Bellwald

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Dieser Artikel beschreibt die Ortschaft Bellwald. Zum gleichnamigen Fotografen siehe Jacques Marie Bellwald.
Bellwald
Wappen von Bellwald
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Gomsw
BFS-Nr.: 6052i1f3f4
Postleitzahl: 3997
Koordinaten: 655064 / 14210146.4288.1551560Koordinaten: 46° 25′ 41″ N, 8° 9′ 18″ O; CH1903: 655064 / 142101
Höhe: 1'560 m ü. M.
Fläche: 13.7 km²
Einwohner: 434 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 32 Einw. pro km²
Website: www.bellwald.ch
Bellwald

Bellwald

Karte
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Über dieses Bild
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Bellwald (walliserdeutsch: [ˈbeuˌɑud])[2] ist eine politische Gemeinde im Bezirk Goms des Kantons Wallis in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Der Bahnhof Fürgangen-Bellwald

Bellwald liegt nördlich von Brig hoch über dem Walliser Rhonetal in 1560 m ü.M. und ist damit die höchstgelegene Gemeinde im Goms. Zu erreichen ist das an einem Südhang gelegene Dorf seit 1962 über eine kurvenreiche Strasse oder seit 1956 mit einer Luftseilbahn von der Bahnstation Fürgangen-Bellwald (seit 1915) der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB).

Seit 2007 ist Bellwald Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.

Die Ortschaft Bellwald ist vor allem auf der Kuppe bergwärts Richtung Nordosten gewachsen, wo auch die Talstation der Sesselbahn auf die Alp Richene oder Richinen steht, und ist hier locker mit dem Ortsteil Ried verwachsen. An der Strasse talwärts nach Fieschertal folgen noch die Ortsteile Egga (Eggen) und Bodma (Bodmen). Südwestlich unterhalb Bellwald, etwas oberhalb des Rottens, befindet sich der Ortsteil Fürgangen mit dem Bahnhof. Nicht mehr bewohnt sind die östlich gelegenen alten Siedlungen Schlettren und Nesselschlucht; in letzterem ist neben einigen Nutzbauten noch eine Kapelle vorhanden. Der Ort Mutti oberhalb des Dorfes ist infolge lockerer Neuüberbauung ganz mit Bellwald verschmolzen.

Namen[Bearbeiten]

Über die ältesten Belege für den Namen der Gemeinde finden sich verschiedene Angaben: 1273 Nicholaus de Bellewalt[2], Beliwalt[3]; 1293 Belwalt[3],[4]. Ein Document aus dem Jahr 1374 (apun Belwalt Zblattun) lässt darauf schliessen, dass der heutige Name zunächst die Bergkuppe bezeichnete; dieser ging später auf die Hauptsiedlung über und verdrängte deren älteren Namen Zblattun.[3]

Die Herkunft des Namens Bellwald ist wegen seines späten Auftretens nicht ganz geklärt. Es wird eine Zusammensetzung mit dem deutschen Worte Wald angenommen, dessen Vorderglied entweder auf lat. bellum ‚hübsch, schön’ zurückgeht oder aber auf einen germanischen Personennamen Ballo/Pallo als Besitzerangabe.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im 14. Jahrhundert wurde Bellwald von Bauern bewohnt, die dem Bischof zinspflichtig waren. Der adlige Grundbesitz ging 1404 durch Kauf vom Rudolf von Raron in die Hände von Johan de Platea in Niederernen über. Aus den Jahren 1371 und 1436 sind Wasserordnungen erhalten; die ältesten bekannten Dorfstatuten wurden 1555 verfasst. Nach der alten Zentenordnug bildete Bellwald und Fischertal eines der neun Gommer Viertel.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dorfkern mit Kirchturm und dem Eggishorn

Bellwald hat einen gut erhaltenen, autofreien Dorfkern mit typischen, sonnenverbrannten Walliser Holzhäusern, Ställen und engen Gassen. Am südlichen Rand des Dorfes steht die 1698 erbaute Pfarrkirche zu den Sieben Freuden Mariens mit reicher barocker Ausstattung. Daneben liegt der Bergfriedhof mit dem Beinhaus. Um den Dorfkern herum wurden seit der Eröffnung der Strasse viele Chalets und Hotels gebaut.

Pfarrkirche sieben Freuden Mariens[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche mit Beinhaus steht sich südlichen Rand des Dorfkerns von Bellwald. Die heutige Kirche wurde ab 1698 erbaut und am 10. September 1704 geweiht. Das Beinhaus entstand zwischen 1733 und 1734.

Siehe: Pfarrkirche Bellwald

Kapelle der Heiligen Apollonia[Bearbeiten]

Die Kapelle ist eines der drei erhaltenen Bauwerke der Siedlung Nesselschlucht. Die Kapelle wurde vermutlich 1666 erbaut, diesen Schluss lässt die Jahreszahl im geschnitzten und bemalten Gewölbemedalion im Chor zu. Das fast quadratische Bauwerk hat eine Kantenlänge von rund fünf Metern, und wird von einem Satteldach überdeckt. Die Gebäudeachse folgt dem Tal Richtung Nordosten, und besitzt Talseitig zwei stichbogige Fenster. Auf der westlichen Portalseite befindet sich über dem Portal ein zugemauertes Okulus. Der Innenraum ist ungegliedert und wird von einer Tonnendecke überdeckt, die mit einer Gurtleiste unterteilt ist. Ein gesprosstes Holzgitter trennt den Chorraum mit Altar ab. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verdrängte der heilige Apollonia das ursprünglich Patrozinium der Gottesgebärerin Maria. Noch in der ersten Hälfte war die Kapelle eine von weitem aufgesuchte Wallfahrtskapelle (vor allem bei Zahnschmerzen), doch in der zweiten Jahrhunderthälfte verfiel sie. So forderte 1863 der Bischof Joseph de Preux, und 1879 der Bischof Adrian Jardinier, dass die Kapelle wiederherzustellen oder abzubrechen sei. Dank einer testamentarischen Schenkung von Joseph Wellig aus Fiesch, war es möglich, die Kapelle noch im gleichen Jahr zu renovieren. Sie erhielt 1964 ein neues Schindeldach.

Kapelle Maria zum Schnee (Alp Richene)[Bearbeiten]

Die Kapelle ist das Zentrum der alten Alp Richene und wurde 1694 erbaut. Diese Jahreszahl ist auch am Türsturz eingeritzt.

Kapelle der Muttergottes (Ried)[Bearbeiten]

Hier wurde zwar unmittelbar vor 1633 schon eine Kapelle errichtet, bei der heutigen Kapelle handelt es sich aber um einen Neubau aus dem Jahre 1686. Die Kapelle wurde zwischen 1967 und 1970 unter Aufsicht der eidgenössischen Denkmalpflege von Walter Feliser aus Brig und Johannes Horestes Bundschuh aus Naters renoviert. Die Renovierung der Decke und Ausstattung unterlag Walter Mutter aus Naters.

Kapelle Mariä Krönung (Egga)[Bearbeiten]

Das Entstehungsjahr der Dorfkapelle von Egga ist unklar, doch der Baustil lässt auf die Errichtung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schliessen. Das schon 1531 die Stiftung eines Bildes erfolgte, lässt auf einen Vorgängerbau schliessen. Die Kapelle hat einige Patroziniumswechsel vorzuweisen, so war sie 1687 dem Allerheiligen geweiht, spätestens seit 1736 der heiligen Mutter Anna, und seit 1863 ist das Patrozinum der Mariä Krönung gewidmet.

Kapelle Mariä Krönung (Ober Bodma)[Bearbeiten]

Die Kapelle stammt aus dem 17. Jahrhundert, und wird 1687 als eine zu Ehren Mariä Krönung errichtete Privatkapelle des Familie Perren erstmals urkundlich erwähnt. Die Glocke wurde allerdings schon 1653 gegossen.

Kapelle der Heiligen Anna[Bearbeiten]

Diese Kapelle steht an der Strasse von Fürgangen nach Bodmen, wo der alte Saumweg nach Bellwald abzweigt. Wegen einer bekannt gewordenen Schenkung aus dem Jahr 1531 kann man davon ausgehen, dass es einen Vorgängerbau gab. Der Bau der heutigen Kapelle geht auf eine Stiftung aus dem Jahr 1650 zurück. In der Traufleiste der Schiffdecke findet sich die Jahreszahl 1659. Zwischen den Schiffwänden und den etwas höheren Chorwänden befindet sich eine Baunaht. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Kapelle umgebaut (unter anderem wurde der Fussboden um etwa einen Meter erhöht). Darauf weist auch die Jahreszahl 1684 mit den Initialen SAZ über dem Giebelokulus hin.

Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit[Bearbeiten]

Es ist bekannt, dass die Dorfkapelle von Fürgangen schon 1687 stand, aber noch nicht eingesegnet war, was auf eine Vollendung des Baues in jenem Jahr schliessen lässt. In den Visitationsakten von 1736 wird erstmals das Patronazinium der Heiligen Dreifaltigkeit genannt.

Tourismus[Bearbeiten]

Im Sommer zieht es viele Wanderer in diese Gemeinde. Die beiden Sesselbahnsektionen auf Richenen und Steibechriz erschliessen ein Wandergebiet mit kleinen Bergseen mit guter Aussicht auf die walliser Bergwelt bis zum Matterhorn. Höchster Aussichtspunkt ist das Risihorn auf 2875 m ü.M. Von Richenen auf 2040 m ü.M. führt eine Mountainbike-Abfahrtpiste mit 400 m Höhendifferenz bis zur Sesselbahn-Talstation. Bellwald liegt ausserdem am beliebten Gommer Höhenweg, welcher von Fiesch über Bellwald nach Münster im Obergoms führt. Im Ort selbst befinden sich oberhalb des Dorfkerns bewirtschaftete Sport- und Freizeitanlagen, zu denen ein Fussballplatz, Minigolf- und Tennisanlagen, Grill- und Kinderspielplatz sowie ein Funpark für Skater gehören. Bellwald verfügt über 1200 Ferienwohnungen und 4300 Gästebetten (Stand 2002).

Im Winter nutzen vor allem Skifahrer und Snowboarder das Dorf für Ferien. Das Bellwalder Skigebiet mit einer kuppelbaren 4er-Sesselbahn, einer kuppelbaren 2er-Sesselbahn und zwei Skiliften, reicht von 1600 m ü.M. bis auf 2550 m ü.M. Es verfügt über blaue, rote und schwarze Skipisten und eine Beschneiungsanlage.

Literatur[Bearbeiten]

 Walter Ruppen: Bellwald. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstdenkmäler der Schweiz (= Bd. 67. Untergoms Bd. 2). Birkhäuser Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7643-1080-4, S. 290–347.

Sicht über das Goms vom Skigebiet Bellwald aus

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bellwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b c Andres Kristol: Bellwald VS (Goms) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5; Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 137.
  3. a b c Philipp Kalbermatter: Bellwald im Historischen Lexikon der Schweiz, Version vom 11. Februar 2005.
  4. a b Walter Ruppen: Kunstdenkmäler der Schweiz 67: Die Kunstdenkmäler des Kanton Wallis II: Untergoms. Birkhäuser, Basel 1979, ISBN 3-7643-1080-4, p. 290f.