Regula Benedicti

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Benediktinerregel)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der hl. Benedikt übergibt seine Regel an den hl. Maurus und andere Mönche; frz. Miniatur aus einem Manuskript der Regula Benedicti, Abtei Saint-Gilles, 1129
Der hl. Benedikt schreibt seine Regel, Herman Nieg (1926)

Die Benediktsregel, auch Benediktusregel oder Benediktinerregel (lat.: Regula Benedicti (RB)), ist ein vom hl. Benedikt von Nursia im Jahr 529 verfasstes Klosterregularium, das er für das von ihm gegründete Gemeinschaftskloster Monte Cassino in Mittelitalien aufstellte. Seit dem Mittelalter ist es die Grundlage des Ordens der Benediktiner (Ordo Sancti Benedicti (OSB)).

Geschichte und Inhalt[Bearbeiten]

Vorbild war die so genannte Magisterregel (Regula Magistri), neben der auch Einflüsse der Augustinusregel erkennbar sind. Die Benediktsregel versteht sich als Anleitung für Anfänger im klösterlichen Leben und empfiehlt als Ergänzung für Fortgeschrittene die Regel des heiligen Basilius von Caesarea. Die RB besteht aus einem Prolog und 73 Kapiteln.

Der Prolog und die Kapitel 1 bis 3 umfassen Grundlegendes zum Mönchsleben. Die Kapitel 4 bis 7 befassen sich mit den monastischen Tugenden, vor allem Gehorsam, Schweigen und Demut. Die Kapitel 8 bis 20 treffen Anordnungen für das opus Dei, den Gottesdienst, der im benediktinischen Leben einen großen Stellenwert einnimmt. Die Kapitel 21 bis 30 klären Strafen für Verstöße gegen die Regel. Die Kapitel 31 bis 57 geben Anweisung über die Verwaltung des Klosters, die Dienste der Mönche, die Versorgung der Mönche, die Aufnahme von Gästen und den Umgang mit Handwerk und Handwerkern von außerhalb. Die Kapitel 58 bis 66 regeln die Aufnahme von Novizen, die Rangordnung in der Gemeinschaft, die Einsetzung von Prior und Abt und die Aufgaben des Pförtners. Gemäß Kapitel 58 umfasst das Ordensgelübde die Versprechen von Beständigkeit (Stabilitas loci, das heißt Bindung an ein bestimmtes Kloster), klösterlichem Lebenswandel und Gehorsam. Die Kapitel 67 bis 72 gelten als Nachträge. Sie bestimmen den Umgang der Brüder untereinander näher. Kapitel 73 ist ein Epilog.

Die RB war ursprünglich wohl nur als Handreichung für die Bewohner von Benedikts eigenem Kloster auf dem Monte Cassino gedacht, ist nach der Zerstörung des Klosters 577 für einige Jahrzehnte nicht mehr nachweisbar, tauchte dann aber in Gallien auf, wo im Konzil von Autun[1] (um 670) gefordert wurde, dass in den Orden künftig die RB gelten solle. Sie sollte insbesondere die Regel des iro-schottischen Mönchs Columban (der Jüngere) ablösen, die in Luxeuil galt und durch die intensive iro-schottische Mission weite Verbreitung fand.[2] So verbreitete sich die RB in Europa zwar weiter, wurde aber zunächst noch in Mischform mit anderen Regeln, vor allem der des hl. Columban, genutzt.

Erst durch die Reformen von Benedikt von Aniane wurde die RB mit Unterstützung Ludwigs des Frommen zunächst im Frankenreich und dann im gesamten Abendland zur allein maßgebenden Mönchsregel. Kaiser Ludwig, Sohn und Nachfolger Karls des Großen, erreichte die Verbindlichkeit der entsprechenden Beschlüsse des Synode von Aachen (816–819), indem er sie als Kapitularien verbindlich machte. So konnte die Vereinheitlichung des Klosterwesens wirksam organisiert werden.

Als Ergänzung zur Regel entstanden im Laufe der Zeit so genannte Consuetudines (lat. für „Gewohnheiten“), Texte, die für einzelne Klöster oder ganze Klosterverbände galten. Trotz der einheitlichen Ordnung waren somit zusätzlich lokale Besonderheiten möglich.

Neben den Benediktinern und Benediktinerinnen leben auch Zisterzienser und Zisterzienserinnen, Trappisten und Trappistinnen – beide Ordensgemeinschaften sind durch Reformen aus den Benediktinern hervorgegangen – sowie die Kamaldulenser und die Gemeinschaft von Jerusalem nach der Regula Benedicti.

Literatur[Bearbeiten]

Textausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Sancti Benedicti Regula monasteriorum, ed. critico-practicam adornavit Cuthbertus Butler, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1935.
  • Die Benediktus-Regel: lateinisch-deutsch, hrsg. von Basilius Steidle, 4. Aufl., Beuron 1980.
  • Benedicti regula, ed. von Rudolf Hanslik (Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 75), Wien 1960.
  • Die Benediktusregel (lateinisch/deutsch), hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, Beuron 1992.
  • RB 1980. The Rule of St. Benedict, in Latin and English with notes, ed. Timothy Fry, Collegeville, Minn. 1981.
  • Die Benediktsregel, Lateinisch/Deutsch, mit der Übersetzung der Salzburger Äbtekonferenz, hrsg. von P. Ulrich Faust OSB, Stuttgart 2009
  • Die Regel des heiligen Benedikt, herausgegeben im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, 2. Aufl., Beuron 2008

Kommentare[Bearbeiten]

  • Terrence G. Kardong, Benedict's rule. A Translation and Commentary, Collegeville, Minn. 1996.
  • Georg Holzherr, Die Benediktsregel. Eine Anleitung zu christlichem Leben, 7., überarb. Aufl. Freiburg/Schweiz 2007.
  • Benno Linderbauer, S. Benedicti regula monachorum, Metten 1922.
  • Michaela Puzicha/Johannes Gartner, Quellen und Texte zur Benediktusregel, St. Ottilien 2007.
  • Michaela Puzicha, Kommentar zur Benediktusregel, St. Ottilien 2002.
  • Basilius Steidle, Die Regel St. Benedikts. Eingeleitet, übersetzt und aus dem alten Mönchtum erklärt, Beuron 1952
  • Adalbert de Vogüé, Die Regula Benedicti. Theologisch-spiritueller Kommentar (Regulae Benedicti studia. Supplementa 16), Hildesheim 1983 (franz. Originaltitel: La règle de Saint Benoît).

Literatur zu Einzelfragen[Bearbeiten]

  • Aquinata Böckmann, Perspektiven der Regula Benedicti. Ein Kommentar zum Prolog und den Kapiteln 53, 58, 72, 73 (Münsterschwarzacher Studien, Bd. 37), Münsterschwarzach 1986.
  • Edward Cuthbert Butler, Benediktinisches Mönchtum. Studien über benediktinisches Leben und die Regel St. Benedikts, St. Ottilien 1929 (engl. Originaltitel: Benedictine monachism).
  • Teresa Karin Fischediek, Das Gehorsamsverständnis der "Regula Benedicti". Der Gehorsam als Grundlage für ein exemplarisch christliches Gemeinschaftsleben (Regulae Benedicti Studia. Supplementa, Bd. 13), St. Ottilien 1993.
  • Bernd Jaspert, Die Regula-Benedicti-Regula-Magistri-Kontroverse (Regulae Benedicti Studia. Supplementa 3), Hildesheim 1975 (2. Aufl. 1977).
  • Basilius Steidle, Beiträge zum alten Mönchtum und zur Benediktusregel. Mit einem Vorwort und einer Einführung hrsg. von Ursmar Engelmann, Sigmaringen 1986.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hubert Mordek: Kirchenrecht und Reform im Frankenreich: Die Collectio Vetus Gallica, die älteste systematische Kanonessammlung des fränkischen Gallien. Berlin 1975. S. 84ff.
  2. Odette Pontal: Die Synoden im Merowingerreich. Paderborn u.a. 1986. S. 197f.