Bel paese

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Dieser Artikel behandelt die klassische poetische Bezeichnung für Italien; zur gleichnamigen Käsesorte siehe Bel Paese (Käse).

Bel paese, auch Belpaese geschrieben, ist eine klassische poetische Bezeichnung für Italien. Die geläufige[1] italienische Phrase bedeutet zu Deutsch so viel wie „schönes Land“ und verweist somit mittels einer Antonomasie auf eine als zentral erachtete Eigenschaft Italiens, nämlich die Schönheit.

Die Wendung bel paese als geographische Verortung geht auf die italienische Literatur des Spätmittelalters zurück, namentlich Dante und Petrarca.[2][3]

...del bel paese là dove ’l sì suona.

„...des schönen Landes dort, wo das erklingt.[4]

Dante: Divina Commedia, Inferno XXXIII, 80

...il bel paese ch’Appennin parte, e ’l mar circonda e l’Alpe.

„...das schöne Land, das der Appenin teilt, und das Meer und die Alpen umringen.[5]

Petrarca: Canzoniere, CXLVI

An der Verfestigung des Tropus hatte Madame de Staël entscheidenden Anteil, indem sie die petrarkischen Verse ihrem 1807 erschienenen Roman Corinne ou l’Italie als Epigraph voranstellte. Die bei Dante erscheinende Formulierung wurde u. a. von Vittorio Alfieri in seiner Autobiographie zitiert, der in dem Passus nel bel paese qui dove il sì suona allerdings das etwas distanzierte („dort“) durch ein leidenschaftliches qui („hier“) ersetzte.[2]

Große Bekanntheit über literarische Kreise hinaus erlangte die Phrase durch ein Buch des Geowissenschaftlers und Patrioten Antonio Stoppani, der 1876 in seinem vielgelesenen populärwissenschaftlichen Werk Il Bel Paese: Conversazioni sulle bellezze naturali, la geologia e la geografia fisica d’Italia[6] die Naturschönheiten Italiens beschrieb.[2] Der Buchtitel soll auch als direkte Vorlage für die Namensgebung der Käsesorte Bel Paese gedient haben,[7] die von Egidio Galbani als italienische Antwort auf französische Käseimporte kreiert worden war.[8]

Es existieren verschiedene Deutungen des psychologischen Grundtons bei einer heutigen Verwendung der Bezeichnung bel paese. Beispielsweise wird unterstellt, dass die Italiener mit dem „schönen Land“ im Grunde das „schönste Land“ meinten, was die Wendung in der Nähe von Größenwahn erscheinen lässt.[9] Andere Interpreten attestieren der Formulierung hingegen einen polemischen[10] Beiklang oder eine häufig auftretende ironische Note, wodurch bel paese den Charakter einer Antiphrasis erhält.[2]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Immacolata Amodeo: Das ‚bel paese‘ heute: zwischen Auswanderung und Einwanderung. Anmerkungen zu den anderen italienischen Literaturen. In: Rita Franceschini (Hrsg.): In einer anderen Sprache (Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 139). Stuttgart u. a.: Metzler 2005, S. 102–115.
  2. a b c d Matteo Di Gesù: L’Italia nella letteratura italiana. Una ricognizione. In: InVerbis 1, 2011, S. 13-34, hier S. 16.
  3. Bèl Paése. Treccani.it – L’enciclopedia italiana, abgerufen am 20. Februar 2015.
  4. ist das italienische Wort für „ja“; verwiesen wird also auf das Verbreitungsgebiet der italienischen Sprache im Gegensatz zu den Gegenden des oc und des oïl.
  5. Die Apenninhalbinsel, nach Norden hin abgegrenzt durch die Alpen und umgeben vom Mittelmeer, entspricht grob dem Verständis Italiens als geographischer Raum.
  6. „Das Schöne Land: Gespräche über die Naturschönheiten, die Geologie und die physische Geographie Italiens“
  7. John Ayto: The Diner’s Dictionary. Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-0-19-964024-9, S. 29
  8. Fabiano Guatteri: Formaggi. Conoscere e riconoscere le produzioni più diffuse d’Italia e d’Europa. De Agostini, Novara 2005, ISBN 978-88-418-2006-3, S. 149
  9. Ulrich Ladurner: Der Pizzachauvinist. Die Zeit, archiviert vom Original am 8. Juni 2013, abgerufen am 20. Februar 2015.
  10. belpaese. il Sabatini Coletti: Dizionario della Lingua Italiana, abgerufen am 20. Februar 2015.