Bellevesvre

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Bellevesvre
Wappen von Bellevesvre
Bellevesvre (Frankreich)
Bellevesvre
Region Burgund
Département Département Saône-et-Loire
Arrondissement Louhans
Kanton Pierre-de-Bresse
Gemeindeverband Canton de Pierre-de-Bresse.
Koordinaten 46° 51′ N, 5° 22′ O46.8419444444445.365Koordinaten: 46° 51′ N, 5° 22′ O
Höhe 185–213 m
Fläche 7,13 km²
Einwohner 273 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 38 Einw./km²
Postleitzahl 71270
INSEE-Code
.

Bellevesvre ist eine französische Gemeinde im Département Saône-et-Loire in der Region Burgund. Sie gehört zum Arrondissement Louhans und zum Kanton Pierre-de-Bresse . Der Ort hat 273 Einwohner (Stand 1. Januar 2012), sie werden Balusais, resp. Balusaises genannt.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Lage der Gemeinde im Arrondissement Louhans
Mouthier-en-Bresse Chapelle-Voland Torpes (Saône-et-Loire)Bellevesvre mit seinen Nachbarorten
Über dieses Bild

Die Gemeinde liegt in der Landschaft der Bresse am Ufer der Brenne, einem rechten Nebenfluss der Seille. Im Süden grenzt die Gemeinde an Chapelle-Voland und damit ans Département Jura. Südlich des Dorfes verläuft noch ein Bief, der ehemals drei Étangs entwässerte, die heute nicht mehr bestehen. Die Gemeinde weist praktisch keine Waldflächen auf, lediglich größere Pappelplantagen finden sich in den Überschwemmungsgebieten entlang der Brenne nördlich der Siedlung.

Von Nordwesten her erreicht die Départementsstraße D73[2] von Pierre-de-Bresse her den Ort. Sie setzt sich als Départementsstraße D122[3] Richtung Bletterans fort. Südöstlich der Siedlung zweigt die Départementsstraße D323 nach Osten ab, wird zur Départementsstraße D1[4] im Département Jura, um letztlich Sellières zu erreichen. Schließlich erreicht auch die Départementsstraße D23[5] vom Weiler Dissey her den Ort und verlässt ihn Richtung Süden, um letztlich Louhans zu erreichen. Bei all diesen Straßen handelt es sich um ehemalige Römerstraßen, deren Trassen weitgehend für die modernen Straßen übernommen wurden. Zur Gemeinde gehören folgende Weiler und Fluren: Champ-de-Foire, Châtelet, Chaumière, Chaux-d’Or, Chefain, Desert, Grand-Or, Maladière, Meix, Moiret, Mortier, Motte, Moulin-d’Or, Petit-Or, Planches, Tuilerie, Verne[6].

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in Bellevesvre ist warm und gemäßigt. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge , selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die effektive Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger ist Cfb. Im Jahresdurchschnitt herrscht einer Temperatur von 11.0 °C. Über ein Jahr verteilt summieren sich die Niederschläge auf 834 mm.

Bellevesvre
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: climate-data.org
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bellevesvre
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 4,8 6,8 12,3 15,9 19,9 23,5 25,6 25,1 21,7 15,7 9,6 5,3 Ø 15,6
Min. Temperatur (°C) −1,1 −0,3 2,5 5,5 9,0 12,5 14,3 13,9 11,3 6,9 3,2 0,1 Ø 6,5
Temperatur (°C) 1,8 3,2 7,4 10,7 14,4 18,0 19,9 19,5 16,5 11,3 6,4 2,7 Ø 11
Niederschlag (mm) 65 62 58 59 78 79 60 80 79 66 80 68 Σ 834
T
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Bellevesvre, Kirche geweiht der Geburt der Heiligen Jungfrau
Hauptstraße (Grande rue) von Bellevesvre

Toponymie[Bearbeiten]

Der Ort wird erstmals 1089 als Ecclesia Bellevavre in den Büchern des Klosters Baume-les-Messieurs erwähnt. Der Name geht jedoch auf die gallorömische Besiedlungszeit zurück, ursprünglich bella vevre, mit der Bedeutung einer schönen Aue, aber auch Gestrüpp und Unterholz. Tatsächlich befindet sich der Ort am Kreuzungspunkt von fünf Römerstraßen, wovon die eine von Verdun-sur-le-Doubs nach Poligny, die anderen von Dole nach Louhans und Lons-le-Saunier führten. Die archäologischen Funde (Waffen aller Art, Schwerter, Dolche, Speere, Pfeil- und Lanzenspitzen, Schilde) belegen die Wichtigkeit dieser Siedlung, die in gallorömischer Zeit die größte Straßenkreuzung in der Bresse bildete.

Geschichte[Bearbeiten]

Bellevesvre verdankte seine Bedeutung im Hochmittelalter seiner strategischen Lage an der Grenze zwischen dem Herzogtum Burgund und der Freigrafschaft. Umgeben von einer Stadtmauer mit drei Toren, war die Kleinstadt von einem doppelten Stadtgraben umschlossen. Die Grenzlage erlaubte dem Ort schon früh, Messen und Märkte durchzuführen, die ihm zu ansehnlichem Reichtum verhalfen. Das Schloss stand im Norden des Ortes, auf einem Hügel, von Gräben umgeben. Eine kleine Burg, auf einer Anhöhe, 600 Schritte von Bellevesvre (im Weiler Motte), diente der Verteidigung gegen die Freigrafschaft. Heute findet sich nichts mehr von Schloss oder Burg. In den ehemaligen Kellern wurden Münzen, Waffen und Gebrauchsgegenstände gefunden.

Die Kirche wurde 1379 wieder erbaut, sie enthält mehrere alte Grabsteine, beispielsweise aus dem 15. Jahrhundert von Jean de Terrans, Berater des Herzogs von Burgund, von J. Perrot († 1520), von Cl. Violet, Pfarrer von Charette († 1500), von Marie Beaune Bernard de Montessus, Baron von Bellevesvre, Gouverneur von Beaune († 1686) und von Jeanne de Bonneval, seiner Gemahlin († 1672). Eine Familiarité, die 1389 aus 19 Mitgliedern bestand, unterstützte den Kirchendienst in Bellevesvre. 1506 bestand sie noch aus sechs Mitgliedern und nach den in den Hugenottenkriegen erlittenen Verlusten waren es noch weniger. Schließlich gab es im 18. Jahrhundert nur noch einen Priester, der durch die Einwohner ernannt wurde. Eine Leprastation befand sich im 14. Jahrhundert nahe dem Fluss in einem Gebiet, das den Namen Champ Maillard (heute der Weiler Maladière) trug. Sie wurde später zu einem Asyl und einem Friedhof der Pestopfer.

1372, als der Glockenturm gebaut wurde, hatte die Kleinstadt sechs Schöffen. Nachdem das Haus Burgund 1477 in männlicher Linie ausgestorben war, ging das Herzogtum Burgund an Frankreich, die Freigrafschaft jedoch an den Burgundischen Reichskreis. Die Kriege im 16. und 17. Jahrhundert (Krieg gegen den savoyardischen Herzog Karl Emanuel I., Dreißigjähriger Krieg und Devolutionskrieg) bescherten dem Ort am äußersten Grenzpunkt des Herzogtums Burgund schreckliche Katastrophen. 1637 wurde Bellevesvre durch die freigräflichen Streitkräfte erobert und eingeäschert, es verblieben lediglich noch 16 Einwohner. Ähnlich erging es dem Nachbarort Mouthier, ja die ganze Gegend war weitgehend entvölkert und erholte sich nur sehr langsam.

Die Familie de Bellevesvre[Bearbeiten]

Nach dieser kleinen Stadt nannte sich eine adlige Familie, die im 10. Jahrhundert, zusammen mit dem nachmaligen Abt von Cluny, Bernon, das Kloster in Mouthier-en-Bresse (Monasterium in Brixia) gründete und die, verbunden mit den mächtigsten Familien in der Gegend, im 13. und 14. Jahrhundert viele waffenfähige Ritter, Äbte und Äbtissinnen hervorbrachte. Eine der Töchter dieser Familie, Marguerite de Bellevesvre, heiratete Henri d’Antigny, wurde die Mutter von Huguette d’Antigny de Sainte-Croix, die einen Étienne de Saint-Dizier heiratete und – in zweiter Ehe, nach einem kriminellen Abenteuer – die Gemahlin des Philippe de Vienne, Herr von Pymont, wurde.

Guillaume von Bellevesvre wurde Bischof von Chalon und nahm 1299 am Konzil von Anse teil. Nach seinem Tode im Jahr 1300 fand er die letzte Ruhe in der Kirche St. Jean-de-la-Grotte in Autun, neben seinem Onkel Anselm (Anseau), Bischof von Autun und neben Henri de Montbéliard, seinem Bruder. Béatrice de Bellevesvre war 1336 Äbtissin in Lons-le-Saunier und ehrte ihr Geschlecht durch ihre Tugend und ihre Verdienste. Ritter Jean wurde 1362 Herr von Bellevesvre, nach ihm Jean de Montaigu, Baron von Couches, gefolgt schließlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts von Jacques de Vienne, Herr von Pagny.

Die übrigen Herren von Bellevesvre[Bearbeiten]

Nach Jean de Montaigu und Jaques de Vienne ging die Herrschaft im 15. Jahrhundert an die Fourneret über, die im Burgund hohe Posten in Justiz und Finanzen besetzten. Im 16. Jahrhundert waren die Damas de Marcilly die Herren, von denen sie 1630 Théode Pinsonnat, Präsident der Chambre des comptes in Dijon übernahm. 1640 heiratete seine Tochter Bernard de Montessus, wodurch die Baronie in deren Besitz überging. Sie umfasste die Gebiete von Torpes, Bellevesvre, Dissey (Weiler von Mouthier-en-Bresse) und den Ort Mouthier-en-Bresse.

Die Familie de Montessus[Bearbeiten]

Die de Montessus blieben Herren von Bellevesvre bis 1820, als ihnen der Comte de Grivel folgte, der Bürgermeister der Gemeinde und Landrat (Conseiller d'Arrondissement) war. Ritter Antoine-Charles-Gabriel-Bernard de Montessus war 1789 Maître de camp im Régiment du Maine, Graf von Rully und Bellevesvre, Baron von Dissey, Herr von Mouthier, Torpes und weiteren Orten. Ferrand, Intendant von Burgund, erwähnte die Familie 1698 „die Adligen dieser Familie haben immer in der Armee gedient: das Haus ist gut und alt“. Tatsächlich gehörten die de Montessus seit 1360 zum alten Adel des Herzogtums, ihnen entstammte ein Kanoniker des Kapitels von Lyon, Gouverneure von Chalon-sur-Saône und Beaune, Edelleute des Kabinetts des Königs, Ritter des Ordens vom Heiligen Geist, des Ludwigsordens und des Georgs-Ordens. Als Folge einer Heirat ließ sich die Familie in der Franche-Comté nieder, der ältere Zweig blieb jedoch nur kurze Zeit, seine Nachkommen wurden Barone und Grafen von Rully, der jüngere Zweig de Montessus de Chauvirey blieb in der Freigrafschaft, erlosch jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Der Graf von Rully und Bellevesvre, Antoine-Charles-Gabriel-Bernard de Montessus wurde stellvertretender Deputierter des Adels in der Vogtei Chalon und 1789 der Generalstände. 1791 emigrierte er, diente in der Armee Condé und kämpfte bis 1796 gegen Napoléon Bonaparte. 1803 wurde er Maréchal de camp beim Grafen der Provence, 1814 durch Karl X. bestätigt wurde er 1815 Lieutenant Général und in die Chambre des Pairs berufen. Er verließ die Pairskammer 1830 um den Eid nicht ablegen zu müssen und starb 1831 in Paris. Sein Wappen − in Azur ein goldener Dachsparren, begleitet von drei silbernen Sternen – bildet heute das Gemeindewappen von Bellevesvre.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
(Quelle: [7])
1793 1800 1821 1831 1841 1851 1861 1872 1881 1891 1901 1906 1911 1921 1931 1946 1962 1982 1990 1999 2006 2011
420 460 526 549 549 630 620 678 695 702 694 727 706 559 529 540 432 308 281 246 270 274
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Altes Haus am Ufer der Brenne.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Dorf gibt es unter anderem eine Kirche (geweiht Mariä Geburt), eine Mairie (Gemeindehaus), eine Primarschule, eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Käsehandlung und eine Apotheke. Ferner 13 Landwirtschaftsbetriebe, drei Betriebe der Bauwirtschaft, ein Bar-Café und ein Restaurant mit gehobener Gastronomie, eine Autogarage Der Wochenmarkt findet am Freitagmorgen statt. Als AOC-Produkte sind in Bellevesvre Gruyère[8], Comté[9] und Morbier[10] zugelassen, ferner Volaille de Bresse[11] und Dinde de Bresse[12] (Pute).

Literatur[Bearbeiten]

  • Lucien Guillemaut: Histoire de la Bresse Louhannaise. Bd. 1, Louhans 1897.
  •  Lucien Guillemaut (1842-1917): Armoiries et familles nobles de la Bresse louhannaise : armoiries ouvrières, armoiries particulières et de familles. Vve L. Romand, Louhans 1909 (gallica).
  •  Claude Courtépée: Description historique et topographique de Duché de Bourgogne. Band 5, Chez Causse, Dijon 1780 (Google Books).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bellevesvre. auf habitants.fr. Abgerufen am 15. April 2015 (französisch).
  2. Départementsstrasse D73. auf routes.wikia.com. Abgerufen am 16. April 2015 (französisch).
  3. Départementsstraße D122. auf routes.wiki.com. Abgerufen am 16. April 2015 (französisch).
  4. Départementsstraße D1. auf routes.wikia.com. Abgerufen am 16. April 2015 (französisch).
  5. Départementsstraße D23. auf routes.wikia.com. Abgerufen am 16. April 2015 (französisch).
  6. Dictionnaire Topographique de Saône-et-Loire. Comité des Travaux Historiques et Scientifiques, abgerufen am 16. April 2015 (PDF, französisch, Suchbegriff: <CTRL>-f Bellevesvre).
  7. Einwohnerstatistik auf cassini.ehess.fr. Abgerufen am 18. September 2011 (französisch).
  8. Gruyère. Namensschutz in Frankreich. schweizerbauer.ch, 13. Februar 2013, abgerufen am 20. März 2015 (deutsch).
  9. Gruyère de Comté. auf Annuaire-mairie.fr. Abgerufen am 15. April 2015 (französisch).
  10. Morbier. auf Annuaire-mairie.fr. Abgerufen am 15. April 2015 (französisch).
  11. Poulet de Bresse. auf Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 22. März 2015 (französisch).
  12. Dinde de Bresse. auf Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 22. März 2015 (französisch).

Weblinks[Bearbeiten]