Eroberung von Damaskus (635)

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Eroberung von Damaskus
Kisan-Tor, eines der antiken Stadttore von Damaskus
Kisan-Tor, eines der antiken Stadttore von Damaskus
Datum September (?) 635 n.Chr.
Ort Damaskus
Ausgang arabischer Sieg
Folgen Damaskus fällt an das Kalifat
Konfliktparteien
Kalifat Oströmisches Reich
Befehlshaber
Chalid ibn al-Walid Thomas


Die Eroberung von Damaskus fand im Jahr 635 n. Chr. durch Truppen des sich formierenden Islamischen Kalifats statt. Aufgrund der Quellenlage sind jedoch mehrere Details umstritten.

628/29 war der letzte und größte römisch-persische Krieg zu Ende gegangen, nachdem der oströmische Kaiser Herakleios einen erfolgreichen Feldzug in Mesopotamien geführt hatte und das neupersische Sassanidenreich im politischen Chaos versunken war. Etwa zur selben Zeit entstand auf der arabischen Halbinsel mit dem Islam eine neue Religion. Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 folgte Abu Bakr als erster Kalif nach. Nachdem er einige interne Revolten niedergeschlagen hatte, begann Abu Bakr sein Reich über die Grenzen Arabiens hinaus auszudehnen.

Die nun einsetzende Islamische Expansion wurde durch die Schwäche der beiden Großmächte Ostrom und Persien erheblich begünstigt. Der beginnende arabische Vormarsch im syrisch-palästinensischen Raum 633/34 war zwar zunächst mit einigen Rückschlägen verbunden, verlief aber schließlich erfolgreich.[1] Allerdings ist die diesbezügliche (oft widersprüchliche) Quellenlage äußerst problematisch und wird in der neueren Forschung kontrovers diskutiert.[2] Im Mai 634 fiel die oströmische Festung Bostra, bald befanden sich die noch verbliebenen oströmischen Truppen in Syrien auf dem Rückzug. 635 standen die muslimischen Truppen vor Damaskus, wo als Kommandeur der oströmischen Truppen ein gewisser Thomas fungiert haben soll.

Die folgenden Ereignisse sind aufgrund der teilweise überaus widersprüchlichen und nicht eindeutigen Quellenaussagen nur schwer zu rekonstruieren. Von christlicher Seite sind nur spärliche knappe Berichte erhalten. Die ausführlicheren arabischen Berichte stammen aus späterer Zeit und vermitteln ein sehr uneinheitliches Bild; teils wird der Name des Eroberers nicht genannt oder kein genaues Datum genannt.[3] Einigen Angaben zufolge kam es zu einer sechs Monate dauernden Belagerung, die im August/September 635 mit der Kapitulation der Stadt endete. Hier sind vor allem Fragen der arabischen Kommandohierarchie von Bedeutung. Andere Berichte sprechen nicht direkt von einer Belagerung, wohl aber von einer Eroberung der Stadt und betonen die Bedeutung des arabischen Befehlshabers. Dabei wird auch von einer militärischen Eroberung und einer anschließenden diplomatischen Einigung mit der christlichen Bevölkerung der Stadt berichtet. In der dritten Tradition spielen vor allem diese Verhandlungen eine zentrale Rolle.

Jens Scheiner hat alle verfügbaren Quellen in einer umfassenden Studie gründlich untersucht und kam zu einem recht nüchternen Ergebnis.[4] Als relativ gesichert kann demnach nur gelten, dass Damaskus im Jahr 635 an die muslimischen Eroberer fiel und es in diesem Zusammenhang anscheinend zu einer vertraglichen Vereinbarung kam, die das Öffnen der Tore zur Bedingung machte und Schutzrechte für die christliche Bevölkerung beinhaltete. Eine Belagerung und Erstürmung der Stadt fand demnach aber nicht statt.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mosche Gil: A History of Palestine, 634–1099. Cambridge University Press, Cambridge 1992, ISBN 0-521-40437-1.
  • Jens J. Scheiner: Die Eroberung von Damaskus. Quellenkritische Untersuchung zur Historiographie in klassisch-islamischer Zeit. Brill, Leiden/Boston 2010, ISBN 978-90-04-17684-3.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zu Details vgl. Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. Philadelphia 2007, S. 71ff.
  2. Überblick bei James Howard-Johnston: Witnesses to a World Crisis. Oxford 2010; Robert G. Hoyland: Seeing Islam as Others Saw It. A Survey and Evaluation of Christian, Jewish and Zoroastrian Writings on Early Islam. Princeton 1997.
  3. Ausführliche Diskussion bei Jens J. Scheiner: Die Eroberung von Damaskus. Quellenkritische Untersuchung zur Historiographie in klassisch-islamischer Zeit. Leiden/Boston 2010, S. 21ff.
  4. Jens J. Scheiner: Die Eroberung von Damaskus. Quellenkritische Untersuchung zur Historiographie in klassisch-islamischer Zeit. Leiden/Boston 2010, S. 473ff., speziell S. 491–493.
  5. Von einer Belagerung und Eroberung gehen mehrere moderne Darstellungen aus, siehe etwa Mosche Gil: A History of Palestine, 634-1099. Cambridge 1992, S. 44f.