Bentley Continental R

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das von 1991 bis 2002 hergestellte Coupé Bentley Continental R. Zu dem von 1952 bis 1954 gebauten Oberklassefahrzeug Bentley R-Type Continental siehe den dazugehörigen Artikel.
Bentley
2000 Bentley Continental R.jpg
Continental R
Azure
Produktionszeitraum: 1991–2002
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Coupé, Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
6,75 Liter
(286–313 kW)
Länge: 5222–5340 mm
Breite: 1870–1954 mm
Höhe: 1460–1462 mm
Radstand: 2960–3060 mm
Leergewicht: 2422–2600 kg
Vorgängermodell: Bentley Corniche
Nachfolgemodell: Bentley Brooklands
Bentley Azure

Der Bentley Continental R war ein großes, sehr teures Luxuscoupé von Bentley, das zwischen 1991 und 2002 hergestellt wurde. Es war der erste Bentley seit dem R-Type, der nicht auf einem baugleichen Rolls-Royce basierte. Außerdem war er der schnellste, stärkste, aber auch teuerste Bentley seiner Zeit. Die Cabrioletversion, der Bentley Azure, wurde im Jahr 1995 vorgestellt. Im Laufe der Produktionszeit entstanden mehrere Versionen des Continental, die sich vor allem durch die Motorisierung voneinander unterschieden. In der Le Mans Edition leistete der Continental R 313 kW (426 PS). Das entspricht dem Continental T.

Modellbezeichnung[Bearbeiten]

Mit dem Begriff Continental nahm Bentley eine Modellbezeichnung wieder auf, die in den 1950er- und 1960er-Jahren für sportliche und besonders teure Abwandlungen der Serienmodelle verwendet wurde. Der Bentley R-Type Continental von 1952 und seine Nachfolger S1 Continental (1955–1959), S2 Continental (1959–1962) und S3 Continental (1962–1966), die jeweils mit individuellen Aufbauten renommerierter Karosseriehersteller ausgestattet waren, gehörten zu den teuersten und exklusivsten Fahrzeugen ihrer Zeit. Der Continental R sollte an diese Tradition anknüpfen.

Modellgeschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Bentley Continental R gehen auf das Jahr 1985 zurück und steht im Zusammenhang mit einem Prozess, der zur Wiederbelebung der Marke Bentley führen sollte. Bentley war seit der Einführung des Modells T in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem bloßen Anhängsel der Marke Rolls-Royce geworden und führte ein Schattendasein.[1] Mit dem Mulsanne Turbo von 1982 begann die Unternehmensführung, der Marke Bentley wieder ein eigenständiges Image zu geben. Um diese Entwicklung voranzutreiben, forderten die Markenmanager Mike Dunn und Peter Ward eine „eigenständige Designqualität“ Bentleys. Das bedeutete, dass Bentley künftig nicht mehr bloße Abwandlungen von Rolls-Royce-Konstruktionen anbieten sollte. Erster Ansatzpunkt war eine Coupé-Studie mit der Bezeichnung Project 90, die von den britischen Designern John Heffernan und Ken Greenley entwickelt worden war. Das Project 90 war ein zweisitziges Stufenheckcoupé mit aerodynamisch gerundeten Linien, dessen Form an den amerikanischen Lincoln Mark VII erinnerte. Nachdem die Studie auf dem Genfer Autosalon 1985 positiv aufgenommen worden war, fiel die Entscheidung für eine Serienproduktion. Die Entwicklung begann 1986, nachdem die Produktion des Rolls-Royce Camargue eingestellt worden war. Das Design wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt, das grundsätzliche Layout blieb allerdings erhalten. Die technischen Komponenten leiteten die Entwickler von den herkömmlichen Rolls-Royce-Konstruktionen ab, verfeinerten sie allerdings in einigen Details. Die Serienproduktion des Continental R begann nach fünfjähriger Entwicklung im Frühjahr 1991.[2]

Versionen[Bearbeiten]

Continental R[Bearbeiten]

Bentley Continental R

Die Basisversion des Continental R war mit dem 6,75 Liter großen Achtzylinder-Turbomotor aus dem Bentley Turbo R ausgestattet. Die Motorleistung wurde auf 239 kW (325 PS) geschätzt.

Continental S[Bearbeiten]

Der Bentley Continental S war eine Sonderversion des Coupés, die zusätzlich mit einem Ladeluftkühler ausgestattet war. Die Motorleistung erhöhte sich dadurch auf etwa 283 (385 PS). Von 1994 bis 1995 entstanden 30 Exemplare dieser Version; danach war der Ladeluftkühler auch im regulären Continental R erhältlich.

Continental T[Bearbeiten]

Bentley Continental T

Der Bentley Continental T war die sportlichste Version der Modellfamilie. Er war mit einer 313 kW (426 PS) starken Version des Turbomotors ausgerüstet. Das Drehmoment belief sich auf 800 Nm bzw. 881 Nm (ab 1997). Das Auto hatte einen um 10 cm verkürzten Radstand, sodass es nicht mehr als Viersitzer, sondern nur noch als 2+2-Sitzer zugelassen war. Das Gewicht des Autos wurde gegenüber der Serienversion um 91 kg reduziert. Zudem war das Fahrwerk härter abgestimmt. Das Armaturenbrett war mit verchromten Metallplatten anstelle von Holz ausgestattet.

Continental R Mulliner[Bearbeiten]

Der 1999 vorgestellte Continental Mulliner verband die reguläre, d. h. nicht verkürzte Karosserie des Continental R mit dem leistungsstarken Motor des Continental T. Der Name des Autos erinnerte an den ehemaligen Karosseriehersteller H. J. Mulliner, der 1959 von Rolls-Royce übernommen worden war. Von dieser Version wurden weitere Spezialausführungen abgeleitet, darunter der Continental Le Mans, der Continental R420 und der Continental Millenium, die jeweils nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt wurden. Insgesamt entstanden 194 Continental R-Fahrzeuge mit dem 313 kW (426 PS) starken Motor der T-Version.

Continental SC Sedanca[Bearbeiten]

Der ab 1998 auf der Karosseriebasis des T gebaute Continental SC Sedanca (bzw. Sedanca Coupé) hatte ein abnehmbares Glasdach über den beiden Vordersitzen. Das Dach über den hinteren Sitzen stand dagegen fest. Bentley plante nach eigenen Angaben bei der Präsentation von vorn herein, lediglich 80 Exemplare dieses 1998 690.000 Mark teuren Fahrzeugs herzustellen, wobei es tatsächlich nur zu 79 produzierten Exemplaren kam (73 Continental SC, 6 Continental SC Mulliner). Dennoch wurde die Produktionseinstellung des Typs, welcher zudem der erste neu vorgestellte Bentley nach der Übernahme durch Volkswagen war, im Jahr 2000 begründet mit der Benötigung der Produktionskapazitäten für den erfolgreicheren Azure bzw. dessen Schwestermodell Rolls-Royce Corniche[3]. Gleichwohl sei es zu Produktionszeiten des Continental T bis 2002 möglich gewesen, bei entsprechendem Kundenwunsch einen Continental SC neben der Serie fertigen zu lassen. Wie auch vom Continental R gab es ebenfalls vom SC eine Mulliner-Version, die den 875 Nm starken Motor des Continental T besaß. Trotz an sich herausragender Verarbeitung gilt der Wagen durch die im Vergleich zum Continental T weniger verwindungssteife Karosserie in Kombination mit den herausnehmbaren Dachhälften als wenig „wasserfest“. So kursiert in Eignerkreisen der Scherz, SC stehe für „Soggy Carpets“; zu Deutsch: ‚nasse Teppiche‘. Als einer der prominentesten Eigner eines Continental SC gilt der ehemalige US-Boxer Mike Tyson.

Bentley Azure[Bearbeiten]

Die Cabrioversion wird Azure genannt

Die Produktion der großen Coupés wurde 2002 eingestellt, der Bentley Azure blieb bis 2003 in Produktion. Danach wurde auch die Produktion des Convertibles trotz Nachfrage eingestellt, da im Werk in Crewe alle Kapazitäten für die Weiterentwicklung der kleineren Continental-Familie benötigt wurden. Zudem hätten neue Crash-Vorschriften eine Weiterführung der Produktion erschwert. Erst 2006 erschien parallel zum Bentley Continental GTC ein Nachfolger des Bentley Azure auf Basis des Arnage. Die technischen Daten des „neuen“ Azure des Baujahres 2006 stimmten mit jenen des Arnage R überein. (335 kW, 875 Nm). Zudem werden u. a. in den Wagenboden massive Verstärkungen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff eingebaut, welche die Karosserieverwindungen gegenüber dem Vorgänger deutlich reduzieren.

Galerie[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]



Quellen[Bearbeiten]

  • Automobil Revue, Katalognummer 1995 (Daten und Preise)
  • www.carfolio.com (Daten Continental T)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auto Katalog Nr. 22 (1978/1979), S. 98.
  2. Zum Ganzen: Wood: Rolls-Royce und Bentley, S. 140 ff.
  3. http://www.rrab.com/bcontscd.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bentley Continental R – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien