Benedictus Appenzeller

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Benedictus Appenzeller (* zwischen 1480 und 1488 in Oudenaarde; † 1558) war ein franko-flämischer Sänger und Komponist der Renaissance. Obwohl der Name Appenzeller auf die Schweiz hindeutet, wird er in der Liste der niederländischen Komponisten aufgeführt. Vorwiegend arbeitete er in Brügge und Brüssel. Die meiste Zeit seines Lebens diente er Maria von Kastilien. Appenzeller komponierte hauptsächlich geistliche aber auch weltliche Vokalmusik.

Da er die meisten seiner Werke nur mit seinem Vornamen signierte, wird Appenzeller gelegentlich mit dem deutschen Komponisten Benedictus Ducis oder Benedictus de Opitiis verwechselt.

Die St. Michel et Gudule in Brüssel - Appenzellers letzte Wirkungsstätte

Leben[Bearbeiten]

Benedictus Appenzeller wurde in Oudenaarde geboren, einer Stadt im Süden der Niederlande. Sein ungefähres Geburtsdatum lässt sich aus einem Dokument vom Juli 1558 herleiten. In diesem gibt er an, dass er über 70 Jahre alt wäre. Somit lässt sich sein Geburtsdatum in die Jahre 1480 bis 1488 eingrenzen. Erste schriftliche Erwähnungen Appenzellers finden sich in Aufzeichnungen der St. Jakobs-Kathedrale in Brügge. Dort wird er 1518 als Sänger erwähnt und 1519 als Chorleiter. In den folgenden Jahren war er überwiegend als Komponist tätig. Viele seiner Werke stammen aus dieser Zeit. Über die folgenden Jahre ist wenig bekannt. Weder Aufenthaltsorte noch Tätigkeiten lassen sich belegen. Im Jahr 1536 ging er nach Brüssel in den Dienst von Maria von Kastilien (Tochter von Philipp I. und Johanna von Kastilien). Dort sang er in einem Kirchenchor. Ein Jahr später wurde er Leiter des Chores und damit verantwortlich für die Ausbildung der Sänger. Diese Position hielt er bis ca. 1551 inne.

Obwohl Appenzeller die meiste Zeit in Brüssel verbrachte, reiste er gelegentlich mit Maria von Kastilien durch das Habsburger Land. Unter anderem besuchte er auch die Städte ’s-Hertogenbosch, Augsburg und München. 1555 reiste Maria allein nach Spanien. In dieser Zeit fungierte Appenzeller bis 1558 als Chorleiter in der St. Michel et Gudule-Kirche in Brüssel. Wahrscheinlich starb er kurze Zeit später.

Werke[Bearbeiten]

Appenzeller schuf unter anderem 6 Messen, welche heute noch existieren, außerdem zahlreiche Motetten und Magnificate. In der 1542 in Antwerpen erschienen Liedersammlung Des chansons a quattre parties finden sich über 40 Lieder von Appenzeller. Einigen Quellen zufolge ist dies die früheste Sammlung polyphoner Musik in den Niederlanden.

Weiterhin sind von Appenzeller zwei niederländische Lieder bekannt. Zum einen Een Venus dierken heb ick uutvercoren, welches man im 1551 erschienen Liederbuch Tweetste Musijck Boexken von Tielman Susato wiederfindet und Selectissimae necnon familiarssimae cantiones, ein in Augsburg veröffentlichted Lied. Die Melodie des Liedes ist auch heute noch sehr beliebt und wurde oft von anderen Komponisten kopiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arrey von Dommer: Benedict von Appenzell. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 324.
  • Gustave Reese: Music In The Renaissance. New York, W.W. Norton & Co., 1954. ISBN 0-393-09530-4
  • Glenda Goss Thompson. “Archival Accounts of Appenzeller, the Brussels Benedictus.” La Revue belge de musicologie 32–33 (1978–1979): 51–70.
  • Benedictus Appenzeller: Chansons. Mit einer Einführung von Glenda Goss Thompson. Monumenta Musical Neerlandica Vol. 14. Amsterdam: Vereniging voor Nederlandse Muziekgeschiedenis, 1982.