Belagerung von Maastricht (1673)

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Belagerung von Maastricht
Ludwig XIV. bei der Belagerung von Maastricht (Gemälde von Adam Frans van der Meulen)
Ludwig XIV. bei der Belagerung von Maastricht (Gemälde von Adam Frans van der Meulen)
Datum 13. Juni bis 26. Juni 1673
Ort Maastricht
Ausgang Sieg Frankreichs
Konfliktparteien
Königreich Frankreich Republik der Vereinigten Niederlande, Spanien
Befehlshaber
Ludwig XIV.
Sébastien Le Prestre de Vauban
Jacques de Fariaux
Truppenstärke
24.000 Mann Infanterie, 16.000 Mann Kavallerie, 50 Geschütze 4500 niederländische Infanteristen, 1200 spanische Kavalleristen

Die Belagerung von Maastricht fand im Rahmen des Holländischen Krieges zwischen dem 13. und 26. Juni 1673 statt. Gegen eine niederländisch-spanische Besatzung kämpften die Franzosen. Geführt wurden sie von Ludwig XIV. persönlich. Die eigentliche Belagerung leitete Sébastien Le Prestre de Vauban. Dieser setzte dabei erstmals neuartige Techniken des Belagerungskrieges ein. Die Stadt kapitulierte schließlich.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Ludwig XIV. hatte 1672 die Niederlande angegriffen und mit Hilfe seiner Verbündeten wie dem Bischof von Münster Christoph Bernhard von Galen und dem Erzbischof von Köln Maximilian Heinrich von Bayern große militärische Erfolge (Rampjaar). Den Franzosen war die schwache niederländische Armee nicht gewachsen. Diese vermied aber auch jede Schlacht. Die meisten Truppen waren in den Festungen wie Maastricht und anderen konzentriert, die für die Franzosen ohne lange Belagerung nicht einnehmbar waren. In den Niederlanden brach die republikanische Regierung unter Johan de Witt zusammen und es kam Wilhelm III. von Oranien an die Macht. Die Invasion wurde insbesondere durch die Öffnung der Schleusen und der Überflutung von Teilen des Landes aufgehalten (Holländische Wasserlinie). Von Maastricht aus bedrohte Wilhelm III. im Dezember die französischen Nachschublinien.

Für das folgende Kriegsjahr plante Ludwig XIV. die Stadt Maastricht als eine Schlüsselfestung einzunehmen. Zur Deckung vor den Spaniern wurden 30.000 Mann unter Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne nach Flandern geschickt. In ähnlicher Weise sollten 30.000 Mann unter Louis II. de Bourbon, prince de Condé Gefahren aus dem deutschen Raum abwehren. Ludwig XIV. selbst führte eine Armee von 48.000 Mann in Richtung Maastricht.

Maastrichts Befestigungswerke waren seit dem 16. Jahrhundert stets ausgebaut worden. Es gab fünf Hornwerke, breite Gräben die geflutet werden konnten und zahlreiche Außenwerke (Demi-lunes). Die Besatzung bestand aus etwa 6000 niederländischen und spanischen Soldaten. Dies waren etwa 3000 Mann weniger als angefordert worden waren, aber es waren deutlich mehr als bei der letzten Belagerung 1632 zur Verfügung standen.

Verlauf[Bearbeiten]

Die französischen Truppen langten vor Maastricht am 11. Juni an. Sie hatten 7000 Bauern zum Bau der Belagerungsanlagen gezwungen. Der eigentliche Organisator der Belagerung war Vauban. Dieser war ein erfahrener Festungsbaumeister. Maastricht war aber die erste größere Stadt die er belagerte. Er ließ zunächst Circumvallations- und Contravallationlinien um die Stadt herum bauen. Diese Arbeiten waren am 14. Juni beendet. Danach ließ er Laufgräben parallel zu den Bereichen der Festungswerke anlegen, die er angreifen wollte. Vauban entschied sich für den Angriff auf eine Hornwerk im Süd-Westen der Verteidigungsanlagen. Die Geschütze wurden in Stellung gebracht und am 18. Juni begann die Beschießung. Daraufhin ließ er Laufgräben zickzackartig weiter in Richtung Befestigungen graben. Diese Form der Gräben erschwerten es den Belagerten die Gegner zu treffen, wenn sie sich zwischen den Parallelen bewegten. Näher an den Befestigungswerken wurden eine weitere Parallele angelegt. Von dort aus konnten die Geschütze die Mauern aus näherer Entfernung angreifen. Diese Technik wird als Parallelen bezeichnet.

Am 24. Juni waren die Parallelen fertig. Am Tag des Johannes des Täufers wollte Ludwig XIV. eine Messe im Dom zu Maastricht feiern. Daraufhin befahl er einen Sturmangriff. Dieser wurde unter anderem von den königlichen Musketieren unter Charles d’Artagnan de Batz-Castelmore geführt. Der Gegenangriff vertrieb die Franzosen von den Wällen. Lediglich dreißig konnten sich bis zum Morgen halten, ehe sie sich auch zurückziehen mussten. Am nächsten Morgen führte James Scott, 1. Duke of Monmouth die nächsten Angriffe auf die Stadt. Bei einem dieser Kämpfe wurde d’Artagnan tödlich verwundet. Da die Angriffe erfolglos waren, befahl Ludwig XIV. erneut die Beschießung der Festungswerke.

Der Gouverneur der Stadt sah sich unter dem Druck der Bürger und der Soldaten gezwungen zu kapitulieren.

Folgen[Bearbeiten]

Pierre Mignard: Ludwig XIV. vor Maastricht

Ludwig XIV., der ohne einen seiner bekannten Heerführer die Truppen führte, verbuchte den Fall der Stadt als persönlichen Sieg, was er dazu nutzte, sein Ansehen im eigenen Land weiter zu steigern. Auf zahlreichen Bildnissen und Tapisserien wurde der Triumph verewigt. Nachdem er auch die Dauphiné besetzt hatte und 1674 nach Versailles zurückkehrte, wurden große Festlichkeiten veranstaltet.[1] Die Technik der Parallelen, die Vauban hier erstmals nutzte, wurde zum Standardverfahren bei der Belagerung von Festungen und blieb noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. In den Niederlanden selbst waren die französischen Truppen weniger erfolgreich und mussten sich teilweise zurückziehen. Maastricht blieb bis Kriegsende in französischer Hand, wurde aber danach zurückgegeben

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Burke: The Fabrication of Louis XIV. Bath, 1994, S. 78.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul K. Davis: Besieged: 100 Great Sieges from Jericho to Sarajevo. Santa Barbara, 2001, S. 137–139

Weblinks[Bearbeiten]