Belgien beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge Belgiens
Übertragende Rundfunkanstalt
RTBF, VRT
Erste Teilnahme
1956
Anzahl der Teilnahmen
56 (Stand 2014)
Höchste Platzierung
1 (1986)
Höchste Punktzahl
176 (1986)
Niedrigste Punktzahl
0 (1962, 1965)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
35,85 (Stand 2014)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
1,77 (Stand 2014)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Belgiens als Teilnehmer am Eurovision Song Contest.

Belgien nimmt seit dem ersten Wettbewerb im Jahr 1956 teil. Den einzigen Sieg konnte das Land im Jahr 1986 durch die 13-jährige Sandra Kim mit dem Lied J’aime la vie erreichen. Mit acht „roten Laternen“ ist Belgien hinter Norwegen und Finnland das Land, das am dritthäufigsten auf dem letzten Platz landete.

Fernsehsender[Bearbeiten]

Die beiden belgischen Fernsehsender, die französischsprachige RTBF und das niederländischsprachige VRT, wechseln sich jährlich mit der Teilnahme ab, der Wettbewerb wird jedoch jedes Jahr von beiden Sendern mit Kommentar in der jeweiligen Sprache ausgestrahlt. Die erste Teilnahme fiel 1956 dem wallonischen Sender zu, seitdem wurde der Wechsel ständig durchgehalten. War Belgien wie z. B. 1994 aufgrund eines schlechten Vorjahresergebnisses durch den flämischen Sender nicht zur Teilnahme berechtigt, so kam der französische Sender erst 1995 zum Zug.

Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten]

RTBF ist im Vergleich zu VRT deutlich erfolgreicher: nicht nur der einzige Sieg 1986 geht auf das Konto des französischsprachigen Senders, sondern auch die beiden zweiten Plätze 1978 und 2003. Die höchsten Platzierungen des flämischen Senders sind der sechste Platz 2010 und die siebten Plätze 1967, 1969 und 1977. Zudem finden sich unter den acht letzten Plätzen nur zwei Beiträge von RTBF, nämlich 1962 und 2000. Vor dem sechsten Platz im Jahre 2010 hatte es seit mehr als 30 Jahren keine flämische Platzierung unter den ersten Zehn gegeben, 1977 erreichte die Gruppe Dream Express den siebten Platz. Andererseits schaffte es von 2005 bis 2009 keiner der beiden Sender, sich für das Finale zu qualifizieren. Dies änderte sich erst 2010 mit einem Beitrag des VRT.

Liste der Beiträge[Bearbeiten]

Farblegende:   – Siege.   – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.   – Beiträge ohne Finalteilnahme.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Übersetzung Platz Punkte
1956 Mony Marc Le plus beau jour de ma vie
(Claude Alix / David Bee)
Der schönste Tag meines Lebens 00 00
1956 Fud Leclerc Messieurs les noyés de la Seine
(Jean Miret, Jacques Say / Robert Montal)
Ihr ertrunkenen Herren der Seine 00 00
1957 Bobbejaan Schoepen Straatdeuntje
(Harry Frekin / Eric Franssen)
Straßenmelodie 08 / 10 005
1958 Fud Leclerc Ma petite chatte
(André Dohet)
Mein kleiner Schatz 05 / 10 008
1959 Bob Benny Hou toch van mij
(Hans Flower / Ke Riema)
So liebe mich doch 06 / 11 009
1960 Fud Leclerc Mon amour pour toi
(Jack Say / Robert Montal)
Meine Liebe für Dich 06 / 13 009
1961 Bob Benny September, gouden roos
(Hans Flower / Wim Brabants)
September, du goldene Rose 15 / 16 001
1962 Fud Leclerc Ton nom
(Eric Channe / Tony Golan)
Dein Name 13 / 16 000
1963 Jacques Raymond Waarom
(Hans Flower / Wim Brabants)
Warum 10 / 16 004
1964 Robert Cogoi Près de ma rivière
(Robert Cogoi)
Nahe bei meinem Fluss 10 / 16 002
1965 Lize Marke Als het weer lente is
(Jef van den Berg / Jaak Dreesen)
Wenn es wieder Frühling ist 15 / 18 000
1966 Tonia Un peu de poivre, un peu de sel
(Paul Quintens / Phil van Cauwenbergh)
Etwas Pfeffer, etwas Salz 04 / 18 018
1967 Louis Neefs Ik heb zorgen
(Paul Quintens / Phil van Cauwenbergh)
Ich habe Sorgen 07 / 17 008
1968 Claude Lombard Quand tu reviendras
(Jo van Wetter / Roland Dero)
Wenn du wiederkommst 07 / 17 008
1969 Louis Neefs Jennifer Jennings
(Paul Quintens / Phil van Cauwenbergh)
07 / 16 010
1970 Jean Vallée Viens l’oublier
(Jean Vallée)
Komm und vergiss ihn 08 / 12 005
1971 Jacques Raymond & Lily Castel Goeiemorgen, morgen
(Paul Quintens / Phil van Cauwenbergh)
Guten Morgen, Morgen 14 / 18 068
1972 Serge & Christine Ghisoland À la folie ou pas du tout
(Daniël Nelis, Bob Milan / Daniël Nelis)
Abgöttisch oder gar nicht 17 / 18 055
1973 Nicole & Hugo Baby, Baby
(Ignace Baert / Erik Marijsse)
17 / 17 058
1974 Jacques Hustin Fleur de liberté
(Jacques Hustin / Franck F. Gérald)
Blume der Freiheit 09 / 17 010
1975 Ann Christy Gelukkig zijn
(Mary Boduin)
Könnte es das Glück sein 15 / 19 017
1976 Pierre Rapsat Judy et cie
(Pierre Rapsat / Eric van Hulse)
Judy und Co. 08 / 18 068
1977 Dream Express A Million in One, Two, Three
(Luc Smets)
Eine Million in eins, zwei, drei 07 / 18 069
1978 Jean Vallée L’amour ça fait chanter la vie
(Jean Vallée)
Die Liebe lässt das Leben singen 02 / 20 125
1979 Micha Marah Hey na na
(Charles Dumolin / Guy Beyers)
18 / 19 005
1980 Telex Euro-Vision
(Michel Moers, Dan Lacksman, Marc Moulin)
Eurovision 17 / 19 014
1981 Emly Starr Samson
(Kick Dandy, Giuseppe Marchese / Kick Dandy, Penny Els)
13 / 20 040
1982 Stella Si tu aimes ma musique
(Fred Bekky, Rony Brack, Bobott / Jo May)
Wenn du meine Musik magst 04 / 18 096
1983 Pas de deux Rendez-vous
(Walter Verdin / Paul Peyskens, Walter Verdin)
Verabredung 18 / 20 013
1984 Jacques Zegers Avanti la vie
(Henri Seroka / Jacques Zegers)
Komm im Leben vorwärts 05 / 19 070
1985 Linda Lepomme Laat me nu gaan
(Pieter Verlinden / Bert Vivier)
Lass mich jetzt gehen 19 / 19 007
1986 Sandra Kim J’aime la vie
(Jean-Paul Furnémont, Angelo Crisci / Rosario Marino Atria)
Ich liebe das Leben 01 / 20 176
1987 Liliane Saint-Pierre Soldiers of Love
(Gyuri Spies, Marc de Coen / Liliane Saint-Pierre)
Soldaten der Liebe 11 / 20 056
1988 Reynaert 'Laissez briller le soleil
(Joseph Reynaerts, Dany Willem / Joseph Reynaerts, Philippe Anciaux)
Lasst die Sonne scheinen 18 / 21 005
1989 Ingeborg Door de wind
(Stef Bos)
Durch den Wind 19 / 22 013
1990 Philippe Lafontaine Macédomienne
(Philippe Lafontaine)
Meine Mazedonierin 12 / 22 046
1991 Clouseau Geef het op
(Kris Wauters, Jan Leyers, Koen Wauters, Bob Savenberg)
Gib es auf 16 / 22 023
1992 Morgane Nous on veut des violons
(Claude Barzotti / Anne-Marie Gaspard)
Wir wollen Violinen 20 / 23 011
1993 Barbara Dex Iemand als jij
(Marc Vliegen / Tobana)
Jemand wie du 25 / 25 003
1994 Nicht qualifiziert
1995 Frédéric Etherlinck La voix est libre
(Pierre Theunis)
Die Stimme ist frei 20 / 23 008
1996 Lisa del Bo Liefde is een kaartspel
(John Terra, Siirak Brogden / Daniel Ditmar)
Die Liebe ist ein Kartenspiel 16 / 23 022
1997 Nicht qualifiziert
1998 Mélanie Cohl Dis oui
(Philippe Swan)
Sag ja 06 / 25 122
1999 Vanessa Chinitor Like the Wind
(Ilia Beyers, J. Terra, Emma Hjälmås, Wim Claes)
Wie der Wind 12 / 23 038
2000 Nathalie Sorce Envie de vivre
(Silvio Pezzuto)
Lust zu leben 24 / 24 002
2001 Nicht qualifiziert
2002 Sergio & the Ladies Sister
(Marc Paelinck / Dirk Paelinck)
Schwester 13 / 24 033
2003 Urban Trad Sanomi
(Yves Barbieux)
02 / 26 165
2004 Xandee 1 Life
(Marc Paelinck / Dirk Paelinck)
Ein Leben 22 / 24 007
2005 Nuno Resende Le grand soir
(Alec Mansion, Frédéric Zeiton)
Der große Abend 22 / 25 029
2006 Kate Ryan Je t’adore
(N. Kings, L. Greene, N. Bergwall, K. Ryan)
Ich bete dich an 12 / 23 069
2007 The KMG's Love Power
(Paul Curtiz / Paul Curtiz, Sexyfire)
Die Macht der Liebe 26 / 28 014
2008 Ishtar O Julissi
(Michel Vangheluwe / Michel Vangheluwe)
17 / 19 016
2009 Copycat Copycat
(Miam Monster Miam / Jacques Duvall)
Nachahmer 17 / 18 001
2010 Tom Dice Me and My Guitar
(Tom Dice, Jeroen Swinnen / Tom Dice, Ashley Hickin)
Ich und meine Gitarre 06 / 25
SF: 01 / 17
143
2011 Witloof Bay With love baby
(Benoît Giaux, RoxorLoops)
Mit Liebe, Baby 11 / 19 053
2012 Iris Would you?
(Nina Sampermans, Jean Bosco Safari, Walter Mannaerts)
Würdest Du? 17 / 18 016
2013 Roberto Bellarosa Love Kills
(Jukka Immonen, Iain Farquharson, Andreas Anastasiou)
Liebe tötet 12 / 26
SF: 05 / 16
071
2014 Axel Hirsoux Mother
(Ashley Hicklin, Rafael Artesero)
Mutter 14 / 16 028
2015

Sprache[Bearbeiten]

Roberto Bellarosa, 2013 in Malmö
Axel Hirsoux, 2014 in Kopenhagen

Entsprechend dem Wechsel des Fernsehsenders, wechselt in der Regel auch die Sprache, in der die Beiträge vorgestellt werden. Die wallonischen Beiträge wurden bis einschließlich 2000 und 2005 vollständig auf französisch vorgetragen, 2003 wurde Sanomi in einer Fantasiesprache vorgetragen bevor 2007 und 2009 im Halbfinale jeweils ein Beitrag komplett auf Englisch vorgestellt wurde. VRT hingegen hat öfter die Chance genutzt, seinen Beitrag ganz oder teilweise auf Englisch vorzutragen, wenn die Regeln dies zuließen, so z. B. 1975, als das Lied ab der zweiten Strophe zum Englischen wechselte, und in allen flämischen Beiträgen seit 1999. 1977 hätte jedes Land den Regeln gemäß sein Lied in der Landessprache vorstellen müssen, da aber Belgien – wie auch Deutschland – vor Bekanntgabe der Regelung bereits seinen Beitrag gewählt hatte, durften beide Länder mit einem englischsprachigen Lied antreten. 2008 hat es mit O Julissi Na Jalini von Ishtar erneut ein Lied in imaginärer Sprache gegeben.

Einige Beiträge wurden auch in der jeweils anderen Landessprache sowie in der dritten Landessprache Deutsch und Englisch aufgenommen.

Nationale Vorentscheidungen[Bearbeiten]

Seit vielen Jahren bedient sich der flämische Fernsehsender aufwendiger nationaler Vorentscheidungen (Eurosong), die in der Regel Halbfinalrunden und 2006 auch Viertelfinalrunden enthielten. Viele Vorentscheidungsbeiträge wurden nationale Hits, so z. B. Belle PérezUn mundo bailando 2006. Der französischsprachige Sender verließ sich hingegen in den letzten Jahren auf Vorentscheidungen mit sehr wenigen Teilnehmern (wie z. B. 2005) oder interne Auswahlverfahren (wie z. B. 2007). Auch VRT ging 2010 zu interner Auswahl über. 2011 gab es eine "klassische" Vorentscheidung, 2012 und 2013 wurde der Interpret intern ausgewählt und der Beitrag aus zwei bzw. drei Liedern ausgewählt. Im Jahr 2014 veranstaltete VRT einen groß angelegten Eurosong mit drei Casting-, einer Callbackrunde, drei Halbfinals und einem Finale am 16. März. Mitglied der Jury war Ruslana, die Gewinnerin des ESC 2004.

Kommerzielle Erfolge[Bearbeiten]

Trotz schlechten Abschneidens 2004 und 2006 wurden sowohl Xandees als auch Kate Ryans Beiträge Nummer-1-Hits in Belgien. Die wallonischen Beiträge der letzten Jahre waren kommerziell deutlich weniger erfolgreich. In den letzten Jahren erreichten die belgischen Finalteilnehmer folgende Platzierungen: Tom Dice kam auf Platz 1 in den belgischen und Platz 20 in den deutschen Charts. Roberto Bellarosa erreichte mit seinem Beitrag Platz 6 in Belgien und Platz 90 in Deutschland.

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • Belgien ist unter den sieben Ländern, die 1956 an der ersten Ausgabe des Eurovision Song Contest teilnahmen dasjenige, das am längsten auf seinen ersten Sieg warten musste: 1986 nahm es bereits zum 31. Mal teil
  • Belgien hat nie freiwillig auf eine Teilnahme verzichtet, die Aussetzer 1994, 1997 und 2001 resultierten alle aus einer schlechten Vorjahresplatzierung.
  • Das Land, dem Belgien durchschnittlich am meisten Punkte gegeben hat, ist Armenien: das Halbfinale 2006 eingerechnet, erhielt das Land im durchschnitt 11,3 Punkte – zweimal 12 und einmal 10. Am meisten Punkte erhalten hat Belgien seit 1975 von den niederländischen Nachbarn – 6,3 im Durchschnitt.
  • Belgien ist das Land, dessen Beiträge am häufigsten – zumindest nicht von dem Künstler, der das Lied im Wettbewerb vorgestellt hat – aufgenommen wurden (1956 beide Beiträge, 1962, 1971 und 1979). Zudem war im Wettbewerb im Allgemeinen der belgische Beitrag 1979 der letzte, der unter diese Kategorie fällt.
  • Der belgische Sänger Fud Leclerc ist der einzige Sänger im Wettbewerb, der vier mal das gleiche Land in der gleichen Sprache vertreten hat.
  • Im Halbfinale 2007 erhielt Belgien insgesamt 14 Punkte – 12 davon kamen aus dem erstmals teilnehmenden Georgien.

Belege[Bearbeiten]