt als Rettungsanker. In: SWP-Aktuell. Nr. 24, Berlin Mai 2009 (swp-berlin.org).
  •  Steppacher, Burkard: Island. In: Werner Weidenfeld u. Wolfgang Wessels (Hrsg.): Jahrbuch der Europäischen Integration 2010 (= Jahrbuch der Europäischen Integration). Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6276-0, S. 479f..
  •  Steppacher, Burkard: Island. In: Werner Weidenfeld u. Wolfgang Wessels (Hrsg.): Jahrbuch der Europäischen Integration 2011 (= Jahrbuch der Europäischen Integration). Nomos, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-7211-0, S. 511f..

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tagesschau: Isländer wählen links und pro EU (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung 26. April 2009
  2. Island beantragt EU-Mitgliedschaft, Focus, 17. Juli 2009.
  3. Machtwechsel in Reykjavík: Isländer entscheiden sich gegen Europa, Spiegel Online, 28. April 2013
  4. a b Island verzichtet auf EU-Mitgliedschaft. In: Die Zeit online. 22. Februar 2014, abgerufen am 25. Februar 2014.
  5. Übereinkommen über den Beitritt des Königreichs Dänemark Artikel 5
  6. „Island legt EU auf Eis“. Beitrag vom 23. Mai 2007 auf der Nachrichtenseite des öffentlich-rechtlichen norwegischen Rundfunks NRK (norwegisch)
  7. „Iceland's Independence Party seeks two votes on EU“, (englisch) 27. März 2009
  8. Wiener Zeitung: EU verbietet Island Euro-Einführung, 8. Januar 2009 (abgerufen am 7. November 2013)
  9. Tagesschau: Regierung kündigt Rücktritt an - Islands Koalition am Ende (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung 26. Januar 2009
  10. EurActiv: Island wird sich im Juli als EU-Mitglied bewerben 27. April 2009
  11. EurActiv: Island bereitet sich auf EU-Beitrittsverhandlungen vor 7. Mai 2009
  12. EurActiv: Island beauftragt Parlament mit EU-Beitrittsverhandlungen 26. Mai 2009
  13. Wirtschaftskrise: Island beantragt EU-Mitgliedschaft. focus.de. 17. Juli 2009. Abgerufen am 13. November 2011.
  14. Die Presse: EU-Beitrittsantrag: Island bricht auf nach Europa vom 16. Juli 2009
  15. http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1247853628530.shtml
  16. http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jyWOGOhvOpr7vH65MNioCfbg2-SA
  17. Märkische Allgemeine: EU-Kommissar Rehn übergibt Beitrittsfragebogen an Island 9. September 2009
  18. Island macht Schritt in Richtung EU 23. Oktober 2009
  19. http://www.icenews.is/index.php/2009/11/04/icelands-european-union-negotiation-committee-appointed/
  20. DiePresse.com: EU stellt Zusatzfragen an Beitrittswerber Island, 3. Dezember 2009
  21. „Islands Präsident erzwingt Volksabstimmung“, Deutsche Welle, 5. Januar 2010.
  22. http://www.icenews.is/index.php/2010/01/09/skarphedinsson-and-moratinos-icesave-has-no-impact-on-eus-treatment-of-application/
  23. http://www.reuters.com/article/idUSLDE62H2GN20100318
  24. Island nicht vor 2013 in der EU, Der Standard 24. Februar 2010
  25. http://ec.europa.eu/enlargement/index_de.htm offizielle Pressemitteilung der Europäischen Kommission
  26. http://www.tagesschau.de/ausland/island302.html (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[5] [6] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  27. http://www.tagesschau.de/ausland/island302.html (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[7] [8] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung Tagesschau.de:Beitrittsverhandlungen mit Island können beginnen
  28. Beitrittsverhandlungen: Island robbt sich weiter an die EU heran, Handelsblatt, 17. Juni 2010
  29. EurActiv, 8. Juli 2010: EP gibt grünes Licht für Islands EU-Beitritt.
  30. http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/9337_de.htm Beitrittsverhandlungen mit Island begonnen
  31. http://news.orf.at/stories/2110302/2110301/ ORF.at:70 Prozent der Isländer wollen „Loonie“, 16. März 2012, Zugriff: 30. März 2012
  32. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIceland postpones withdrawal of EU application. 13. Mai 2014, abgerufen am 6. September 2014.
  33. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPaul Fontaine: EU Accession Split Possibly Dead In The Water. 3. September 2014, abgerufen am 5. September 2014.
  34. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPaul Fontaine: Support For European Union Accession Increases. 5. September 2014, abgerufen am 5. September 2014.
  35. Agence France-Presse: „Iceland could 'quickly' join EU if requested: commissioner“ 20. Oktober 2008
  36. „Island will schnell in die EU“ 16. November 2008
  37. DiePresse.com: EU-Annäherung spaltet Island 17. März 2009
  38. diepresse.com, „Island: Regierung will in die EU“, 7. Mai 2009
  39. Islands Bankenkrise gefährdet den EU-Beitritt
  40. Keine Mehrheit für EU-Beitritt
  41. EU-Beitrittsverhandlungen - Aber die Isländer wollen gar nicht
  42. http://wayback.vefsafn.is/wayback/20100814000000/europe.mfa.is/phase-2---negotiation-process/chapters/
  43. http://europe.mfa.is/media/screening/Timetable-screening-FINAL-birting.pdf
  44. http://diepresse.com/home/politik/eu/670546/EU_Island-macht-Fortschritt-bei-Beitrittsverhandlungen-?_vl_backlink=/home/politik/eu/index.do
  45. http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/%C3%9Cberblick/Politik/PolitikContainer/2963688-8/island-schlie%C3%9Ft-erste-eu-beitrittskapitel.csp
  46. http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/EN/genaff/126778.pdf
  47. http://diepresse.com/home/politik/eu/740128/EU-will-Beitrittsprozess-mit-Island-rasch-vorantreiben?_vl_backlink=/home/politik/eu/index.do
  48. Accession Conference with Iceland: three new chapters opened, progress confirmed. Rat der Europäischen Union, 22. Juni 2012, abgerufen am 6. September 2014 (PDF).
  49. Elena Ralli: Iceland one step closer to the EU. 24. Oktober 2012, abgerufen am 6. September 2014.
  50. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAn Important Milestone in Iceland's EU Accession Talks. 18. Dezember 2012, abgerufen am 20. Dezember 2012.
  51. Island: EU-Beitritt ist nicht in unserem Interesse. 2. Juli 2013, abgerufen am 11. März 2014.