Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

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Erstausgabe des vollständigen Romans aus dem S.-Fischer-Verlag, 1954

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil ist ein unvollendet gebliebener Roman von Thomas Mann, der in den Jahren 1910 bis 1913 und zwischen dem 26. Dezember 1950 und dem 16. April 1954 entstand[1].

Geplant war der Hochstaplerroman als eine Parodie auf Goethes Autobiografie Dichtung und Wahrheit.[2] Vordergründig hat Thomas Mann eine travestierende Übertragung des Künstlertums ins Betrügerisch-Kriminelle angestrebt. Der Künstler wird humoristisch in die Nähe des Hochstaplers gerückt. Damit parodiert das Werk den klassischen Bildungs- und Entwicklungsroman und steht sowohl in der Tradition des Abenteuerromans als auch des Schelmenromans.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Thomas Mann plante den Roman seit 1905. Angeregt hatten ihn die Memoiren des Hochstaplers und Betrügers Manolescu. In die Jahre 1910 bis 1913 fiel die erste Arbeitsphase. Eine erste Fassung erschien in zwei unterschiedlich ausgestatteten Ausgaben 1922 und 1923, eine weitere Fassung 1937. Nach einer Pause wurde 1950 bis 1954 der «Der Memoiren erster Teil» abgeschlossen. Beim ersten Teil ist es geblieben. Zur Weiterführung von Felix Krulls Lebensweg äußerte sich der 79-jährige Thomas Mann: „Wie, wenn der Roman weit offen stehen bliebe? Es wäre kein Unglück meiner Meinung nach.“

Inhalt[Bearbeiten]

Die angegebenen Seitenzahlen in den Fußnoten beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe des Fischer-Verlags.

Erstes Buch[Bearbeiten]

Der 40-jährige Felix Krull, müde von den Abenteuern einer bewegten Vergangenheit und nun zurückgezogen lebend, berichtet von den Umständen, unter denen er seine Erinnerungen niederschreibt. Er versichert, stets völlig bei der Wahrheit bleiben zu wollen.

Felix Krull wird Mitte der 1870er Jahre in einer Kleinstadt im Rheingau geboren. Der Vater, ein Lebemann, ist Fabrikant eines Schaumweins, dessen aufwändige Ausstattung über seine miserable Qualität hinwegtäuschen soll. Vergnügungssucht, Verschwendung und Oberflächlichkeit kennzeichnen den Lebensstil in der Villa Krull. Wegen ihrer moralischen und finanziellen Fragwürdigkeit wird die Familie im Städtchen gemieden, und Felix bleibt ohne Freunde. Er ist ohnehin überzeugt, aus feinerem Holz geschnitzt zu sein als andere und eines Tages den ihm gebührenden Platz in der Gesellschaft einnehmen zu können. Von besonderem Einfluss auf Felix’ Lebensweg ist sein Pate Schimmelpreester, ein Kunstmaler mit dunkler Vergangenheit, der sich (zu Unrecht) mit dem Titel „Professor“ anreden lässt.

Schon früh zeigt sich Felix’ besonderes Talent zum Rollenspiel. Als Achtjähriger beteiligt er sich an einem Kurkonzert – mit einer Geige, die keinen Ton hervorbringt. Das Publikum ist entzückt von dem vermeintlichen Wunderkind. Des Öfteren steht er seinem Paten in unterschiedlichen Kostümierungen Modell, wobei er in jeder Verkleidung vollkommen glaubhaft und natürlich wirkt. Um der verhassten Schule zu entgehen, lernt er, die Unterschrift seines Vaters perfekt zu fälschen. Zum gleichen Zweck übt er, Krankheiten zu simulieren, und bringt es mit Willensstärke so weit, dass selbst der Hausarzt, der ihn zunächst zu durchschauen glaubt, vor seiner Schauspielerei kapituliert.

Zum Schlüsselerlebnis für Felix wird eine Begegnung mit dem Schauspieler Müller-Rosé, der auf der Bühne das Publikum als strahlender Held begeistert, sich in der Garderobe aber als besonders hässlicher und vulgärer Mensch erweist. Felix erkennt, dass der Begabung Müller-Rosés, die Menge mit den Mitteln der Illusion und Verführung zu verzaubern, das Bedürfnis der Menge nach Illusion und Verführung entspricht.

Eine Zeit lang entwendet Felix hin und wieder Süßigkeiten aus einem Delikatessengeschäft. Als Diebstahl möchte er das jedoch nicht bezeichnet wissen. Dies sei ein abgenutztes Wort, das nur für den Pöbel gelte, nicht aber für seine Tat, die Tat „eines vom Schicksal Begünstigten“.

Im Alter von 16 Jahren geht Felix eine mehrjährige sexuelle Beziehung mit seinem Zimmermädchen Genovefa ein und gelangt dabei zu der Überzeugung, dass er zwar nicht als Schüler (er muss die Oberrealschule ohne Abschluss verlassen), wohl aber als Liebhaber über eine ganz außerordentliche Begabung verfüge.

Noch bevor Felix volljährig ist, macht der Vater Bankrott und erschießt sich.

Zweites Buch[Bearbeiten]

Der Pate Schimmelpreester hat für jedes Mitglied der nun fast mittellosen Familie einen Lebensplan entwickelt, der den jeweiligen Fähigkeiten und Wünschen entspricht. Für Felix hat er eine Anstellung in einem Pariser Luxushotel erwirkt.

Vorerst jedoch begleitet dieser seine Mutter nach Frankfurt. Den Aufenthalt in der mondänen Großstadt nutzt Felix, um das Leben der oberen Gesellschaftsschicht zu studieren, zu dem ihm der Zugang zunächst noch verwehrt ist. Die eleganten Menschen, die er beim Betreten oder Verlassen der Theater und vornehmen Restaurants beobachtet, faszinieren ihn ebenso wie die Luxusgüter in den prächtigen Schaufenstern. Aber auch die zwielichtige Halbwelt der Freudenmädchen und Zuhälter zieht Felix an. Vorübergehend unterhält er eine Beziehung zu der Prostituierten Rosza, die ihn an ihren Einnahmen beteiligt und unter deren Anleitung er seine Fähigkeiten als Liebhaber noch vervollkommnet.

Pariser Straßenszene um 1890; rechts ein Grand Hotel

In die Frankfurter Zeit fällt Felix’ Musterung, auf die er sich durch die Lektüre medizinischer Bücher sorgfältig vorbereitet hat. Er spielt der Musterungskommission einen täuschend echten epileptischen Anfall vor und wirkt mit seiner Simulation so überzeugend, dass er prompt vom Militärdienst befreit wird.

Schließlich ist es Zeit für die Reise nach Paris. Während der Zollkontrolle findet ein Schmuckkästchen, das einer neben ihm stehenden reichen Dame gehört, unbemerkt seinen Weg in Felix’ Koffer. Später wird Felix den Schmuck an einen Hehler verkaufen und mit dem Geld die Freiheit erhalten, hin und wieder über seine Verhältnisse zu leben und das Pariser Nachtleben kennenzulernen.
Im Hotel wird Felix zunächst als Liftboy eingesetzt und erhält den Namen Armand. Im Aufzug trifft er die Eigentümerin des gestohlenen Kästchens wieder, Madame Houpflé, die ihn jedoch nicht erkennt und den „schönen Lifttreiber“ zu einem nächtlichen Rendezvous auf ihrem Zimmer einlädt. Sie ist Schriftstellerin, publiziert ihre Werke unter ihrem Geburtsnamen Diane Philibert und ist mit einem Klosettschüssel-Fabrikanten verheiratet. Als ihr Felix gesteht, sie bestohlen zu haben, ist sie geradezu entzückt: Sie sieht in Felix einen zweiten Hermes, den jugendlichen Gott der Diebe, fordert ihn auf, ihr noch weitere Wertsachen zu stehlen und genießt durch diese „Demütigung“ ihre Liebeswonnen mit ihm noch intensiver.

Drittes Buch[Bearbeiten]

Felix Krull steigt bald zum Kellner und Oberkellner auf. In seiner Freizeit kann er sich mit dem Erlös aus dem Diebesgut einen dandyhaften Lebensstil leisten. Während eines Zirkusbesuches wird er sich seiner künstlerischen Ambitionen bewusst. Gebannt verfolgt er die Darbietungen der Akrobaten, insbesondere der Trapezkünstlerin Andromache, und sieht in den Artisten seinesgleichen. Genau wie diese will auch er die Welt bezaubern, selbst wenn er weiß, dass er damit ein vergleichbares Risiko eingeht wie die Trapezkünstler unter der Zirkuskuppel.

Unter den Hotelgästen befindet sich auch Mr. Twentyman, ein neureicher Industrieller aus Birmingham, dessen blonde Tochter Eleanor sich heftig in Felix Krull verliebt. Der hat seine liebe Not, sich den „Wildfang“ vom Leibe zu halten und ihr ein gemeinsames Durchbrennen schonend auszureden.

Gleichzeitig wirbt „eine Persönlichkeit ernsteren Gewichts“ um ihn: Lord Kilmarnock, von schottischem Hochadel, „ein Mann von sichtlicher Vornehmheit, um die Fünfzig, mäßig hoch gewachsen, schlank, äußert akkurat gekleidet“[3] Seine Bitte an Felix ist „der Wunsch eines einsamen Herzens“. Er möchte Krull – an dem er nicht nur dessen bescheidene Zurückhaltung und gewählte Sprache liebt – als Kammerdiener einstellen und mit auf sein Schloss nach Schottland nehmen. Das Salär würde ein Vielfaches dessen betragen, was Felix in seiner gegenwärtigen Stellung verdient, seine Pflichten würden, da bereits genügend Dienerschaft vorhanden sei, sich ganz auf die Betreuung des Lords beschränken. Kilmarnocks Zuneigung zu Felix geht schließlich sogar so weit, ihn durch Adoption zu seinem Sohn und Erben machen zu wollen.

Aber Felix Krull widersteht sowohl Eleanor Twentyman als auch Lord Kilmarnock. Beide kann er, dank seiner empathischen Fähigkeiten, mit gut gewählten Worten vertrösten und sich so seine Freiheit weiterhin bewahren. Und schon bald soll sich seinen schauspielerischen Talenten eine Möglichkeit bieten, die sein Leben in ganz neue Bahnen lenken wird: Ein weiterer Stammgast des Hotels, der etwa gleichaltrige Marquis de Venosta, bittet Felix um einen Rollentausch. Felix soll die Identität Venostas übernehmen und an dessen Stelle eine Weltreise antreten, damit sich der wahre Marquis ungestört seiner leichtsinnigen Pariser Liebschaft, der Sängerin Zaza, widmen kann, ohne dabei weiter von seinen strengen Eltern behelligt zu werden.

Die Reise beginnt im Nachtzug nach Lissabon. Im Speisewagen sitzt Felix Krull dem mitteilungsbedürftigen Paläontologen Professor Kuckuck aus Portugal gegenüber, der ihm einen ausführlichen naturwissenschaftlichen Vortrag über die erdgeschichtliche Evolution hält. In Lissabon, der ersten Station seiner Weltreise angekommen, findet der Marquis de Venosta alias Krull schnell Anschluss an die Familie des Professors, dessen hübsche und schnippische Tochter Zouzou er nach dem gemeinsamen Besuch eines Stierkampfes soeben für sich zu gewinnen hofft, als Kuckucks „rassige“ Gattin, Senhora Maria Pia, dazwischentritt und ihn kurzerhand selbst verführt. – Damit endet „Der Memoiren erster Teil“.

Geplante Fortsetzung des Romans[Bearbeiten]

Thomas Mann hat die geplante Fortsetzung der Memoiren auf einem Notizblatt wie folgt festgehalten: „Felix Krull wird mit 20 Jahren Kellner, lernt mit 21 den jungen Aristokraten kennen, an dessen Statt er reist. Kehrt mit 22 zurück. Arbeitet bis 27 als Hôteldieb. Von 27 bis 32 im Zuchthaus. Heiratet mit 34. Gerät mit 39 wieder in Untersuchungshaft und wird von Polizisten an das Sterbebett seiner Frau begleitet. Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis und Entweichung nach England.“ Auf demselben Notizblatt wird auch die Einteilung des Romans festgehalten: „Erster Teil: Jugend. / Zweiter Teil: Kellner und Reise. / Dritter Teil: Hôteldieb / Vierter Teil: Zuchthaus / Fünfter Teil: Ehe / Sechster Teil: Der Kleinen Tod. Flucht. Ende.“[4]

Interpretationsansätze[Bearbeiten]

Das Romanpersonal[Bearbeiten]

Engelbert Krull, der Vater[Bearbeiten]

Engelbert Krull besitzt eine Schaumweinfabrik am Rhein. Das Ehepaar Krull lädt häufig Gäste ein. Die Trinkgelage in der Villa arten regelmäßig in Orgien aus. Als Sektfabrikant betrügt er. Pate Schimmelpreester zu Engelbert Krull: „Ihre Person in Ehren, aber ihren Champagner sollte die Polizei verbieten. Vor acht Tagen habe ich mich verleiten lassen, eine halbe Flasche davon zu trinken, und noch heute hat meine Natur sich nicht von diesem Angriff erholt.“

Engelbert Krull geht bankrott und erschießt sich. Felix trauert um ihn (soweit das einem Narzissten möglich ist). „Mein armer Vater“ lautet die stehende Formel, wenn er ihn in seinen Memoiren erwähnt. Engelbert Krull verkörpert den banal-weltläufigen Lebenskünstler, der folgerichtig scheitert, da ihm Pflichtgefühl und Leistungswille abgehen.

Mutter Felix Krulls[Bearbeiten]

Sie wird als dumm und von beleibter, unästhetischer Gestalt beschrieben. Mit ihrer Tochter Olympia fühlt sie sich mehr verbunden als mit ihrem Ehemann. Beide Ehegatten langweilten sich „bis zur Erbitterung miteinander“.[5]

Olympia Krull, die Schwester[Bearbeiten]

Olympia hat eine enge Beziehung zu ihrer Mutter. Der Vater spielt für sie, wie für Felix, keine wichtige Rolle. Nach dem väterlichen Bankrott schlägt sie die Künstlerkarriere ein und hat Erfolg auf der Operettenbühne.

Ihr Bruder bezeichnet sie als „dickes und außerordentlich fleischlich gesinntes Geschöpf“, dessen Lebensinhalt von dumpfer „Vergnügungssucht“ geprägt sei. Ihr Name spielt auf die olympische Götterwelt an und deren Sittenfreiheit.

Pate Schimmelpreester[Bearbeiten]

Felix´ Taufpate Schimmelpreester, „ein schrulliger Maler“[6] ist ein enger Freund der Familie und für den heranwachsenden Felix eine wichtige Bezugsperson. Schimmelpreester wird mit „Professor“ angeredet, ohne diesen Titel jedoch zu besitzen. Aufgrund nie ganz deutlich gewordener Vorfälle hat es Schimmelpreester in die rheinische Provinzstadt verschlagen, in der auch Felix Krull aufwächst. Felix, mit seinem „Kostümkopf“, steht dem Maler häufig Modell, nackt oder phantasievoll kostümiert.

Nachdem der Vater bankrottgegangen ist und sich erschossen hat, kümmert sich Pate Schimmelpreester um die Restfamilie. Der Mutter rät er, in Frankfurt eine kleine Pension zu eröffnen, sein Patenkind Felix soll die Hotelkarriere einschlagen. Aufgrund einer lange zurückliegenden Bekanntschaft mit dem Direktor eines angesehenen Pariser Hotels kann er Felix auch eine aussichtsreiche Lehrstelle verschaffen.

Marquis Louis de Venosta[Bearbeiten]

Der Marquis Louis de Venosta stammt aus einer luxemburgischen Adels- und Industriellenfamilie. In Paris dilettiert er als angehender Kunstmaler. Finanziell gut gestellt, verkehrt er im Restaurant des Hotel St.James & Albany. Dort wird er von dem Kellner Felix Krull wiederholt bedient. Felix’ adrettes Wesen macht ihm Eindruck. Zu seiner Überraschung begegnet er ihm auch anderenorts und lernt den Dandy Felix Krull kennen, in der Rolle, die sich Felix in seiner knappen Freizeit gestattet, – finanziert von Diebesgut. Der Marquis ist von der Doppelexistenz entzückt.

Reich und von Adel, doch sonst ein schlichter Kopf, ist der Marquis in Bedrängnis geraten. Seine Eltern fordern – unter Androhung von Enterbung – die Trennung von seiner Pariser Freundin und haben ihm eine Weltreise verordnet. Felix Krull erkennt seine Chance und schlüpft in eine neue Rolle. Unter dem Namen des Marquis tritt er dessen Weltreise an. Die Unterschrift seines Vaters konnte Felix bereits als Schulkind perfekt fälschen, die Unterschrift des Marquis gelingt ihm ebenso.

Madame Houpflé[Bearbeiten]

Mit Madame Houpflé, der Gattin eines Klosett-Schüsselfabrikanten, alias Diane Philibert, erfolgreiche Schriftstellerin, hat der Liftboy Felix Krull alias Armand eine kurze, aber heftige Liebesbeziehung.

In dem schlanken, gut gewachsenen Liftboy meint die gebildete Frau, den personifizierten Hermes zu erkennen. Sie möchte von ihm, nachdem er ihr gestanden hat, sie anderenorts bereits bestohlen zu haben, lustvoll erniedrigt werden, – von Hermes, dem Gott der Diebe. Felix Krull mit seiner kümmerlichen Schulbildung lernt so Hermes kennen. Von nun an wird er, sobald sich die Gelegenheit ergibt, auf den antiken Hermes zu sprechen kommen, – als sei antike Mythologie ihm ein geläufiger Bildungsbesitz.

Mechthild Curtius kommt bei der Betrachtung der Begegnung Krulls mit Madame Houpflé zu dem Schluss, dass es sich um eine Metapher für Inzest handelt.[7] Arne Hoffmann unterstreicht ergänzend die Auffassung, dass die Szene in einem starken sadomasochistischen Kontext steht.[8] Diese Auffassung vertritt auch Werner Frizen.[9]

Professor Kuckuck[Bearbeiten]

Professor Kuckuck, Ehemann und Vater seiner portugiesischen Doppelliebschaft, begegnet Felix Krull im Zug nach Lissabon. In dem „Eisenbahnkapitel“, einem der Höhepunkte des Romans, lässt ihn Thomas Mann die Philosophie der drei Urzeugungen vortragen, die schrittweise Entstehung von Materie, Leben und Erkenntnis.[10] Danach bleibt der kleinbürgerliche Gelehrte im Hintergrund.

Stanko[Bearbeiten]

Der unrasierte Kroate Stanko, der in der Hotelküche arbeitet und sich im Pariser Milieu auskennt, überrascht Felix, als dieser – vermeintlich unbeobachtet – den von Madame Houpflé gestohlenen Schmuck betrachtet. Stanko gibt Felix einen Tipp, wie er den Schmuck zu Geld machen kann und verlangt Halbpart.

In der Folge akzeptiert Felix Stanko als gelegentlichen Freizeitbegleiter. Er lässt sich von ihm duzen, bleibt ihm gegenüber jedoch beim „Sie“. Als Stanko vorschlägt, gemeinsam einen Einbruch zu riskieren, beendet Felix die Kumpanei.

Der Ganove Stanko erkennt in Felix Krull instinktiv seinesgleichen, den Kriminellen. Diese Einsicht geht Felix ab. In der selbstverliebten Überzeugung, ein „Vorzugskind des Himmels“ und „aus feinerem Holz geschnitzt“ zu sein, gelten für ihn keine Verbote. Auf den ungeschlachten Stanko sieht der spätere Zuchthäusler Krull mit heimlicher Verachtung herab.

Mythologische Parallelen[Bearbeiten]

Hermes[Bearbeiten]

Der vielleicht zentrale Aspekt des blenderischen Halbwissens, mit welchem Krull, der in der Schule eher schlechte Schüler, seine Mitmenschen regelmäßig beeindruckt, ist die von Madame Houpflé erworbene Kenntnis des griechischen Gottes Hermes. Genau wie Felix erreicht dieser Gott seine Ziele durch Gewaltlosigkeit und herausragende rhetorische Fähigkeiten, wobei er auch dem Betrug nicht ganz abgeneigt ist. Die Charaktermerkmale dieser Gottheit sind ebenso wie die des Krull extrem variabel, sodass es Schwierigkeiten bereitet, das Essentielle seines Seins zu erfassen. Seine jugendliche Eleganz und natürliche Begabung bilden eine weitere Parallele zu Felix’ Wesen. Als Götterbote befindet sich Hermes zwischen Menschheit und Göttern, in einer höher gestellten Position als der Rest der Erdenbewohner – ein Status, den auch Krull für sich beansprucht. Dessen episodenhafte Form des Reisens – horizontal und vertikal in der Gesellschaft – findet sich in Hermes’ Eigenschaft als Gott der Wanderer wieder.

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass Hermes eine Gestalt der griechischen Antike ist, in der Friedrich Nietzsche zufolge[11] noch der Gegensatz von „gut“ (im Sinne von „edel“, d.h. „adelig“) und „schlecht“ (im Sinne von „schlicht“, d.h. von niederem Stand) vorherrschend gewesen sei und in der es eine „Herrschaft der Guten“, also eine „Aristokratie“ gegeben habe. Im Kontext der zugehörigen „Herrenmoral“ sei es, so Nietzsche, sinnlos, einem „Herren“ vorzuwerfen, er sei kriminell, da er auf Grund seiner sozialen Stellung selbst entscheiden könne, was er dürfe und was nicht. Um mit dieser Haltung „durchzukommen“, muss man aber auch wirklich „Herr“ sein (wie der Gott Hermes) und dies nicht (wie Felix Krull) bloß vortäuschen.

Thomas Mann nimmt die Arbeit an dem Hochstapler-Roman wieder auf in einer Zeit, die gerade die Exzesse des nationalsozialistischenHerrenmenschentums“ überstanden hat.

Narziss[Bearbeiten]

Der mythologische Narziss und die Romanfigur Krull sind gleichermaßen erfüllt von Eigenliebe und dem Stolz auf die ihnen beschiedene Schönheit. Die Ästhetik des Körperlichen der beiden Charaktere bedingt, dass sich zahlreiche Menschen jedes Geschlechts in sie verlieben. Während der Narziss diese ihm entgegengebrachte Liebe jedoch herzlos zurückweist, was ihm ein isoliertes Schicksal und schließlich den Tod beschert, nimmt Krull zumindest erotische Avancen des Öfteren und mit Vergnügen an. Felix begibt sich in eine andere, positivere Art der Isolation. Zwar ist er davon überzeugt, auserwählt zu sein, aber dennoch hat er das Gefühl, die Welt zu lieben, mit all ihren großen und kleinen Schönheiten in seiner Allsympathie, genauso wie sie ihn aus seiner Sicht liebt. Er sei „zum Liebesdienste geschaffen und ausgezeichnet“[12], meint Rozsa, das „Freudenmädchen“, seine „Lehrmeisterin“.[13] Allerdings sind die Lästereien über seine Mitmenschen, die der Memoirenschreiber dem Leser mitteilt, mit dieser Haltung nur schwer vereinbar; sie zeugen nicht von echter Nächstenliebe. Auch das Bemühen um ein „ordentliches“ Begräbnis für seinen Vater ist nicht nur durch ein Gefühl der Pietät motiviert, sondern auch Ausdruck der Sorge, der Vater könne als Selbstmörder ähnlich „gebrandmarkt“ werden, wie Goethe es am Ende seines Romans „Die Leiden des jungen Werther“ beschreibt.[14] Diese Schmach muss jemand wie Felix Krull unbedingt vermeiden. Felix Krull weist viele Merkmale auf, die einen Narzissten kennzeichnen, ein Krankheitsbild, das zuerst von Sigmund Freud systematisch dargestellt wurde, der sich bei der Wahl des Namens für diese Neurose von der antiken Mythologie hat inspirieren lassen.

Andromache[Bearbeiten]

Die Zirkusartistin Andromache[15] vereint all die Wunschvorstellungen des Krull. Der als androgyn beschriebene, aber doch irgendwie zierliche Körper konzentriert das Doppelbild von Bruder und Schwester aus seiner Frankfurter Zeit und die später folgende Symbiose der strengen, rassigen Mutter da Cruz und ihrer Tochter Zouzou auf eine Person. Durch eiserne Disziplin und einen unbedingten Willen ist diese Trapezakrobatin Abend für Abend in der Lage, über sich hinauszuwachsen, den Menschen zu überwinden. Krull spiegelt sich in ihr wider, in einer vermeintlichen Form des Übermenschen, wie ihn Nietzsche gefordert hat. Den Blick hinter diese heroische Fassade gewährt allein der Name dieses Charakters. Tatsächlich ist die antike Andromache, die Frau Hektors, lediglich eine besonders tragische, vom Schicksal gestrafte Frau, deren gesamte Familie getötet und die als Sklavin unmenschlich behandelt wurde. Somit ist der scheinbare Übermensch womöglich nichts weiter als Kafkas schwindsüchtige Reiterin auf der Galerie.

Felix Krulls Welt- und Selbstverständnis[Bearbeiten]

Arthur Schopenhauer, 1859

Der Schelmenroman enthält einen ironisch verfremdeten Appell an Ehrgeiz und Selbstdisziplin, die jeder aufbringen sollte, um (als „Selbstüberwinder“ im Sinne Nietzsches) etwas aus sich zu machen. Auch ein Hang zum Existenzialismus lässt sich in Krulls Weltverständnis entdecken. Der vom Schicksal Bevorzugte – denn so sieht sich das Sonntagskind Felix – nimmt sein Leben selbst in die Hand, ist seine Freiheit und sein Schicksal, muss sich vor niemand als sich selbst rechtfertigen. In diesen Auffassungen finden sich Aspekte aus den Philosophien Schopenhauers, Nietzsches und Sartres.

Felix’ (lat.: der Glückliche) Lebensstrategie:

  • Der schöne Schein: „Von Natur fühlt er sich als bevorteilt und vornehm, ist es aber nicht seinem gesellschaftlichen Range nach und korrigiert diesen ungerechten Zufall durch eine seiner Anmut sehr leicht fallenden Täuschung, durch Illusion.“ [16] Damit rückt Thomas Mann den Hochstapler in die Nähe des Künstlers.
  • Liebe zu sich selbst und die unerschütterliche Gewissheit, „aus feinerem Holze geschnitzt zu sein“, beeindrucken die Umwelt und machen liebenswert.
  • Beredsamkeit und Charisma sind effektiver als Gewalt.
  • Höflichkeit schafft Distanz.
  • „Liebe die Welt und sie wird dich lieben.“ Thomas Mann bezeichnet diese Welt-Sehnsucht als „Pan-Erotik“ [17] und „Allsympathie“.

Zustimmung oder gar heimliche Bewunderung findet Felix nur bei Lesern, die sich ebenso leicht beeindrucken lassen wie seine Opfer. Ob die Gefoppten ihm jedoch auf Dauer böse sind, bleibt offen. Hat er sie doch glänzend unterhalten! Viele der unbeabsichtigten Helfer seines Aufstiegs können auf wundersame Weise einen persönlichen Profit aus der Begegnung mit ihm ziehen. Er hinterlässt keine Leichen, sondern eine um ein Abenteuer mit mythologischen Hintergrund bereicherte Madame Houpflé, hat dem einfältigen Stanko zu Geld verholfen und dem Marquis de Venosta zu Freiheit für seine Pariser Liebschaft, war dem mitteilungsbedürftigen Professor Kuckuck ein aufmerksamer Zuhörer, hat die rassestolze Senora Kuckuck beglückt. Enttäuschen musste er nur Eleanor Twentyman und Lord Kilmarnock.
Thomas Mann am 17. Oktober 1954 an Fritz Martini: „Dieser moderne Hermes ist im Grunde gar nicht frivol, sondern hat eine gewisse komisch-versöhnende Weltansicht - so scheint mir.“

Krulls Gesellschaftsbild[Bearbeiten]

Krulls Haltung gegenüber der Mitwelt pendelt zwischen „Allsympathie“ und Erwähltheitsdünkel. Wenngleich Krull die Welt in all ihrer Vielfalt zu lieben vorgibt, lässt er keinen Zweifel daran, dass er an eine natürliche Hierarchie glaubt, dass er von der Ungleichwertigkeit der Menschen überzeugt ist. Thomas Mann hat diese Gesinnung als aristokratisch bezeichnet. Hier hat er sie dem Sohn eines leichtlebigen, Konkurs gegangenen Schaumweinfabrikaten mitgegeben.

Elitär spricht Felix Krull vom menschlichen „Kroppzeug“ (Musterung), beschreibt Armut wie eine Krankheit und möchte den Leser schonen, wenn er nicht weiter die ärmlichen Mitreisenden im Zug nach Paris beschreibt. Offen bleibt dabei, ob Krull seine eigenen Ansichten mitteilt oder ob er glaubt, die geäußerte Weltsicht gehöre zu seiner Rolle.

Autobiografische Bezüge[Bearbeiten]

Sicher ist, dass der Roman Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull insofern eine – allerdings fiktive – Autobiographie darstellt, als der Memoirenschreiber (der Erzähler) und der Protagonist dieselbe Person sind. Schwieriger zu beantworten ist die Frage, inwieweit und in welcher Form Thomas Mann sich selbst in den Roman eingebracht hat.

Geplant war der Hochstaplerroman als Parodie von Goethes Autobiographie Dichtung und Wahrheit. Doch unter der Hand schreibt Thomas Mann, sich selbst ironisch durchschauend, sein eigenes Psychogramm. Kein Roman Thomas Manns ist autobiographischer und bekenntnishafter als dieser.[18]

Thomas Mann hat Felix Krull mit einem heiteren Naturell ausgestattet – und damit eine Kontrastfigur geschaffen zu dem abweisenden Adrian Leverkühn in Doktor Faustus und dem melancholischen Tonio Kröger in der gleichnamigen Künstlernovelle. Unter den Gattungsbegriffen Autobiografie / Künstlerroman korrespondieren Doktor Faustus und Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Die beiden Romane zeigen verschiedene Facetten von Thomas Manns Persönlichkeit.

In der Dichterin Diane Philibert und in Senhora Maria Pia mit dem kaum merklichen Bärtchen, beide mit ihrem Gefallen an der jünglingshaften Erscheinung Felix Krulls, steckt auch ein bisschen Thomas Mann, der sich ja ebenfalls von aparter Jungmännlichkeit hat beeindrucken lassen. Tochter Erika hatte das „Erz-Päderastische“ der Liebesszene mit Diane Philibert sofort durchschaut (Thomas Mann am 31. Dezember 1951 im Tagebuch).

Lord Kilmarnock schließlich könnte als Thomas Manns Alter Ego im Roman betrachtet werden: Auch Thomas Mann hat sich als älterer Herr in einen jungen Kellner verliebt.

Zitierenswert ist die Vorbereitung Felix Krulls auf die Täuschung der Militärersatzkommission: „[…], daß ich mit großer Genauigkeit, ja streng wissenschaftlich zu Werke ging und mich wohl hütete, die sich bietenden Schwierigkeiten für gering zu achten. Denn Dreinstolpern war nie meine Art, eine ernste Sache in Angriff zu nehmen; vielmehr habe ich stets dafür gehalten, dass ich gerade mit dem äußerstem, der gemeinen Menge unglaubhaftesten Wagemut kühlste Besonnenheit und zarteste Vorsicht zu verbinden habe, damit das Ende nicht Niederlage, Schande und Gelächter sei, und bin gut damit gefahren.“ Mit gleicher Sorgfalt ist auch Thomas Mann an seine künstlerischen Produktionen herangegangen.

Seinen Narzissmus fasst Felix Krull in die Worte: „Ja, der Glaube an mein Glück und daß ich ein Vorzugskind des Himmels sei, ist in meinem Innersten stets lebendig geblieben, und ich kann sagen, dass er im ganzen nicht Lügen gestraft worden ist“. Thomas Mann hat sich ebenso gesehen. Aus dem amerikanischen Exil, sein trotz des Zwangs zum Weggang aus Deutschland geglücktes Leben rechtfertigend, schreibt er einem Freund im Nachkriegsdeutschland: „Ich bin eben gnädig geführt worden von einem Schicksal, das es zwar streng, darunter aber immer grund-freundlich mit mir meinte.“ Der Adressat, Hans Reisiger, ist in Doktor Faustus als Rüdiger Schildknapp porträtiert.

Sprache und Stil[Bearbeiten]

Felix Krull steigt auf mit Glätte und Gewaltfreiheit. Seine Mittel sind Charisma und die bestätigende, einschmeichelnde Rede. Sie öffnen ihm alle Türen. In anspruchsvoller Umgebung blendet er mit en passant aufgeschnapptem Halbwissen, verschnörkelten Satzkonstruktionen und hochgestochener Wortwahl. Auch den Leser beeindruckt er damit, von gelegentlichen sprachlichen Patzern abgesehen, die sein Autor absichtsvoll einmontiert hat.[19] Und doch ist die Art, wie Felix Krull mit wenig Material Wirkung erzielt, eine genuine Leistung, – die artistische Leistung des Künstlers (und Gauklers).

Chronologische Folge der einzelnen Drucke [Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Koopmann: „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, in: ders. (Hg.): Thomas-Mann-Handbuch, 3., aktualisierte Auflage, Stuttgart 2001, S. 516-533. (mit ausführlichen bibliografischen Angaben) ISBN 3-520-82803-0 (seitenidentische Taschenbuchausgabe im Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-16610-1).
  • Martin R. Dean: Der Flügelschlag eines brasilianischen Schmetterlings. Thomas Manns «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» als Modell weltläufigen Erzählens. In: Neue Zürcher Zeitung, 9./10. Dezember 2006 (online).
  • Hans Wysling: Zum Abenteurer-Motiv bei Wedekind, Heinrich und Thomas Mann. In: Wysling, Hans: Ausgewählte Aufsätze 1963-1995. Hg. von Thomas Sprecher und Cornelia Bernini. Frankfurt/Main 1996. S. 89-125.
  • Hans Wysling: Narzissmus und illusionäre Existenzform. Zu den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ (Gebundene Ausgabe)
  • Jürgen Jacobs: Thomas Manns ‚Felix Krull‘ und der europäische Schelmenroman. In: Laborintus litteratus. Hg. v. Ulrich Ernst. Wuppertal 1995. S. 49-69.
  • Kern, Stefan Helge: Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 456). Hollfeld: Bange Verlag 2007. ISBN 978-3-8044-1858-5.
  • Bernd M. Kraske: Im Spiel von Sein und Schein. Thomas Manns Hochstapler-Roman „Felix Krull“. Verlag Literarische Tradition. ISBN 978-3-930730-40-7.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Der Klassiker ist Kurt Hoffmanns Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1957) mit Horst Buchholz als Felix Krull. Diese Verfilmung weist jedoch ein von dem Buch abweichendes Ende auf. Das Drehbuch sowie die Idee zur Schlusslösung stammen von Robert Thoeren.

Das Buch wurde 1981–82 als fünfteilige Fernsehserie verfilmt, Drehbuch und Regie stammten von Bernhard Sinkel. Auch eine 125-minütige Version wurde erstellt. John Moulder-Brown verkörperte Felix Krull, Klaus Schwarzkopf seinen Vater.

Weitere Medien[Bearbeiten]

  • Die Musterungsszene existiert als LP des S. Fischer Verlages, hergestellt von der Deutschen Grammophon Gesellschaft (leider o.J.). Vermutlich handelt es sich um Werbematerial, denn das Cover trägt den gelb unterlegten Aufdruck „Die Buchausgabe des Romans BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL ist erschienen im S. Fischer Verlag“. Die Grafische Gestaltung ist angelehnt an die des Schutzumschlages der Erstausgabe. (Quelle: Privatbesitz des Originals)
  • Die „Musterungsszene“ ist zu hören auf der 1966 in der DDR erschienenen LP Litera 8 60 001 „Thomas Mann - Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Musterungsszene, gelesen von Thomas Mann“
  • Es existiert außerdem eine weitere LP (Ariola-Athena) dieser Szene vom Fischer Verlag mit der Aufschrift: Thomas Mann liest die Musterungsszene aus seinem Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, Katalog-Nr. 70 066
  • Es existieren Tonaufnahmen von Thomas Mann, der aus Felix Krull liest. Die verschmitzte Freude des Autors während der Lesung ist noch den alten Tonaufnahmen deutlich anzumerken: ISBN 3-89940-263-4
  • Das Gespräch mit Professor Kuckuck existiert als LP von der Deutschen Grammophon Gesellschaft in der Reihe Wort Resonance (Aufnahme: S. Fischer Verlag). Überschrift: „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Gespräch zwischen Krull und Professor Kuckuck, gelesen vom Autor“, vermutlich von 1957 (P-Jahr). (Quelle: Privatbesitz des Originals). Katalog-Nr. 2571 127 (Ausgabe als MC: 3321 127)

Diese LP wird auf dem Schutzumschlag der Auflage 21.-42. Tausend, S. Fischer / Frankfurt 1954 erläutert: Als Überraschung an die Leser erscheine gleichzeitig mit dem Buch eine LP. Diese – 50 Min. Spieldauer – „wurde nach einer Aufnahme des Nordwestdeutschen Rundfunks, Hamburg, von der Deutschen Grammophon-Gesellschaft hergestellt. In künstlerisch ausgestatteter Schutzhülle“. Weiter heißt es: An die Stelle der objektiven Buchseite trete hier die lebendige Wärme der Stimme des Dichters und seiner Persönlichkeit. (Quelle: Schutzumschlag des Buches)

  • Der Schauspieler O. E. Hasse las die ersten Kapitel des Romans für eine weitere LP für die Firma Telefunken (1964/1965) ein.
  • 2008: Hörspiel-Vertonung von Sven Stricker für den NDR. Als CD-Auflage im Februar 2009 beim Hörverlag erschienen (ISBN 978-3-86717-238-7).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. «Es ist ein etwas leichtsinniges Buch, dessen Scherze man mir zugute halten mag», meinte Thomas Mann am 10. September 1954 in einem Brief an Peter Baltzer
  2. Die Zusammenfassung der Kapitel in ‚Bücher‘ analog zu Goethes Werk trägt dieser Anspielung Rechnung.
  3. S.219f. – Thomas Mann hat sich mit der Figur des Lord Kilmarnock selbst porträtiert. Vgl. Tagebuch, 4. April 1954. Wie der Lord hatte er viel Sinn für hübsche junge Männer. Auch seine persönliche Wirkung hat er Lord Kilmarnock mitgegeben: „Sein Eintritt in den Saal war immer von einer Befangenheit, die bei einem so großen Herrn hätte befremden können, seinem Ansehen aber, wenigstens in meinen [Felix Krulls] Augen, keinen Abbruch tat.“ (S.220)
  4. vgl
  5. S.19
  6. Mann, Thomas: Die Begegnung. Olten: Vereinigung Oltner Bücherfreunde 1953, S.14
  7. Mechthild Curtius: Erotische Phantasien bei Thomas Mann, Königstein, 1984.
  8. Arne Hoffmann: In Leder gebunden. Der Sadomasochismus in der Weltliteratur, Ubooks 2007, S.98ff. .
  9. Werner Frizen: Oldenbourg Interpretationen, Bd.:25: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Oldenbourg 1988, S.59-61.
  10. bzw. Geist, Vorstellung, abstraktives Denken
  11. vgl. Aphorismus 260 seiner Schrift „Jenseits von Gut und Böse“ (1883)
  12. S. 121
  13. Hier ironisiert Thomas Mann den Begriff „Liebe“
  14. Werther wird nachts außerhalb des Friedhofs mehr verscharrt als begraben. Auch Engelbert Krull hätte auf eine Weise begraben werden können, die signalisiert: „Hier liegt ein Selbstmörder!“
  15. beschrieben auf S. 198-204
  16. Mann, Thomas: Die Begegnung. Olten: Vereinigung Oltner Bücherfreunde 1953, S. 12
  17. Mann, Thomas: Die Begegnung. Olten: Vereinigung Oltner Bücherfreunde 1953, S. 13
  18. Koopmann, Helmut: Thomas Mann Handbuch. Stuttgart: A. Kröner 2001, S.516
  19. So gerät Felix Krull Thomas Manns Formel „Das Theater als Tempel“ zu der unbeholfenen Bemerkung, ihm erscheine das Theater als eine Kirche des Vergnügens.(Erstes Buch, fünftes Kapitel)