Belgaum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Belgaum
Belgaum (Indien)
Red pog.svg
Staat: Indien
Bundesstaat: Karnataka
Distrikt: Belgaum
Lage: 15° 51′ N, 74° 30′ O15.8574.5Koordinaten: 15° 51′ N, 74° 30′ O
Einwohner:
– Agglomeration:
488.292 (2011)[1]
610.189 (2011)[2]
Website: belgaumcity.gov.in

d1

Belgaum bzw. Belagavi (Kannada: ಬೆಳಗಾವಿ Beḷagāvi [ˈbeɭʌɡaːʋi]; Marathi बेळगांव Beḷgāṃv [ˈbeːɭɡɑ̃ːo]) ist eine Stadt im südwestindischen Bundesstaat Karnataka mit rund 488.000 Einwohnern (Volkszählung 2011). Sie liegt im westlichen Hochland von Dekkan, am Rande der Westghats nahe der Grenze zu Maharashtra und Goa, auf einer Höhe von 750 Metern über dem Meeresspiegel und ist etwa 90 Kilometer von der Küste des Arabischen Meeres entfernt. Belgaum ist Verwaltungssitz des Distrikts Belgaum. Ein großer Teil der Bevölkerung spricht das indoarische Marathi, Amtssprache ist das dravidische Kannada.

Anlässlich des fünfzigsten Jahrestags der Gründung des Bundesstaats im Jahr 2006 beschloss die Regierung von Karnataka nach einem Vorschlag des Schriftstellers U. R. Ananthamurthy, den englischen Namen der Stadt in ihre Kannada-Namensform Belagavi umzubenennen. Da die indische Zentralregierung der Namensänderung bisher nicht zugestimmt hat, ist der Umbenennungsprozess aber noch nicht abgeschlossen.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Fotografie der Festung von Belgaum, 1874

Belgaum entstand gegen Ende des 12. Jahrhunderts, als die Ratta-Dynastie ihre Hauptstadt aus dem nahe gelegenen Saundatti hierhin verlegte. Die Ratta finden Erwähnung in einer Inschrift von 1199 auf einer Säule der Freitagsmoschee. Eine weitere Inschrift von 1261 weist auf die Yadava hin, die Belgaum um die Mitte des 13. Jahrhunderts eroberten. Im frühen 14. Jahrhundert fiel die Stadt vorübergehend an das Sultanat von Delhi, bald darauf an das Hindu-Reich Vijayanagara und 1474 an die Bahmaniden, deren bröckelnde Herrschaft 1490 von den Adil Shahi von Bijapur abgelöst wurde. Die Adil Shahi bauten die aus der Ratta-Zeit stammende Festung aus. Im späten 17. Jahrhundert unterwarf Großmogul Aurangzeb Bijapur und damit auch Belgaum, das vorübergehend den Namen Azamnagar erhielt. Im frühen 18. Jahrhundert folgten die Marathen. Diese unterlagen 1818 im Dritten Marathenkrieg endgültig den Briten, die Belgaum in die Präsidentschaft Bombay eingliederten und als Infanteriestützpunkt nutzten.

Nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947 war Belgaum zunächst Teil des Bundesstaates Bombay. Als die indischen Bundesstaaten 1956 nach den Sprachgrenzen neu formiert wurden, entwickelte sich die Zugehörigkeit Belgaums, wo sowohl Kannada als auch Marathi verbreitet waren, zur Streitfrage. Im Taluk Belgaum machten zu diesem Zeitpunkt Marathi-Sprecher mit 51,4 Prozent eine leichte Mehrheit aus. Acht von elf Taluks des Distrikts Belgaum waren aber überwiegend kannadasprachig.[4] Letztlich kam Belgaum-Stadt durch den States Reorganisation Act zusammen mit dem größten Teil des Distrikts zum kannadasprachigen Bundesstaat Mysore, der 1973 in Karnataka umbenannt wurde. Bis heute sorgt die Frage um die Zugehörigkeit Belgaums für Spannungen zwischen Karnataka und dem marathisprachigen Bundesstaat Maharashtra. Als Reaktion auf die Ansprüche Maharashtras hat die Regierung Karnatakas beschlossen, Belgaum den Status einer „zweiten Hauptstadt“ des Bundesstaates zu verleihen.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Belgaum ist ein bedeutender regionaler Industriestandort. In der Stadt befindet sich eines der größten Aluminiumoxidwerke Indiens. Weiterhin bedeutsam ist vor allem der Maschinenbau (Motoren, Fahrzeugteile, Hydraulikpumpen, Ventile), in geringerem Maße auch die Herstellung von Textilien sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Belgaum ist sowohl an den National Highway 4 zwischen Pune und Bengaluru als auch an das nationale Eisenbahnnetz angeschlossen. In Sambre, etwa zehn Kilometer westlich der Stadt, befindet sich ein regionaler Flugplatz mit regelmäßigen Verbindungen nach Mumbai und in mehrere Großstädte des Dekkan.

Die Stadt ist zudem Standort des indischen Heeres und eines Militärflugplatzes.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Jaina-Tempel in der Festung von Belgaum

Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die aus dem frühen 13. Jahrhundert stammende Festung, die von späteren Herrschern vielfach umgebaut und erweitert wurde. Ihre heutige Gestalt erhielt sie weitestgehend im 16. Jahrhundert. Innerhalb der Festungsmauern befinden sich unter anderem der Jaina-Tempel Kalama Basti im späten Chalukya-Stil, die Safa-Moschee und die Freitagsmoschee (Jama Masjid) aus dem 16. Jahrhundert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Belgaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Cities having population 1 lakh and above. (PDF; 154 kB)
  2. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Urban Agglomerations/Cities having population 1 lakh and above. (PDF; 141 kB)
  3. The Hindu: Centre mum on ‘Bengaluru’, 18. Dezember 2007.
  4. Report of the States Reorganisation Commission, New Delhi 1955, S. 97–98.
  5. Times of India: Decision on second capital status for Belgaum soon, 13. April 2010.