Ben Becker

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Ben Becker (Life Ball 2014)

Ben Becker (* 19. Dezember 1964 in Bremen) ist ein deutscher Schauspieler und Sänger.

Leben[Bearbeiten]

Becker ist der Sohn der Schauspielerin Monika Hansen und des Schauspielers Rolf Becker. Er hat eine Schwester, Meret Becker. Der Schauspieler Otto Sander war sein Stiefvater. Seine Großmutter war die Komikerin Claire Schlichting, sein Onkel der Komiker Jonny Buchardt.

Der heute in Berlin lebende Becker wirkte bereits als Kind in Hörspielen mit und übernahm kleine Filmrollen. Er betätigte sich als Bühnenarbeiter bei der Berliner Schaubühne und erhielt von 1985 bis 1987 in Bremen Schauspielunterricht.[1] Danach erhielt er sein erstes Engagement am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Anschließend ging er an das Staatstheater Stuttgart, wo er 1991/92 Ferdinand in Schillers Kabale und Liebe verkörperte, dann an das Schauspielhaus Düsseldorf, während er 1993/94 in der Rolle des Tybalt in Shakespeares Romeo und Julia am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg agierte.

Im Kino fiel Becker erstmals 1991 in dem Reisefilm Das serbische Mädchen auf. Er verkörperte darin den arroganten deutschen Freund der schwangeren serbischen Titelheldin. Über den Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious schrieb und inszenierte Ben Becker 1995 das Theaterstück Sid & Nancy, wobei seine Schwester Meret in der tragischen Liebesgeschichte die Rolle der manischen Nancy Spungen übernahm. Die Theaterproduktion verlief extrem chaotisch, musste mehrfach unterbrochen werden und stand mehrfach auf der Kippe, bis es endlich in der damaligen Szene-Kneipe Ex&Pop aufgeführt werden konnte[2]. Die Proben wurden vom Regisseur Uli M Schueppel mit der Kamera begleitet, der aus dem Material den 1996 erschienenen Dokumentarfilm Sid&Nancy/Ex&Pop machte.

Im gleichen Jahr übernahm er die Rolle des in den Protagonisten verliebten Peter in Joseph Vilsmaiers Film Schlafes Bruder. In der Filmbiografie Comedian Harmonists (1997) verkörperte er den Sänger Robert Biberti.

Becker wandte sich unterdessen wieder verstärkt der Bühne zu. Eine seiner Theaterrollen war 1999 die Hauptrolle in der Dramatisierung von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. 1999/2000 spielte er in dem Film Planet Alex der von jungen Menschen und ihren Geschichten rund um den Berliner Alexanderplatz handelt. Regie führte wieder Uli M Schueppel.

An den Hamburger Kammerspielen stellte Becker 2001 einen Kindsmörder in Neil LaButes Bash: Stücke der letzten Tage dar, der alleine auf einem Stuhl sitzend über seine Tat erzählt. Regie führte in diesem Stück Peter Zadek. Spiegel Online nannte die Inszenierung damals „grausam gut“.[3]

2005 spielte in dem Kunst-Trashfilm Santos – Heldentaten die keiner braucht, in welchem sein Freund und Kameramann Peppi Streich ihn dabei filmte, wie er in einem Wrestler-Kostüm auf den Berliner Straßen und Kneipen skurrile Aktionen vollführe. Wieder führte Uli M Schueppel Regie. 2006 spielte er in der Kinofassung des Monologstücks Ein ganz gewöhnlicher Jude.

Ben Becker liest aus der Bibel (Katholikentag 2008 in Osnabrück)

Für Oktober 2008 war eine Lesereihe angesetzt, in der Ben Becker aus der Bibel las, musikalisch begleitet von der Zero Tolerance Band und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg unter der Leitung des Dirigenten Peter Christian Feigel, nachdem das Programm ein Jahr zuvor im Berliner Tempodrom seine Premiere gefeiert hatte. Neben dem Rezitieren von alt- und neutestamentlichen Texten brachte Becker Lieder von Johnny Cash, Elvis Presley und Dolly Parton zu Gehör, aber auch klassische Werke wie von Gustav Mahler.[4] Zu dieser Darbietung Die Bibel – Eine gesprochene Symphonie gibt es ein Doppel-CD-Hörbuch.

2009 spielte und sprach Becker den Erzähler in der Arena-Theater-Produktion Ben Hur Live im deutschsprachigen Raum.[5] Von 2009 bis 2012 gab Becker bei den Salzburger Festspielen den Tod im Jedermann.[6]

Im Herbst 2011 erschien Beckers Autobiographie Na und, ich tanze.[7]

2012 trat Becker in den Konzert-Inszenierungen Eines langen Tages Reise in die Nacht und Den See im Hamburger St. Pauli Theater auf und interpretierte verschiedene Lieder, von ihm und seinem musikalischen Leiter, dem Komponisten Yoyo Röhm geschrieben wurden.[8] Ebenfalls mit Röhm tourt er 2014 mit seiner Literatur-Performance Der ewige Brunnen durch Deutschland, die eine von ihm getroffene Auswahl deutscher Dichtkunst beinhaltet.[9][10]

Mit seiner Ehefrau hat er eine Tochter.[11][12]

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten]

Wie seine Schwester Meret ist auch Ben Becker als Musiker aktiv. 1997 wurde die Platte Und Lautlos Fliegt Der Kopf Weg veröffentlicht, 2001 folgte Wir heben ab. Beide Alben nahm Becker mit der Zero Tolerance Band (Ulrik Spies und Jacki Engelken) auf. Als Sänger ist Becker auch auf der CD Große Freiheit: Lieder & Geschichten aus Sankt Pauli aus dem Jahr 2005 zu hören.

Becker eröffnete im Jahr 2000 gemeinsam mit Dimitri Hegemann die Kneipe „Trompete“ am Lützowplatz in Berlin-Tiergarten. Seit 2002 ist Ben Becker Werbeträger für die Eichbaum-Brauereien.

Becker veröffentlichte drei Kinderbücher: Bruno. Der Junge mit den grünen Haaren, Brunos Weihnachten und Bruno auf großer Fahrt.

Im Juni 2014 trat Becker als Ansager beim Comeback-Konzert der Deutschrock-Band Böhse Onkelz am Hockenheimring auf.[13] Diese Ansage, bei der Becker dreieinhalb Minuten ins Mikrofon brüllte, wurde von der Presse als "Blamage" oder zumindest als "obskur" bewertet.[14][15][16]

Kontroverse um die Hells Angels[Bearbeiten]

Becker sympathisiert nach eigener Aussage mit den Hells Angels. So sang er einen Hells-Angels-Song und war Sprecher in einer Video-Botschaft, die durch den Club veröffentlicht wurde. In seiner Biografie beschreibt er ihre „Unnahbarkeit und Gefahr“, die für ihn eine „Schönheit“ habe. Ihn interessiere nicht, „was sie angeblich sonst so treiben“.[17][18] 2011 spielte er eine tragende Rolle in dem Hells-Angels-Film 81 – The Other World, „er führt mit seinen positiven Statements zu den Hells Angels quasi durch den Film“.[19][20]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

  • 1978: George Tabori: Die 25. Stunde, Regie: George Tabori (RIAS Berlin)

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1997: Und lautlos fliegt der Kopf weg (zusammen mit Ulrik Spies und Jacki Engelken unter dem Namen Ben Becker & The Zero Tolerance Band) (der Song Brian Jones erschien auf mehreren Auskopplungen)
  • 1999: Soundtrack "Gloomy Sunday"; Song: "Das Lied vom traurigen Sonntag"
  • 2000: Kooperation mit Xavier Naidoo auf dem Sampler Rilke-Projekt, der das Werk des großen deutschen Dichters musikalisch untermalt.
  • 2001: Soundtrack Frau 2 sucht Happy End (Song „Engel wie wir“)
  • 2001: Wir heben ab
  • 2001: Fieber – Tagebuch Eines Aussätzigen Becker liest Kinski-Gedichte (Musik: Alexander Hacke)
  • 2005: Ben Becker spricht Jack LondonDer Seewolf
  • 2005: Große Freiheit: Lieder & Geschichten aus St. Pauli
  • 2006: Bertolt Brecht vorgestellt von Ben Becker (Serie „Spuren: Menschen, die uns bewegen“; 9)
  • 2006: Bertolt Brecht: Auszüge aus dem Arbeitsjournal 1948–1954; gelesen von Ben Becker
  • 2007: Tour und Hörbuch zu Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz
  • 2007: Die Bibel – Eine gesprochene Symphonie (mit der Zero Tolerance Band und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg)
  • 2008: Sehnsucht von Schiller / Christopher von Deylen (Songs „Nacht“ und „Vor der Zeit“)
  • 2010: Bruno – Der Junge mit den grünen Haaren und Brunos Weihnachten …und Halali (mit Ben Becker als Erzähler und seiner Tochter Lilith Maria Dörthe Becker als Bruno)
  • 2013: Blutsbrüder: Ein Berliner Cliquenroman von Ernst Haffner

Literatur[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Bruno. Der Junge mit den grünen Haaren von Ben Becker von rororo (Taschenbuch – 1. Oktober 2009)
  • Brunos Weihnachten von Ben Becker von rororo (Taschenbuch – 1. November 2010)
  • Na und, ich tanze. Ben Beckers Lebensgeschichte von Ben Becker und Fred Sellin. Droemer Verlag, 2011 ISBN 978-3-426-27536-8.
  • Geschichten vom Bruno mit den grünen Haaren, mit Illustrationen von Annette Swoboda, Ravensburger Buchverlag 2013, ISBN 978-3-473-36854-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ben Becker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Management Ramona Mohren – Profil Ben Becker, www.management-ramonamohren.de, abgerufen am 8. Januar 2014
  2. Spektakel: Verrückt oder gehirntot, Der Spiegel, 7. August 1995
  3. Britta Heidemann: Peter „Zadeks Bash“: Griechisch grausam, Der Spiegel, 7. Mai 2001
  4. „Best of Bibel“ mit Ben Becker, Eßlinger Zeitung, 11. September 2008
  5. benhurlive.de
  6. Der letzte Jedermann: Ben Becker bricht in Tränen aus, salzburg24.at, 31. August 2012, abgerufen am 7. Juni 2013.
  7. Jasper Fabian Wenzel: „Alter, das bin ja ich“: Ein Abend mit Ben Becker im Berliner Ensemble, Die Welt, 26. Oktober 2011
  8. Annabel Trautwein: Tour-Auftakt: Ben Becker und die Abgründe der Gefühle, Die Welt, 1. Mai 2012.
  9. benbecker.de, News: „Der ewige Brunnen“, www.benbecker.de, abgerufen am 8. Januar 2014
  10. Theaterhaus Stuttgart: „Ben Becker – Der ewige Brunnen“, www.theaterhaus.com, abgerufen am 8. Januar 2014
  11. Drama um Ben Becker: Was geschah vor dem Kollaps?, Hamburger Abendblatt, 28. August 2007
  12. „Ich mache ihm keine Vorwürfe“, Stern, 29. August 2007
  13. So rockten die Böhsen Onkelz den Hockenheimring, Bild (Zeitung), 21. Juni 2014
  14. Rolling Stone: Ben Becker blamiert sich als Ansager der Onkelz
  15. Bild: Ben Beckers seltsame Onkelz-Ansage
  16. Musikexpress: Peinlicher Auftritt
  17. Verharmlosung: Medienstrategie der Hells Angels, ab Minute 4:40
  18. 45 Min - Die neue Macht der Rocker, NDR, Sendedatum 10. Oktober 2011
  19. Thomas Hirschbiegel: TV-Star hofiert die Höllenengel: Ben Becker und die Hells Angels, Hamburger Morgenpost, 14. April 2011
  20. Ben Becker: Reklame für Hells-Angels-Film, B.Z., 15. April 2011