Belgacom

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Belgacom NV/SA
Belgacom Logo
Rechtsform N.V./SA
ISIN BE0003810273
Gründung 1930
Sitz Schaerbeek/Schaarbeek (Brüssel), Belgien
Leitung Dominique Leroy (CEO), Stefaan De Clerck (Chairman)
Mitarbeiter 18.135 (Juni 2006)
Branche Telekommunikationsunternehmen
Website http://www.belgacom.com

Belgacom Group ist der Name der in Belgien größten Unternehmensgruppe für Telekommunikation mit Sitz in Brüssel. Ihren Kern bildet die Belgacom NV/SA. Hierzu gehören ebenfalls der Mobilfunkbetreiber Proximus (seit 2006) sowie weitere Spezialunternehmen des Bereichs IT und Telekommunikation[1]. Mit einem Anteil von 53,51 % ist der belgische Staat bis heute der Mehrheitseigner des früheren Staatsbetriebes[2].

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1930[3] wurde die RTT (Regie voor Telegraaf en Telefoon/Régie des Télégraphes et Téléphones) gegründet. Sie war die staatliche Gesellschaft (Overheidsbedrijf/Établissement public) für Telefon und Telegrafendienste. Sie ging 1992 in die Belgacom über, die ab dem Zeitpunkt eine autonome staatliche Gesellschaft und ab 1994 auch eine Aktiengesellschaft (Naamloze vennootschap/Société anonyme) war. Im gleichen Jahr wurde Belgacoms Mobilfunknetz Proximus in Betrieb genommen. Proximus gehört zu der Tochtergesellschaft Belgacom Mobile.

1996 verkaufte die belgische Regierung 50 % minus einer Aktie seiner Anteile der Belgacom NV/SA an das Konsortium ADSB Telecommunications. Es bestand aus Ameritech (SBC), Tele Danmark, Singapore Telecom und den drei belgischen Finanzinstituten Sofina, Dexia und KBC. 1998 wurde der belgische Telekommarkt liberalisiert und Belgacom startete den ersten ADSL Breitbandinternet-Anschluss in Belgien. Seit 2004 werden Belgacom Aktien an der Börse gehandelt. Die ersten Tests von Belgacom im Hinblick auf die Einführung von IPTV wurden 2004 bei mehreren hunderten Haushalten durchgeführt.

2005 überraschte der belgische Telekombetreiber den Markt, als er die Fußballrechte für die erste und zweite Liga für die nächsten 3 Saisons über seine Tochtergesellschaft Skynet iMotions Activities erwarb. Diese Aktion kündigt die nahe bevorstehende Einführung von Belgacom TV an, welche im Juni 2005 stattfindet. Dieses Digitalfernsehangebot über ADSL ist ganz neu in Belgien und macht Belgacom zum Quadruple-Player (Anbieter von Fernsehen, Breitband-Internet, Festnetz- und Mobiltelefonie). Darüber hinaus ermöglicht es dem belgischen Unternehmen, neue Einkommensquellen zu erschließen, da die Gewinnspannen im Stammgeschäft, das heißt im Festnetz rückläufig sind.

2005 war auch das Jahr des öffentlichen Kaufangebots für Telindus, den Marktführer im Bereich Netzwerkintegration. Ein erstes, von der Leitung von Telindus als feindlich betrachtetes Übernahmeangebot wurde im September unterbreitet. So fing eine Börsen-Saga an, die fast vier Monate dauerte. Nach einem durch France Telecom unterbreiteten Gegenangebot trug Belgacom schließlich den Sieg davon.

2006 übernahm dann Belgacom Telindus und verstärkte somit seinen ICT-Sektor. Seit 2006 gehört Proximus zu 100 % zur Belgacom NV/SA, nachdem 25 % der Anteile von Vodafone abgekauft wurden. Dies erlaubte der Gesellschaft in Zukunft weiter die Integrierung der einzelnen Geschäftsfelder voranzutreiben. Dies geschah für den Kunden sichtbar bereits 2007, nachdem die Belgacom ihr erstes Paketangebot (Fernsehen, Breitband-Internet, Festnetz- und Mobiltelefonie) auf den Markt brachte. Die Telindus NV/SA wird heute unter der Marke Telindus Belgacom ICT vermarktet.

Seit Juni 2008 gehört die ehemalige Tele2 Holding Tango zu Belgacom, welche im Gegensatz zu Proximus auch Festnetz- und Internetangebote führt.

Spionageaffäre 2013[Bearbeiten]

Im Juni 2013 gab Belgacom aufgrund der, durch die Enthüllungen Edward Snowdens ausgelösten Überwachungs- und Spionageaffäre eine Untersuchung ihrer Systeme in Auftrag. Am 16. September des Jahres wurden erste Untersuchungsergebnisse bekannt, wonach sich seit mindestens 2011 Unbekannte in die Netzwerke der Unternehmensgruppe eingehackt hatten. Ziel sei primär das Tochterunternehmen Belgacom International Carrier Services (BICS) gewesen, dessen Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Verbindungen in den Nahen Osten und nach Afrika liege. Auch das Mutterunternehmen selbst sowie die Mobilfunktochter Proximus seien betroffen gewesen. Eine besondere Brisanz besteht darin, dass internationale Organisationen mit Sitz in Brüssel wie die EU oder die NATO Großkunden der betroffenen Unternehmen sind. Belgacom hat mittlerweile Anzeige erstattet. Aus Kreisen der ermittelnden Staatsanwaltschaft hieß es, die Art der Durchführung sowie Umfang und Komplexität des Angriffes lasse einen Geheimdienst als Urheber vermuten. In diesem Zusammenhang fielen auch die Namen der NSA sowie des britischen GCHQ. Ziel sei nicht Sabotage sondern vielmehr das Erlangen von Informationen gewesen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, so wäre das nach Ansicht des belgischen Premierministers Elio di Rupo als "Anschlag auf die Integrität eines Regierungsunternehmens" zu werten. Er kündigte für diesen Fall an, dass Belgiens Regierung "entsprechende Maßnahmen" ergreifen werde.[4][5]

Noch in derselben Woche wurden weitere, auf Dokumenten Snowdens basierende Informationen publik, die darauf hindeuteten, dass es tatsächlich der britische Geheimdienst GCHQ gewesen sei, der den Angriff unter dem Decknamen "Operation Socialist" durchgeführt habe, allerdings mit Hilfe einer von der NSA entwickelten Technologie.[6][7]

Entlassung von CEO Bellens[Bearbeiten]

Am Freitag, den 15. November 2013 berichteten belgische Medien, dass Didier Bellens, der langjährige frankophone CEO von Belgacom, der seit einigen Jahren im Verdacht passiver Korruption steht und der in den letzten Monaten auch das Vertrauen der frankophonen Parteien verloren hatte, von der föderalen Regierung ohne Abfindung seiner Funktion als CEO von Belgacom enthoben wurde.[8] Die Verweigerung einer Abfindungszahlung wurde damit begründet, dass es zwingende Gründe gab, die eine abfindungslose Enthebung des CEO erforderten. Der belgische Staat hält mit 53,5 Prozent die Aktienmehrheit an dem Unternehmen. Bellens hatte in den letzten Monaten durch herablassende Äußerungen über den belgischen Staat und insbesondere über den föderalen Ministerpräsidenten Elio di Rupo sich den Unmut der Regierung zugezogen. So gab er beispielsweise über Premierminister di Rupo öffentlich zum Besten, dass dieser sich benehme "wie ein kleines Kind, das am Jahresende nur noch an den Nikolaus denke".

Am 16. November 2013 berichteten flämische Medien, dass die Aufgaben des CEO nun übergangsweise gemeinsam von dem Vorstandsmitglied Ray Stewart und dem Aufsichtsratsvorsitzende Stefaan De Clerck solange übernommen werden, bis ein neuer CEO gefunden ist. Der Amerikaner Ray Stewart ist seit 16 Jahren in Topfunktionen bei Belgacom tätig und war als Finanzchef bislang die Nummer Zwei hinter CEO Bellens.[9]

Da der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende Stefaan De Clerck ein niederländischsprachiger Flame ist, muss nach der speziellen staatlichen Spracharithmetik der kommende CEO entweder frankophon sein oder ein anderssprachiger Ausländer, der jedoch nicht niederländischsprachig sein darf. Auch aufgrund dieser absurden Situation - die Mehrheit der Belgier ist niederländischsprachig - schlug der belgische Außenminister Didier Reynders vor, den Anteil des belgischen Staates an Belgacom soweit zurückzufahren, dass der Staat in Zukunft nicht mehr Mehrheitsgesellschafter sein werde und Belgacom als reines Privatunternehmen unabhängig von politischen Konstellationen selbst entscheiden könne, wer den Posten des CEO übernehme.

Konzernstruktur[Bearbeiten]

Die Belgacom-Gruppe, die aus Belgacom NV/SA und deren Tochtergesellschaften besteht, ist Belgiens größter Telekommunikationskonzern.

Die wichtigsten vier Branchen des Unternehmens sind:

Festnetztelefoniedienste (FLS) der Belgacom NV/SA[Bearbeiten]

Diese Aktivitäten werden hauptsächlich durch Belgacom NV/SA durchgeführt. Sie umfassen eine komplette Reihe von Sprach-, Datenübermittlungs- und Internetdiensten über den Festnetzanschluss zugunsten privater und beruflicher Kunden. Belgacom NV/SA ist der größte Konnektivitätsanbieter in Belgien.

Liste der wichtigsten Dienste & Marken:

  • Festnetztelefonie
  • Internet Breitband-Anschlüsse
    • Belgacom ADSL (Damals unter dem Namen Skynet)
    • WLAN Hot-Spots
    • VoIP
  • Belgacom TV, IPTV-betriebenen digitalen Fernsehangebot
  • ICT-Produkte
    • Belgacom Surfhouse
    • 1207, 1234, 1307, 1405 (Hotlines)

Mobilfunkdienste (MCS) der Belgacom Mobile[Bearbeiten]

→ Siehe auch: Proximus

Diese Aktivitäten werden durch die Tochtergesellschaft Belgacom Mobile, besser bekannt unter dem Namen Proximus, durchgeführt. Anlässlich des Kaufs der 25%igen Beteiligung von Vodafone an Proximus durch Belgacom NV/SA gehört die Mobilfunkgesellschaft seit August 2006 zu 100 % zu der Belgacom-Gruppe. Proximus bietet privaten und beruflichen Kunden in Belgien eine breite Palette an Mobilfunkdiensten an.

Liste der wichtigsten Dienste & Marken:

  • Mobiltelefonie (Proximus)
  • Mobiles Internet
    • GSM, GPRS, EDGE, UMTS, HSDPA, HSUPA
    • WLAN Hot-Spots
  • Mobiles Fernsehen
  • Mobile Multimedia Dienste (Vodafone Live!)

Internationale Carrier-Dienste (ICS) der Belgacom ICS[Bearbeiten]

Innerhalb der Belgacom-Gruppe werden diese Aktivitäten durch die Tochtergesellschaft Belgacom ICS durchgeführt. Belgacom ICS gehört zu 72 % Belgacom NV/SA und zu 28 % der Gesellschaft Swisscom (Schweiz) AG. Belgacom ICS bietet Telekommunikationsbetreibern aus der ganzen Welt Kapazitäts- und Konnektivitätsdienste im Sprach- und Datenbereich an. Heute ist Belgacom ICS der weltweit achtgrößte Anbieter in Sachen Sprachverkehrsvolumen und der Weltmarktführer in Signalisierungsdiensten für Mobilfunkanbieter.

Sonstiges[Bearbeiten]

Es werden auch Dienste im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) und Internet Inhalte angeboten.

Liste der wichtigsten Dienste & Marken:

  • Telindus Belgacom ICT
  • Win
  • Skynet (Damals die ISP Marke der Belgacom - Heute nur noch für Webcontent zuständig)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Onze merken bei belgacom.com (niederländisch)
  2. Shareholders structure bei belgacom.com
  3. Schlüsselereignisse der Belgacom
  4. Claus Hecking: Spähangriff auf Belgacom: Telefonanbieter der Europäischen Union gehackt. Spiegel Online, 16. September 2013, abgerufen am 19. September 2013.
  5. Jan-Peter Kleinhans: Belgischer ISP Belgacom seit 2011 durch NSA oder GCHQ belauscht? Netzpolitik.org, 17. September 2013, abgerufen am 19. September 2013.
  6. Spähangriff auf Belgacom: Britischer Geheimdienst hackte belgische Telefongesellschaft. Spiegel Online, 20. September 2013, abgerufen am gleichen Tage
  7. Gregor-Peter Schmitz: Spähangriff auf Belgacom: Belgien empört über britische Spionage
  8. Didier Bellens officieel ontslagen bij Belgacom, vom 15. Nov. 2013 bei knack.be
  9. Ray Stewart en De Clerck volgen Bellens ad interim op , vom 16. November 2013 bei deredactie.be (niederländisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Belgacom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien