Benjamin Idriz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Imam Idriz (2014)

Benjamin Idriz (* 1972 in Skopje, damals Jugoslawien, als Bajrambejamin Idriz) ist ein in Deutschland lebender islamischer Prediger aus Mazedonien.

Leben[Bearbeiten]

Gemeinsamer Gottesdienst von katholischen und evangelischen Christen sowie Muslimen 2011 in Penzberg

Idriz entstammt nach eigener Angabe einer „viele Generationen zurückreichenden Familie von Imamen und Theologen“ und wurde schon im Alter von 11 Jahren Hafiz.[1] Bis 1994 besuchte er ein islamisch-theologisches Gymnasium in Damaskus. Seine Abschlussarbeit hatte die Emanzipation der Frau im Islam zum Thema. Von 1994 bis 1998 absolvierte Idriz ein Fernstudium bei der Europäischen Fakultät für Islamische Studien in Château Chinon, die der Muslimbruderschaft nahestehen soll[2] und deren Abschlüsse in Deutschland und Frankreich staatlich nicht anerkannt werden.[3]

Laut einem Bericht von Report München verwendete Idriz auf seiner Homepage bis 2011 eine Formulierung, die implizierte, dass er einen Magister in islamischer Theologie an der Al-Ouzai-Universität in Beirut erhalten habe. Eine Recherche im Auftrag des Fernsehmagazins ergab jedoch, dass Idriz sich dort nur in den Studiengang eingeschrieben, das Studium jedoch „auf der ersten Stufe abgebrochen“ habe.[2] Die Islamische Gemeinde Penzberg reagierte nach eigener Auskunft mit einer prompten Änderung der entsprechenden Titelangabe, nachdem sie von der kurz bevorstehenden Ausstrahlung des Fernsehberichts erfahren hatte,[4] erklärt jedoch mittlerweile, diese Angaben bereits „ein halbes Jahr vor der Sendung“ selbst bemerkt und korrigiert zu haben.[1] Die Stuttgarter Nachrichten beklagten Versuche des Anwalts von Idriz, Hildebrecht Braun, die Medienberichterstattung über den „Titelschwindel“ unterbinden zu wollen.[5]

Seit 1995 ist Idriz Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg e.V. (IGP) und seit 2009 überdies Vorsitzender des Vereins Münchener Forum für Islam e.V. (ursprüngliche Bezeichnung Zentrum für Islam in Europa in München (ZIE-M)). 2014 erwarb er den Magister Zeitgemäßes Islamisches Denken an der Al-Ouzai-Universität in Beirut/Libanon.[6] Er spricht Deutsch, Türkisch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch und Mazedonisch.[1]

Kontroversen[Bearbeiten]

Die Islamische Gemeinde Penzberg e. V., für die Idriz seit 1995 als Imam tätig ist und deren Vorstand er angehört, steht seit 2007 in der öffentlichen Debatte. Insbesondere sein Bauprojekt Zentrum für Islam in Europa (ZIE-M) in der Münchener Innenstadt, das durch Katar finanziert werden[7] und unter anderem der Ausbildung von Imamen in Deutschland dienen soll, ist seit Oktober 2011 Gegenstand eines Bürgerbegehrens der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“.[8]

Laut Aussage von Idriz wurde die Penzberger Gemeinde 1993 mit Unterstützung der – islamistischen[9] – Vereinigung Millî Görüş gegründet, bei der er selbst bis März 2006 Mitglied gewesen ist.[10] Man habe sich aber nach einigen Jahren von diesem Verein getrennt.[11]

Der bayerische Verfassungsschutz beobachtete die Gemeinde mehrere Jahre lang, da der Imam im Verdacht stand, Kontakt zu muslimischen Extremisten zu pflegen.[12] Der Bayerische Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, erklärte im Juli 2010, die Penzberger Gemeinde stehe „aus guten Gründen im Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes“, weil „führende Mitglieder“ Kontakte „zu mehr als problematischen Personen“ unterhielten und wichtige Positionen bei der Islamischen Gemeinde Deutschland und Millî Görüş hätten. Idriz bestritt diese Kontakte nicht, stufte sie jedoch als belanglos ein.[13] Im Verfassungsschutzbericht 2010 wurde die Gemeinde weiterhin aufgeführt mit der Ergänzung, dass sich im Berichtsjahr neue Erkenntnisse über verfassungswidrige Aktivitäten nicht ergeben hätten. Im Verfassungsschutzbericht 2011 wird die IGP nicht mehr erwähnt. Der bayerische Verfassungsschutz-Präsident Burkhard Körner erklärte jedoch, man werde weiterhin ein Auge auf die Gemeinde haben.[14]

Schriften[Bearbeiten]

  • Grüß Gott, Herr Imam!: Eine Religion ist angekommen. November 2010, 224 Seiten, Verlag Diederichs, ISBN 978-3-424-35042-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Islamisches Forum Penzberg: Imam der Gemeinde. In: islam-penzberg.de.
  2. a b Zweifel an akademischen Titeln: Imam Benjamin Idriz in Erklärungsnot. In: Report München, 31. Januar 2012, abgerufen am 3. Februar 2014.
  3. Verfassungsschutz: Muslime bleiben im Visier. In: Münchner Merkur, 4. März 2011.
  4. Islamisches Forum Penzberg: Zur Sendung „Zweifel an akademischen Titeln – Imam Idriz in Erklärungsnot, 1. Februar 2012, Abruf am 20. November 2013
  5. Stuttgarter Nachrichten: Imam Idriz: Lebenslauf poliert, 24. April 2012, Abruf am 20. November 2013
  6. Vorstandsmitglieder Münchener Forum für Islam e.V.
  7. Katar soll Münchner Moschee finanzieren. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Juli 2012, abgerufen am 17. August 2013
  8. Moschee-Streit geht in heiße Phase. In: Preußische Allgemeine Zeitung, 5. August 2013, abgerufen am 17. August 2013
  9. Verfassungsschutzbericht 2009 (PDF-Datei; 4,1 MB), S. 5, 265ff.
  10. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007
  11. Münchner Merkur, Ausgaben vom 3. und 4. August 2007
  12. Andrea Brandt, Conny Neumann: Vorzeige-Imam mit seltsamen Verbindungen. In: Spiegel Online, 2. Juni 2010, abgerufen am 7. Juli 2010
  13. Joachim Käppner: "Benjamin Idriz hat gelogen" In: Süddeutsche Zeitung, 26. Juli 2010.
  14. Brigitte Vordermayer: Nicht mehr verfassungsfeindlich. In: Sonntagsblatt, Ausgabe 14/2012 vom 1. April 2012.