Benchmark

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Benchmarking (= Maßstäbe vergleichen) bezeichnet die vergleichende Analyse von Ergebnissen oder Prozessen mit einem festgelegten Bezugswert oder Vergleichsprozess (von engl. Benchmark).

Anwendungen[Bearbeiten]

Benchmarking wird in vielen verschiedenen Gebieten mit unterschiedlichen Methoden und Zielen angewendet:

Benchmarking-Projekt-Ablauf
  • Benchmarking in der Betriebswirtschaft ist ein systematischer und kontinuierlicher Prozess des Vergleichens von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen im eigenen Unternehmen sowie mit denen in fremden Unternehmen in qualitativer und/oder quantitativer Hinsicht.
  • Benchmark in der Finanzwirtschaft ist nach überwiegender Anwendung des Begriffs die vergleichende Bewertung für einen Anlageerfolg (oft verwechselt mit „Zielsetzung“). Für Aktien- und Rentenpapiere wird als Benchmark ein jeweils marktrelevanter Index verwendet.
  • IT-Benchmarking fällt auch in die Kategorie des Prozessvergleichs. Es misst und vergleicht wirtschaftliche (nicht technische) Aspekte einer IT-Infrastruktur.
  • Computer-Benchmarks dagegen dienen dem Vergleich der Rechenleistung von Computer-Systemen. Meist wird dabei Software verwendet, um die Leistung verschiedener Hardware-Systeme zu messen und zu vergleichen.
  • Prozessbenchmarking vergleicht die Prozesse im Unternehmen beim internen Benchmarking sowie der beteiligten Unternehmen im externen Benchmarking, analysiert diese und optimiert sie anschließend
  • Produktbenchmarking legt den Fokus auf Produkte und deren Attribute wie Funktion, Kosten, Alleinstellungsmerkmale etc. Dabei ist es nicht entscheidend, ob eigene oder / und Wettbewerberprodukte betrachtet werden.
  • Technologie-Benchmarking vergleicht Technologien bzw. Prozesse untereinander, bspw. in der Fertigung, um kostengünstigste oder stabilste Prozesse zu identifizieren.

Benchmarking-Software[Bearbeiten]

Das Analysieren von Benchmarks muss wissenschaftlich fundiert betrieben werden. Denn zu wichtig sind Benchmarkingergebnisse für ein effizientes und effektives Management, das in modern geführten Unternehmen immer auch kennzahlengetrieben ist. Spezielle Benchmarking Software die als Management-Instrument entwickelt wurde, wie etwa GOBENCH IQ, ermöglicht Wettbewerbsanalysen in Echtzeit. Sie wird an die jeweilige Unternehmensstruktur und Produkte angepasst, sammelt Daten/Informationen die im Unternehmen bereits vorhanden sind und leitet die richtigen Entscheidungen daraus ab. Verschiedene Sichtweisen auf das Datenmaterial für Produkt- und Prozessvergleiche, Kostenbetrachtungen und Einsparpotenziale unterstützen einen schnellen Entscheidungsprozess.[1]

Die drei Qualitätskriterien an gute Kennzahlen zum Benchmarking sind: Objektivität, Validität, Reliabilität. Für diese Qualitätskriterien von Kennzahlen hat vor allen die Psychologie in den letzten Jahren entscheidende Beiträge geleistet, die auch in der Betriebswirtschaftslehre Beachtung finden. Doch oft können selbst Fachleute wegen der Komplexität des Themas Benchmarking nur auf Basis von Erfahrung und Intuition entscheiden. Benchmarking Software kann in großen Konzernen eingesetzt werden, die eine zentrale Vernetzung aller Daten weltweit benötigen, aber auch in Mittelständischen Unternehmen, die Entscheidungshilfen für Markt- und Produktstrategien auch ohne eigene Benchmarking-Abteilung/Experten möchten.

Wissenschaftlich werden im Wesentlichen drei Ansätze zum Benchmarking unterschieden, woraus sich wesentliche Kriterien auch für einen Softwareeinsatz ableiten lassen:

  • Partielle Benchmarkingmethoden; hier werden Kennzahlen und/oder Leistungsindikatoren nebeneinander gesetzt und verglichen. Wirkungszusammenhänge werden hier noch nicht beachtet. In der Praxis herrschen immer noch solche trivialen Benchmarking-Ansätze vor. Der Softwareeinsatz beschränkt sich meist auf ein einfaches Reporting, für das es inzwischen unzählige Softwarelösungen sowohl als Offline- als auch IP-basierte Onlinelösungen gibt. Interessant ist hier der Google-Ansatz zu erwähnen, bewährte Excel-Lösungen über Google-Docs online anzubieten.
  • multidimensionale Benchmarkingmethoden; hier sind vor allem die parametrischen und nichtparametrischen Frontier- und Durchschnittsansätze zu nennen. Mit diesen Ansätzen wird eine Wirkungsanalytik angestrebt. Interessant und zukunftsfähig erscheint vor allen die Data-Envelopment-Analysis (DEA), für die auch spezielle Software existiert. Selbst für den professionellen Anwender bietet Excel, insbesondere wenn die VBA-Programmierbarkeit genutzt wird, völlig ausreichende Möglichkeiten, selbst komplexeste Benchmarking Analytik durchzuführen. Über recht einfach zu programmierende ETL-Prozesse lassen sich die meisten vorhandenen ERP-Systeme entsprechend ergänzen.
  • Data Mining; ein recht junger Wissenschaftszweig ist die Anwendung von Data Mining-Methoden zum Benchmarking. Hier geht es zum Einen darum, aussagekräftige benchmarkingfähige Kennzahlen zu generieren, wobei vor allem das externe Benchmarking und die Beschaffung von Kennzahlen von außerhalb des eigenen Unternehmens enorme Bereicherungen erfährt. Zum anderen bietet das Data Mining auch hervorragende Möglichkeiten, aus den oft reichen Datenschätzen in den Unternehmen neue Erkenntnisse für das Management, insbesondere die Prozessoptimierung, zu schöpfen. Data Mining-Software ist ein eigenständiges Softwaregebiet, das nicht von gängigen ERP-Systemen abgedeckt wird. Unternehmen sind hier gut beraten, sich der Unterstützung von Universitäten und Fachhochschulen zu bedienen, die i.d.R. auch über die notwendigen Rechnerkapazitäten verfügen.

Etymologie[Bearbeiten]

Benchmark an einem trigonometrischen Punkt in Nord-Wales

Das Wort benchmark ist eine Zusammensetzung aus den beiden englischen Begriffen bench („(Schul-)Bank“) und mark („Zeichen“). Mark wiederum basiert auf dem deutschen Wort Marke, das aus dem französischen marque („Kenn-, Warenzeichen“) entlehnt ist. Eigentlich bezeichnet Benchmark einen trigonometrischen Punkt bzw. die Markierung an diesem oder ein Nivellierzeichen im Vermessungswesen.[2]

Noch heute sind im größten Teil des Vereinigten Königreichs trigonometrische Punkte mit einem Messingschild mit den Buchstaben OSBM (Ordnance Survey Bench Mark, in etwa: „Markierung der Amtlichen Landesvermessung“) versehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Hrsg. Anette von Ahsen: Bewertung von Innovationen im Mittelstand. Springer-Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-01699-8, S. 105 ff.
  2. Boris D. Paraškevov: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. De Gruyter, Berlin u. New York 2004, ISBN 3-11-017470-7, S. 31