Belagerung von Przemyśl

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Belagerung von Przemyśl
Twierdza Przemysl.svg
Datum 24. September 1914 bis 22. März 1915
Ort Przemyśl, Polen
Ausgang russischer Sieg
Konfliktparteien
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Österreich-Ungarn Russisches Kaiserreich 1914Russisches Kaiserreich Russland
Befehlshaber
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Hermann Kusmanek
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Svetozar von Bojna
Russisches Kaiserreich 1914Russisches Kaiserreich Radko Dimitriew
Russisches Kaiserreich 1914Russisches Kaiserreich Andrei Seliwanow
Truppenstärke
ca. 130.000 Mann ca. 300.000 Mann
Verluste
ca. 20.000 Tote und 110.000 Gefangene ca. 110.000 Tote und Verwundete, davon 40.000 in den ersten drei Tagen

Die Belagerung von Przemyśl war die größte Belagerung des Ersten Weltkriegs[1] und eine schwere Niederlage für Österreich-Ungarn. Eine erste Einschließung durch russische Streitkräfte erfolgte vom 24. September 1914 bis zum 11. Oktober. Am 9. November begann ein zweiter Belagerungsversuch, der 133 Tage andauerte. Die noch aus 110.000 Soldaten bestehende österreichische Garnison kapitulierte am 22. März 1915 und ging in russische Gefangenschaft.

Hintergrund[Bearbeiten]

Wegen der verkehrswichtigen Lage von Przemyśl wurde um die Stadt ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Österreich-Ungarn einer der größten Festungskomplexe bis zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges gebaut. Der Komplex bestand aus einem 45 Kilometer langen Festungsgürtel mit mehreren Dutzend Forts, die ihrerseits mit Wällen verbunden waren.[1]

Während der russischen Offensive nach Galizien besiegte General Nikolai Iwanow in der Schlacht von Lemberg die Österreicher unter Conrad von Hötzendorf und die ganze Front verschob sich 100 Kilometer weiter westlich in die Karpaten. Die Festung Przemyśl war der einzige österreichische Stützpunkt, der dem russischen Vormarsch standhielt und am 28. September komplett hinter den russischen Linien blieb. Die Russen waren in der Lage, das deutsche Industriegebiet Schlesien zu bedrohen, sobald Przemyśl im Frontrücken ausgeschaltet werden würde. Daher war die Verteidigung der Festung sowohl für die Österreicher als auch für die Deutschen von großer Bedeutung.

Die erste Belagerung[Bearbeiten]

Nahkampf am Fort Siedlicke anlässlich der 1. Belagerung von Przemysl

Am 24. September begann der Kommandierende der Russischen 3. Armee, General Radko Dimitriew, mit der Belagerung der Festung. Den Russen stand vor Ort noch nicht genügend Belagerungsartillerie zur Verfügung, doch es musste mit einer österreichischen Verstärkung gerechnet werden. Daher entschloss man sich auf der russischen Seite zum Angriff. Drei Tage lang stürmten die Russen die Festung ohne Erfolg und verloren dabei 40.000 Mann. Währenddessen startete General Paul von Hindenburg eine Offensive gegen Warschau im Norden. Zeitgleich mit dem deutschen Angriff führte General Svetozar Boroëvić von Bojna Verstärkungen nach Przemyśl, so dass Dimitriew am 11. Oktober die Belagerung aufhob und sich hinter den San zurückzog. Conrad hoffte, dass ein gemeinsamer Angriff von Boroevics Armee und der Przemyśler Garnison den Russen einen harten Schlag versetzen würde.

Die zweite Belagerung[Bearbeiten]

Hermann Kusmanek von Burgneustädten, Verteidiger von Przemyśl

Am 31. Oktober wurde Hindenburg in der Schlacht an der Weichsel besiegt und zog sich mit seinen Armeen zurück. Dies zwang Boroevic zu einem Ausweichen nach Westen und zum Absagen der von Conrad geplanten Offensive gegen Russland. Am 9. November setzten die Russen die Belagerung von Przemyśl fort, allerdings nicht mit den Verbänden Dimitriews, die nach Norden zogen, sondern mit der 11. Armee unter General Andrei Seliwanow. Seliwanow befahl keine Frontalangriffe wie zuvor Dimitriew, sondern setzte darauf, die Garnison durch eine Blockade auszuhungern und zur Kapitulation zu zwingen. Im Februar 1915 führte Boroevic von außen einen erfolglosen Entsatzversuch nach Przemyśl durch.

Ende Februar wurden alle Entlastungsangriffe von den Russen abgewehrt und Conrad informierte Hermann Kusmanek von Burgneustädten, dass keine Verstärkung mehr nach Przemyśl geschickt werden würde. Seliwanow besaß inzwischen genügend Artillerie, um die Festung zusammenzuschießen. Am 13. März überrannten die Russen die nördlichen Verteidigungslinien. Eine improvisierte Verteidigungslinie hielt die Russen lang genug auf, um Kusmanek die Zerstörung von allem durchführen zu lassen, was den Russen nach der Einnahme militärisch nützlich werden könnte. Am 19. März ordnete er einen Ausbruchsversuch an, doch die Angriffe der 23. Honved-Infanterie-Division unter Feldmarschallleutnant Árpád Tamásy von Fogaras wurden zurückgeschlagen und die Truppen in die Festung zurückgedrängt. Vor dem Hintergrund, dass die Nahrungsmittel in Przemyśl inzwischen fast zur Gänze aufgebraucht waren, sah Kusmanek sich schließlich gezwungen, zu kapitulieren. Am 22. März ergab sich Kusmanek mit der verbliebenen Garnison den Russen. In russische Gefangenschaft gerieten insgesamt 9 Generäle, 2300 Offiziere und 110.000 österreichisch-ungarische Soldaten.

Folgen[Bearbeiten]

Ein stark beschädigtes Festungswerk, 1915.

Der Verlust von Przemyśl brachte viele in Österreich dazu zu glauben, dass Russland nun eine Großoffensive nach Ungarn unternehmen würde. Zwar kam diese vermutete Offensive nicht zustande, doch der Fall der Przemyśler Festung war ein schwerer Schlag für die gesamte österreichische Moral. Przemyśl befand sich bis zum Sommer 1915 in russischer Hand, als der deutsch-österreichische Sieg in der Schlacht von Gorlice-Tarnów die Front nach Galizien verschob.

Museale Rezeption[Bearbeiten]

8-cm-Panzerturmkuppel aus der Festung Przemyśl

Im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum ist eine 8-cm-Panzerturmkuppel aus der Festung Przemyśl ausgestellt (Werk I/2). Die Kuppel weist einen Volltreffer einer russischen 25-cm-Mörsergranate auf.[2]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Albert Pethö (Hrsg.): Belagerung und Gefangenschaft. Von Przemyśl bis Russisch Turkestan. Die Kriegserinnerungen des Dr. Richard Ritter von Stenitzer 1914-1917. Ares Verlag, Graz 2010, ISBN 978-3-902475-83-1.
  • Spencer Tucker: The Great War: 1914–18. Routledge, London 1998.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Matthias Kneip, Weltkriegsfestung in Ostpolen: Träume vom Kanonendonner, einestages
  2. * Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher: Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Verlag Styria, Graz/Wien 2000, ISBN 3-222-12834-0, S. 68

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siege of Przemyśl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien