Belvedere (Weimar)

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Schloss Belvedere bei Weimar

Das Schloss Belvedere ist eine aufwändig gestaltete Lustschlossanlage mit zahlreichen Nebengebäuden sowie einem Landschaftspark mit Orangerie auf der „Eichenleite“ bei Weimar, einer ca. vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Anhöhe in südlicher Richtung. Man erreicht das Schloss über die repräsentative Belvederer Allee, welche als geradlinige Achse vom Stadtzentrum direkt bis zur Eichenleite hinauf führt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Schloss Belvedere

Die barocke Schlossanlage wurde 1724 bis 1732 durch Johann August Richter und Gottfried Heinrich Krohne als Residenz für Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar erbaut und gehörte zu den bedeutendsten seiner rund 20 Jagd- und Lustschlösser. Als Vorbild diente das Schloss Belvedere in Wien. Das gelbfarbene Schloss ist in einen beherrschenden Mittelbau mit kleinem Aussichtsturm und in zwei seitliche Pavillons mit Kuppeln gegliedert. Es steht auf der Südseite eines runden Vorplatzes mit „Schlossfontäne“, um den sich auch die symmetrisch angelegten „Kavaliershäuser“ gruppieren. Heute sind diese unter den Namen „Beethovenhaus“ und „Bachhaus“ im Osten, sowie „Mozarthaus“ und „Haydnhaus“ im Westen bekannt. Das Gelände fällt nach Norden hin ab und ermöglicht einen weiten Blick über die Stadt Weimar.

Von 1756 bis zum Übergang des Eigentums an das Land Thüringen im Jahre 1921 unterlag das Schloss Belvedere verschiedenen Nutzungen. Von 1806 bis 1853/59 diente Schloss Belvedere dem weimarischen Fürstenhaus (Erbgroßherzog Carl Friedrich und seine Gemahlin Maria Pawlowna) als repräsentative Sommerresidenz. Im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden bereits Teile der Anlage an eine Privatschule verpachtet.

Heute sind die Schlossgebäude nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder für den Besucherverkehr geöffnet. Im eigentlichen Schloss wurde von den Kunstsammlungen zu Weimar ein Rokoko-Museum eingerichtet, dessen Ausstellung Gemälde und Textilien des 17./18. und frühen 19. Jahrhunderts zeigt. Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt sind erlesene Gläser, Porzellan, Fayencen, Schmuck und Möbel. Die „Kavaliershäuser“ werden heute zum überwiegenden Teil von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ als Übungs- und Lernräume für Sänger, Gitarristen und Akkordeonisten genutzt.

[Bearbeiten] Schlosspark Belvedere mit Orangerie

Vorplatz mit Schlossfontäne
Blumengarten und Pavillon
Der Russische Garten

Der 43 ha große Schlosspark Belvedere wurde zu Zeiten Herzog Ernst Augusts I. in den Jahren 1728 bis 1748 ursprünglich als repräsentative barocke Gartenanlage in strengem französischem Stil um das Schloss herum angelegt. Direkt hinter dem Schloss entstand ein sternförmiger Tiergarten und im östlichen Teil des Parks wurde eine Orangerie errichtet. Die 1731 begonnenen Gebäude der Orangerie wurden in ihrer ersten barocken Fassung, nach den Entwürfen des Landbaumeisters Johann Adolf Richter, um 1750 fertiggestellt. Im Jahre 1760 folgte das „Lange Haus“ und 1808 wurde das Ensemble der Orangerie noch um das „Neue Haus“ erweitert.

Nach 1758 setzte eine allmähliche Auflösung der symmetrischen Gartenstruktur ein, so ließ man unter anderem die Schloss umgebenden Kabinettsgärten entfernen und auch einige Baulichkeiten verschwanden. Ab 1811 erfolgte unter Erbgroßherzog Carl Friedrich die Umgestaltung im Sinne eines englischen Landschaftsparkes mit zahlreichen Architekturen und Schmuckplätzen im Hangbereich. Für seine Gemahlin, die Zarentochter Maria Pawlowna, ließ Carl Friedrich 1811 bis 1815 den regelmäßig gestalteten „Russischen Garten“ anlegen, an den 1823 ein kleines „Heckentheater“ und 1843 der „Irrgarten“ angefügt wurden. Der russische Garten ist eine Miniatur-Nachbildung des „Höchsteigenen Gartens“ an der Sommerresidenz der Zaren in Pawlowsk. In ihm steht auch ein nach der Schwester der Großherzogin, Anna Pawlowna, benannter Blauglockenbaum. Die Umfassungsmauer des Schlossparks wurde 1844/45 endgültig entfernt, was den Übergang in den angrenzenden Wald ermöglichte.

Die Orangerie, die ursprünglich nur der Repräsentation dienen sollte, erreichte mit seinen Belvederer Pflanzensammlungen um 1820 als „Hortus Belvedereanus“ sogar Berühmtheit. Johann Wolfgang von Goethe und Großherzog Carl August weilten in jener Zeit oft zu naturwissenschaftlichen Studien und botanischen Versuchen in den Belvederer Gewächshäusern. In den Jahren 1818-1821 wurde der sogenannte „Rote Turm“ neben dem „Langen Haus“ am „Blumengarten“ errichtet, welcher eine Ausmalung von Adam Friedrich Oeser erhielt (heute wieder rekonstruiert) und als botanisches Kabinett genutzt wurde. Von hier aus hat man die beste Sicht auf die Umgebung.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts um 1850 war die Ausformung der Parkanlagen, die seit 1842 nach den Vorschlägen von Fürst Pückler-Muskau erfolgte, in ihrer heutigen Form eines nachklassisch-romantischen Landschaftsparks mit Schmuckplätzen, Wasser- und Grottenanlagen, sentimentalen Denkmalen und Ruinenarchitekturen abgeschlossen. An den Gebäudeensembles ist die Barockanlage noch ablesbar. 1945 erfolgte im Bereich zwischen Belvederer Allee und dem Schlossgebäude die Anlage eines sowjetischen Friedhofes.

Im Jahre 2004 konnte eine umfassende Restaurierung der Gärten weitgehend abgeschlossen werden. Die Orangerie nebst Gärtnerhaus beherbergt heute immer noch exotische Pflanzen, die, im Sommer ins Freie gestellt, für ein mediterranes Flair der gesamten Anlage sorgen. Eine historische Kanalheizung sorgt im Winter für die richtigen Temperaturen. Ein Teil des Gebäudekomplexes diente bis 2000 als Ausstellungsraum für Kutschen, Jagdwagen und Reisecoupés des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem ehemaligen großherzoglichen Fuhrpark.



In einem, landschaftsarchitektonisch ebenso vorsichtig wie gelungen in das Gelände eingefügten Neubau nördlich der historischen Schlossanlage befindet sich heute das Musikgymnasium Schloss Belvedere.

Das Weimarer Belvedere zählt zu den beeindruckendsten Residenzen Thüringens. Die gesamte Anlage einschließlich des Parks mit seinen vielen exotischen Gewächsen wurde 1998 als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Laß, Heiko; Schmidt Maja. 1999. Belvedere und Dornburg. Zwei Lustschlösser Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar. Petersberg: Michael Imhof Verlag.
  • Voigt, Franz. 1930. Die Entstehung der Jagd- und Lustschlossbauten des Herzogs Ernst August von Sachsen Weimar. Eine stilkritische Betrachtung. Dissertation, Teildruck, Jena. Universitätsdruckerei Heitz & Co., Strassburg.
  • Vollrath, Werner. 1928. Bau und Kunstdenkmäler Thüringens. Die Schloßanlagen bei Weimar. Ergänzungsheft. Jena, Verlag Gustav Fischer.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Belvedere (Weimar) – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien


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