Belgisches Tor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Belgisches Tor

Das Belgische Tor (auch Cointet Barrier nach dem Erfinder, C-Element bei der Wehrmacht und umgangssprachlich De Ijzeren Muur, die eiserne Mauer) war ein modular aufgebauter, auf Rollen beweglicher und kettenähnlich flexibler schwerer Stahl-Zaun, der als Panzersperre diente. Meist waren die Elemente rund drei Meter breit, zwei Meter hoch und auf Vollmetallrädern befestigt. Durch Pferde, Lastwagen, auf kurze Strecke auch durch Handkraft konnten die Tore bewegt und zur Sperre positioniert werden.

Das Sperrenelement war einer der Hauptbestandteile der belgischen KW-Linie, eine Panzersverteidigungslinie ähnlich dem deutschen Westwall, die von September 1939 bis Mai 1940 durch die belgischen Streitkräfte errichtet wurde, um sich gegen einem schwer bewaffneten Angriff des Deutschen Reiches erwehren zu können. Insgesamt wurden 77.000 Tore ge- und verbaut, die von 28 belgischen Unternehmen produziert und zwischen Koningshooikt und Wavre aufgestellt wurden. Hier sollten sie einen deutschen Vorstoß in das Herz Belgiens verhindern.

Der Einsatz der einzelnen, namensgebenden torähnlichen Elemente erfolgte zusammengehängt nebeneinander, in einer Zick-Zack-Linie, mit Stahlkabeln, Scharnieren und Schlössern verbunden, seitlich an Betonsäulen befestigt, die zum Teil heute noch neben Straßen zu sehen sind. Alle Elemente einer Sperre zusammengefügt bildeten eine Art eiserne Mauer, die von Panzern nicht überrollt oder umgeworfen werden konnte und zugleich flexibel nachgab, bei Bedarf zudem an jeder Stelle geöffnet werden konnte. Auch der Einsatz als panzerfestes Tor einer größeren Sperre war möglich.

Im Mai 1940, während einer groß angelegten Versetzung wurden sie allerdings von der 3. und 4. Panzer-Division der Wehrmacht leicht durchbrochen, da ihre Zahl zu gering und ihre Verteidigung zu schwach war. Nach dem Sieg der Deutschen am 28. Mai 1940 wurden die belgischen Tore von der Wehrmacht auf Belgien, Frankreich und die benachbarten Länder verteilt und erneut aufgestellt, vor allem an Straßen, Brücken und Stränden. Die Orte waren strategisch oft günstig ausgewählt, sodass die Alliierten im Jahr 1944 bei deren Landung teilweise große Schwierigkeiten mit der Überwindung hatten.

Die heute bekannten Bilder belgischer Tore als Strandhindernisse gegen Landungsboote stammen aus dieser Zeit. Die Aufstellung erfolgte hier entgegen dem ursprünglichen Einbau einzeln z. T. direkt auf dem Strand, eine Verminung der Elemente oder ihrer Zwischenräume war zumindest vorgesehen. In der Normandie konnten sie allerdings den Ansturm der Landungsboote nicht verhindern, denn die Hindernisse waren vorher ausgekundschaftet worden und die Tide entsprechend gewählt. Die Elemente lagen gut sichtbar über Wasser und konnten von den Booten umfahren werden. Der Stahl dieser und anderer Strandhindernisse wurde kurz darauf vielfach verwendet, um Heckenschneidmesser ("Hedge-Cutter") für die alliierten Panzer in der Normandie zusammenzuschweißen, eine improvisierte Erfindung, die den alliierten Vormarsch in der Normandie wesentlich vereinfachte und beschleunigte.

Nachweise und zum Weiterlesen[Bearbeiten]