Bembel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bembel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Salzglasierter Jubiläums-Bembel aus Dreieichenhain
Schild mit Bembeldarstellung der ehemaligen traditionellen Apfelweinkneipe Eulenburg in Frankfurt-Bornheim
Bembel im Faulenzer
Schild mit Bembeldarstellung der Apfelweinkeltereien mit eigenem Ausschank in Frankfurt am Main
670 Liter-Bembel im Faulenzer

Als Bembel wird eine dickbauchige Steinzeugkanne bezeichnet, die in südhessischen Gaststätten zum Ausschenken von Apfelwein benutzt wird. Traditionell werden Bembel im Westerwald im Kannenbäckerland in Handarbeit hergestellt. Sie haben eine Salzglasur in grauer Farbe, zumeist mit blauen Mustern und weisen in Form und Glasur bevorzugt gewisse Unregelmäßigkeiten auf, die der handwerklichen Herstellung geschuldet sind. Früher waren die Bembel auch mit einem Zinndeckel versehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals schriftlich erwähnt wird der Bembel 1893 in der Schrift „Humoristischen Memoiren eines alten Frankfurters“ von Johann Jacob Frieß. Die Herkunft seines Namens ist nicht eindeutig geklärt.[1] Eine Theorie besagt, dass sich der Begriff vom Wort „Bombe“ ableitet und dem Gefäß aufgrund seiner rundlichen Form verliehen wurde. Eine andere Theorie leitet den Namen vom Wort „bambeln“ ab; dieser Begriff beschreibt das Hin- und Herpendeln eines Gegenstandes an einer Schnur. Letztlich wird die Ansicht vertreten, dass sich der Name vom lat. „pampinus“ ableitet, das bereits der Ursprung für den Begriff „Pampel“ gewesen ist. Als Pampel bezeichneten Studenten im 17. Jahrhundert ihr Weingefäß. Entwickelt hat sich das dickbauchige Gefäß aus der Frankfurter Kanne, einem traditionellen Gefäß in Weinwirtschaften, und aus dem klassischen Krug. Vom Krug hat der Bembel seine dickbauchige Form übernommen, von der Frankfurter Kanne die Halsform, den Ausguss und den Henkel.

Größen[Bearbeiten]

Die verschiedenen Größen werden in der Regel nach ihrem Volumen, gemessen am Inhalt als Anzahl von Gläsern, benannt, also zum Beispiel 4er-, 8er-, 12er- oder 24er-Bembel. In traditionellen Gaststätten fasst das als Geripptes bezeichnete Glas 0,3 Liter, mittlerweile werden jedoch häufig „Beschissergläser“ von 0,25 Litern Fassungsvermögen benutzt, so dass ein 4er-Bembel je nach Gaststätte 1 oder 1,2 Liter Apfelwein enthält.

Sondergrößen[Bearbeiten]

Der nach dem Guinness-Buch der Rekorde größte Bembel der Welt wurde 2012 im Westerwald in Höhr-Grenzhausen hergestellt. Die dazu passende Ausgießvorrichtung (Faulenzer) wurde in Offenbach gefertigt. Er fasst 670 Liter und wiegt 300 Kilogramm.[2] Am 4. August 2013 wurde er mit einem Zug des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein gezogen von der Dampflokomotive 52 4867 der Historischen Eisenbahn Frankfurt[3] über die Brexbachtalbahn nach Frankfurt/M. zum „Äppelwoifest“ transportiert.[4] [5]

1908 gab es in einer Gaststätte in Frankfurt-Bornheim einen Bembel, der 3600 Schoppen fasste. Er hatte einen Rauminhalt zwischen 1080 Liter bei einer Berechnung mit einer Schoppen-Größe von 0,3 Liter Gläsern oder 900 Liter bei einer Schoppen-Größe von 0,25 Liter Gläsern. Dieser Bembel war ebenfalls ein Schaustück. Er handelte sich jedoch nicht um einen echten Steingut-Bembel, sondern um einen Nachbau aus Beton.[6]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Traditionelle Bembel haben ihre dickste Stelle ungefähr in der Mitte, nicht zum Halse hin, und sie besitzen einen sanften Übergang vom Bauch zum Hals, damit sich der Inhalt gut ausgießen lässt, ohne nachzuschwappen. Der enge Hals stülpt sich nicht oder nur kaum nach außen aus. Besonders traditionelle Formen besitzen einen sichtbar abgegrenzten, fast zylindrischen Fuß. Bemalt werden Bembel mit stilisierten Apfelzweigen oder Kränzen, nicht mit floralen Ornamenten. Angesprungene Bembel wurden früher mit Drahtverschnürungen vor weiterem Entzweigehen bewahrt und weiterverwendet. Oft werden die Bembel von Apfelwein-Keltereien mit deren Namenszug vertrieben oder mit dem Namen des Apfelwein-Lokals beschriftet.

Größere Bembel werden in Gaststätten gelegentlich in „Faulenzern“ verwendet. Das sind schmiedeeiserne oder hölzerne Gestelle, die durch einen in der Schwerpunktachse drehbar gelagerten Kippmechanismus das Einschenken aus den schweren Steingutgefäßen erleichtern.

Über Hessen hinaus bekannt wurde der Bembel vor allem durch die Fernsehsendung Zum Blauen Bock mit Otto Höpfner und später Heinz Schenk, in der den Gästen der Sendung jeweils ein Bembel zur Erinnerung überreicht wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frankfurt interaktiv: Der Bembel. abgerufen am 12. November 2012
  2. Weltgrößter Bembel ist aus dem Westerwald
  3. Videos zum größten Bembel der Welt
  4. Dampflok 23 042 auf der Brex
  5. Weltgrößter Bembel mit Dampflok angekommen
  6. http://www.fnp.de/rhein-main/frankfurt/Wir-Bernemer-hatten-den-Groessten;art675,594604,PRINT?_FRAME=33 Wir Bernemer hatten den Größten

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bembel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien