Benediktinerinnenkloster St. Johann

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Benediktinerinnenkloster St. Johann
Kreuzkapelle
Skulptur Karls des Grossen in der Klosterkirche
Gastmahl des Herodes mit tanzender Salome

Das Benediktinerinnenkloster St. Johann (rätoroman. Claustra Son Jon) im Val Müstair im Schweizer Kanton Graubünden ist eine sehr gut erhaltene mittelalterliche Kloster-Anlage aus der Karolingerzeit. Das Kloster wurde von der UNESCO 1983 in die Liste Weltkulturerbe aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

Am Eingang des Friedhofs steht die Kreuzkapelle, welche durch ihre rundbogenförmigen Blendnischen auffällt. Die Kleeblattform ist im 8. Jahrhundert entstanden. Dies belegt die Jahresdatierung der noch tragenden Bodenbalken im Obergeschoss. Den im Westen gelegenen Wirtschaftshof schliessen zwei Tortürme ab. Diese stammen aus der Zeit um 1500 und sind aussen rundbogenfömig, innen spitzbogenförmig. Der Südturm zeigt ein Wandbild mit einem Esel auf rotem Grund, der den Dudelsack eines Junkers bläst. Die drei Figuren stellen Immaculata, St. Benedikt und St. Scholastika dar. Das Rokokowerk stammt von Christian Greiner.

Die Doppelkapelle St. Ulrich und St. Nikolaus fällt durch ihre frühbarocke Ausstattung einer Sgraffitobordüren und schwarz gemalten Fensterzier auf. In der Unterkapelle ist vom ursprünglichen Kuppelgewölbe des Chors eine Stucco-Verzierung erkennbar, vier Engelsfiguren in antikisierenden Gewändern. Westlich der Doppelkapelle schliesst sich ein dreistöckiger Wohnturm an, umgeben von zweigeschossigen Saalbauten.

[Bearbeiten] Geschichte

Das Kloster gilt als Stiftung Karls des Grossen. Zwischen Mitte- und Südapsis der Klosterkirche steht eine lebensgrosse Stuck-Skulptur von Karl dem Grossen aus dem Hochmittelalter. Seine Gründung passt gut in die karolingische Ostexpansion gegen die Langobarden 774 und Bajuwaren 778, wurde doch das älteste Bauholz aus der Kirche um 775, ein Jahr nach der Eroberung der Lombardei dendrochronologisch datiert. Die Einrichtung des Klosters mag jedoch vom Bischof von Chur als Vertrauter des Kaisers umgesetzt worden sein. Damit sicherte er sich den Zugang zum Vinschgau, das bis 1816 zum Bistum Chur gehörte. Das Kloster diente dem Kaiser als Stützpunkt, auch für die Kontrolle der sich kreuzenden Verkehrswege, den Reisenden als Hospiz, dem Bischof als Verwaltungszentrum und nicht zuletzt als Ort des Gottesdienstes. Die Schutzherrschaft über die Stiftung übernahm der heilige Johannes der Täufer. Die Stiftung wurde schlicht Monasterium, also Kloster genannt, wovon sich heute der romanische Name Müstair ableitet. Ursprünglich ein Männerkloster, ist es seit dem 12. Jahrhundert ein Benediktinerinnenkonvent.

[Bearbeiten] Karolingische Fresken

Die karolingischen Fresken, mit denen die Klosterkirche um 800 ausgemalt wurde, sind ein in Art und Anzahl einzigartiges kulturgeschichtliches Beispiel frühmittelalterlicher sakraler Bilddarstellung. 135 Fresken blieben grösstenteils gut erhalten. Um 1200 vollständig übermalt und im späten 15. Jahrhundert übertüncht, wurden sie Ende des 19. Jahrhunderts neu entdeckt. Eine Szenenfolge aus dem Leben Davids, die als Bildstreifen die gesamte Kirche umzog, wurde 1908/ 1909 in das Schweizerische Landesmuseum in Zürich gebracht. Die anderen Fresken wurden 1947 bis 1951 freigelegt. Durch ihre karolingischen Malereien erlangte die Kirche überregionale Berühmtheit.

Der Bilderzyklus zieht sich in fünf waagerechten Streifen über die Nord- und Südwand des Innenraums. Eines der bekanntesten Motive befindet sich an der Nordwand und stellt die Flucht nach Ägypten dar. Eine ebenfalls bekannte Szene findet sich in der Mittelapsis und stellt das Gastmahl des Herodes dar, in der die tanzende Salome die Enthauptung des Täufers, Schutzpatron der Kirche und des Klosters erreicht. Der unbekannte Maler der Fresken wird in der Kunstgeschichte manchmal als Meister von Müstair bezeichnet.

[Bearbeiten] Literatur

  • Iso Müller: Geschichte des Klosters Müstair. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Desertina-Verlag, Disentis 1978
  • Jürg Goll; Matthias Exner; Susanne Hirsch: Müstair. Die mittelalterlichen Wandbilder. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2007, ISBN 978-3-03823-324-4
  • Hans Rutishauser; Hans Rudolf Sennhauser; Marèse Sennhauser-Girard: Das Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair (Schweizerischer Kunstführer, Band 733/734), GSK, Bern 2003, ISBN 3-85782-733-5

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Benediktinerkloster St. Johann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.62916666666710.447777777778Koordinaten: 46° 37′ 45″ N, 10° 26′ 52″ O; CH1903: 830390 / 168632

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