Benjamin Ferencz

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Benjamin Ferencz (1947)

Benjamin Berell Ferencz (* 11. März 1920 in Siebenbürgen, Rumänien) ist ein US-amerikanischer Jurist. Er war Chefankläger im Einsatzgruppen-Prozess, einem der Nachfolgeprozesse im Rahmen der Nürnberger Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

In einem kleinen Dorf in Transsilvanien geboren, emigrierte seine Familie mit Ferencz in die USA um, als er zehn Monate alt war. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Ungarn das Gebiet an Rumänien abgegeben und der ungarischen jüdischen Bevölkerung ging es in der Folge dort immer schlechter.[1][2] Ferencz wuchs in einem von der Kriminalität gezeichneten Problemviertel von Manhattan und in der Bronx auf. Er studierte am City College of New York und erhielt 1943 den Jura-Abschluss bei Sheldon Glueck an der Harvard Law School.[1]

Wirken[Bearbeiten]

Benjamin Ferencz (mittig) im Einsatzgruppen-Prozess (1947/48)

Ferencz wurde als einfacher Soldat eingezogen und kämpfte 1944 in einer Flak-Einheit in Frankreich, als er den Befehl erhielt, in der „Judge Advocate Section“ einen „War Crimes Branch“ einzurichten. Er sammelte Beweismaterial für Kriegsverbrechen der Deutschen. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden in Dachau unter seiner Mitwirkung Verfahren wegen Kriegsverbrechen von einem improvisiert eingerichteten Militärgericht in Schnellverfahren durchgeführt.[1] Ende 1945 nahm er seinen Abschied von der Armee, im Rang eines Sergeant. Ferencz kehrte nach New York zurück, um dort als Jurist zu arbeiten. Kurz darauf wurde er von Telford Taylor zur Rückkehr nach Deutschland bewogen, um als ziviler Leiter einer Gruppe von fünfzig Personen, zumeist Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus, für die Anklage der Nürnberger Prozesse Beweismaterial zu finden. Einer seiner Mitarbeiter entdeckte die Leitz-Ordner mit den SS-Ereignismeldungen aus der UdSSR.[1] Als Ferencz bei Taylor insistierte, den in diesen Meldungen belegten Massenmord zum Gegenstand eines weiteren Verfahrens zu machen, wurde er, erst 27-jährig, zum Chefankläger im Einsatzgruppen-Prozess ernannt. Alle Angeklagten wurden schließlich schuldig gesprochen.

Ferencz blieb auch danach noch in Deutschland und arbeitete in Wiedergutmachungsfragen im Legal Aid Department bei der Jewish Restitution Successor Organization als ihr Generaldirektor, und nach deren Vereinigung 1955 mit der United Restitution Organization für diese. Er nahm 1952 für die JRSO an den Reparationsverhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel teil, die im Luxemburger Abkommen mündeten.

Nach seiner Rückkehr 1957 in die USA lehrte er an der Pace University in New York. Er schrieb Bücher über das Völkerrecht.

Er setzt sich seit Jahrzehnten intensiv für den Internationalen Strafgerichtshof ein. Auf Einladung des Chefanklägers eröffnete Ferencz im Januar 2009 symbolisch das erste Plädoyer der Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und stellte damit die Arbeit des Gerichts in die direkte Tradition der Nürnberger Prozesse.[3]

In einem ZDF-Interview äußerte er 2007, dass „Guantánamo mit Folter durch die Amerikaner genauso verbunden sein wird wie Auschwitz mit Deutschland.“[4]

2009 wurde Ferencz gemeinsam mit Antonio Cassese mit dem Erasmuspreis ausgezeichnet. Am 27. Mai 2010 wurde ihm für seinen lebenslangen Einsatz für das Völkerrecht das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.[5] 2013 erhielt er zusammen mit dem Internationalen Strafgerichtshof die Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille.

Familie[Bearbeiten]

Ferencz lebt mit seiner Frau Gertrude in New Rochelle im US-amerikanischen Bundesstaat New York. Sie haben vier erwachsene Kinder.

Werke (Auszug)[Bearbeiten]

  • New Legal Foundations for Global Survival: Security Through the Security Council, Oceana 1994; ISBN 0379212072.
  • Mit K. Keyes Jr: Planethood, Vision Books 1988. Reprint 1991; ISBN 0915972212.
  • A Common Sense Guide to World Peace, Oceana 1985.
  • Enforcing International Law: A Way to World Peace, Oceana 1983.
  • Less Than Slaves: Jewish Forced Labor and the Quest for Compensation, Harvard 1979. Reprint 2002, Indiana University Press & USHMM; ISBN 0253215307.
    • Lohn des Grauens. Die verweigerte Entschädigung für jüdische Zwangsarbeiter. Ein Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Frankfurt am Main: Campus 1981
  • An International Criminal Court: A Step Toward World Peace, Oceana 1980. ISBN 0379203898.
  • Defining International Aggression: The Search for World Peace, Oceana 1975. ISBN 037900271X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Benjamin Ferencz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Daniel Stahl, Annette Weinke: Frieden durch Recht, Süddeutsche Zeitung, 18. Januar 2014, S. V2 9
  2. http://www.questia.com/PM.qst?a=o&se=gglsc&d=5001891544&er=deny
  3. Der Chefankläger. Deutscher Dokumentarfilm 2013.
  4. ZDF-Magazin Frontal 21: / Folter in Guantanamo – Kriegsverbrechen im Regierungsauftrag? / Ehemaliger US-Ankläger bei den Nürnberger Prozessen: "Im Krieg gegen den Terror wird das Völkerrecht gebrochen" http://www.presseportal.de/story_rss.htx?nr=958429 Mainz, 20. März 2007. Abgerufen am 22. März 2007.
  5. Leidenschaftlicher Kämpfer für das Völkerrecht. Auswärtiges Amt, 27. Mai 2010, abgerufen am 22. März 2011.