Ben Bernanke

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Ben Bernanke

Ben Shalom Bernanke [bɛn bɝˈnæŋkɪ] (* 13. Dezember 1953 in Augusta, Georgia) ist ein US-amerikanischer Ökonom. Von 2006 bis Anfang 2014 war er in der Nachfolge von Alan Greenspan Präsident des Federal Reserve Board (Notenbankchef).

Leben[Bearbeiten]

Bernanke entstammt einer jüdischen Familie, die nach dem Ersten Weltkrieg aus Süd-Ost Polen (Przemyśl) in die Vereinigten Staaten einwanderte. Sein Vater Philip war Apotheker und seine Mutter Edna Grundschullehrerin.[1] Er hat eine Schwester und einen Bruder.

Bernanke ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Lehre und Forschung (bis 2002)[Bearbeiten]

Nach seinem Highschool-Abschluss 1971 in Dillon, South Carolina, studierte er bis 1975 an der Harvard University Economics, was er mit dem Bachelor summa cum laude abschloss und promovierte 1979 am Massachusetts Institute of Technology zum Ph.D. Bernanke war anschließend Assistant- und 1983 bis 1985 Associate-Professor an der Stanford University. In den Jahren 1996–2002 war er Professor und zeitweise Vorsitzender der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University.

Bernanke war Direktor des „Monetary Economics Program“ des National Bureau of Economic Research, Herausgeber der American Economic Review sowie Mitglied im Advisory Board des „Journal of Money, Credit, and Banking“. Neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat Bernanke auch drei volkswirtschaftliche Lehrbücher publiziert.

Notenbank (2002 bis 2014)[Bearbeiten]

Unter dem damaligen Notenbankchef Alan Greenspan wurde er 2002 Gouverneur im Federal Reserve Board. US-Präsident George W. Bush berief ihn am 21. Juni 2005 zum Vorsitzenden des Council of Economic Advisers, dem wichtigsten wirtschaftspolitischen Ratgebergremium der US-amerikanischen Regierung. Am 24. Oktober 2005 wurde Bernanke von Präsident Bush zum Nachfolger von Alan Greenspan als Notenbankchef vorgeschlagen und am 1. Februar 2006 vom US-Senat bestätigt. Bernankes Nominierung zum Chef der „Fed“ wurde von der Fachwelt überwiegend begrüßt. Die Nominierung als Greenspan-Nachfolger war erwartet worden.

Am 25. August 2009 wurde Bernanke von Präsident Barack Obama für eine zweite vierjährige Amtszeit ab Februar 2010 nominiert. Eine Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats begann am 3. Dezember 2009. Der Ausschuss entschied am 17. Dezember für die Bestätigung der Nominierung und damit Bernankes zweite Amtszeit. Das Votum wurde am 28. Januar 2010 vom ganzen Senat bestätigt.[2]

Das Magazin Time wählte ihn 2009 zur Person of the Year.[3]

Am 1. Februar 2014 trat Janet Yellen die Nachfolge von Bernanke an der Spitze der „Fed“ an, nachdem sie am 9. Oktober 2013 nominiert worden war und der US-Senat am 6. Januar 2014 für sie gestimmt hatte.[4]

Brookings Institution (seit 2014)[Bearbeiten]

Seit Anfang 2014 arbeitet Bernanke an der Brookings Institution. Im September 2014 wurde er mit dem Adam-Smith-Preis der National Association for Business Economics (NABE) ausgezeichnet.

Ökonomische Position[Bearbeiten]

Bernanke gilt als pragmatischer Ökonom ohne tiefe ideologische Grundsätze. Er steht für eine ähnlich wie unter Greenspan auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik. Außerdem soll er wie dieser den Republikanern nahestehen. Bernanke gilt als Befürworter einer Inflation-Targeting-Strategie.

Die vor einigen Jahren in den USA und anderen Ländern befürchtete Deflation hielt Bernanke für keine große Gefahr: „Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse (oder heute ihr elektronisches Äquivalent), die ihr die Produktion so vieler US-Dollars erlaubt, wie sie wünscht – und das ohne Kosten.“ Er prägte 2005 den Begriff „savings glut“ oder Sparschwemme.[5] Am 13. Januar 2009, vor dem Hintergrund der Finanzkrise ab 2007, erklärte er, keine Geldpolitik der einfachen quantitativen Lockerung zu betreiben, sondern eine Politik des „credit easing“.[6]

Von seinen Kritikern sei Claus Vogt (Das Greenspan Dossier) erwähnt, demzufolge er einmal angeregt haben soll, Dollars im Deflationsfall tatsächlich mit dem Hubschrauber abwerfen zu lassen, weswegen er in Finanzkreisen auch „Helikopter-Ben“ genannt wird.

Schriften[Bearbeiten]

Lehrbücher[Bearbeiten]

  • „Principles of Economics“ (mit Robert H. Frank)
  • „Principles of Macroeconomics“ (mit Robert H. Frank)
  • „Macroeconomics“ (mit Andrew B. Abel)

Forschungsarbeiten[Bearbeiten]

  • „Essays on the Great Depression.“ Princeton University Press, Princeton 2000, ISBN 0-691-01698-4
  • „Inflation Targeting: Lessons from the International Experience.“ Princeton University Press, Princeton 2001, ISBN 0-691-08689-3
  • „Should Central Banks Respond to Movements in Asset Prices?“ American Economic Review, Mai 2001. (mit Mark Gertler)
  • „Inflation Targets and Monetary Policy.“ Journal of Money, Credit, and Banking, November 1997, 29. Jg., Nr. 4(2), S. 653–84 (mit Michael Woodford)
  • „The Federal Funds Rate and the Channels of Monetary Transmission.“ American Economic Review, September 1992, 82. Jg., Nr. 4, S. 901–21 (mit Alan Blinder)
  • „Credit, Money, and Aggregate Demand.“ American Economic Review, Mai 1988, 78. Jg., Nr. 2, S. 435–39 (mit Alan Blinder)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ben Bernanke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Ben Bernanke – Zitate (Englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Wessel, In Fed We Trust: Ben Bernanke’s War on the Great Panic (New York: Crown Business, 2009), p. 69.
  2. New York Times vom 28. Januar 2010
  3. Person of the Year 2009, abgerufen am 26. Dezember 2009
  4. Sueddeutsche.de, Janet Yellen wird Fed-Chefin, 7. Januar 2014
  5. Governor Ben S. Bernanke, The Global Saving Glut and the U.S. Current Account Deficit, Federalreserve.gov, März 2005, abgerufen 5. Juni 2009
  6. Rede von Ben Bernanke (englisch), 13. Januar 2009