Benjamin Halevi

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Richter Halevi während des Eichmann-Prozesses (vom Zuschauerraum aus links neben dem Vorsitzenden).

Benjamin Halevi (* 6. Mai 1910 in Weißenfels als Ernst Levi; † 7. August 1996) war ein israelischer Richter und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Halevi studierte in Freiburg, Göttingen und Berlin. 1933 promovierte er bei Martin Wolff mit magna cum laude. Im gleichen Jahr wanderte Halevi nach Palästina aus, wo er zunächst im Kibbuz Degania B arbeitete. 1938 wurde er von der englischen Mandatsregierung als erster jüdischer Einwanderer aus Deutschland zum Amtsrichter (Magistrate Jugde) in Jerusalem ernannt. 1948 wurde er Präsident des Jerusalemer Bezirksgerichts und 1963 Mitglied des Obersten Gerichts.[1]

1955 führte Halevi den Vorsitz im sog. Kasztner-Verfahren: Dem früheren Vorsitzenden des jüdischen „Komitees für Hilfe und Rettung“ in Budapest, Rudolf Kasztner, war 1952 in einem Zeitungsartikel Kollaboration mit den Nationalsozialisten und eine Mitschuld am Tod vieler Juden vorgeworfen worden. Kasztner strengte einen Verleumdungsprozess an. Halevi stellte in seinem Urteil allerdings fest, dass Kasztner „seine Seele dem Teufel verkauft“ habe. Die Entscheidung wurde später aufgehoben.

Neben Moshe Landau und Yitzhak Raveh war Halevi 1961 Mitglied des Spruchkörpers, der erstinstanzlich im Verfahren gegen Adolf Eichmann zu entscheiden hatte.[2]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

1969 wurde Halevi Mitglied der Knesset für die konservativ-nationalistische Cherut. 1973 wurde er für den Likud, in dem die Cherut aufgegangen war, wiedergewählt. Später verließ er die Partei und war fraktionsloser Abgeordneter. 1977 trat er für die sog. Dash-Liste an, nach deren Zerfall war er wiederum unabhängiges Knesset-Mitglied.[3] Zwischen 1977 und 1981 fungierte er zudem als stellvertretender Parlamentspräsident.[4]

Privates[Bearbeiten]

Halevi war mit Michal Halevi verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.[5]

Sonstiges[Bearbeiten]

1977 besuchte Halevi privat Weißenfels.[6] Heute erinnert dort ein Straßenname an ihn.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lisa Hauff: Die Richter im Eichmann-Prozess. In: Werner Renz (Herausgeber): Interessen um Eichmann. Israelische Justiz, deutsche Strafverfolgung und alte Kameradschaften. Campus-Verlag, Frankfurt a.M. 2012, ISBN 978-3-593-39750-4, S. 122–123.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard Schramm: „ … darum wollte man mich beinahe als ‚voreingenommen‘ vom Eichmann-Prozess ausschließen … “ vorwaerts.de vom 11. April 2011 (abgerufen am 13. April 2011).
  2. Der Prozeß. In: Der Spiegel. Heft 16/1961 vom 12. April 1961.
  3. www.knesset.gov.il (abgerufen am 13. April 2011).
  4. www.knesset.gov.il (abgerufen am 13. April 2011).
  5. Schramm, ebenda.
  6. Frank Hirschinger: Gestapoagenten, Trotzkisten, Verräter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-36903-4, S. 381.