Bender (Stadt)

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Бендер / Bender (mold.)

Бендеры (Bendery) (russ.)

Бендери (Bendery) (ukr.)
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: TransnistrienTransnistrien Transnistrien (de-facto)
MoldawienMoldawien Moldawien (de-jure)
Rajon: Stadtkreis Bendery
Gegründet: 1408
Koordinaten: 46° 50′ N, 29° 28′ O46.83055555555629.47111111111115Koordinaten: 46° 50′ N, 29° 28′ O
Höhe: 15 m. ü. M.
Fläche: 97,29 km²
 
Einwohner: 93.751 (2010[1])
Bevölkerungsdichte: 964 Einwohner je km²
 
Zeitzone: Osteuropäische Zeit
Telefonvorwahl: (+373) 552
 
Webpräsenz:
Bender (Stadt) (Transnistrien)
Bender (Stadt)
Bender (Stadt)

Bender (russisch Бендеры/Bendery; auch Tighina, kyrillisch Тигина), ist eine am Fluss Dnister (rum. Nistru; russ. Dnestr) gelegene Stadt in Transnistrien bzw. Moldawien. Die Kontrolle über die Stadt liegt seit 1992 ausschließlich bei Transnistrien.

Sie ist mit 93.751 Einwohnern (Stand 2010) die zweitgrößte Stadt des international nicht anerkannten Staates Transnistrien, sowie auf Platz vier unter den bevölkerungsreichsten Städten Moldawiens. Zusammen mit dem nahegelegenen Tiraspol, sowie mit einigen Umlandsgemeinden bildet Bender eine Agglomeration mit knapp 350.000 Einwohnern.

Zar Nikolaus II. in Bendery, 1916

Bevölkerung[Bearbeiten]

Beim transnistrischen Zensus im Jahr 2004 betrug die Bevölkerung 97.027 Einwohner, der erweiterte Stadtkreis mit den Vororten Protjagailowka und Gyska hatte 105.010 Einwohner[2]. In der Stadt (ohne Vororte) waren zum Stichtag 43,2 % Russen, 25 % Moldauer, 17,8 % Ukrainer, 3,1 % Bulgaren und 1,1% Gagausen. Daneben gab es kleinere Minderheiten an Weißrussen, Juden, Russlanddeutschen und anderen Minderheiten. Knapp 7 % der Bevölkerung machten keine Angaben zu ihrer Herkunft.

1989 hatte die Einwohnerzahl noch 138.000 betragen. Bedingt durch den Transnistrien-Konflikt sank die Bevölkerungszahl jedoch insbesondere in den frühen 1990er-Jahren stark.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Festung von Bender 2003

Der Ort wurde erstmals 1408 als Тягянакача („Tjagjanakatscha“) in einem Altostslawischen Dokument erwähnt. Die Stadt gehörte bis 1538 zum Fürstentum Moldau und wurde dort als Tighina bekannt. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts ließ der Fürst Ștefan cel Mare dort ein Fort bauen. In 1538 wurde die Stadt vom Osmanischen Reich unter Süleyman I. erobert, annektiert und in eine türkische Reâyâ verwandelt. Bender gehörte daraufhin zum osmanischen Eyâlet Silistra. Die neuen Besatzer haben das Fort zu einer Festung ausgebaut, die sie Bender (nach dem türkischen Begriff für das Tor) nannten. Möglicherweise wurde der Begriff auch vom persischen Bandar [bæn'dær] für Hafen abgeleitet.

„Preobraschenski Kafedralny Sobor“, Moldauisch-Orthodoxe Kirche

Die Festung am Westufer des Dnister, bis dahin ein Zentrum des Islam in Moldawien (Moldau), war 1709 Zufluchtsort für Schwedens König Karl XII., bis er im Handgemenge von Bender 1713 sein Lager räumen musste.

Bender wurde im Jahre 1812 von der russischen Armee erobert und danach Teil der Provinz Bessarabien. In der Folgezeit siedelten sich viele Russen in der Region an. Zudem lebte in Bender auch eine große jüdische Gemeinde, 1910 waren 34,5 % der knapp 20.000 Einwohner Juden[3]. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Bender 1918, als Teil Bessarabiens, zu Rumänien.

Während des Zweiten Weltkriegs und infolge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes besetzten am 28. Juni 1940 sowjetische Truppen Bessarabien. Die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik wurde unter Einbeziehung von Teilen der Moldauischen ASSR als Teil der Sowjetunion gegründet. Im Juni 1941, nach dem Beginn des Krieg gegen die Sowjetunion, dem so genannten Unternehmen Barbarossa, ging das Gebiet erneut an Rumänien. Im August 1944, im Laufe der Operation Jassy-Kischinew, eroberte die Sowjetunion das Gebiet zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Bender dann Teil der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Während des Bestehens der Sowjetunion wuchs die Einwohnerzahl der Stadt beständig und erreichte 1989 die Zahl von über 138.000.

Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion 1991 erklärte die ehemalige Moldauische Sowjetrepublik ihre staatliche Unabhängigkeit. Eine Vereinigung mit Rumänien wurde öffentlich debattiert. Im östlichen Landesteil, Transnistrien, in dessen Einflussbereich auch Bender lag, war man aber zunächst noch an einem Verbleib bei der Sowjetunion interessiert und versuchte nach deren endgültigem Zusammenbruch eine Loslösung vom unabhängigen Moldawien zu erreichen. Hintergrund waren auch unterschiedliche demographische Verhältnisse in Transnistrien und dem Rest Moldawiens. Es kam zu einem offenen Konflikt zwischen Transnistrien und Moldawien, bei dem Moldawien mit Waffengewalt versuchte, die Kontrolle über Transnistrien zu erlangen. Die Auseinandersetzung ging letzten Endes zu Gunsten Transnistriens aus.

Seither ist Bender Bestandteil der international nicht anerkannten Transnistrischen Moldauischen Republik (kurz TMR), die de facto einen unabhängigen Staat darstellt. Transnistrien wird nach wie vor von Moldawien beansprucht, das jedoch keine tatsächliche Kontrolle über das Gebiet hat. Unmittelbar westlich der Stadt verläuft die transnistrisch-moldawische Grenze.

Bender wurde zum Teil einer Sondersicherheitszone unter Kontrolle der vereinigten Kontrollkommission (VKK), die aus moldawischen, transnistrischen und russischen Soldaten besteht. Wie in vielen postsowjetischen Städten ging die Einwohnerzahl seit Anfang der 1990er-Jahre deutlich zurück.

Wirtschaft und Sport[Bearbeiten]

Als Wirtschaftsstandort hat Bender eine relativ große Bedeutung. Hier sind zahlreiche Unternehmen angesiedelt, wie zum Beispiel Floare/Tighina für die Schuhproduktion, oder Moldavkabel für die Elektroindustrie. Die Transnistrische Staatliche Universität mit Sitz im nahegelegenen Tiraspol betreibt eine Filiale in der Stadt. In Bender gibt es zudem ein Oberleitungsbusnetz, das die Stadt auch mit Tiraspol verbindet.

Der 1958 gegründete Fußballclub FC Tighina Bender hat seinen Sitz in der Stadt und spielt derzeit in der zweiten moldawischen Liga. Er durchlief in seiner Vereinsgeschichte zahlreiche Umbenennungen, lief zuletzt von 1996 bis 2010 unter dem Namen „Dinamo Bender“ auf.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehemalige Synagoge in der Stadt
Im Zentrum der Stadt

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://mepmr.org/zip/gss/soc.eco.razv.all.09.zip
  2. http://pop-stat.mashke.org/pmr-ethnic-loc2004.htm
  3. http://www.eleven.co.il/article/10504

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bender, Moldova – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien