Belagerung von Maubeuge

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Die Belagerung von Maubeuge (französisch siège de Maubeuge oder bataille de Maubeuge = Schlacht von Maubeuge) war die erste Belagerung der Armee des Deutschen Kaiserreichs auf französischem Boden während des Ersten Weltkriegs. Sie begann am 28. August 1914 und endete offiziell am 8. September 1914 mit der Kapitulation von Maubeuge.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von Juli 1870 bis Mai 1871 entstanden nach Plänen des Generals und Militäringenieurs Séré de Rivières der Festungsring von Maubeuge: das Fort Leveau in Feignies, fünf weitere Festungen und sechs Zwischenbauten.[1] Er wurde um die von Vauban (1633–1707) erbaute Zitadelle angelegt und galt als große Stütze der Grenzverteidigung.[2] Hauptaufgabe der Festung war der Schutz der Übergänge über die Sambre sowie mehrerer hier zusammenlaufender Schienenwege.

Belagerung[Bearbeiten]

Zerstörte Kasematten der Festung Maubeuge
General Hans von Zwehl, Befehlshaber der Belagerung von Maubeuge

Dem Schlieffen-Plan folgend, marschierte die deutsche Armee am 4. August 1914 in Belgien ein. Sie wollte das neutrale Belgien mit Infanterie, Kavallerie und Artillerie durchqueren, um danach Paris einzunehmen. Davon erhoffte man sich einen raschen Sieg über Frankreich. Obwohl die Alliierten versuchten, die deutschen Truppen bei Lüttich und Namur aufzuhalten, ging der deutsche Vormarsch in Richtung französisch-belgischer Grenze weiter.

Nach ihrer Landung in Frankreich hatte sich die British Expeditionary Force im Schutz der Festung Maubeuge versammelt. Von hier zog sie nach Norden, um sich den deutschen Armeen am Mons-Condé-Kanal in den Weg zu stellen, wurde jedoch von der deutschen 1. Armee in der Schlacht bei Mons am 23. und 24. August besiegt. Die östlich stehende deutsche 2. Armee hatte zuvor bereits die französische 5. Armee bei Charleroi über die Sambre zurückgeworfen.

Während sich die Alliierten auf Guise und Saint-Quentin zurückzogen, erreichten Truppen der 2. Armee am 25. August den Bereich der Festung Maubeuge und begannen mit der Belagerung. Dazu wurde das VII. Reserve-Korps unter General Hans von Zwehl mit zwei Divisionen zurückgelassen, das später noch durch Belagerungsartillerie, die zuvor bei Namur eingesetzt war, verstärkt wurde. In der Festung befand sich eine Garnison von etwa 35.000 Mann, die noch durch einige Tausend alliierter Truppen, die den Anschluss während des Rückzugs verloren hatten, verstärkt wurden.

Nach der Heranschaffung der Artillerie begann am 29. August die systematische Beschießung der Außenforts. Den deutschen Brisanzgranaten waren die größtenteils in Ziegelbauweise errichteten Forts nicht gewachsen. Zudem konnte die französische Artillerie, insgesamt immerhin über 400 Geschütze, der deutschen aufgrund ihrer geringeren Schussweite nicht effektiv antworten. Am 5. September begann deutsche Infanterie mit der Erstürmung mehrerer Forts. Nachdem dies geglückt war, wurde die Lage der Verteidiger aussichtslos. Am 7. September gab der Festungsgouverneur General Joseph Fournier die Kapitulation bekannt; diese wurde am 8. September wirksam.[3]

Die Belagerung von Maubeuge dauerte mehr als zwei Wochen und war somit eine der längsten im Ersten Weltkrieg. Die Deutschen machten dabei über 45.000 Gefangene und erbeuteten über 400 Geschütze. Dennoch war die Bindung deutscher Kräfte ein Erfolg für die Alliierten, da so ein gesamtes deutsches Armeekorps für die Schlacht an der Marne (5.–12. September 1914) ausfiel.

Ein Museum im Fort de Leveau in Feignies informiert heute über die Geschichte der Festungsanlage.[3]

Folgen[Bearbeiten]

→ siehe auch: Schlacht um Verdun

Deutsche und Franzosen sahen, dass Festungen angesichts der stärker gewordenen Artillerie an Bedeutung verloren hatten.

Auch unter dem Eindruck der enormen Zerstörungskraft der deutschen Belagerungsgeschütze vor Namur und Lüttich sah man die Bedeutung von starken Festungsanlagen bei einem starken Angriff mit Belagerungsgeschützen unter einem anderen Sichtwinkel.

Dies und der Umstand, dass sich die Kriegsparteien nach den Grenzschlachten (unter anderem vom 22. bis 25. September 1914 vor Verdun; diese hatten den deutschen Vormarsch im Maas-Gebiet beendet) auf andere Frontabschnitte konzentrierten, führte zu der Neubewertung, dass die militärische Bedeutung von Verdun nun für geringer erachtet wurde: Das GQG unter Joffre erklärte Verdun zu einem ruhigen Abschnitt. Am 5. August 1915 wurde die Festung Verdun sogar offiziell zum Zentrum der Région Fortifiée de Verdun – RFV („Befestigte Region von Verdun“) herabgestuft. In den darauf folgenden Monaten wurden konsequenterweise 43 schwere und 11 leichte Geschützbatterien aus dem Festungsring abgezogen und die meisten Maschinengewehre der Forts an Feldeinheiten übergeben. Es waren jetzt nur noch drei Divisionen des XX. Korps stationiert: die 72. Reservedivision aus der Region Verdun, die 51. Reservedivision aus Lille und die 14. reguläre Division aus Besançon. Die 37. Division aus Algerien lag in Reserve.

Dies führte dazu, dass die Franzosen auf die am 22. Februar 1916 beginnende Schlacht um Verdun nur unzureichend vorbereitet waren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Belagerung von Maubeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Feignies – das Fort de Leveau.
  2. Die Belagerung von Maubeuge (25. August bis 8. September 1914).
  3. a b www.wegedererinnerung-nordfrankreich.com.