Belgische Streitkräfte in Deutschland

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Wappen der Belgischen Streitkräfte in Deutschland
Sektor der Belgischen Streitkräfte in Deutschland

Belgische Streitkräfte waren in Deutschland bis 2002 stationiert. Eine Armée Belge d´Occupation, gab es bereits nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1929 im Rahmen der Alliierten Rheinlandbesetzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg marschierte am 15. Mai 1945 als erste die Brigade Piron als Hilfskräfte im Auftrag der britischen Besatzungsarmee in Deutschland ein.[1] Die Belgischen Streitkräfte in Deutschland (nl. Belgische Strijdkrachten in Duitsland BSD, frz. Forces Belges en Allemagne FBA) wurden am südlichen Rand der Britischen Besatzungszone auf einem Gebiet Nordrhein-Westfalens und Hessens zwischen Aachen und Kassel, stationiert. Der Belgische Korridor umfasste auch nördliche Teile von Hessen (Raum Kassel) und somit hinein in die ehemalige amerikanische Besatzungszone, die 1947 mit der englischen Besatzungszone zur Bi-Zone zusammengeschlossen wurde.

Das Hauptquartier wurde am 25. Oktober 1946 in Lüdenscheid aufgestellt,[2] zog aber im Oktober 1948 nach Bonn (Hauptquartier im Palais Schaumburg, weitere Quartiere in Troilokaserne und Schloss Deichmannsaue) um, bevor es diese Stadt aufgrund der Ausweisung als besatzungsfreie Zone bis zum 31. Oktober 1949 wieder räumen musste[3] und Bonn zum vorläufigen Regierungssitz bestimmt wurde. Es verlegte seinen Sitz im November 1949 in die Kaserne Haelen, ehemalige Etzelkaserne der Wehrmacht, in Köln-Junkersdorf.[4] Garnisonen gab es unter anderem auch in Aachen, Bad Arolsen, Büren, Düren, Eschweiler, Euskirchen, Rheinbach (Tomburg-Kaserne), Kassel, Köln, Lüdenscheid, Siegen, Soest, Werl, Arnsberg (Jägerkaserne), Neheim und Troisdorf-Spich. Kommandant der BSD war ab Dezember 1946 General Jean-Baptiste Piron, nach welchem auch die 1. Infanteriebrigade Brigade Piron genannt wurde.

Dieser Status als Besatzungsarmee endete mit der Aufnahme der Bundesrepublik in die Nato.

Zwischen Belgien und Deutschland wurde vertraglich die weitere Stationierung vereinbart. Das belgische Militär wurde in die militärischen Pläne der NATO eingebunden. Die belgischen Streitkräfte in Deutschland umfassten 1988 noch 26.900 Soldaten, die in 165 deutschen Standorten stationiert waren und über drei Flugplätze und zwei Krankenhäuser verfügten. Zeitweilig lebten auch ca. 25.000 belgische Frauen und Kinder in Deutschland. 1996 wurde das Kommando des 1. Belgischen Armeekorps, dem auch die BSD unterstanden, dem Kommando der Belgischen Interventionsstreitkräfte in Saive bei Lüttich unterstellt. 1998 war die Zahl der belgischen Soldaten in Deutschland auf ca. 2200 reduziert worden. Die Garnison von Köln war zeitweise die größte belgische Garnison im Ausland. Sie existierte bis Ende 2003.

Der Stützpunkt Camp Astrid bei Eschweiler wurde 1995 geräumt, nachdem schon der Aachener Standort, Camp Hitfeld, 1992 aufgegeben wurde. Der ab 1950 von der belgischen Armee verwaltete und seit 1956 auch von anderen NATO-Truppen genutzter Truppenübungsplatz Vogelsang in der Nordeifel wurde 2005 geräumt und einer zivilen Nutzung zugeführt. Bereits 2004 wurde das Camp Altenrath in Troisdorf geräumt, welches zunächst, analog zum ebenfalls geräumten Camp Spich, einer gewerblichen Nachnutzung zugeführt werden sollte. Dieses scheiterte jedoch letztlich, so dass neuesten Planungen zufolge das inmitten der Wahner Heide gelegene Kasernengelände bis 2015 komplett renaturiert werden soll. Das im gleichen Zeitraum geräumte Camp Spich wurde in ein Gewerbegebiet umgewandelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. History of the 1st Belgian Group 1940-1945, Brigade Piron, Veldtochen, Duitsland
  2. Googlebooks: Hans-Peter Schwarz: Akten zur auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland.
  3. Reiner Pommerin: Von Berlin nach Bonn. Die Alliierten, die Deutschen und die Hauptstadtfrage nach 1945, Böhlau Verlag, Köln 1989, ISBN 3-412-12188-6, S. 159–168.
  4. Walther Rotsaert: De belgische Bezetting in Duitsland, S. 59